Pilotprojekt - Paketlieferung per Roboter vor die Haustür Als erster Paketzusteller in Deutschland testet das Logistikunternehmen Hermes in Hamburg die Paketauslieferung mit Robotern. Ganz einwandfrei klappt in dem Testgang noch nicht alles.

Bislang gab es in Rosis Textilpflege Hemden und Blusen zurück, entfleckt und sauber, dazu ein bisschen plaudern. Geht's gut? Ja, läuft. Und selbst? Und wessen Pakete und Onlinebestellungen tagsüber nicht zugestellt werden konnten, der konnte auch diese später bei Rosi abholen. Seit dieser Woche aber ist alles ein bisschen anders. In Rosis Shop wird die Zukunft getestet. Und die erinnert an ein rollendes Chemieklo, eine Box mit sechs Rädern, LED-Beleuchtung und einem Fähnchen. Roswitha Bruhns, die hier alle nur Rosi nenen, findet's toll. "Erst Handys, jetzt Roboter", sagt sie.

Ihr Laden in Hamburg-Ottensen ist Teil eines Experiments: Als erster Paketzusteller in Deutschland testet das Logistikunternehmen Hermes in Hamburg die Paketauslieferung mit Robotern unter realen Bedingungen. Echte Lieferungen, echter Verkehr, echte Hindernisse – nirgendwo sind die Forschungen so weit fortgeschritten. Drei Mietroboter der estnischen Firma Starship Technologies sollen in einem Pilotprojekt in Ottensen, Volksdorf und im Grindelviertel Hermes-Sendungen vom Paketshop zur Haustür liefern, zu etwa 100 Testhaushalten im Umkreis von bis zu fünf Kilometern.

Diese letzten Meter sind entscheidend bei der Paketzustellung, denn sie sind die teuersten. Oft sind Kunden nicht zu Hause, wenn Lieferungen eintreffen, den Zustellern entstehen dadurch Mehrkosten für Zusatzfahrten, Personal und Lagerung. Die Kunden wiederum müssen ihre Sendungen in der Filiale abholen. In Läden wie dem von Rosi, die zusätzliches Geld durch den Paketservice verdienen. Hermes-Chef Frank Rausch spricht von einem Meilenstein in der Zustellung, einem "faszinierenden Einblick in die Logistik der Zukunft". Denn der Roboterhersteller Starship verspricht, mit der neuen Methode die Lieferkosten je Zustellung auf weniger als einen Euro zu senken, da erst geliefert wird, wenn der Kunde auch tatsächlich zu Hause ist.

Es soll funktionieren wie beim Pizzabestellen: Der Kunde ist zu Hause, bestellt sein Paket vom Shop, der Roboter macht sich auf den Weg und schickt eine SMS, sobald er vor der Haustür ist. Etwa zwei Schuhkartons passen hinein, mit einem individuellen Zugangscode lässt sich das Paketfach öffnen.

Der Roboter muss noch lernen, mit herausragenden Ästen umzugehen

Ob das alles klappt, soll 6D9 nun zum ersten Mal beweisen: 1,1 Kilometer bis zur Kundin, beladen mit der bestellten Hose. Eine Ampel auf dem Weg, ein Zebrastreifen, vier Toreinfahrten, Kopfsteinpflaster und Bordsteinkanten, ein Supermarkt-Parkplatz. Berechnete Lieferzeit: 13 Minuten.

6D9 – kurz für: Six Drive der neunten Generation – rollt die Rampe am Paketshop hinunter und langsam auf die Kreuzung zu. Stoppt, wartet auf grün und überquert die Straße. Klappt. Wieder stoppen, nach rechts drehen, ratter, ratter, und weiter geradeaus. Klappt auch. Seine Umgebung erkennt der kniehohe Roboter mit neun Kameras, er ist mit GPS ausgestattet, mit Abstands- und Geschwindigkeitsmesser. In Schrittgeschwindigkeit ruckelt er den Gehweg entlang.

An einem herausragenden Strauch bleibt das Gerät plötzlich stehen, das klappt noch nicht. Das Gestrüpp passt nicht zu den hinterlegten Informationen. Zwei Wochen lang ist der Roboter zuvor alle Wege schon einmal abgefahren, hat die Gegend kartografiert. Der Strauch aber ist neu, zumindest der eine Ast, der herausragt. Er ist nicht gespeichert. Also erst mal anhalten. Wie er mit solchen Hindernissen umgehen soll, muss der Roboter noch lernen. Bis dahin muss er auf Jan Werum hören.