Olaf Scholz strotzte vor Selbstsicherheit. "Die Hamburger haben das Gefühl, gut regiert zu werden", erklärte der Bürgermeister am Dienstag in der Bürgerschaft. Die Hamburger seien zufrieden, das werde die Opposition bei den nächsten Wahlen merken, sie solle sich angesichts ihrer vergangenen Fehler lieber in Demut üben.

Drei Tage lang debattiert das Hamburger Parlament derzeit über den neuen Etat. Die Koalition aus SPD und Grünen lobt sich ausgiebig für seine Finanzpolitik. Der Senat habe den Haushalt saniert, die Neuverschuldung gestoppt und trotzdem dafür gesorgt, dass es der Stadt gut geht. Ja, man habe sogar so gut gewirtschaftet, dass im nächsten Haushalt noch Geld da ist: für mehr Polizisten, mehr Richter, mehr Staatsanwälte, mehr Feuerwehrleute, mehr Lehrer und so weiter.

Das klingt gut. So gut, dass Skepsis angebracht ist: Ein rigoroser Sparkurs, aber immer neue Ausgaben? Die Kosten der Zuwanderung, die Milliardenverluste der HSH, und trotzdem baut die Stadt Schulden ab? Das passt nicht zusammen. Wie Hamburg über ein komplexes System aus Schattenhaushalten und Tochterfirmen Schulden verschleiert und Risiken verdunkelt, erklären wir in der neuen Ausgabe des Hamburg-Teils der ZEIT. Die Kernfakten stellen wir ihnen hier vor.

Hat die Stadt gespart?

Unter der Sanierung eines Haushalts verstehen die meisten Bürger: sparen. Das hat die Stadt nicht getan. Sie hat 2012 das Aufgabenwachstum in der Planung beschränkt. Und eingehalten? Laut den Zahlen aus den Geschäftsberichten der Stadt sind die Ausgaben zwischen 2011 und 2015 in allen wesentlichen Bereichen stärker gestiegen als unter der Vorgängerregierung. Die Finanzbehörde bestätigt das, verweist aber darauf, dass viele zusätzliche Kosten von der Vorgängerregierung verursacht worden seien. Aber hat sich der Senat wenigstens bemüht, Kosten zu reduzieren? Ein Blick auf eine andere Zahl lässt zweifeln: Die Stadt wollte zwischen 2011 und 2015 mehr als 1.000 Stellen in der Verwaltung einsparen. Stattdessen hat sie fast 1.500 geschaffen, dies hat der Rechnungshof nachgerechnet.

Hat die Stadt mehr eingenommen als ausgegeben?

Die Stadt hat in den vergangenen beiden Jahren auf den ersten Blick Überschüsse gemacht, also weniger ausgegeben als eingenommen. Das verdankt sie allerdings nicht ihrer Spardisziplin, sondern einmaligen Bedingungen. Noch nie gab es so hohe Steuereinnahmen, noch nie waren die Zinsen so niedrig. Die Verwaltung musste im vergangenen Jahr 320 Millionen Euro weniger an Zinsen zahlen als vor fünf Jahren. Das ist mehr als das, was die Stadt im Jahr für Kultur ausgibt. Die Steuereinnahmen sind im selben Zeitraum um 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Insgesamt hatten die Regierenden 2015 fast ein Fünftel mehr Geld zur Verfügung als ihre Vorgänger im Jahr 2010. Dagegen wirken dann 200 Millionen Euro Überschuss nicht mehr viel – zumal die Stadt alleine in ihrem Schattenhaushalt für Schulimmobilien 265 Millionen Euro an neuen Krediten aufgenommen hat.

Die aktuelle ZEIT können Sie am Kiosk oder hier erwerben. © Anne Gerdes/ZEIT Grafik

Wie haben sich die Schulden entwickelt?

Der offizielle Schuldenstand ist in der Regierungszeit von Scholz gestiegen: in der Zeit der SPD-Alleinregierung um fast zwei Milliarden auf 23,2 Milliarden Euro – und das allein in der Verwaltung. Die Verbindlichkeiten der gesamten Stadt, also der Verwaltung und ihren Beteiligungen, sind noch stärker gestiegen. Dass der Senat trotzdem immer wieder Überschüsse verkünden konnte, liegt daran, dass er neue Schulden in Schattenhaushalte und Tochterfirmen verlagert hat. Mit welchen Tricks der Senat seine Schulden verschleiert, und warum die Stadt inzwischen mehr Großkonzern als Verwaltung ist, lesen Sie ab Donnerstag im Hamburg-Teil der ZEIT– mit einer großen Schautafel über zwei Seiten.