Im Norden Deutschlands zeichnet sich ein neues Bündnis rechtsextremistischer Gruppen ab. Im Zentrum steht der Hamburger Ableger der Identitären Bewegung (IB), seit Sommer 2016 sind die Identitären in der Hansestadt wieder mit einer eigenen Gruppe aktiv. Sie soll 35 Personen umfassen, berichtet der Hamburger Verfassungsschutz. Die Hamburger IB wäre damit nach der NPD die zweitgrößte rechtsextremistische Gruppierung in der Stadt.

Die IB stellt sich selbst als innovative, junge und moderne rechte Antwort auf die multikulturelle Gesellschaft dar, als nonkonforme "IBster". Ihre Medien sind Facebook und Twitter, ihre Propagandavideos professionell gemacht und ihre Aktionsformen sind der linken Szene entlehnt. Doch eine Recherche im Umfeld der Hamburger Identitären zeigt, dass neben Mitgliedern von völkischen Jugendbünden vor allem Aktivisten aus schlagenden studentischen Verbindungen in der IB mitmischen. Manche der Aktivisten haben eine rechtsextremistische Vergangenheit im Dunstkreis der NPD.

Die studentischen Verbindungen leiden schon seit Langem unter Mitgliederschwund. In der Kooperation mit der IB sehen sie nun offenbar eine Chance, Nachwuchs zu gewinnen. Dafür öffnen sie den Identitären ihre Häuser und unterstützen sie personell, ideologisch und logistisch.

Trainer aus dem Türstehermilieu

Wie weit diese Hilfe geht, zeigt das Beispiel der extrem rechten und vom Verfassungsschutz beobachteten Hamburger Burschenschaft Germania. Kontakte entstanden 2015 unter anderem über zwei Alte Herren der Burschenschaft. Seither dient das Haus der Germania in der Sierichstraße der IB als Treffpunkt. So riefen die Identitären ihre Mitglieder dazu auf, dort politische Veranstaltungen zu besuchen, beispielsweise eine Lesung des umstrittenen islamfeindlichen Autors Akif Pirinçci im Herbst 2015. Auch die Weihnachtsfeier der IB im selben Jahr fand im Germanenhaus statt.

Ansprechpartner für die IB bei den Germanen war ein Student, der 2013 seine Fuxenprüfung, also die Voraussetzung für ein Vollmitgliedschaft als Bursche, mit dem Referatsthema "Nationalsozialistischer Untergrund" gemacht hatte. Dazu hatte er sich Anregung bei dem "lieben Verbandsbruder" Arne Schimmer geholt, damals noch Landtagsabgeordneter der NPD in Sachsen und heute Mitglied im Parteivorstand.

Ende 2015 lud die Aktivitas der Germania, also die studentischen Mitglieder, die IB schließlich sogar dazu ein, sich an ihren Wehrsportübungen zu beteiligen. Die Aktivitas schrieb: "Werte IBler, wir haben bei uns auf dem Haus bereits rund 10 Einheiten Selbstverteidigungs- und Fitness-Training absolviert, um unsere Wehrkraft zu erhalten/zu stärken." Man könne der IB zukünftig einen Trainingsraum im Burschenhaus kostenlos überlassen und auch für einen gut bekannten Trainer aus dem Türstehermilieu von St. Pauli sorgen. Dieser Trainer war als Personenschützer von Ronald Schill wegen seiner rechtsextremistischen Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten.

Im vergangenen Jahr nahmen Hamburger Burschenschafter schließlich an Propagandaktionen teil, zu denen die IB im Netz aufgerufen hatte. Darunter waren eine nicht genehmigte Kundgebung auf dem Hamburger Hauptbahnhof und eine sogenannte Kulturveranstaltung an den Landungsbrücken.