Große, weiß umrahmte Fenster zieren die Residenz der türkischen Botschaft, eine Treppe führt hinauf zur Terrasse. Dort soll der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zu den Menschen sprechen, die sich nach und nach in dem Garten davor versammeln. Zuerst sind es ein paar Dutzend. Dann werden es immer mehr. Kinder, Frauen, Greise. Die Mehrheit sind Männer.

Am Ende sind knapp 300 Anhänger der türkischen Regierungspartei AKP nach Hamburg-Rotherbaum gekommen. Sie rücken zusammen, schwenken rot-weiße Türkeiflaggen in der Luft. Sie müssen fast zwei Stunden in der Kälte warten. Währenddessen steht ein Mann im grauen Mantel auf dem Balkon, der Moderator. "Seid ihr bereit?", fragt er und seine Stimme überschlägt sich. "Ya Allah Bismillah Allahu Ekber", antworten die Leute vor ihm – bei Gott, im Namen Gottes, Gott ist größer.

Zwischendrin ist von außerhalb des eingezäunten Gartens eine Gruppe zu hören, die gegen die türkische Regierung protestiert. Jedoch nur kurz. Dann werden die kritischen Stimmen vom AKP-Parteilied aus den Boxen übertönt. "Wir wollen uns doch nur friedlich versammeln", sagt Ebru, eine freundlich blickende 23-Jährige. "Die anderen möchten es verhindern, sie greifen uns an." Sie sei auf dem Weg zur Residenz beschimpft und zweimal sei ihr ein Ellenbogen in die Schulter gerammt worden, erzählt sie. Jetzt sei sie überglücklich, es hierher geschafft zu haben.

Es ist fast acht Uhr am Abend, als der türkische Außenminister eintrifft. Die Menschen zücken ihre Smartphones und versuchen Çavuşoğlu abzulichten, der von Bodyguards begleitet am Garten vorbei zum Konsulat schreitet. Er hebt seine Hand zur Begrüßung, schüttelt ein paar Hände. Die Menge jubelt ihm zu und ruft "Türkiye seninle gurur duyor" – die Türkei ist stolz auf dich. Und dann folgt wieder einmal das bereits mehrfach zu vernehmende "Ya Allah Bismillah Allahu Ekber" .

Die Kritiker mit Holzlöffeln werden belächelt

Auf der Terrasse angekommen, bleibt Mevlüt Çavuşoğlu kurz stehen und winkt, dann verschwindet er zunächst. Erst nachdem Mohammed Haydar, ein bärtiger Mann, ein Gebet aus dem Koran melodisch vorgetragen hat, die Anwesenden eingestimmt haben und die Nationalhymne erklungen ist, tritt der Außenminister für seine Rede auf. Die Demonstranten von draußen sind nun kaum noch zu vernehmen, so laut sind die AKP-Anhänger. Als es einer Gruppe, die mit Holzlöffeln auf Töpfe schlägt, kurz gelingt, zu ihnen vorzudringen, machen sie sich lustig über sie.

"Ich wünschte, wir hätten uns in einem großen, warmen Raum versammeln können", beginnt Çavuşoğlu seine Rede. Es sei nicht im Sinne der AKP, dass treue Anhänger frieren müssten. Die Partei hätte auch nicht gewollt, dass sie um diese Uhrzeit die Nachbarn stören müssten. Aber ihr sei nichts anderes übrig geblieben. Damit spielt er auf die Polizei an, die zunächst einen Auftritt im Grand Elysée Hotel und dann in einem Hochzeitssalon im Stadtteil Wilhelmsburg aus Sicherheitsgründen untersagt hat.

Sie – die Gegner – hätten gewollt, dass der Besitzer des Hochzeitssalons den Aufritt von Anbeginn unterbinde. "Doch der stolze Mann stand auf unserer Seite, er wollte, dass wir auftreten", sagt Çavuşoğlu. Nun hätten sie seine Einrichtung, die seit 20 Jahren in Betrieb war, geschlossen. Die Schuld dafür trage alleine Deutschland. Es sei keinesfalls zufällig passiert.