Laquer: Die Angst vor dem massivem Polizeieinsatz und der Aushebung demokratischer Rechte kann ich verstehen, die habe ich ja auch. Noch mehr Angst habe ich aber vor einer Welt, in der sich aus Angst vor der Polizei niemand mehr auf die Straße traut. Wir wollen Hoffnung und Mut machen, und wir werden richtig viele sein. Es braucht keine Helden und niemand wird alleingelassen. Wir halten zusammen und passen aufeinander auf.

ZEIT ONLINE: Wenn es zu Ausschreitungen kommt – wer auch immer damit angefangen haben wird –, wird sich die Berichterstattung darauf konzentrieren, und nicht mehr auf die Inhalte, die Sie vermitteln wollen.

Laquer: Wir leben doch in einer gewaltsamen Welt. Die Gesellschaft ist von Rassismus, Sexismus und vielen anderen sozialen Spaltungen durchzogen, Menschen fühlen sich ungeduldig und missachtet. Die politische Auseinandersetzung mit denen, die das zu verantworten haben, kann also gar nicht konfliktfrei ablaufen. Wir führen Absprachen in unseren Bündnissen, damit sich jeder auf unsere Aktionen trauen kann. Aber es gibt bei uns kein Befehl und Gehorsam. Jeder bringt seinen eigenen moralischen Kompass mit.

ZEIT ONLINE: Die Hamburger Polizei ist nicht dafür bekannt, auf Demos Blümchen zu verteilen. Ist das nicht auch ein Aspekt, dem die Bündnisveranstalter proaktiv begegnen sollten, damit sich dieses Säbelrasseln nicht noch mehr hochschaukelt?

Laquer: Die Polizei ist nicht das Ziel von BlockG20, sondern, die Zufahrtsstraßen zu behindern. Die, die gehorsam sind, schreiben selten Geschichte. Ein Motor der sozialen Bewegung waren immer die, die mutig waren und die gesagt haben: Hier ist es richtig, das Gesetz zu brechen.

ZEIT ONLINE: Der Grat, auf dem man hier wandelt, ist sehr schmal. Da reicht ein Stein, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.

Laquer: Ich habe kein Interesse, mich mit der Polizei auseinanderzusetzen. Ich will, dass es von BlockG20 heißt: Alle Gipfel-Zufahrtswege wurden von Tausenden Menschen verschlossen. Da haben wir einen Konflikt – die Polizei wird uns im Weg stehen, und wir werden einfach weitergehen und an ihr vorbeiflutschen. Ich will, dass niemand verletzt wird, aber Tatsache ist, dass durch die Politik von Trump, Erdoğan, Putin und der deutschen Bundesregierung Tausende auf der ganzen Welt verletzt werden.

ZEIT ONLINE: Es sagt ja auch niemand, dass nicht protestiert werden soll. Aber es gibt Formen des gewaltfreien Protests. Und eben dieses Bekenntnis zur Gewaltfreiheit hat man noch nicht gehört.

Laquer: Ich will in einer Linken sein, die undogmatisch ist. Wir wollen immer prüfen, welches der gerade strategisch richtige Weg ist. Die Bundesregierung, Trump, Erdoğan und Putin sind ja auch nicht gewaltfrei. Wenn man es ernst meint mit der Vision des guten Lebens für alle, muss man auch etwas dafür riskieren. Das funktioniert nicht, wenn sich alle immer nur an die Regeln halten.