1. Größe und Qualität des Portfolios der HSH Nordbank

Um die Größe und den Zustand der HSH Nordbank zu dokumentieren, zeigen wir die Größe des gesamten Portfolios aufgeteilt nach Risiko. In den Risikoberichten der Geschäftsberichte weist die Bank ihre Ausfallrisikostruktur nach Ratingklassen aus, im jüngsten Bericht von 2016 etwa auf Seite 67. In Präsentationen für Investoren unterscheidet die Bank drei Gruppen: Investmentgrade (Klassen 1-5), Non-Investmentgrade (Klassen 6-15) und Ausfallklassen (16-18, oft auch als Non-Performing-Exposure, NPE bezichnet). Diese Unterscheidung ist Grundlage für unsere Aufteilung des Portfolios in Gut, Spekulativ und Schrott. Der Begriff Schrottpapiere für NPE ist in der Finanzberichterstattung üblich.

2. Die Gewährträgerhaftung

Mit der Gewährträgerhaftung bürgen die Ursprungseigentümer der HSH Nordbank für Schulden, die diese bis zum 18. Juli 2005 gemacht hat. Ursprünglich gehörte die HSH Nordbank zu 35,38 Prozent Hamburg, zu 19,55 Prozent Schleswig-Holstein, 18,21 Prozent den Sparkassen in Schleswig-Holstein und zu 26,58 Prozent der WestLB. Die inzwischen abgewickelte WestLB gehörte dem Land NRW und den Sparkassen in NRW. Laut damaligem Staatsvertrag haften die Eigentümer in dieser Aufteilung für die Gewährträgerhaftung. Dabei gilt: Fällt einer der Gewährträger aus, müssen die anderen einspringen. 2006 hat die WestLB ihre Anteile an ein Konsortium um den Finanzinvestor J.C. Flowers verkauft. Nach außen besteht nach Auskunft des Finanzministeriums NRW für die WestLB die Gewährträgerhaftung weiter, "im Innenverhältnis erfolge eine Freistellung durch den Käufer". Ob der Finanzinvestor aber tatsächlich im schlimmsten Fall für die Milliardenrisiken eingestanden hätte, bezweifeln Experten. Die Höhe der ausstehenden Gewährträgerhaftung für die HSH Nordbank nennt die Stadt Hamburg in ihren jährlichen Geschäftsberichten.

3. Unverzerrtes Ergebnis der Bank

Durch die Wirkung der Garantie der Länder sieht das Ergebnis der HSH Nordbank auf dem Papier besser aus als in der betriebswirtschaftlichen Realität. Das unverzerrte Ergebnis lässt sich aus den Investorenpräsentationen der HSH Nordbank rekonstruieren. In der Gewinn- und Verlustrechnung (S. 31) führt die Bank dort in der Zeile "Risikovorsorge im Kreditgeschäft" die Risikovorsorge nach Kompensation durch die Garantie auf. In der Präsentation wird an anderer Stelle (S. 37) auch die auch die Risikovorsorge vor Kompensation genannt. Im vergangenen Jahr lag die Risikovorsorge vor Kompensation bei -1,57 Milliarden Euro, durch die Garantie wurden etwa 1,73 Milliarden Euro Risikovorsorge rechnerisch von den Ländern übernommen, bleibt für die Bank nach Kompensation eine Risikovorsorge von + 0,16 Milliarden Euro. Ersetzt man in der Rechnung die Risikovorsorge nach Garantie mit der Risikovorsorge vor Garantie und rechnet die 214 Millionen Euro Zinsen ab, die die Bank für die Garantien bezahlt hat, kommt man auf das unverzerrte Ergebnis ohne Garantiewirkung. Statt 121 Millionen Euro Gewinn hat die Bank demnach 2016 knapp 1,4 Milliarden Euro Verlust gemacht.

4. Verlustrechnung für den Steuerzahler

Um die bisherigen Verluste der Steuerzahler zu errechnen, haben wir uns an der Methodik des Kieler Finanzprofessors Peter Nippel orientiert, die er im vergangenen Jahr in einer Studie präsentiert hat. Eine ähnliche Methode benutzt auch der Kölner Ökonom Martin Hellwig in seiner Kostenrechnung. Wir haben die Methode etwas erweitert. Sie setzt sich aus fünf Elementen zusammen:

a) Die Einnahmen aus Dividenden: 480 Millionen Euro

In den Anfangsjahren nach der Gründung hat die Bank Geld verdient und zuverlässig Millionen an die Länder überwiesen. Abzüglich der gezahlten Zinsen hat Hamburg dadurch Einnahmen von etwa 300 Millionen Euro gehabt (siehe Drucksache 19/498), Schleswig-Holstein von etwa 180 Millionen Euro (siehe Drucksache 16/2463).

b) Der Kapitalverlust: 8,8 Milliarden Euro

Seit 2007 veröffentlicht die Stadt Hamburg jährlich Konzernberichte, in der sie ihre Finanzen wie ein Unternehmen präsentiert. Dazu gehört auch, dass die Stadt jährlich einen Markt für ihre Beteiligungen bestimmt. Dadurch lässt sich rekonstruieren, wie viel das Unternehmen zu welchem Zeitpunkt wert war. Heute geht die Stadt davon aus, dass die Beteiligung nur noch einen Euro wert ist, 2007 lag der Wert bei etwa 2,7 Milliarden Euro. Ergänzt man zusätzlich, wann die Stadt neues Kapital in das Unternehmen gegeben hat, lässt sich daraus der Kapitalverlust errechnen. Hamburg hat neben der 1,5 Milliarden Euro Kapitalspritze bei der Rettung 2009 außerdem 2008 und 2010 stille Anleihen im Wert von insgesamt knapp 430 Millionen Euro in Kapital umgewandelt. 2012 wurden auf Anweisung der EU weitere 250 Millionen Euro in die Bank gegeben. Insgesamt liegt der Kapitalverlust für Hamburg damit bei 4,9 Milliarden Euro.

Schleswig-Holstein veröffentlicht keinen Konzernbericht. Um den Kapitalverlust für das Land zu ermitteln, haben wir einen Umweg genommen: Wir haben aus dem Beteiligungswert von Hamburg einen Gesamtwert der Bank ermittelt und daraus wiederum den Wert des Anteils von Schleswig-Holstein ermittelt. Der Kapitalverlust liegt demnach bei knapp 3,9 Milliarden Euro.

c) Die Einnahmen der Garantie: 2,6 Milliarden Euro

2009 haben die Länder die HSH Nordbank gerettet und ihr über eine gemeinsame Tochtergesellschaft, den HSH Finanzfonds, jeweils 1,5 Milliarden Euro Kapital zur Verfügung gestellt. Das Kapital hat der Finanzfonds an Krediten aufgenommen, dafür zahlt er Zinsen. Er hat außerdem Personal- und Verwaltungskosten, kumuliert über die Jahre waren das etwa 560 Millionen Euro. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Zahlungen für die Garantie von der HSH Nordbank, über die Jahre kumuliert waren das etwa 3,2 Milliarden Euro. Die Daten für 2016 fehlen bisher, weil der HSH Finanzfonds seinen Geschäftsbericht noch nicht veröffentlicht hat. Insgesamt verbuchen die Länder über diese Konstruktion Einnahmen von etwa 2,6 Milliarden Euro.

d) Die Nutzung der Garantie: 9,9 Milliarden Euro

Inzwischen gehen sowohl die Bank als auch die Länder davon aus, dass die HSH Nordbank die Garantie von 10 Milliarden Euro voll nutzen wird, die die Länder ihr 2009 gegeben haben. Bis Ende 2016 hatten die Länder 1,9 Milliarden Euro der Garantie bereits gezahlt, der Rest wird nach Ankündigung der Bank aber nun auch absehbar fällig. Wir haben daher für unsere Verlustrechnung die bilanzielle Auslastung der Garantie genutzt, die zum 31.12.2016 bei 9,9 Milliarden Euro lag. Sie teilt sich je Hälftig auf die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein.

e) Der Wertverlust des Schiffsportfolios: 560 Millionen Euro

Im Jahr 2016 haben die Länder der HSH Nordbank über eine neu gegründete Tochterfirma namens HSH Portfoliomanagement (Link 8) notleidende Schiffskredite in Höhe von 5 Milliarden Euro abgenommen. Dafür haben sie einen von Gutachtern ermittelten Preis von 2,4 Milliarden Euro gezahlt. Zum einen zahlen die Länder Zinsen für die Kredite, die sie für dieses Geschäft aufgenommen haben. Da auch die HSH Portfoliomanagement ihren Geschäftsbericht noch nicht veröffentlicht hat, konnten wir das nicht berücksichtigen. In der Hamburgischen Bürgerschaft hat die Bank aber schon bekannt gegeben, dass das neu gekaufte Portfolio massiv an Wert verloren hat. Insgesamt rechnet die Bank mit einem Wertverlust von 560 Millionen Euro.

Unsere Rechnung ist selbstverständlich nur eine Annäherung an die Verluste für den Steuerzahler, in der es vor allem um die Dimension geht. Zwei Faktoren haben wir nicht berücksichtigt:

a) Verluste der Sparkassen: Die HSH Nordbank gehörte ursprünglich zu 18 Prozent den Sparkassen in Schleswig-Holstein, diese gehören als kommunale Institute ebenfalls dem Steuerzahler. Sie könnten nach unserer Rechnung deutlich mehr als eine Milliarden Euro Kapitalverlust allein durch die Abschreibung des Unternehmenswerts erlitten haben.

b) Diskontierung: In einer betriebswirtschaftlichen Analyse werden Zahlungsströme normalerweise diskontiert, das heißt: Es wird berechnet, wie viel Zinsen ein Investor für das Geld bekommen hätte, wenn er es alternativ angelegt hätte. Würde man von der Annahme ausgehen, dass die Länder die Bank frühzeitig verkauft hätten, kämen also noch ein Betrag entgangener Zinseinnahmen hinzu.

Die gesamte Rechnung können Sie in dieser Tabelle nachvollziehen.

Sollten Sie Fehler oder Ungenauigkeiten finden oder Anmerkungen haben, freuen wir uns über ihre Zuschrift unter hamburg@zeit.de.