Hamburg zählt zu den reichsten Städten Deutschlands – doch wie ungleich der Reichtum verteilt ist, zeigt sich nicht nur am Einkommen: Wer in sozial schwächeren Stadtteilen lebt, muss mit einem schlechteren Angebot im außerschulischen Bildungsbereich und bei der Kinder- und Jugendbetreuung auskommen, sowie mit einer geringeren medizinischen Versorgung leben.

So gibt es in Neuallermöhe, Wilhelmsburg, Harburg, Hausbruch, Dulsberg, Steilshoop, St. Georg oder Jenfeld weniger Haus- und Kinderärzte als in reicheren Viertel wie den Elbvororten oder den Walddörfern. Stadtteile mit hoher sozialer Belastung, mit vielen Hartz-IV-Empfängern, generell geringerem Durchschnittseinkommen und wenig Wohnfläche pro Person, weisen auch mehr Patienten mit Volkskrankheiten wie Herzinsuffizienz, Diabetes und Bluthochdruck auf. Mehr Ärzte gibt es dort aber nicht – im Gegenteil.

Durchschnittlich kommt in Hamburg ein Kinderarzt auf 1.839 Patienten. In Wilhelmsburg liegt das Verhältnis jedoch bei 1:2.978. Gleichzeitig weist der Stadtteil eine der höchsten Krankheitsdichte bei Kindern auf. Wilhelmsburg gehört dem 2012 erschienen Bericht "Sozialmonitoring Integrierte Stadtteilentwicklung" neben Altona-Altstadt, Billstedt, Dulsberg, Harburg, Horn, Jenfeld, Lurup, Osdorf, St. Pauli und Steilshoop zu den Gebieten mit "niedrigem oder sehr niedrigem Status". 

Kürzungen für Abenteuerspielplätze, Häuser der Jugend, Kindertreffs

"In der medizinischen Versorgung ist Hamburg eine gespaltene Stadt", kritisiert Uwe Werner, Krankenversicherungsexperte vom Sozialverband Deutschland. "Der Zusammenhang zwischen sozialer Lage der Bürger in den einzelnen Stadtteilen, ihrem Gesundheitszustand und der medizinischen Versorgungssituation ist offensichtlich und bestätigt nur die Erfahrungen des SoVD."

Nicht nur die medizinische Versorgung beunruhigt den SoVD Hamburg. Der Verband warnt den Senat vor Einsparungen bei der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. "Hier fallen Mittel weg, die für viele Kinder- und Jugendliche aus sozial schwachen Familien erst Chancengerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Leben unter Gleichaltrigen ermöglichen", sagt Klaus Wicher, Vorsitzender des Hamburger Landesverbandes des SoVD. "Die Kinder- und Jugendarbeit darf kein Bonbon sein, wenn die Kasse stimmt".

Dem Doppelhaushalt 2013 und 2014 nach sollten insgesamt 31 Abenteuerspielplätze, Häuser der Jugend und Kindertreffs mit weniger Geld des Senats auskommen. Mehrere Einrichtungen standen vor der Schließung. Zwar versuchen die Bezirke teilweise, die Angebote zu erhalten und die Bürgerschaft richtete einen Härtefonds ein, doch wie nachhaltig diese Maßnahmen sind, ist fraglich. Mehr finanzielle Mittel dürfte es in den kommenden Jahren nicht geben. Das Netzwerk für Offene Kinder- und Jugendarbeit stellte fest: Der Druck wachse. "Neue Arbeitsfelder werden von außen herangetragen, die mit immer knapperen personellen und finanziellen Ressourcen bewältigt werden müssen."

Die Grünen kritisierten, dass Häuser der Jugend in besonders benachteiligten Vierteln wie Jenfeld, Dulsberg und Steilshoop von den Streichungen betroffen seien. Der Senat weist den Vorwurf des sozialen Kahlschlags bei den Angeboten für Kinder und Jugendliche zurück. Durch die Ganztagsschulen gebe es mittlerweile zudem eine besser Betreuung von Kindern und Jugendlichen: "Zwischen 13 Uhr und 16 Uhr werden alle Kinder und Jugendlichen eine Nachmittagsbetreuung mit Kultur, Sport, Spiel und Hausaufgabenhilfe erhalten. Außerdem wird es an jedem Standort ein warmes Mittagessen geben. Auch das rechtfertigt die Umsteuerung bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit."