ZEIT ONLINE: Sie kommen aus dem Irak. Warum mussten sie von dort fliehen?

Sohaib: Ich bin von Leuten des "Islamischen Staates" (IS) bedroht worden. Ich komme aus Mossul und habe 2013 mit Freunden und meinem Schwager eine Kampagne für mehr Wahlbeteiligung bei den Provinzwahlen ins Leben gerufen, die sich vor allem an die Sunniten gerichtet hat. Wir wollten die Menschen zum Wählen motivieren, weil es uns Sunniten in der Vergangenheit nur Probleme eingebracht hat, dass wir nicht teilgenommen haben.

ZEIT ONLINE: Und das hat dem IS nicht gepasst?

Sohaib: Nein, in dessen Ideologie sind Wahlen unislamisch. Eines Tages bekam ich einen anonymen Anruf von einem IS-Repräsentanten, der mich bedrohte. Er rief immer und immer wieder an und schickte mir SMS, dass sie mich enthaupten würden – als Signal an alle die, die sich für die Wahlen engagieren würden. Andere von uns haben auch diese Drohungen bekommen. Schließlich haben sie meinen Schwager ermordet. Ein Killerkommando hat ihn aus dem Bus gezerrt, mit dem er jeden Morgen zur Arbeit fährt und hat ihn mit einem Schuss in den Kopf exekutiert. Da war klar: Ich muss so bald wie möglich den Irak verlassen.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie es nach Deutschland geschafft?

Sohaib: Ich bin zunächst in die Türkei geflogen und habe dort drei Monate gebraucht, bis ich einen Deal für den Transport nach Deutschland machen konnte. Der Typ hat mich und zwei andere in einem LKW nach Deutschland gefahren. In fünf Tagen kamen wir nur zwei Mal an die Luft, das war nicht einfach.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie dafür bezahlt?

Sohaib: Sehr viel. Ich habe in Mossul alles verkauft, um Geld für die Reise zu haben – inklusive mein Computergeschäft, ich habe mir auch von Freunden und Familienmitgliedern Geld geliehen. Meine Frau ist zu Hause geblieben.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Angst um sie?

Sohaib: Natürlich, es ist zurzeit sehr gefährlich in Mossul. Aber ich konnte sie nicht mitnehmen.

Ali: Ich bin Kriegsflüchtling aus Syrien, meine Frau und meine Kinder werden nachkommen können, aber ich habe eben immer noch keine Unterkunft.