Das Hamburger Landgericht hat die Mutter der dreijährigen Yagmur wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Mädchen aus dem Stadtteil Billstedt war im Dezember vergangenen Jahres zu Tode misshandelt aufgefunden worden.

Das Landgericht stellte nicht, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann die 27-Jährige auf eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren hoffen.

Der Vater bekam eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Er habe das Kind laut Staatsanwaltschaft nicht vor seiner hochaggressiven Frau geschützt.

Kurz vor Weihnachten 2013 war Yagmur in der Wohnung ihrer Eltern nach einem Leberriss innerlich verblutet. Bei der Obduktion wurden zudem mehr als 80 Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt. Gefühllos, kalt und ohne Mitleid habe die Mutter ihre Tochter immer wieder geschlagen, getreten, gekniffen und fest angepackt, sagte die Staatsanwältin. "Nahezu jedes Organ Yagmurs war massiv verletzt."

Die Verteidigerin der Mutter hatte um ein mildes Urteil wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen gebeten. Der Verteidiger des Vaters hatte höchstens eine Bewährungsstrafe verlangt. Der 26-Jährige sei durch den Tod seiner Tochter ausreichend bestraft, sagte der Anwalt.

Untersuchungsausschuss soll Behördenversagen klären

Für Bestürzung haben auch die Versäumnisse der Behörden in dem Fall gesorgt. Yagmur war seit ihrer Geburt vom Jugendamt betreut worden. Bereits im Januar 2013 wurde sie nach schweren Misshandlungen im Krankenhaus behandelt. Ein Rechtsmediziner erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Weil sich die Pflegemutter des Kindes selbst bezichtigte, gab das Jugendamt das Kind an die leiblichen Eltern zurück.

Die Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft später ein, weil nicht geklärt werden konnte, ob die leiblichen Eltern oder die Pflegemutter für die Misshandlungen verantwortlich waren. Einen Monat später war Yagmur tot.

Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft ist den Fehlern seit vergangenem März nachgegangen und will am 18. Dezember seinen Abschlussbericht vorlegen.

Yagmur starb nur wenige Tage nach dem Abschlussbericht eines Untersuchungsausschusses zu einem anderen Todesfall. Im Januar 2012 war die elf Jahre alte Chantal aus Hamburg-Wilhelmsburg in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Überdosis der Heroin-Ersatzdroge Methadon umgekommen. Auch dieses Mädchen hatte unter Aufsicht des Jugendamtes gestanden, dem später schwere Fehler vorgeworfen wurden. Vom kommenden Montag an müssen sich Chantals Pflegeeltern wegen Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflichten vor Gericht verantworten.