Zwei Tage nach dem Tod von drei Männern bei einem Kohlenmonoxid-Unglück in Hamburg-Harburg steht jetzt die Ursache fest: eine defekte Gaszentralheizung. Der Sachverständige der Schornsteinfegerinnung habe einen Fehler in der Brennwerttherme gefunden, teilte die Polizei mit. Dadurch konnte sich am Dienstag im Keller eine ungewöhnlich hohe Konzentration des giftigen Gases Kohlenmonoxid bilden.  

Bei dem Unglück im Phoenix-Viertel waren drei Männer im Alter von 32, 56 und 72 Jahren getötet worden. Insgesamt zehn Menschen wurden verletzt, fünf von ihnen schwer. Beamte mussten zwei Mehrfamilienhäuser evakuieren. 75 Feuerwehrleute waren vor Ort, die Fenster der Wohnungen wurden geöffnet, Frischluft mit einem großen Ventilator in die beiden Gebäude geblasen.

Die Wohnanlage wurde zunächst stillgelegt und für weitere Untersuchungen sichergestellt. Nun können die Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren. 13 Menschen im Alter von eins bis 84 Jahren seien noch mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus, heißt es.

Die Feuerwehr hatte den Kohlenmonoxid-Austritt am Dienstagmittag bei einem Einsatz in einem der Häuser festgestellt. Sie entdeckte drei leblose Männer in dem Haus. Sie hatten offenbar im Schlaf tödliche Vergiftungen erlitten. Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses Gas. Wird es eingeatmet, kann es innerhalb von Minuten die Sauerstoffversorgung blockieren und zum Tod führen. Messungen ergaben eine sehr hohe Konzentration Kohlenmonoxid von 50 000 ppm (parts per million, Teilchen pro Million). Nach Auskunft der Schornsteinfegerinnung werden Gasthermen schon ab 1000 ppm quasi stillgelegt.

Später stellte sich heraus, dass bereits in der Nacht zuvor drei Menschen aus diesem Wohnhaus in eine Klinik gebracht worden waren: Ein 60-Jähriger hatte Herzbeschwerden, eine über 70-Jährige war gestürzt, und ein junger Mann klagte über Übelkeit. Die Feuerwehr hatte die Symptome der nächtlichen Patienten aber zunächst nicht mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in Verbindung gebracht.

Bei den Ermittlungen konzentrierten sich die Experten anfangs auf den Schornstein, fanden dort allerdings keine Schäden. "Der Abzug funktioniert völlig normal", sagte Polizeisprecher Mirko Streiber. Am Donnerstag waren dann in den beiden betroffenen Häusern die Heizungsanlagen überprüft worden.

Nach dem Unglück hat eine Diskussion über die Ausstattung der Rettungskräfte eingesetzt. Im Unterschied zu ihren Kollegen in Berlin oder Düsseldorf hat die Hamburger Feuerwehr nach Angaben des Berufsverbandes keine handlichen Messgeräte, die bei erhöhter Kohlenmonoxid-Konzentration Alarm geben.

Die Linke-Fraktion in der Bürgerschaft kritisierte, dass eine Projektgruppe der Feuerwehr seit einem Jahr den Kauf von Kohlenmonoxid-Warnmeldern prüfe, diese aber bisher nicht erworben habe. Obwohl diese sich andernorts bereits bewährt hätten. Die Innenbehörde müsse dringend die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen, um die Feuerwehr mit den Messgeräten auszustatten.