"Was das kostet, müssen Sie schon selber herausfinden, es gibt ja schließlich Internet." Ungläubig schaue ich die genervte Mitarbeiterin der Tourist Information am Hamburger Hauptbahnhof an. Ich bin hier, um mir Tipps für mein Vorhaben geben zu lassen: Ein spannendes Wochenende in Hamburg für unter 100 Euro zu erleben. Aber die Dame hinter dem Schalter ist nicht wirklich gewillt, mir bei der Schlafplatzsuche zu helfen.

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und studiere hier. Und ich verstehe nicht, wie die Stadt darauf kommt, im Netz mit einem Low Budget Trip für sich zu werben. Auch mit wenig Geld im Portemonnaie müsse man an nichts sparen, heißt es hier. Ich frage mich: Wie soll das funktionieren? In einer Stadt, die vor allem mit teuren Musicals und Kreuzfahren für sich wirbt und im vergangenen Jahr so sechs Millionen Gäste angezogen hat? 

Ein Wochenende lang tue ich deshalb so, als würde ich hier niemanden kennen. Ein Zwei-Tages-Trip als Touristin in der Heimat. Da die Stadt nicht festlegt, was für sie Low Budget ist, habe ich es selbst definiert: 100 Euro. Ein Preis, der für mich als 23-jährige Studentin, die in einer WG lebt, vollkommen ok ist.

"Da sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten drauf", die Mitarbeiterin der Touristeninformation drückt mir einen Stadtplan in die Hand. Ein Freitag, zehn Uhr, mein Experiment startet holprig. Immerhin: Die Dame drückt mir noch eine Liste mit günstigen Hotels und Hostels in die Hand. "Anrufen müssen Sie da aber selbst, bei dem Preis machen wir so was nicht", sagt sie.

Mit dem Stadtplan, der Unterkunftsliste und einem Flyer für eine kostenlose Stadtführung verlasse ich den Hauptbahnhof. Als erstes kümmere ich mich um einen Schlafplatz. Der vierte Anruf ist ein Treffer: Im Schanzenstern Altona ist heute Nacht ein Bett im Mehrbettzimmer frei. Damit sind noch 79,60 Euro im Portemonnaie. Die erste Hürde ist geschafft. Darauf gönne ich mir das erste Stück Hamburg, ein Franzbrötchen. Macht 78,61 Euro.

Ich schaue mir die Flyer genauer an und beschließe, die kostenlose Hafen-Tour um 14 Uhr mitzumachen. Bis dahin habe ich noch knapp drei Stunden Zeit. Ich nutze sie, um auf dem Weg zu den Landungsbrücken die klassischen Hamburger Attraktionen zu bestaunen: St. Petri Kirche, Rathaus, St. Nikolai Mahnmal, Speicherstadt. Ich gebe einen Euro dafür aus, um mir von der Spitze des Nikolai Mahnmals aus die Stadt von oben anzuschauen. Ein Baustellensonderpreis. Als ich oben ankomme, verhindern Nieselregen und Baugerüstmir die Sicht. Egal, wie ich mich strecke, ich sehe nur Metallstreben und Wolken.

Mit der U-Bahn fahre ich zwei Stationen Richtung Hafen. Der Blick aus dem Fenster lohnt sich: Schiffe, Container, Wasser, Möwen. Hamburg eben. Vom Laufen durstig, kaufe ich mir noch schnell eine Flasche Wasser. Aktueller Stand: 76,41 Euro.

14 Uhr, ich steuere auf den leuchtend gelben Regenschirm zu, dem Erkennungszeichen der Free Walking Tour. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Gruppe lokaler Guides, die unterschiedliche Führungen durch die Stadt anbieten – gegen ein Trinkgeld. Nach einem Gruppenfoto unserer internationalen Truppe geht es los. Wir fahren mit der Fähre zum Altonaer Fischmarkt. Der Wind zerzaust mir die Haare. Es riecht nach Meer und Fisch, als wir aussteigen.

Bunte Häuserwände, schmuddelige Straßen, linke Parolen, hier sei alles ein wenig anders, erklärt unser Tourguide Matej auf dem Weg zum Kiez. Die letzte Station der Tour. Ein abwechslungsreiches, individuelles Programm, wofür ich Matej einen Zehner in die Hand drücke. Mein übriges Geld: 66,41 Euro.