Freitagabend. Flutlicht. Temperaturen noch um den Gefrierpunkt. In David Gohlas Gesicht schleicht sich ein breites Lächeln. "Es kommen nicht viele auf die Idee, im Winter zu einem Freitagabendspiel in der ersten dänischen Liga zu fahren", sagt er und lacht. Das Stadion in der dänischen Kleinstadt Haderslev ist überschaubar: Zwei Tribünen begrenzen das Feld an den Seiten, hinter dem Tor stehen Fangnetze und Imbissbuden. Vier Flutlichtmasten ragen an den Ecken des Spielfeldes hell in den dänischen Nachthimmel. Gerade einmal 2.500 Zuschauer haben den Weg zum Heimspiel von SønderjyskE gefunden. Der Gegner an diesem Abend: Esbjerg fB.

David Gohla hat sich zu den Heimfans gestellt, die richtig Stimmung machen. In Blau und Weiß gekleidet schwenken die SønderjyskE-Anhänger ihre Fahnen und stimmen einen Gesang nach dem anderen an. "Erste dänische Liga habe ich noch nicht. Das ist eine Premiere für mich", schwärmt David. Dass das Spiel arm an Torchancen ist, stört ihn nicht.

David Gohla ist Groundhopper. Er sammelt Fußballspiele. Der 34-Jährige aus Hamburg fährt in seiner Freizeit durch Deutschland, Europa und die Welt und schaut sich Fußballspiele an. Jeder Stadionbesuch bringt ihm einen Punkt. Festgeschriebene Regeln für das Sammeln gibt es nicht. Jeder Hopper definiert für sich, welcher "Ground" ihm einen Punkt bringt. Für den einen reicht der bloße Besuch eines Ascheplatzes, andere besuchen lieber große Fußballarenen.

Kleinere Spielklassen im Ausland sind am reizvollsten

Davids Definition ist eine Mischung aus beidem. "Es muss mindestens eine Tribüne vorhanden sein, damit es für mich als Stadion gilt. Ich versuche immer, ein Spiel in dem Stadion zu sehen und 90 Minuten da zu sein", beschreibt er.

Insgesamt hat David schon knapp 350 Fußballspiele gesehen. Jährlich um die 50 Partien. Auch in Deutschland hat er schon einen Großteil der Stadien in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga besucht. Wichtiger sind ihm jedoch die Auslandspunkte. Ob die Ligen in Litauen, Liechtenstein oder Rumänien: Es sind diese kleineren Spielklassen im Ausland, die für ihn den Reiz seines Hobbys ausmachen. Er versucht, den durchgeplanten Fußballsport zu meiden: "Ich fahre lieber ins Ausland, wo dieses Ursprüngliche noch vorhanden ist. Dort hat Fußball noch mehr soziale Aspekte. Bei den kleinen Vereinen erlebst du einfach mehr." Automatische Anzeigen, Spielstatistiken, Halbzeit-Bespaßung – darauf kann David getrost verzichten: "Ich konzentriere mich auf die 90 Minuten."

Heimspiel beim SønderjyskE © Josef Opfermann

Die Plätze im Großraum Hamburg, die für ihn als Stadion gelten, hat er fast alle gesehen. Das bringt Probleme mit sich. "Regional wird es immer schwieriger. 150 Kilometer rund um Hamburg habe ich bereits alles abgegrast", sagt David. Um nun weitere Punkte zu sammeln, nimmt David weitere Entfernungen, mehr Kosten und weniger Zeit zu Hause in Kauf.

"Das ist mit einem normalen Leben, Arbeit und Beziehung nur schwer zu vereinbaren", sagt der 34-Jährige. Er ist bei einer deutschen Sportzeitschrift für digitale Produktentwicklung zuständig. Bis Ende 2014 war er lediglich frei angestellt, konnte so seine Zeit weitgehend frei planen. Auf den Rückhalt seiner Freundin kann er bei seinem Hobby aber in jedem Fall zählen.