© Vera Tammen

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist ein trauriger Tag. Ein Tag, von dem wir insgeheim dachten, er komme nie. Unser Herausgeber Helmut Schmidt ist tot. Im Alter von 96 Jahren starb er in seinem Haus in Hamburg Langenhorn.

Jemand wie er, das glaubten wir bei uns in der Redaktion fast tatsächlich schon, der stirbt doch nicht mehr. 32 Jahre lang war Altkanzler Helmut Schmidt der Herausgeber der ZEIT, aber vor allem war er überragender Staatsmann und Vorbild für unzählige Deutsche. Über dieses Image hat er sich selbst gern lustig gemacht, genau wissend, dass er politisch und intellektuell zu den ganz Großen gehörte.

"An Helmut Schmidt", sagt unser Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, "konnte man den Unterschied zwischen einem Politiker und einem Staatsmann studieren: Ihn interessierte nie das punktuelle Wohl einer Partei, auch nicht das einer Regierung oder das seiner selbst. Sondern das Ringen um die großen Lösungen und die Einhaltung von Prinzipien."

Für viele Redakteurinnen und Redakteure war Helmut Schmidt Vater- nein: Großvaterfigur. Der trotz hohen Alters, trotz zunehmender gesundheitlicher Probleme – er rauchte trotzdem weiter; auf Nikotinentzug wagten ihn die Ärzte nicht zu setzen – immer noch mit unheimlicher Willenskraft regelmäßig in seinem Herausgeberbüro und in der politischen Konferenz auftauchte. Um uns die Welt zu erklären, um mit uns zu streiten, um sich und seine Schwächen ganz ironisch nicht so wichtig zu nehmen.

Kamen Besucher ins Pressehaus, war immer eine der ersten Fragen: "Kommt ER noch rein?" – "Ja", sagten wir dann, "er kommt noch rein, natürlich!"

Jetzt kommt er nicht mehr. In Trauer und großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Helmut Schmidt. Wir werden ihn unendlich vermissen.

Im Gedenken an ihn arbeiten wir im Pressehaus am Speersort an einer Sonderausgabe der ZEIT zu Helmut Schmidt (ab Mittwoch am Kiosk erhältlich und am Donnerstag als Beilage in der ZEIT). Ein Extra über sein Leben, seine Politik, seinen eigenen Kopf, seine Schwächen und Stärken und darüber, was ihn so einzigartig machte.

"Ich bin sehr glücklich, dass ich einen so klugen, liebenswürdigen und immer hilfsbereiten großen Mann über 16 Jahre regelmäßig treffen durfte. Wir werden ihn unendlich vermissen", sagt ZEIT-Geschäftsführer Rainer Esser.

"Helmut Schmidt ist tot", sagt ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, "und wir, die ihn überlebt haben, müssen jetzt erwachsen werden. Ob wir es wollen oder nicht."


Helmut Schmidt, aufgenommen 2010 © Vera Tammen


Wenn Sie sich ebenfalls verabschieden wollen, können Sie sich bei uns in der Redaktion in ein Kondolenzbuch eintragen oder Ihre Gedanken online in unseren extra dafür eingerichteten Blog schreiben.

Ihr

Mark Spörrle