Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

hier kommt sie, die dritte Ausgabe unserer Elbvertiefung. Ich möchte Ihnen zuerst schnell Danke sagen, für das große Interesse, die Anregungen, und für die zahlreichen Weiterempfehlungen der Elbvertiefung.  
Ein paar Nachfragen gab es zum Namen. Um es ganz deutlich zu sagen: Nein, Sie lesen hier nicht das geheime Zentralorgan der radikalen Elbvertiefer. Aber ebenso wenig die Kampfpostille der gesammelten Elbvertiefungsgegner. Auch bei diesem Thema verfahren wir so wie unser Mutterblatt, die ZEIT: Wir recherchieren, VERTIEFEN. Und dann schreiben wir es auf. 

Ist das ein Radweg, oder kann das weg? (II)

Die umstrittene Fahrradstraße an der Außenalster sorgt weiter für Aufregung. Gestern hieß es noch, der Alsterradweg am Harvestehuder Weg solle dichtgemacht werden, um die Radler endgültig auf die Straße zu zwingen. Heute möchte die Verkehrsbehörde klarstellen, dass alles nur ein Missverständnis war: "Leider haben wir uns in der Antwort auf die kleine Anfrage der CDU nicht klar genug ausgedrückt", sagt Sprecherin Susanne Meinecke zur Elbvertiefung. "Fakt ist: Der heutige Radweg im Alsterpark wird nicht zurückgebaut. Auch künftig bleibt das Radfahren dort möglich." Wie es aussieht, wird es dann also zwei Strecken für Radfahrer geben: den alten Radweg für jene, die keine Lust haben, mit Autos und Doppeldeckerbussen "Survival of the fittest" zu spielen. Und die Fahrradstraße für Schnell- und Kampfradler. Man darf gespannt sein, ob dies das vielgepriesene neue Hamburger Modell wird und noch gespannter, ob ähnliche Regelungen für Autofahrer und Fußgänger folgen. Erst einmal verlegt man nun die Autoparkplätze weg von der Fahrbahn, damit das Slalomfahren ein Ende hat.  

Vom Scholzomat zum Wutomat?

Dabei sein ist alles. Bei "Fünf Ringe und ein Kreuzchen" darf heute von 19 Uhr an im KörberForum mal wieder über Olympiapläne diskutiert werden. Diesmal auf dem Podium: Sportsenator Michael Neumann, Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig und Sabine Lafrentz von der Volksinitiative STOP Olympia Hamburg. Wir erwarten mindestens eine wütende Faust, wie sie am Montag im Haus des Sports vom Ersten Bürgermeister Olaf Scholz gegen skandierende "Olympia-Saboteure" ("Alle wollen dasselbe: Olaf in die Elbe") gereckt wurde. Und natürlich die Beantwortung einer Gretchenfrage à la "Wie können wir über Olympia abstimmen, wenn nicht geklärt ist, was Hamburg zu zahlen hat – und wer am Ende die Risiken einer Kostensteigerung trägt?". Dazu nahm Neumann bei der vorigen Veranstaltung knackig Stellung: "Bei 1,2 Milliarden ist Schluss." Noch bis zum 29. November läuft die Abstimmung über die Olympischen Spiele. Eine sichere Sache – dachte man bisher. "Schaffen wir das?", fragen sich plötzlich nicht wenige Hamburger. Olympia ist nicht mehr das größte Projekt der Stadt. Da ist die Flüchtlingshilfe. Und noch viel mehr … Die ZEIT-Hamburg-Redakteure Marc Widmann und Kilian Trotier haben das mal aufgeschrieben.

Hapag-Lloyd, ein Schnäppchen?

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd braucht Geld und geht an die Börse. Am Freitag sollen die neuen Aktien zum ersten Mal notiert werden. Das Unternehmen hofft auf 300 Millionen Euro für neue Schiffe und Container. Diesen Versuch wollte man eigentlich schon vor einer Woche starten, doch die Hapag-Llyod-Aktien für 23 bis 29 Euro das Stück stellten sich im letzten Moment als Ladenhüter heraus. Und wie wird man Ladenhüter los? Richtig, mit ordentlichen Rabatten. Seit gestern steht laut der Agentur Reuters fest: Eine Hapag-Lloyd-Aktie gibt es jetzt schon für 20 Euro. Dumm ist das nur für die, die bereits Anteile an der Reederei halten – die Stadt Hamburg. Um den Verbleib Hapag-Lloyds hier zu sichern, hatte man immer wieder Anteile der Reederei gekauft, am Ende für mehr als eine Milliarde Euro. Das, da war sich Olaf Scholz 2012 sicher, werde sich rechnen. Erst mal nicht: Die Aktien sind seit gestern Nacht nur noch die Hälfte wert.

Oase auf dem Bunker

Als letztes Jahr die Pläne des Vereins Hilldegarden für den Bunker auf dem Heiligengeistfeld bekannt wurden, waren nicht alle Anwohner begeistert. Von einem "Riesenbauprojekt mit grünem Mäntelchen" war die Rede, denn neben Bäumen und Beeten plante Hilldegarden auf dem Dach des Bunkers auch eine Halle für Konzerte und Theater. Angesichts des Uebel & Gefährlich nur ein paar Stockwerke tiefer fanden Anwohner, teure Kulturveranstaltungen seien nicht das, was das Viertel am dringendsten brauche. Wieder andere wollten Raum für Guerilla-Gardening mit Dämmerschoppen. Jetzt, nach acht Infoveranstaltungen, sechs Workshops und fünf Arbeitsgruppen, stellen die Zuständigen vermutlich reichlich erschöpft heute um 19.30 Uhr im Wirtschaftsgymnasium St. Pauli (Budapester Straße 58) ihren 144-seitigen Kompromiss vor: Aus der Konzerthalle soll eine Sporthalle werden. Und der Garten wird weder Guerilla- noch irgendein x-beliebiger dämmeriger Garten: Nein, ein japanischer Garten, mit Meditationsbereich, Sitzgelegenheiten, Hängematten und sogar einem kleinen Bach. Eine grüne Oase über St. Pauli! Ob das nun der wirklich letzte Kompromiss ist? "Ich bin zuversichtlich", sagt Tobias Boeing von Hilldegarden. "Aber die finale Genehmigung kommt vom Bezirk."

Laubbläser light

Sind Sie auch schon wieder ein bisschen herbstaggressiv, weil Sie heute früh dieses laute Röhren eines Laubpusters geweckt hat und dann nicht mal die Sonne schien wie (von uns) versprochen? Sind Sie drauf und dran, den nächsten Bläserträger, der Ihnen unterkommt, zur Sau zu machen, geradeheraus und gnadenlos? Vorsicht! Heutzutage muss man differenzieren. Nicht mehr alle Laubpuster sind brachiale Höllenmaschinen für Möchtegern-Rambos und Bückfaule: Einige, verkündet die Stadtreinigung stolz, röhren zehn Dezibel leiser als früher! Was zehn Dezibel in der Realität bedeuten, lesen Sie hier. Als Faustformel: Zehn Dezibel Unterschied liegen zwischen einem und zehn vorbeifahrenden Autos. Und jetzt hören Sie noch mal genau hin: Ist es nicht schon viel leiser?  

MITTAGSTISCH

Dönerecke und Basketballer

Mr. Kebab Südland klingt erst mal nach 08/15-Dönerbude. Doch wer braucht einen hippen Namen, wenn die Gäste auch so in Scharen kommen? Drinnen auf dunklen Holzbänken, draußen für harte Jungs auf Limonadenkästen gibt’s Zucchini-Puffer oder Moussaka für 5 Euro beziehungsweise 6,50 Euro für besonders Hungrige. 100 Meter weiter trainieren die harten Jungs, die Basketballer der "Hamburg Towers". Und anschließend stärken sie sich – richtig, bei Mr. Kebab. Mo–Sa 10.30–21 Uhr, Neuenfelder Straße 31, direkt an der S-Bahn-Haltestelle Wilhelmsburg
Fannie Reinecke

Was geht?

  • Was heißt Ohrwurm auf Lettisch? Die Indie-Band Carnival Youth aus Riga weiß das ganz sicher, Docks, Spielbudenplatz 19, 19 Uhr
  • "Biste Mode", fragen MIA auf ihrem neuen Album, seit 1997 macht die Band da weiter, wo die Neue Deutsche Welle einmal aufgehört hat, und heute rocken sie die Große Freiheit 36, Einlass: 19 Uhr
  • Sorgen für Hochstimmung: die meisterhafte Sopranistin Simone Kermes und das La Folia Barockorchester, Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 19.30 Uhr

Was bleibt?

Ob bei Regen oder Sonne: Der alte Elbtunnel verspricht in 24 Meter Tiefe Trockenheit und angenehme Wärme. Im Kuppelbau an den Landungsbrücken geht es im Fahrstuhl nach unten und durch die gefliesten Röhren des 1911 erbauten Tunnels unter der Elbe exakt 426,65 Meter nach Steinwerder und zurück. Autos kosten und dürfen nur werktags zwischen 8 und 13 Uhr hin und zwischen 13 und 18 Uhr zurück (man stelle sich vor, beim neuen Elbtunnel wäre es auch so). Für Fußgänger und Radfahrer ist der Spaß kostenlos: Elbvertiefung vom Feinsten.

Hamburger Schnack

"Also mit den 1500 Euro Rente komme ich nicht weit, und in ein paar Jahren habe ich alle Immobilien verkauft."
"Ich bin ganz froh, ich hab ja noch Silberminen-Aktien."

Zwei adrette Rentnerinnen, im Bus 340, kurz vor Blankenese

MEINE STADT

»Warten auf den Laubpuster« Ruby © dackelmaedchen_ruby/Instagram

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen oder wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Bis morgen, wenn Sie mögen!

Ihr
Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gerne weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich gerne ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.