Guten Morgen,

ein bisschen stolz sind wir heute schon auf unsere Kollegen aus Layout und Grafik der ZEIT. Ihr täglicher Job ist nicht leicht: nämlich ZEIT-Seiten, auf die wir Schreiber am liebsten so viel Text wie möglich packen würden – und zwar unter Verzicht auf sämtliche Bilder, Grafiken, Seitenränder und Überschriften –, so ansprechend zu gestalten, dass die ZEIT-Käufer unsere Texte trotzdem gern lesen.

Ich gestehe: Das läuft nicht immer ohne Diskussionen ab. Als Entschädigung heimsen Artdirektion und Gestaltungsabteilung der ZEIT regelmäßig Preise ein. Nun wurden Design und Gestaltung von 22 ZEIT-Seiten beim European Newspaper Award ausgezeichnet. Darunter sind auch zwei Seiten aus dem Hamburg-Ressort: ein Gespräch von Frank Drieschner und Marc Widmann mit dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz – ziemlich frech aufgemacht mit einem Bild von Scholz’ oberer Kopfhälfte und der Zeile "Kahl der Große". Und eine Geschichte über den Erdbeerkönig Enno Glantz von Hanna Grabbe, bei dem das Layout den gesamten Text in Form einer Erdbeere gesetzt hat.
Gratulation, Kollegen. Und können wir dann vielleicht noch mal über mehr Platz für meine Kolumne sprechen…?


Wie nachhaltig ist Olympia?

Gestern haben Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Nikolas Hill, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024, endlich das Nachhaltigkeitskonzept für Olympia vorgestellt. Reichlich spät, haben doch 430.000 Hamburgerinnen und Hamburger schon längst per Briefwahl abgestimmt. Die Ziele des Konzepts klingen auf den ersten Blick ambitioniert: Klimaneutral sollen die Spiele werden, die Lieferketten fair, und die OlympiaCity soll als ökologisches Vorzeigequartier gebaut werden. Doch bei genauem Hinsehen bleibt nach Ansicht von Kritikern wenig von den großen Ambitionen. Es fehle dem Konzept an "Verbindlichkeit und Innovation", findet Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg. Die Ausgleichskosten für die Klimaneutralität fänden sich im Finanzreport nicht wieder, ein Zeichen, dass man diese nicht ernst nähme. Und die Stadt verpasse die Chance, für die OlympiaCity "auf eine ganz neue Mobilität zu setzen", ohne Autoverkehr. Und dass der Fahrradverkehr in der Stadt durch den "Katalysator Olympia" auf 25 Prozent steigen solle, sei eine Zielvorgabe, die die Regierung eigentlich schon am Anfang der Legislaturperiode beschlossen habe – noch ohne Olympia-Pläne. Leichte Ernüchterung auch bei der Olympia-Euphorie in der Stadt. Neuesten Umfragen zufolge sprechen sich zwar weiterhin mehr als die Hälfte der Hamburger, 56 Prozent, für Olympia aus. Doch das sind schon sieben Prozent weniger als im September.

Offizielle Dreckschleuder eröffnet

Das Gegenteil zu Nachhaltigkeit ist das Steinkohlekraftwerk Moorburg. Gestern wurde es von Olaf Scholz und Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka offiziell eröffnet. Es ist so groß, dass es ganz Hamburg mit Strom versorgen könnte, bei vollem Betrieb aber rund 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr ausstoßen würde. Ein Rückschlag für die Energiewende; sollen doch bis zum Jahr 2050 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Selbst Vattenfall hat in der Zwischenzeit zugegeben, dass es Moorburg heute nicht mehr bauen würde. Ob das Kraftwerk die Investitionen von drei Milliarden Euro je wieder einspielen kann, ist offen. Besonders vielversprechend war auch die Eröffnungsphase nicht. Block B wurde Ende August offiziell in Betrieb genommen, steht aber schon wieder still wegen kleinerer Schäden. Gleichwohl sagte Magnus Hall, Vattenfall-Gesamtchef, das Kraftwerk gehöre zu den effizientesten und werde "für die Sicherstellung der Versorgung und den Erhalt der Netzstabilität zweifellos gebraucht".

Ohnsorg-Intendant kündigt Rücktritt an

"Wat de Tiet vergeiht" oder: Hochdeutsch: Wie die Zeit vergeht! Über 20 Jahre war Christian Seeler in der Leitung des Ohnsorg Theaters, jenes Hamburger Theaters, das Stücke nur auf Platt aufführt. Doch die nächste Spielzeit wird seine letzte werden. "Ein Theater wie das Ohnsorg muss mit ganz viel Herzblut und Energie gemacht werden. Ich bin jemand, der immer versucht, zu aktualisieren und zu erneuern", sagte er der Elbvertiefung. "Aber es wurde einfach Zeit für einen Wechsel". Es übernimmt Michael Lang, derzeit Direktor der Komödie Winterhuder Fährhaus, für Seeler "ein Übergang, wie man ihn sich nur wünschen kann". Und ein langsamer. Lang übernimmt erst vom Sommer 2017 an. Und hat bis dahin vielleicht noch Zeit, eine Sache zu lernen. Lang stammt nämlich aus Dortmund. Und der Klang des Plattdeutschen sei ihm zwar mittlerweile vertraut. Aber beim Sprechen habe er noch etwas Nachholbedarf.

Helmut Schmidts Lieblingsorte

"Ich habe mich nicht über die Bürgermeister geärgert, so wichtig waren die auch nicht", sagte Helmut Schmidt in seinem letzten öffentlichen Gespräch über Hamburg, die Reeperbahn, die Flut und die Heimat. Es war im April 2014 im Schauspielhaus, und die Fragen, die ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo stellte, kamen von den Lesern der ZEIT. Die fragten unter anderem auch nach Schmidts Lieblingsorten in Hamburg. Dazu gehörten: Die Lichtwarkschule am Stadtpark, das Chilehaus und die Stele an der kleinen Alster mit dem Barlachschen Relief, einer Mutter mit Kind. Mehr in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg – zur Erinnerung an den großen Sohn dieser Stadt.

"Peepshow beim Security"

Die Staatsanwaltschaft Hamburg erhebt Anklage gegen den Rockmusiker Udo Lindenberg. Der hatte vor einem Jahr am Flughafen den Alarm ausgelöst, weil in seinem Handgepäck ein Revolver samt Munition steckte. "Alles cool, keine Panik, war ne Waffe meines Bodyguard-Teams, die beim Security ne Peepshow gemacht hat", sagte er damals gewohnt locker der dpa. Bis heute ist nicht klar, ob Lindenberg wusste, dass die Waffe in seiner Tasche steckte. "Wir gehen nicht davon aus, dass der mitangeklagte Bodyguard ihm die Waffe dort untergeschmuggelt hat", sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. Irgendwann müsse Lindenberg den Revolver also entgegengenommen haben, und das wäre unerlaubter Besitz einer Schusswaffe. Jetzt muss das Gericht entscheiden, ob die Beweise für eine Anklage ausreichen.

Mittagstisch

Mälzers schneller Teller
Der Betreiber ist Hamburger Star-Koch Tim Mälzer. Ambiente und Speisen haben amerikanische Einflüsse, worauf schon der Name des Bullerei Deli hindeutet. Dazu gehört auch, dass man am Eingang erst mal abgefangen und an einen der freien Tische geleitet wird. Während das Restaurant im hinteren Bereich erst abends öffnet, gibt es im Deli Montag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr Mittagstisch. Täglich wechselnd und (fast) immer gut: der "Schnelle Teller" für 9 Euro. Wer 5 Euro auf den Hauptgang drauflegt, bekommt Suppe und Dessert dazu. Bullerei, Lagerstraße 34 b, Deli ab 11 Uhr geöffnet
Marie Reifrock

Was geht

  • Vorlesetag: Schon seit 2004 findet der Vorlesetag, initiiert von der ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn, jedes Jahr am dritten Freitag im November statt. Dieses Jahr haben sich mehr als 100.000 freiwillige Vorleser angemeldet, unter ihnen Prominente wie Jimi Blue Ochsenknecht, Veronica Ferres und Katja Riemann. Unser Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hielt  mit Bahn-Chef Rüdiger Grube und dem Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg F. Maas, bereits am Mittwoch die Auftaktlesung an der Stadtteilschule Barmbek. Heute finden allein in Hamburg über 90 Veranstaltungen statt, viele davon öffentlich, unter anderem in Schulen, Museen und der Bürgerschaft. Wo genau, sehen Sie hier.
  • Markt: Gibt es auf den Skandinavischen Weihnachtmärkten der Seemannskirchen wohl auch Elchfleisch und salziges Lakritz? Man kann ja mal hoffen... Ditmar-Koel-Straße, Freitag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr
  • Pop: Country-Sängerin aus dem Bilderbuch: Kacey Musgraves sagt "Thank y’all" mit diesem wunderbaren texanischen Englisch und spielt Gitarre, wie es sich gehört. Heute Abend, Docks Hamburg, Spielbudenplatz 19, 21 Uhr

Was kommt

  • Gitarrenkunst: Acoustic Fingerstyle, Classical, Flamenco- und Jazz-Guitar – wer Freude an den verschiedenen Spielarten der Gitarre hat, dem wird hier das Herz aufgehen. FourStyles sind: vier hochkarätige Musiker, ein Instrument, vier Stilrichtungen. Mit dabei: Ian Melrose, Heiko Ossig, Georg Kempa und Rüdiger Krause, der erst Anfang des Jahres gemeinsam mit der US-Jazzlegende Carla Bley das Album "A Guitar Named Carla" veröffentlichte. Wir konnten dem Manager in letzter Minute 3 x 2 Karten für unsere Leser abschwatzen und bitten Sie, wenn Sie hinwollen, uns in letzter Sekunde zu schreiben: bitte unbedingt bis heute 13 Uhr an elbvertiefung@zeit.de, Stichwort: FourStyles. Morgen in der Laeiszhalle, Kleiner Saal, Dammtorwall 46, 20.00 Uhr
  • Franzbrötchenwettbewerb: Klar, Hamburg ist bekannt für den Michel, die Elbe und das Wetter, aber das kulinarisch Beste, was diese Stadt zu bieten hat, sind vermutlich die Franzbrötchen. Mehr als 20 Bäckereien treten gegeneinander an – und das Publikum darf testen! Außerdem wird gezeigt, wie man die Zimtwecken selber herstellen kann. Samstag im Hamburg Museum, Holstenwall 24, 14 Uhr, Verkostung 16.30 Uhr, Siegerehrung 17.45 Uhr, Bäuchleindrücken später
  • Event: "Nachts im Museum" wird alles lebendig. Vielleicht erlebt man das auch bei der Taschenlampenführung im Museum für Völkerkunde. Für Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren. Morgen, Rothenbaumchaussee 64, 20.30 Uhr, und noch mal am Freitag, 4. Dezember
  • Handball: Lust auf Sport, aber bei dem Wetter eher so zum Zugucken? Und mal nicht Fußball? Dann auf zum Handball: HSV vs. HBW Balingen-Weilstetten. Am Sonntag in der Barclaycard Arena, Sylvesterallee 10, 15 Uhr

MEINE STADT

Sturmflut an der Elbe © tim_hazel via Instagram

Hamburger Schnack

Ein Großeltern-Paar tritt mit dem zehnjährigen Enkel aus der U-Bahn-Station Baumwall, als es anfängt, zu regnen. Der Enkel beklagt sich, dass er nass wird. Seine Oma entgegnet – der Regen wir unterdessen immer stärker: "Das ist kein Regen. Das ist höchstens Niesel. Das meiste davon fällt neben dich."

Gehört von Kristina Hansen

Haben auch Sie Schnack für uns? Bitte an elbvertiefung@zeit.de, Stichwort Schnack!

Ach so: Hansa Taxi hat etwas eingeführt, das sich viele Eltern wünschen: die "Youth Card", mit der Kinder und Jugendliche bargeldlos beim Fahrer bezahlen können. Abgerechnet wird einmal im Monat. Und Kinder und Jugendliche werden vom Fahrer "in Empfang genommen" und "direkt bei den Eltern abgegeben"! Endlich also müssen Mama und Papa nicht mehr Taxi spielen – warum kommt diese Idee erst jetzt?

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.