Es war ein Jahr der großen Ereignisse und der großen Trauer: Tausende Flüchtlinge kommen in den Norden, Helmut Schmidt, Günter Grass, James Last und Hellmuth Karasek sterben. Olaf Scholz wird wieder- und Olympia abgewählt. Eine Mutter quält ihr Kind mit verseuchten Spritzen, ein Vater schüttelt sein Baby fast zu Tode. Der HSV und der FC St. Pauli steigen erst fast ab und sind dann erfolgreich, wie lange nicht mehr.Ein Überblick 

Januar

Brandanschlag auf "Hamburger Morgenpost"

11. Januar: Wenige Tage nach dem Terrorangriff auf die Pariser Zeitrschrift "Charlie Hebdo" wird auf das Gebäude der "Hamburger Morgenpost" ein Brandanschlag verübt. Unbekannte werfen von einem Hinterhof aus Steine und einen Brandsatz in das Archiv der Zeitung. Einige Akten verbrennen, Menschen werden nicht verletzt. Anfang März gibt die Polizei bekannt, dass neun junge Männer unter Tatverdacht stehen. Die Staatsanwaltschaft prüft auch einen islamistischen Hintergrund und erhebt im November Anklage.

Neuer Chef für Blohm+Voss

12. Januar: Die Hamburger Werft Blohm+Voss bekommt einen neuen Chef. Der Niederländer Fred van Beers übernimmt die Führungsposition von Herbert Aly. Er soll das Geschäft mit Luxusjachten ausbauen. Bis zum Jahresende führt die Werft entsprechende Verhandlungen, meldet aber noch keinen Abschluss.

Kieler Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Nonnenmacher ein

13. Januar: Die Kieler Staatsanwaltschaft stellt ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher ein. Nonnenmacher war vorgeworfen worden, im Jahr 2009 gemeinsam mit einem leitenden Angestellten das damalige Vorstandsmitglied Frank Roth zu Unrecht wegen Geheimnisverrats angezeigt und zum angeblichen Beweis dieser Vorwürfe eine fingierte Beweislage geschaffen zu haben. "Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ließ sich nicht belastbar beweisen, dass Professor Nonnenmacher um die Unrichtigkeit der mit der Anzeige erhobenen Vorwürfe wusste", sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Größtes Schiff der Welt besucht Hamburg

13. Januar: Das größte Containerschiff der Welt, die "CSCL Globe", besucht erstmals den Hamburger Hafen. Der Frachter kann 19.100 Standardcontainer (TEU) transportieren. Im Sommer, am 1. August, wiederholt sich dieses Ereignis mit dem nächstgrößeren Containerriesen. Die "MSC Zoe" trägt maximal 19.224 TEU. Sie wird in Hamburg getauft. Im Verkehr zwischen Asien und Europa setzen die Reedereien immer größere Schiffe ein. Schon sind die ersten Frachter mit mehr als 20.000 TEU Tragfähigkeit in Bau.

Bundesgericht kippt Genehmigung für Zwischenlager am Akw Brunsbüttel

16. Januar: Die Genehmigung für das Zwischenlager mit hoch radioaktiven Brennelementen am Akw Brunsbüttel ist rechtswidrig, urteilt das Bundesverwaltungsgericht. Energieminister Robert Habeck (Grüne) ordnet an, die weitere Einlagerung für drei Jahre zu dulden. So gibt es keinen rechtsfreien Zustand. Mit dem Gerichtsbeschluss dürfen auch keine Brennelemente aus dem Reaktor in das Zwischenlager gebracht werden. Die Richter rügen, die Folgen eines A380-Absturzes und eines Angriffs mit panzerbrechenden Waffen seien nicht hinreichend geprüft worden.

Milliardär Kühne steigt beim HSV als Investor in Fußball-AG ein

22. Januar: Klaus-Michael Kühne steigt beim Hamburger SV als Investor in die Fußball-AG ein. Der Milliardär, der Ende 2014 die Option auf einen Einstieg noch hatte verstreichen lassen, wurde von dem Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer in langen Verhandlungen zum Umdenken bewegt. Ein Darlehen von 18,75 Millionen Euro wurde in Anteile umgewandelt, Kühne mit 7,5 Prozent an der Gesellschaft beteiligt. Seit dem 1. Juli wird aus der Imtech Arena wieder das (alte) Volksparkstadion. Für den Erwerb der Namensrechte für zunächst vier Jahre zahlt Kühne jährlich vier Millionen Euro. Das Volumen für den gesamten Deal beträgt damit fast 35 Millionen Euro.

Stefan Heße zum Hamburger Erzbischof ernannt

26. Januar: Papst Franziskus ernennt den Kölner Generalvikar Stefan Heße zum neuen Erzbischof von Hamburg. Der 48-Jährige tritt die Nachfolge von Werner Thissen an, der mit 75 Jahren sein Amt aus Altersgründen niedergelegt hatte. Vor diesem war Ludwig Averkamp von 1995 bis 2002 erster Erzbischof in der Hansestadt gewesen. Rund 400.000 Katholiken leben in dem Erzbistum, zu dem auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg gehören.

Februar

Bewährungsstrafen für Pflegeeltern nach Chantals Methadon-Tod

5. Februar: Drei Jahre nach dem Methadon-Tod der elfjährigen Chantal verurteilt das Hamburger Landgericht ihre Pflegeeltern wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen. Der 54-jährige Pflegevater erhält ein Jahr Haft auf Bewährung, die vier Jahre jüngere Pflegemutter acht Monate auf Bewährung. Chantal hatte dem Gericht zufolge in der Wohnung ihrer drogenabhängigen Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge.

Warnstreik des Sicherheitspersonals legt Flughafen lahm

9. Februar: Ein Warnstreik des Sicherheitspersonals sorgt für Chaos bei der Abfertigung der Passagiere des Hamburger Flughafens. Die Eingänge zu den Terminals werden von der Polizei wegen zu großen Andrangs vorübergehend geschlossen. Die Wartezeiten betragen mehrere Stunden, zahlreiche Flüge fallen aus. Der Flughafen wird im Laufe des Jahres noch mehrfach Opfer von Streiks des Sicherheitspersonals oder von Piloten und Flugbegleitern.

Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft

9. Februar, Escheburg: In ein noch unbewohntes Asylbewerberheim fliegt ein Brandsatz. Das Gebäude steht zu diesem Zeitpunkt leer. Der Brandsatz löst ein Feuer aus. Die Staatsanwaltschaft stuft die Tat als fremdenfeindliche, politische Straftat ein. Politiker verurteilen den Anschlag. Der Täter, ein Finanzbeamter wird später verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Deichkind erklimmen erstmals Spitze der Albumcharts

10. Februar: Die Band Deichkind schafft es mit Niveau Weshalb Warum an die Spitze der deutschen Albumcharts. Die Hamburger Musiker stehen zum ersten Mal in ihrer Karriere auf Platz eins, teilt GfK Entertainment mit. Auch die nächsten beiden Plätze sind fest in Hamburger Hand: Auf der Zwei rangiert 187 Strassenbande um Rapper Bonez MC, ihr Sampler 3 lässt auch Gäste wie Kontra K oder Fatal ans Mikrofon. Komplettiert werden die Top 3 von Singer-Songwriter Johannes Oerding mit Alles brennt.

Leiche von Reemtsma-Entführer Wolfgang Koszics an Algarve gefunden

11. Februar: Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Leiche des Reemtsma-Entführers Wolfgang Koszics an der Südküste Portugals gefunden wurde. Der 72-Jährige sei bereits im Februar 2014 von einer Klippe an der Algarve gestürzt. Mit Hilfe der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" versucht die Anklagebehörde, den mysteriösen Todesfall aufzuklären - ohne Erfolg. Im November werden die Ermittlungen eingestellt. Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden hätten nicht festgestellt werden können.

Diren-Todesschütze in den USA zu 70 Jahren Haft verurteilt

12. Februar: Ein US-Gericht verurteilt den Todesschützen des Hamburger Austauschschülers Diren zu 70 Jahren Haft. Bereits am 17. Dezember vorigen Jahres hatte das Gericht den 30-jährigen in Missoula (Bundesstaat Montana) wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen. Markus K. hatte Diren im April 2014 erschossen, nachdem dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Im Juli wurde bekannt, dass Direns Familie sich mit dem Schützen über eine Entschädigung in nicht genannter Höhe geeinigt habe.

SPD gewinnt Bürgerschaftswahl trotz leichten Verlusten klar

15. Februar: Die SPD entscheidet die Bürgerschaftswahl in Hamburg klar für sich. Laut amtlichem Endergebnis kommen die Sozialdemokraten von Bürgermeister Olaf Scholz auf 45,6 Prozent. Die CDU rutscht auf 15,9 Prozent ab. Die Grünen kommen auf 12,3 Prozent. Die Linken erreichen 8,5 Prozent. Die FDP schafft 7,4 und die AfD 6,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,5 Prozent. Im Vergleich zur Wahl 2011 verlor die SPD 2,8 Punkte, die CDU 6,0. Alle anderen Parteien gewannen hinzu: die Grünen 1,1 Punkte, die FDP 0,7 und die Linken 2,1 Punkte. Die AfD war zum ersten Mal zur Wahl angetreten.

20.000 beim "Olympischen Alsterfeuer" in Hamburg

20. Februar: Tausende Hamburger zeigen mit einem Alsterfeuer ihre Begeisterung für Olympische Spiele 2024 in der Hansestadt. Rund um die Binnenalster halten Menschen eine brennende Fackel gen Himmel.

André Trepoll neuer Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion

25. Februar: Der bisherige verfassungs- und justizpolitische Sprecher der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, André Trepoll, ist neuer Fraktionschef. Der 37-Jährige wird von 19 der 20 CDU-Abgeordneten gewählt. Nur ein Abgeordneter stimmt gegen den Justiziar des Industrieverbands Hamburg. Der bisherige Fraktionschef und frühere Spitzenkandidat Dietrich Wersich tritt wegen des miserablen CDU-Abschneidens bei der Bürgerschaftswahl nicht mehr an. Er wird neuer Erster Vizepräsident der Bürgerschaft.

Literaturkritiker Fritz J. Raddatz stirbt

26. Februar: Literaturkritiker Fritz J. Raddatz ist tot. Der langjährige Feuilletonchef der Wochenzeitung DIE ZEIT stirbt im Alter von 83 Jahren in Zürich (Schweiz). Raddatz, geboren 1931 in Berlin, galt als einer der streitbarsten und eloquentesten Literaturkritiker Deutschlands. Von 1960 bis 1969 war er stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlags (Reinbek). Hier entdeckte und pflegte er Autoren wie Hubert Fichte, Rolf Hochhuth, Walter Kempowski oder Elfriede Jelinek. 1977 löste Raddatz als Feuilletonchef der Wochenzeitung DIE ZEIT (Hamburg) Dieter E. Zimmer ab. In dieser Position avancierte er zu einem der einflussreichsten deutschen Literaturkritiker.