19. Januar 1996: Asylbewerber vor dem ausgebrannten Haus in der Hafenstraße in Lübeck - zehn Flüchtlinge starben hier durch Brandstiftung. © dpa

In den Nachthimmel lodernde Flammen, verzweifelte Menschen, die in Todesangst aus Fenstern springen: Der 18. Januar 1996 ist als einer der schrecklichsten Tage der Geschichte in die Annalen der Hansestadt Lübeck eingegangen. Damals starben bei einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in der Hafenstraße zehn Menschen, vier Erwachsene und sechs Kinder, darunter eine Mutter und ihre fünf Kinder. 38 Hausbewohner wurden zum Teil schwer verletzt.

Mit einer Gedenkveranstaltung wollen die Hansestadt und Flüchtlingsorganisationen am kommenden Montag, den 18. Januar, an den 20. Jahrestag der größten Brandkatastrophe in Lübeck seit 1945 erinnern. Eine Katastrophe, die gleichzeitig der schwerste Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in der Geschichte Deutschlands ist.

Die genauen Hintergründe sind bis heute unklar. Fest steht nur, dass das Feuer im ersten Stock des Hauses gelegt wurde. Doch wer die Brandstifter waren – Hausbewohner, wie die Staatsanwaltschaft vermutete, oder Täter mit ausländerfeindlichem Hintergrund, wie vor allem linke Gruppen und Flüchtlingsorganisationen glauben – ist juristisch nie geklärt worden.

Prozesse waren von Anfang an auch Politikum

Der Verdacht, dass Rechtsradikale die Täter seien, lag in den neunziger Jahren nicht fern. 1992 gab es die Ausschreitungen in Rostock, dazu 1991 Anschläge in Hünxe, 1992 in Mölln und 1993 in Solingen. Und auch in Lübeck war es zu dem Zeitpunkt bereits zu fremdenfeindlichen Attacken gekommen.

Eine Situation, die Maria Brinkmann vom Lübecker Flüchtlingsforum mit der Lage heute, zwanzig Jahre später, vergleicht. "Wieder gibt es Anschläge auf Asylunterkünfte, wieder erleben wir, wie tief Rassismus in der Gesellschaft verankert ist", sagt sie. Das Flüchtlingsforum hat deshalb zu einer Demonstration am Samstag, den 16. Januar, aufgerufen, bei der an die Toten erinnert und eine offene Gesellschaft propagiert werden soll.

1996 wurde zwei Tage nach dem Brand ein Hausbewohner unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Er wurde wegen besonders schwerer Brandstiftung angeklagt, später jedoch von zwei Gerichten – dem Landgericht Lübeck im Juni 1997 und dem Landgericht Kiel im November 1999 – freigesprochen. Der junge Libanese war in Verdacht geraten, weil er zu einem Sanitäter, der in der Brandnacht seine Verletzungen behandelte, gesagt haben soll: "Wir waren's." Im Prozess sagte er dagegen aus, er habe mit den Worten "Die waren's" ausländerfeindliche Täter gemeint.