Horner Moor CC BY-SA 3.0 Kassandro
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

in der letzten Woche habe ich Sie gebeten, uns Ihre Meinung zu sagen. Offen und schonungslos. Und wir sind überwältigt. Einmal von der Anzahl der Teilnehmer: Obwohl wir weder den Namen Helmut Schmidt erwähnten noch ein Elefantenbild zeigten, absolvierten binnen kürzester Zeit über 3000 von Ihnen unsere Umfrage.

Und zweitens: Ihre Antworten bestätigen, dass unser werktäglicher ZEIT-Letter für Hamburg mit dem, was man aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Stadtleben wissen sollte, wirklich gut ankommt. Was mich ganz besonders freut: Über 94 Prozent von Ihnen macht es Spaß oder zumindest überwiegend Spaß, uns zu lesen – und über 92 Prozent von Ihnen würden uns am Ende weiterempfehlen (tun Sie das gerne ...).

Ausgehend von Ihren Antworten, sind knapp 60 Prozent unserer Leserschaft weiblich; alle Altersgruppen sind vertreten. Und viele von Ihnen haben sich die Mühe gemacht, uns zu schreiben, was wir noch besser machen könnten, haben uns Themen und neue redaktionelle Formate vorgeschlagen – wir sind noch dabei, das zu sortieren und darüber nachzudenken – oder uns einfach, und das unglaublich nett, zu schreiben, dass wir so weitermachen sollen ...

Kurz: Wir schätzen uns sehr glücklich, solche tollen Leserinnen und Leser zu haben. Das ganze Team der Elbvertiefung sagt Ihnen großen Dank!

(Und machen bitte auch SIE so weiter.)

Einzig unser Meteorologe ist etwas schweigsam. Vielleicht hat er aber auch nur zu viele Kekse abbekommen.

Grüne Lebensader für Hamburgs Osten

Auch wenn Sie es nicht glauben angesichts der ganzen Bautätigkeiten und Verdichtungspläne und des schwindenden Grüns, in Hamburg gibt es tatsächlich ein Landschaftsprogramm mit dem Ziel, Parkanlagen, Grünstreifen, Sportflächen und Friedhöfe zu einem "grünen Netz"  zu verbinden. Das Lebensqualität durch Natur in die Stadt bringen soll und in dem man irgendwann auf "Landschaftsachsen" vom Stadtrand in die Innenstadt gelangen kann, ohne groß von Straßenverkehr behelligt zu werden. Lange schien diese Vision im Dornröschenschlaf zu liegen. Jetzt aber werden fünf Millionen Euro in die "Landschaftsachse Horner Geest" investiert. Eine Rad- und Fußgängerverbindung von der City bis nach Öjendorf soll entstehen – mit neuen Bäumen, Wiesen, Spielplätzen, Freizeitmöglichkeiten. Für Hamburg eine Sensation! "Wir wollen diesen Grünzug an vielen Stellen auch unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger planen und entwickeln", sagt Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie. "Ich bin sicher, dass die Stadtteile St. Georg, Borgfelde, Hamm, Horn und Billstedt von diesem Projekt profitieren werden." Der Hamburger Osten braucht Grünflächen; allein im kommenden Jahr sollen dort 20.000 neue Wohnungen entstehen. Heute wird das Projekt in Berlin von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks als vorbildhaft ausgezeichnet – was auch bedeutet, dass der Bund es mit 3,3 Millionen Euro fördert. Bis 2019 soll die Achse entwickelt und am Ende neun Kilometer lang sein. Das klingt nach einer vernünftigen Laufstrecke. Apropos: Die "Achse" durch Eimsbüttel ist streckenweise wirklich sehr kümmerlich.

Hamburg engagiert

Lange stand freiwilliges Engagement nicht mehr so im Zentrum der Aufmerksamkeit wie im Jahr 2015 – die Flüchtlingskrise hatte auch eine Welle der Hilfsbereitschaft bei den Deutschen ausgelöst. Ein Gespräch mit Sandra Berkling, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft freie Wohlfahrtspflege (AGFW) in Hamburg, nach Ende der Freiwilligenbörse in Hamburg.

Frau Berkling, wofür braucht man eine Börse für Freiwillige?Kommen die nicht von allein?

"Viele Menschen können sich vorstellen, aktiv zu werden, wissen aber noch nicht genau, wo. Oder sie haben vorab Fragen, die sie stellen wollen. Und an diese Menschen richtet sich unser Angebot: erst mal unverbindlich kennenlernen und gucken, was es so gibt."

Und wie viele Menschen kommen dann tatsächlich?

"Dieses Jahr hatten wir 163 Aussteller, von großen Namen wie der Caritas und Unicef bis hin zu kleinen, lokalen Vereinen für den Erhalt von Dampfschiffen. Und 4600 Besucher."

Man weiß ja, wie das mit den guten Vorsätzen läuft. Was wird denn aus den Leuten, die auf der Messe Interesse an einem Projekt oder Verein zeigten?

"Erst mal ist es wichtig, dass die Interessierten und die Initiativen sich kennenlernen und über ihre Vorstellungen reden: Was machen Freiwillige, wie viel Zeit braucht man dafür? Und dann haben Studenten der Uni Hamburg einmal untersucht, was nach der Börse passiert, und herausgefunden: Ein Viertel der Besucher beginnt tatsächlich, sich bei einem der Aussteller zu engagieren."

Manchmal ist es ja gar nicht so leicht für Organisationen, die Freiwilligen auch zu halten ...

"Stimmt. Wir sprechen gerne von einer Anerkennungskultur. Man darf als Verein nicht voraussetzen, dass da schon jemand kommen wird. Man muss verstehen, dass es etwas Besonderes ist, wenn jemand seine Zeit und Energie zur Verfügung stellt. Wenn Freiwilligen nicht klar ist, wofür sie gebraucht werden, und sie sich überflüssig fühlen, kann es passieren, dass sie abspringen. Deshalb ist es gut, wenn alle wissen, worauf sie sich einlassen."

Und wenn jemand sich gern engagieren würde, aber die Messe verpasst hat?

"In Hamburg hat jeder Stadtteil eine Freiwilligenagentur. Dort kann man sich beraten lassen, über seine Interessen und das Zeitbudget sprechen und sich passende Angebote heraussuchen lassen."

Pflegeheime auf dem Prüfstand

Vor Schauergeschichten aus Altenpflegeheimen haben wir alle Angst, auch wenn viele von uns versuchen, das zu verdrängen. 2009 wurde in Deutschland der  "Pflege-TÜV" des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) eingeführt. Doch die veröffentlichten Noten zur Qualität der Pflege hatten so wenig Aussagekraft, dass CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe den "TÜV" wieder aussetzen ließ. Woher sollen die Leute nun wissen, wo man gut aufgehoben ist? Laut "Hamburger Abendblatt" will die Stadt in Zukunft selber überprüfen, ob sich Heime an ihre eigenen Leitbilder halten – ob Bewohner zum Beispiel selbst entscheiden können, wann sie aufstehen oder ins Bett gehen, was sie essen, ob sie zu Arztbesuchen begleitet werden –, und die Ergebnisse dieser Kontrollen veröffentlichen. Die Sprecherin des Bezirksseniorenrats Nord, Ursula Preuhs, ist begeistert. Doch – wer hätte das gedacht?! – bei den Heimbetreibern ist das anders. Die nämlich rechnen mit erheblichen Mehrkosten. Warum? Weil das Pflegepersonal dann noch genauer dokumentieren müsse, was es tut. Mehr Papierkram bedeutet aber weniger Zeit für Pflege – und wenn von den schaurigen Geschichten auch nur die Hälfte stimmt, herrscht bei den Angestellten ohnehin nicht gerade Müßiggang. Denn das Problem bleibt: Noten und Beurteilungen können vielleicht mehr Vergleichbarkeit in das System bringen. Aber gute Pflege kostet Zeit. Also Geld. Und das muss man bezahlen.

Unbequem = Rauswurf?

Über wenige Themen streiten Hamburger gerne mit so viel Leidenschaft wie über Gebäude, die noch stehen, aber eventuell nicht mehr lange. So ist das auch bei den City-Hochhäusern am Klosterwall. Schön sind sie nicht. Aber denkmalgeschützt, weil sie die Nachkriegsarchitektur verkörpern und als Beispiel der architektonischen Postmoderne gelten. Für diese spricht, dass die Hochhäuser ursprünglich gar keine hässlichen grauen Klötze waren. Sie strahlten weiß, verkleidet mit sogenannten Leca-Platten, durchsetzt von Doppelflügel-Fenstern – eine Optik, mit der man sich vermutlich heute noch anfreunden könnte. Doch die Finanzbehörde ließ beim Ausschreibungsverfahren nur Abriss-Konzepte übrig. Gegen die formierte sich im Sommer ein breites Bündnis. Und in eine der Hochhaus-Ladenflächen mietete sich die Initiative City-Hof ein, die sich für den Erhalt der Hochhäuser einsetzt, und hielt Veranstaltungen ab, zum Beispiel "Die lange Nacht der Leca-Platte". "Aber jetzt sind wir der Stadt wohl zu unbequem geworden", sagt Marco Hosemann, Sprecher der Initiative. Denn als der Verein den Hauptmieter ändern wollte, hieß es bei der städtischen Sprinkenhof GmbH, nötig sei ein neuer Vertrag. Also kündigte die Initiative den alten und bemühte sich um einen neuen – sei aber hingehalten worden, so Hosemann, und schließlich habe es geheißen, der Raum werde nun als Lagerraum gebraucht. "Zunächst hat der Mieter selbst gekündigt", sagt dazu Lars Vieten von Sprinkenhof. Dann habe sich herausgestellt, dass man den Laden als Lager benötige. Was genau gelagert werden soll, kann Vieten nicht sagen, aber: Es gebe keine andere geeignete Fläche. Man kann davon ausgehen, dass das erst recht für die Initiative City-Hof gilt: Alle anderen Ladenflächen der Hochhäuser sind belegt.

Mittagstisch

Gemütlicher Orient

Okay, das L’Orient an der Osterstraße ist zugegebenermaßen besser geeignet für eine gemütliche Mittagspause. Dann kann man in dem meist vollen Laden mit goldfarbenen Wänden das Menü bestellen und entspannt quatschen, wenn die Wechsel von Vorspeisen zu Hauptgang zu Nachtisch ein Momentchen dauern. Das Warten lohnt sich nämlich: Die Mittagskarte wechselt täglich, wenn es Lamm gibt, ist es vorzüglich, im Menü sind stets Mezze als Vorspeise vorgesehen, und wer besonderes Glück hat, bekommt zum Nachtisch Zimteis! L’Orient, Osterstraße 146, 12–16 Uhr, Hauptspeise ab 6 Euro

Franziska Bulban

Was geht

Comedy: Gibt es denn nie was zu lachen? Doch, genau einmal im Monat beim Stand Up, dieses Mal mit Moritz Neumeier und Jasper Diedrichsen. Stand Up, Grüner Jäger, Neuer Pferdemarkt 36, Einlass 19.30

Konzert: Die Frau kann alles: so schnell rappen, dass sich Eminem warm anziehen muss, und singen, dass Beyoncé über eine neue Girlband nachdenken kann: Angel Haze. Mojo Club, Reeperbahn 1, 21 Uhr

Kindertheater: Ein Verrückter, alter Schwede! "Neues von Pettersson und Findus", Die Burg, Theater am Biedermannplatz, Volkmannstraße 6, 16.30 Uhr

Schnack

Beim Bäcker am Schlump drückt sich ein quengelnder Fünfjähriger die Nase an der Scheibe vor den Berlinern und anderem Zuckerbackwerk platt. Seine Mutter ermahnt ihn: "Nein, hör auf, du bekommst nichts Süßes. Du darfst entweder eine Laugenstange oder ein Franzbrötchen haben."

Gehört von Thorsten Markgraf


Meine Stadt

»Im Juli letzten Jahres hatte ich das große Glück, als Seemannsdiakon und neuer diakonischer Heimleiter in der Seemannsmission Hamburg-Altona e.V. anfangen zu dürfen. Ursprünglich komme ich aus Bielefeld. Und so sehr ich meine Heimat liebe, so war doch die Sehnsucht, die mich gen Norden zog, größer. Bereut habe ich diese Entscheidung bis heute nicht. Bin ich doch mit wundervollen Kollegen, einer erfüllenden Arbeit zum Wohle der Seeleute und nicht zuletzt einem grandiosen Ausblick auf dem täglichen Weg zur Arbeit mit dem Rad gesegnet worden.« © Fiete Sturm


Fünf Produkte hatte die Hamburger Verbraucherzentrale für den Preis "Mogelpackung des Jahres" nominiert, unter anderem Tassimo Latte Macchiato classico, welches ohne echte Milch auskommt, und  Heinz Curry Ketchup, das vorher mehr Ketchup enthielt. Nichts gegen die Bebe Zartcreme von Johnson & Johnson. Denn bei der gibt es nun deutlich weniger Inhalt – für teilweise mehr Geld. Aber dafür ist jetzt noch ein Konservierungsstoff dabei. 26.132 Verbraucher kürten die Zartcreme völlig zu Recht zum Mogelsieger. Wir gratulieren und hoffen, die Verantwortlichen werden sich mit ihrer Creme nun ausgiebig selber einschmieren. Andere Mogelpackungen finden Sie auf der Facebook-Seite der Verbraucherzentrale

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr