Wohncontainer für Flüchtlinge © dpa
© Vera Tammen

Guten Morgen,

jetzt ist er da, der Ausnahmezustand: Berichtet wird von heldenhaft nachts ausrückenden Einsatzkräften, von unerbittlicher Glätte, und einer ganze drei Zentimeter hohen Schneedecke, die es trotz entsprechender Wettervorhersagen offenbar doch schaffte, die Menschen in Harburg zu überraschen, zumindest die Menschen, die nicht an Vorhersagen glauben – es wintert in Hamburg, nein, viel schlimmer: Der Winter, schreibt das Hamburger Abendblatt, "hat Hamburg im Griff". Zumindest bis Donnerstag.

Zu erwarten sind ferner dramatische Geschichten von heimtückischerweise nicht geräumten Straßen und Fußwegen, von schneidendem Wind und von Schnee und Eis, die glatt beim Auto- und Radfahren stören. Nur zum Äußersten wird es wohl nicht kommen. "Seinen Schlitten", beruhigt die "Hamburger Morgenpost", "muss jetzt aber niemand aus dem Keller holen."
So ist das eben, wenn der Winter Hamburg fest im Griff hat.

Flüchtlinge: Das war knapp!

Gerade rechtzeitig zum Wintereinbruch ist es geschafft: Kein Flüchtling muss mehr im beheizten aber schimmelnden "Leichtzelt" frieren. Seit dem 31.12. wurden rund 500 Zeltplätze in der Unterkunft Schnackenburgallee geräumt. Beim Treffen des Zentralen Koordinierungsstabes Flüchtlinge am Sonntag sei man "sehr erleichtert" gewesen, sagt Sprecherin Kerstin Graupner, dass auch die letzten Bewohner in andere Einrichtungen umziehen konnten. Etwa in das  Container-Dorf in der Vogt-Kölln-Straße nahe dem Niendorfer Gehege, das eigentlich schon im Oktober hätte eröffnet werden sollen. Was zunächst daran gescheitert war, dass den Containern, von einem ausländischen Hersteller gekauft, zunächst ein Brandschutzzertifikat fehlte. Das musste nicht nur nachgeliefert, sondern auch noch mit deutschen Standards abgeglichen werden. "Gerade bei Flüchtlingsunterkünften müssen wir auf den Brandschutz achten, es gibt leider Anschläge", erklärt Graupner. "Außerdem ist es in Deutschland nicht üblich, Container zum Wohnen zu nutzen. Da mussten wir erst mal Erfahrungen sammeln und uns einspielen." Ähnliche Probleme gebe es auch bei der Unterkunft am Oldenfelder Bogen in Rahlstedt, aber auch hier sei man zuversichtlich, diese "zeitnah" zu lösen, sagt Graupner. Schon jetzt ist die Lage deutlich entspannter: Derzeit sind in den Erstaufnahmeeinrichtungen seit Langem einige Hundert Plätze frei: Im Dezember kamen wegen des Wetters deutlich weniger Flüchtlinge in Hamburg an als in den Monaten zuvor.

Das ungeeignete Klassenzimmer

Schlechtes Essen, das angeliefert und aufgewärmt wird, wenige Pädagogen, kaum geeigneter Raum zum Toben, Träumen, Aufwachsen – glaubt man der Initiative "Guter Ganztag", sind viele Hamburger Schulen eigentlich gar nicht geeignet, Kinder den ganzen Tag lang zu betreuen. Um als Erwachsener zu verstehen, worum es hier gehe, so die Initiative, solle man sich doch bitte einmal vorstellen, man müsse in dem Großraumbüro, in dem man arbeitet, auch noch seine Freizeit verbringen. "Guter Ganztag" fordert bessere Räume, mehr Personal und Küchen, in denen Essen frisch zubereitet wird. Mehr als 10.000 Hamburgerinnen unterschrieben diese Forderungen bereits. Und auch die Politik zeigt Sympathie für den Vorstoß von Eltern und Pädagogen, natürlich besonders die Opposition: Sowohl CDU als auch die Linke gratulierten zum Erfolg der Volksinitiative im Oktober. Heute will "Guter Ganztag" seine Forderungen in einer öffentlichen Sitzung vor dem Schulausschuss präsentieren. "Natürlich hoffen wir auf eine Zusammenarbeit", sagt Gerd Kotoll, einer der Sprecher der Initiative, "aber wir sind auch bereit, die nächsten Schritte in Richtung Volksbegehren zu gehen."

Helle Nächte

Vor etwa 133 Jahren entschieden sich die Hamburger für elektrisches Licht in ihren Straßen, derzeit beleuchten etwa 125.000 Lampen die Stadt. Da geht schnell etwas schief, wenn Autofahrer geblendet werden oder wenn Kaufhäuser mit besonders grellem Licht auf sich aufmerksam machen wollen: Passt man nicht auf, blinken die Straßen im Nu so, als sei man auf der Reeperbahn. Genau für solche Fälle hat Hamburg einen Lichtbeirat. Lichtplaner Peter Andres macht sich in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg Gedanken um die zukünftige Beleuchtung der Stadt. Die wird geprägt sein von der LED-Technologie, die sparsam ist und besseres Licht produziert. Klingt doch fantastisch – oder? Nicht nur: Wo große Chancen sind, kann man viele Fehler machen. Wo die einen meinen, es gehe darum, möglichst viel zu beleuchten, einen hellen Tunnel durch die Nacht zu fräsen, plädiert Andres dafür, geschickt zu beleuchten: so, dass man nicht die Lichtquelle sieht, sondern das, was sie beleuchten soll. Und vielleicht auch ein paar Farben. Mehr dazu lesen Sie im Text unseres Kollegen Frank Drieschner.
Und was uns nun interessiert: Wie geht es Ihnen in Hamburg? Sind Ihnen manche Ecken zu dunkel? Oder zu hell? Fühlen Sie sich geblendet – oder beschützt? Sehen Sie zu viel – oder zu wenig? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Hamburger in Belek

Als Profi-Fußballer hat man es gut. Da kassiert man nicht nur Ruhm, in jedem Fall aber Geld, nein, auch der Arbeitsplatz wird bei Bedarf flugs in angenehme Gefilde verlegt. Sowohl der FC St. Pauli als auch der HSV verziehen sich nämlich aus dem Winterwunderland Hamburg zum Training ins türkische Belek. Natürlich nicht zusammen, das wäre ja noch schöner: Der HSV fliegt morgen und kommt am 16. zurück, St. Pauli hingegen reist erst am 15. an und kehrt am 25. wieder. Auch Testspiele absolviert man nicht gegeneinander, der HSV kickt zum Beispiel gegen Ajax Amsterdam und St. Pauli gegen Lechia Danzig. Aber vermutlich werden sich Angehörige beider Teams, die in dieser Saison jeweils deutlich besser positioniert sind als letztes Jahr um diese Zeit – der HSV ist derzeit Zehnter, St. Pauli steht in der zweiten Liga auf dem vierten Platz –, wohl trotzdem über den Weg laufen: Die HSV-Spieler logieren im Hotel Sueno Deluxe, dessen Homepage vor allem mit einem ausladenden Pool wirbt. Und die Pauli-Kicker wohnen nur knapp zehn Kilometer entfernt im Hotel Papillon Ayscha.

Golden und kreativ

Von draußen schillert der Imbiss golden, drinnen hängt ein leichter Bratfettdunst in der Luft: Im "Hexenkessel" teilen sich die Küche und der Essensbereich einen Raum. Das szenige Lokal in Bahrenfeld variiert kreativ und raffiniert Imbiss-Klassiker, bietet aber auch manch Exklusives. Je zwei täglich wechselnde Hauptgerichte sind im Angebot, eins mit Fleisch (zum Beispiel Dry-Aged-Beef-Burger oder Hähnchen mit Kräuterhaut), eins vegetarisch, sowie eine feste Speiseauswahl, darunter Merguez, Lamm-Sandwich (mit Trüffelremoulade), Gemüse-Schaschlik und diverse Salate. Das Lokal ist stets gut gefüllt, sodass man manchmal etwas länger auf einen Sitzplatz warten muss. Die Speisen werden täglich frisch und gekonnt zubereitet und heben sich von dem üblichen Pizza/Pasta/Asia-Mittagstisch-Einerlei wohltuend ab. Gerichte zwischen ca. 4 und 8 Euro. Daimlerstraße 75, Mo–Fr 11.30–15.30

Thomas Worthmann

Was geht

  • Ausstellung: Erfolg auf der ganzen Linie hat Fotograf Siegfried Hansen: Seine streng grafischen Bilder sind gerade angesagt. "Hold The Line – Street Photography". Freelens Galerie, Steinhöft 5, 11 Uhr
  • Poetry-Slam: Hier wird mit großen Worten um sich geworfen, bis die Sätze zünden: Bei der "Dichterliga" kämpfen die besten Poeten Hamburgs um einen Startplatz im Saisonfinale. Molotow, Nobistor 14, 20 Uhr
  • Kino: Sie gehört zu dem traurigen Club der Musiker, die mit 27 Jahren starben: Amy Winehouse. Der Film "Amy" versucht, hinter den Starkult zu blicken. Metropolis-Kino, Kleine Theaterstraße 10 (Neustadt) 21.15 Uhr
  • Party: Wer ist hier der Endboss? Beim "Workday Club" feiert Hamburg Stunden über Stunden den wohlverdienten Feierabend. Zeiterfassung bitte vergessen. Jams Club, Große Freiheit 12, 22 Uhr

Hamburger Schnack

Sonntagmorgen im Fundbureau. Laute Musik beschallt den Club. S-Bahnen, gefüllt mit Nachtmenschen, rattern über die Sternbrücke. Ein Gast lehnt betrunken am Tresen: "Die Mischungen sind mir hier zu stark. Ich gehe jetzt zur Tankstelle und kaufe mir meine eigene Flasche Whisky."

gehört von Helmut Reich