Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern fragten wir, wie Sie denn die Beleuchtung unserer Stadt so finden. Hell, erwiderten viele, die uns schrieben, Hamburg sei tatsächlich hell, manchmal auch etwas zu hell – allerdings an den falschen Stellen: "Erstaunlich finde ich, dass meist die Straßen gut ausgeleuchtet sind, aber Fußgängerwege weit weniger", schreibt unsere Leserin Katinka ter Heide. "Wenn schon Beleuchtung, dann doch bitte dort, wo man es braucht!"

Gerade Wege für Radfahrer, Fußgänger und Jogger sollten im Dunkeln vernünftigerweise besser beleuchtet werden, meinen auch andere.

Ein Leser schließlich fasst es sarkastisch so zusammen: "Mich begeistert die intelligente Ausleuchtung der Fahrbahnen durch die schönen Peitschenlampen. Das muss schon sein, weil ja wahrscheinlich die Autos kein Licht einschalten, wenn es dunkel ist. Dafür läuft der Fußgänger durch Matsch und Hundescheiße auf dem durch Schlagschatten parkender Autos verdunkelten Trottoir."

Vielleicht entdecken Hamburgs Oberbeleuchter ja irgendwann doch noch ihr Herz für Nicht-Autofahrer.

Frauen auf der Reeperbahn sexuell belästigt und beraubt

 In der Silvesternacht ist es auch in Hamburg zu sexuellen Übergriffen auf junge Frauen gekommen. Die Feiernden seien im Bereich um die Reeperbahn jeweils von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich angefasst worden, sagt Polizeisprecher Holger Vehren. Zugleich hätten ihnen die Angreifer Handys, Papiere und Geld weggenommen. Bis Dienstagabend wurde in 27 Fällen ermittelt; die Polizei geht aber davon aus, dass noch weitere Anzeigen hinzukommen. Ob es einen direkten Zusammenhang mit den Ereignissen in Köln gibt, dafür lägen noch keine konkreten Hinweise vor, sagte uns Vehren. In Köln hatten sich an Silvester rund tausend Männer versammelt, um junge Frauen sexuell zu belästigen und auszurauben. Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach außerdem von einer Vergewaltigung. Auch in Stuttgart soll es Vorfälle gegeben haben.

Wie kam es dazu, dass in einer Nacht in drei Städten Männer gruppenweise junge Frauen überfielen? Die Hamburger Polizei hat noch keine Antwort. Die Art des Vorgehens sei neu, sagt Vehren. Die Polizei sucht nun Zeugen, die  zwischen 0.30 Uhr und 3 Uhr am Neujahrsmorgen auf der Reeperbahn, vor allem im Bereich rund um den Beatles-Platz, Fotos gemacht haben. Die Täter sollen zwischen 20 und 40 Jahre alt gewesen sein und sollen, ähnlich wie in Köln, eher "südländisch, arabisch aussehend" ausgesehen haben. Unterdessen forderte der Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Gladiator, null Toleranz gegenüber den Straftaten und verlangte in dem Zusammenhang, dass Flüchtlinge bei jeglicher Verurteilung zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe abgeschoben werden sollten und nicht erst ab einer Strafe von drei Jahren. Dabei schließen Beamte in Köln einen Zusammenhang mit Flüchtlingen bereits aus. "Die bisherigen Hinweise gehen deutlich in Richtung polizeibekannte Intensivtäter", sagte ein Ermittler dem "Kölner Stadtanzeiger". "Mit Flüchtlingen haben die nichts zu tun."

Flüchtlinge in anderen Zelten

Müssen nun in Hamburg wirklich keine Flüchtlinge mehr in Zelten wohnen? Doch, schrieb uns ein Leser, bei ihm in Ohlstedt frören noch immer rund 400 Flüchtlinge in Zelten. Das seien Bundeswehrzelte, sagt Kerstin Graupner, Sprecherin des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge. "Die sind winterfest, warm und haben einen trockenen Boden – darin friert niemand." Vor allem ließen die Militärzelte keine Feuchtigkeit durch, anders als die "Leichtzelte", die zwar auch beheizt werden konnten, in denen sich jedoch Schimmel gebildet hatte. Flüchtlinge, die in diesen Schönwetter-Provisorien lebten, wurden in den letzten Tagen anderweitig untergebracht (wir berichteten). Doch auch in festen Unterkünften sind die Flüchtlinge vor Kälte nicht ganz gefeit. Am Sonntagmittag fiel in der ehemaligen Baumarkthalle in der Bredowstraße in Billbrook die Heizung aus. Die Halle mit 300 Bewohnern musste evakuiert werden.

Notprogramm für Obdachlose  

Auch die Hamburger Obdachlosen sind zum ersten großen Kälteeinbruch dieses Winters einigermaßen gut versorgt. "Das Winternotprogramm ist dieses Jahr vergleichsweise gut aufgestellt", sagt Steffen Becker, Sprecher der Diakonie. Von den 890 Schlafplätzen für Menschen in Not sind bis jetzt knapp 90 Prozent belegt. Dennoch fordert Diakoniechef Dirk Ahrens, das Programm auszuweiten. Das Winternotprogramm für Obdachlose bietet nur Schlafplätze für die Nacht an. "Von den zentralen Erstaufnahmen für Flüchtlinge können wir lernen, dass es sinnvoll und möglich ist, auch den wohnungslosen Menschen bei Nässe und Kälte tagsüber den Aufenthalt drinnen zu gestatten", sagt Ahrens. Es gehe dabei keinesfalls darum, "eine Konkurrenz zwischen den beiden Gruppen herzustellen", erläutert sein Sprecher. Tageseinrichtungen wie das Herz As und das Pik As seien aber deshalb so überlaufen, weil es viele Obdachlose gebe, die bereit seien, eine feste Wohnung zu beziehen, bei der Suche danach jedoch erfolglos blieben. Die Stadt sei ihrer Verpflichtung zur Unterbringung von Wohnungslosen "nicht annähernd nachgekommen". Die Diakonie fordert den Senat auf, konkrete Pläne vorzulegen, wie sich die Wohnungslosigkeit in den nächsten fünf Jahren halbieren lasse. Laut Becker wäre das etwa möglich, wenn jede zweite Saga-Wohnung an "vordringlich Wohnungssuchende" und Obdachlose vermietet würde und Sozialwohnungen nicht mehr von normalen Mietern bezogen werden könnten.

Kein Amazon-Zentrum in St. Georg

Die Pläne des weltgrößten Onlinehändlers Amazon, ein Logistikzentrum im Herzen Hamburgs zu errichten, sind gescheitert. Das Unternehmen habe einen entsprechenden Antrag für eine Fläche im Berliner Tor Center im Stadtteil St. Georg zurückgezogen, sagte ein Sprecher des Bezirksamts Hamburg-Mitte dem "Hamburger Abendblatt". Zuvor hatte man Amazon offenbar mitgeteilt, dass der Antrag wenig Aussicht auf Erfolg habe. Sowohl die Grünen als auch die SPD im Bezirk hatten sich kritisch zu dem Vorhaben geäußert, eine 2500 Quadratmeter große Fläche in dem Bürokomplex zu Logistikzwecken anzumieten: Der Lieferverkehr hätte über die benachbarten Wohnstraßen abgewickelt werden müssen. Und die liegen alle in einer Tempo-30-Zone. Komplett aufgegeben hat Amazon seine Pläne dem Bericht zufolge allerdings noch nicht. Das Unternehmen befände sich mit der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung weiter in Gesprächen, man denke an Flächen in Hammerbrook und Billbrook. Amazon ist schon seit Längerem dabei, bundesweit näher an seine City-Kunden heranzurücken. Der Onlinehändler will so unabhängiger von Paketdiensten werden.

Mittagstisch

Brainfood für Haferfreunde

Für alle, die mit, vielleicht sogar: dank!, Haferflocken oder Müsli groß und stark geworden sind, gibt es mitten in der City das Kölln Haferland – genau, diesen Namen kennt man von den blauen Flockentüten aus der Kindheit, und der dazugehörige Hersteller sitzt eben nicht in einer Stadt am Rhein (die sich, wie man irgendwann merkte, etwas anders schreibt), sondern in Elmshorn und betreibt in Hamburg seinen ersten Flagship-Store. Das Personal ist sehr nett, an Hafermühle und Müslibar können spielfreudige Naturen ihr perfektes Müsli selbst zusammenstellen, dazu gibt es Obst, Quark und Joghurt, aber auch allerlei anderes, das sich aus Hafer machen lässt: Flammkuchen in drei Sorten (4,30 Euro), Wraps (3,50 Euro), belegte Brötchen. Der Knüller aber ist das fertige Birchermüsli: Es wird in wechselnden Sorten angeboten (Zitrone!) und hält einen ganzen langen Geistesarbeiter-Nachmittag vor. Mit Glück erwischt man im Caféteriabereich einen der blauen Sessel vor dem Ethanolkamin. Und dann kann man für daheim natürlich noch die Haferflocken in der blauen Tüte kaufen.

Steinstraße 27, 8-18.30 Uhr
Markus Johannes

Was geht

Gala: Es stimmt, wir haben schon einmal darauf hingewiesen. Echte Fans von Frank Sinatra sollten das aber wirklich nicht verpassen: Zum 100. Geburtstag von "The Voice" packt die Gala "The Rat Pack – Live from Las Vegas" die besten seiner Songs aus. Natürlich dürfen echte Klassiker wie "My Way", "Strangers in the Night" oder "New York, New York" nicht fehlen. Premiere: heute, läuft noch bis zum 17. Januar, Kampnagel, Jarrestraße 20, 20 Uhr (außer montags, Sonntag 19 Uhr)

Theater: Mit "Schiff der Träume" lässt Regisseurin Karin Beier den Filmklassiker von Federico Fellini aus dem Jahr 1983 neu aufleben. Ein Orchester möchte während einer luxuriösen Kreuzfahrt die Asche des verstorbenen Dirigenten den Meer übergeben. Als Passagiere eines sinkenden Flüchtlingsboots aufgenommen werden, stürmen fünf junge Afrikaner den Saal. Schauspielhaus, Kirchenallee 39, 20 Uhr

Oper: Worauf spielt die Oper "Pelléas et Mélisande" an? Das expressionistische Werk von Claude Debussy bleibt rätselhaft und mystisch. Staatsoper, Große Theaterstraße 25, 19 Uhr

Hamburger Schnack

In der Halbzeitpause des Spiels St. Pauli vs. Fortuna Düsseldorf (Halbzeitstand 2:0 – das beste St.-Pauli Spiel seit langer Zeit) torkelt ein sichtlich vom Alkohol angeknockter Fan aufs Männerklo: "Hat irgendwer ’ne Ahnung, wie’s steht?" Antwort: "Digga, wer spielt denn eigentlich?"

Gehört von Matthias Scheffold

Meine Stadt

Vorsatz für 2016: Mehr simple deutsche Wörter verwenden © alpertunc

Fernsehmoderator Jörg Pilawa (50) hat Väter in einem Interview mit der Zeitschrift "Emotion" dazu aufgerufen, Elternzeit zu nehmen, es lohne sich. Da hat er recht. Es sei eine intensive Erfahrung und ein Geschenk. Da hat er auch recht. Aber dann sagte er noch, es mache Spaß, den sonnigen Vormittag allein unter vielen Müttern auf dem Spielplatz zu verbringen.

Echt?

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Uns Schnack schicken oder Fotos? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr


Obdachlosenhilfe - Warme Hände für kalte Nächte Die Aktion "Kälte Nothilfe" unterstützt Obdachlose in Berlin. Der Initiator fühlt sich nicht genug von der Stadt unterstützt, einige seiner Helfer sind zudem in die Flüchtlingshilfe gewechselt.