Das Haus am Speersort 1 in den neunziger Jahren © dpa
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

vorweg eine Nachricht in eigener Sache: Im Laufe des heutigen Tages werden am Redaktionsgebäude der ZEIT Monteure mit großen vergoldeten Buchstaben anrücken: Das "Pressehaus" am Speersort wird zum "Helmut-Schmidt-Haus". Schon sehr lange identifizieren die Menschen uns und unsere Arbeit mit Helmut Schmidt, werden wir gefragt, wo sein Büro ist – und das hat auch mit dem Tode Schmidts vor acht Wochen nicht nachgelassen. Da ist die Idee unserer Chefredaktion, diese Verbindung auch sichtbar zu machen, nur konsequent.

Mehr dazu finden Sie in der neuen ZEIT:Hamburg. Und ich habe kurz mit unserem Chefredakteur Giovanni di Lorenzo gesprochen:

Das Haus, in dem die ZEIT ihren Sitz hat, ist der erste Ort, der in Hamburg posthum nach Helmut Schmidt benannt wird. So schön das für uns ist – es bringt den früheren ZEIT-Herausgeber und Altkanzler trotzdem nicht zurück...

Nein, leider nicht, aber es ist der Ort, der für uns jetzt untrennbar mit ihm verbunden bleibt. Häuser überleben ihre Bewohner, das war zu allen Zeiten so. Es muss schon ein Unglück passieren, damit dies nicht gilt. Manchmal, selten, passiert aber auch ein großes Glück: Dann verknüpft sich die Geschichte eines Menschen so eng mit der Geschichte eines Hauses, dass die beiden nicht mehr zu trennen sind, so ist es bei Helmut Schmidt buchstäblich.

Es ist nicht leicht, ein Gebäude umzubenennen. Was mussten Sie und ZEIT-Geschäftsführer Rainer Esser dafür tun?

Rainer Esser hat die Eigner des Hauses, die unsere Vermieter sind, und die Stadt Hamburg gefragt. Und selbstverständlich Susanne Schmidt-Kennedy.

Helmut Schmidts Büro im sechsten Stock unseres Hauses wirkt  so, als käme er gleich wieder. In der Luft hängt sogar noch der Geruch seiner Zigaretten. Machen wir daraus nun einen Ort des Erinnerns?

Verlag, Redaktion und auch Verleger der ZEIT wünschten sich das sehr, aber selbstverständlich gilt der letzte Wille von Helmut Schmidt, was mit dem Inventar seines Büros geschehen soll. Hier sind wir noch in Gesprächen.

Helmut Schmidt war, wenn es um seine eigene Person ging, immer hanseatisch bescheiden. Was hätte er wohl dazu gesagt, dass das ZEIT-Gebäude jetzt Helmut-Schmidt-Haus heißt?

Er hätte wahrscheinlich wie immer gesagt: "Nun lasst mal gut sein, Kinder!", aber es tapfer hingenommen.

Immer mehr Anzeigen wegen Übergriffen in der Silvesternacht

Die zahlreichen sexuelle Übergriffe auf junge Frauen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg schockieren weiter die Öffentlichkeit. Mittlerweile liegen der Polizei der Hansestadt 53 Anzeigen von Frauen zwischen 18 und 25 Jahren vor, die angeben, auf St. Pauli oder am Jungfernstieg bedrängt und beraubt worden zu sein. Zeugenaussagen zufolge seien die Frauen von Gruppen von Männern umzingelt worden, die ihre Kleider zerrissen und sie im Intimbereich begrabschten. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach dem ZDF gegenüber von der Möglichkeit, dass die Angriffe einem Plan gefolgt seien. Verbindungen zu den Tätern aus Köln kann die Hamburger Polizei jedoch bislang nicht erkennen. Dort sollen an Silvester Hunderte junger Männer – erste Aussagen, die auch wir übernahmen, sprachen noch von tausend Männern – Frauen sexuell belästigt und beraubt haben. Auch in Hamburg wird nach wie vor vermutet, dass es sich um ausländische Täter handelt. Dass Flüchtlinge unter ihnen waren, dafür gibt es laut den Behörden bisher keine Anzeichen. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz betonte auf Facebook: "Es ist nicht so wichtig, woher die Täter kommen. Aber es ist wichtig, dass wir wissen, wo sie jetzt sind." Die Männer müssten "mit aller Härte und Konsequenz" verfolgt werden. Bestürzt zeigte sich auf Twitter auch die Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (Grüne). "Allen Tätern sei gesagt: Eure Mütter würden sich für Euch schämen!" Die Hamburger Polizei bittet Zeugen, sich unter 040/42 86 56 789 zu melden.

Unterdessen wird eine verstärkte Videoüberwachung an Wochenenden oder bei Großereignissen geprüft. Auf dem Kiez sind bereits viele Kameras installiert, aber nicht alle sind in Betrieb – 2011 hatten sich Anwohner beschwert. In der nächsten Woche wird der Innenausschuss der Bürgerschaft die Übergriffe thematisieren. Eine der wichtigsten Fragen dürfte sein, weshalb die Beamten vor Ort die Opfer nicht schützen konnten. Auch die ZEIT:Hamburg recherchiert zu den Übergriffen. Falls Sie etwas gesehen haben oder Augenzeugen kennen, bitten wir um Hinweise an elbvertiefung@zeit.de

Provisorische Häuser für Flüchtlinge

Hamburg muss innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Flüchtlinge unterbringen. Wie kann das klappen? Was ist der richtige Weg? In der neuen ZEIT:Hamburg bekräftigt Hamburgs Flüchtlingskoordinator Anselm Sprandel die Strategie der Stadt, Großsiedlungen für Flüchtlinge zu bauen: "Ich glaube sehr wohl, dass man solche Stadtteile so organisieren kann, dass sie nicht zu sozialen Brennpunkten werden." Darüber, über Bürgerbeteiligung und über die Tücken beim Bestellen von Wohncontainern spricht Sprandel mit unseren ZEIT-Kollegen Charlotte Parnack und Sebastian Kempkens. Der Hamburger Architekturhistoriker Gert Kähler dagegen ist skeptisch gegenüber Großsiedlungen. "Eine Option könnten provisorische Bauten auf Zeit sein, wie wir sie vor über 20 Jahren schon mal aufgestellt haben", rät er stattdessen. "Modulare Holzhäuser für die sogenannten Asylantendörfer – die wurden fast alle wieder abgebaut, hatten aber eine ordentliche Qualität." Die vom Senat für 2016 geplanten 5600 Wohnungen dagegen könnten wahrscheinlich gar nicht im Schnellverfahren hochgezogen werden. Warum nicht, das erzählt Kähler im Interview mit ZEIT-Online-Redakteur Steffen Richter.

Falsche ESC-Liste kursiert im Netz

Schon die überraschende Nominierung von Xavier Naidoo als Vertreter für Deutschland samt dem schnellen Rückzug dieser Nominierung durch den NDR hat dem Eurovision Song Contest (ESC) zweifelhafte PR eingebracht. Jetzt folgt die nächste Verwirrung: "Sind DAS die deutschen Anwärter für den ESC?", titelte die "Bild"-Zeitung. Zehn Kandidaten, darunter die Hamburger Musiker Wilhelm tell me, Boy, Miu und Cäthe, waren auf einer Liste im Netz aufgetaucht. Der Fanblog "Eurovision Hot News" hatte behauptet, diese Künstler sollten zum ESC-Vorentscheid fahren. Zu den vermeintlich Glücklichen gehörte auch Olli Schulz. Der Komiker und Musiker distanzierte sich sofort. "Ich singe ganz bestimmt nicht um das heiß begehrte ESC-Ticket", schrieb er auf Facebook. "Ich überlasse jedem, wirklich jedem, meine angebliche Kandidatur." Kurz darauf meldete sich auch der NDR: Die Liste sei eine Fälschung. Bisher steht also lediglich fest: Das Erste zeigt "Eurovision Song Contest 2016 – Unser Lied für Stockholm" am Donnerstag, 25. Februar, um 20.15 Uhr live aus Köln. Der Sieger der Show darf am ESC im Mai teilnehmen. Und alles Weitere wird erst noch bekannt gegeben. Zum Beispiel, nur ein Vorschlag unserseits, könnte Olli Schulz überraschenderweise seinen Rückzug zurückziehen und zusammen mit "heute-show"-Moderator Oliver Welke antreten.

Mittagstisch

Satt und zufrieden für zwei Euro

Der Asia-Imbiss Din Hau in Altona ist fast so etwas wie eine Institution: Über zwanzig Jahre hat er schon auf dem Buckel. Bei Din Hau gibt es zwar rund ein Dutzend Standard-Asia-Gerichte, doch die sind nicht der Rede wert. Das Alleinstellungsmerkmal sind die China-Nudeln. Für nur zwei Euro gibt es die "kleine" Portion, die den Durchschnittsesser locker satt macht – und richtig gut schmeckt. Die Nudeln braten in einem riesigen Wok zusammen mit allerlei Gemüse, Rührei und Geflügelfleisch und können für weitere 30 Cent mit einer Soße nach Wahl angereichert werden. Pur sind sie aber am besten. Billiger kann man in Hamburg außer Haus nicht nachhaltig satt werden. Übrigens: Es gibt im Stadtgebiet mehrere Filialen mit zum Teil abweichenden Preisen – günstig ist es aber überall. Gerichte zwischen 2 und 6,50 Euro, Altonaer Poststraße 7, 11–22 Uhr.

Thomas Worthmann

Was geht

Bahn frei, Kartoffelbrei: Heute ist die vorerst letzte Chance, zu testen, ob sich Elbhang, Eppendorfer Park oder Sternschanzenpark schon als Rodelhang eignen. Falls die Hänge allerdings matschig-braun schimmern, gibt es eine sichere Alternative: die größte Open-Air-Eisbahn Deutschlands in Planten un Bloomen. Indoo Eisarena, Holstenwall 30, 10–22 Uhr

Lang lebe die Anarchie! Das Burgtheater Wien gastiert mit "Antigone" im Thalia. Das Stück von Sophokles dreht sich um Anarchie gegen staatliche Gewalt und Ordnung. Riecht nach Aufruhr. Thalia, Alstertor 1, 20 Uhr

Pop im Gängeviertel: Bei der Jamsession "Soundpresse" darf jeder mal ans Mikro. Dichter, Sänger und Rapper tragen wirre bis brillante Eigenkreationen vor. Druckerei im Gängeviertel, Valentinskamp 43, 20 Uhr.

Hamburger Schnack

Dialog vor der Schule zwischen Vater und Kind: "Papa, kannst du mich nachher mit dem Schlitten abholen?" "Dafür liegt auf dem Fußweg schon viel zu wenig Schnee. Die Leute haben den doch längst zur Seite gefegt." "Papa, das macht nichts. Dann fegst du, wenn du mit dem Schlitten kommst, den ganzen Schnee einfach wieder auf den Fußweg zurück!"

Gehört von Mark Spörrle

Meine Stadt

Ich würd' so gern den Sommer erleben © Dagmar Brandes

Man solle übrigens nicht zu sehr über den Hamburger Winter spotten, schreibt mir Leser Jürgen Simon, denn dieser Winter sei immerhin definitiv vorhanden (noch). Zwecks angemessener Erfahrung empfiehlt Simon eine Radtour durch Hamburg. "Dieses Wintererlebnis wird selbstverständlich intensiviert durch den Gebrauch dünner Handschuhe, das Tragen von Sneakers und das Fehlen einer angemessenen Kopfbedeckung – und fahren Sie bei Schneefall gegen den Wind. Danach ist ein Schlitten im Keller nicht wirklich wichtig."

Wir können uns vorstellen, dass da selbst unsere Abonnenten in Skandinavien vor Neid erblassen.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Haben Sie Schnack oder aktuelle Fotos vom Schlittenfahren im Hamburger Stadtgebiet?

Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!


Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr