Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

vielleicht erinnern Sie sich. Vor einer guten Woche, es war ein bisschen Schnee gefallen, in Harburg sogar drei Zentimeter, riefen die Medien sofort den Ausnahmezustand aus. Der Winter, warnte das "Hamburger Abendblatt", der Winter habe "Hamburg im Griff"

Darüber machte ich mich noch lustig.

Aber heute Morgen fiel mir fast die Kaffeetasse aus der Hand. "Eiszeit in Hamburg: Der Winter schlägt wieder zu", titelte das "Hamburger Abendblatt". Und dann: "Mit minus 20 Grad hat der Winter Hamburg wieder voll im Griff." Die Formulierung hätte mich warnen sollen.

Aber dazu gab es ein Foto. Ein Auto, nein: ein einziger Eisklumpen.

Hatte unser angeblicher Meteorologe...? Ich stürzte auf den Balkon, um von den Pflanzen zu retten, was noch zu retten war.

Doch dort war es für –20 Grad erstaunlich warm.

Kein Wunder. Im "Abendblatt" ging es, das stand im Text zum Bild, um das derzeit äußerst frostige Hamburg im US-Staat New York. Danke, Kollegen!

Allerdings, morgen soll es vielleicht wieder bei uns schneien.

Kein Respekt vor der Polizei

Die Polizei konnte die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht nicht verhindern. "Die Kollegen waren nicht darauf vorbereitet, mit solchen Delikten umzugehen", sagte uns jetzt noch einmal Gerhard Kirsch von der Hamburger Polizeigewerkschaft. Die Beamten seien außerdem nur an den Eingängen zur Großen Freiheit positioniert gewesen. "Es gab keine Möglichkeiten, in die Menge hineinzugehen", sagt Kirsch.

Hinzu kommt ein Phänomen, das die Polizei schon länger beobachtet: mangelnde Ehrfurcht vor der Staatsgewalt. Gerade Flüchtlinge seien von Sicherheitskräften ein einschüchterndes Auftreten gewöhnt. "Die Polizei in Algerien oder Marokko geht natürlich viel aggressiver vor. Das passt zu den Ländern; das sind nicht gerade lupenreine Demokratien", sagt Kirsch. Deutsche Beamte, an Recht und Gesetz gebunden, seien vergleichsweise geradezu freundlich. Wie gehen die Beamten mit respektlosen Leuten um? "Sie lassen sie gewähren", sagt Kirsch, "es sei denn, sie werden beleidigend oder aggressiv." Schon in der Ausbildung werden Polizisten auf Deeskalation getrimmt. Doch dazu bedarf es einer klaren Ansprache. "Bei Flüchtlingen besteht da oft das Sprachproblem", sagt Kirsch. Es gebe noch ein weiteres Problem im Umgang mit Flüchtlingen, die straffällig werden: Gerade Flüchtlingen gegenüber gehe die Polizei manchmal besonders vorsichtig vor. "Der Vorwurf des Rassismus baut natürlich Hemmschwellen auf", sagt Kirsch. Wäre die Lösung also ein härteres Vorgehen? "Nein, die Polizei in Hamburg soll bürgernah und bürgerfreundlich bleiben", erklärt Kirsch. Stattdessen brauche es vor allem eins: "Vorgesetzte, die hinter ihren Beamten stehen. Damit die auch den Mut und die Sicherheit haben, zu handeln, wenn es darauf ankommt."

Wie der Kiez auf Silvester reagiert

Weil die Polizisten am Eingang der Großen Freiheit standen, mussten andere für Sicherheit und Ordnung sorgen. "Die Türsteher hatten eine besondere Rolle in dieser Nacht", schreiben die ZEIT-Redakteure Marc Widmann und Hanna Grabbe. Die Türsteher der Clubs waren diejenigen, die Frauen vor den Übergriffen schützten, sie aus der Menge zogen und im Hinterhof der Kiez Alm eine Art Sicherheitszone einrichteten. Zwei Wochen nach der schrecklichen Nacht herrscht noch immer Angst. Und der Kiez geht auf seine Weise damit um. Einige Kellnerinnen auf der Großen Freiheit rufen jedes Mal im Club an, wenn sie aus der S-Bahn steigen, und legen nicht auf, bis sie angekommen sind. Andere lassen sich nach der Schicht zum Auto begleiten. In einer Bar haben die Mädchen, die dort arbeiten, bei ihrem Chef Pfefferspray und Elektroschocker bestellt. Die Polizei zeigt zwar Präsenz, doch darauf will sich niemand verlassen. Denn grapschende und gaffende Männer, die angeblich aussehen wie Flüchtlinge, die beobachtet der ein oder andere Türsteher schon seit Herbst. "Ich möchte mal eine Prognose wagen, dass es bald fürchterlich knallt auf dem Kiez", sagt einer von ihnen. Wie es auf dem Kiez sonst weitergeht nach der Silvesternacht und wie die Opfer mit dem Geschehenen umgehen, das lesen Sie in der ZEIT:Hamburg.

Kunsthalle bekommt neuen Direktor

Fast zwei Jahre wurde gesucht. So lange, dass unser ZEIT-Kollege Hanno Rauterberg schon erfahren haben wollte, es dauere deshalb so lange, weil sich überraschenderweise noch Claus Peymann, Thomas Gottschalk und Karl Lagerfeld  beworben hätten (aktuelle ZEIT:Hamburg). Aber nun ist es vollbracht. Ab kommenden Oktober hat die Hamburger Kunsthalle einen neuen Chef: Christoph Martin Vogtherr tritt die Nachfolge von Hubertus Gaßner an. Vogtherrist seit 2011 Direktor der Wallace Collection in London, eines Museums für ältere, insbesondere französische Kunst. Der fast 51-Jährige stammt aus Uelzen und studierte Kunstgeschichte, mittelalterliche Geschichte und Klassische Archäologie in Berlin, Heidelberg und Cambridge. "Wir haben mit ihm eine Persönlichkeit gefunden, die dem Rang der Hamburger Kunsthalle gerecht wird und neue internationale Impulse setzen wird", verkündete Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos). Vogtherr selbst sagte, er freue sich sehr über das große Vertrauen der Hansestadt und setze auf die "offensichtlichen Stärken der Kunsthalle", unter anderem die Geschichte der Moderne und die internationalen Romantik. In einer Rückbesinnung auf die ständige Sammlung sehe er "nicht nur eine Reaktion auf finanzielle Probleme, sondern eigentlich auch eine Rückbesinnung auf die Hauptaufgabe des Museums". Auf die Frage, was sich aus seiner bisherigen Wirkungsstätte an der Themse auf die Hansestadt übertragen ließe, erwiderte Vogtherr souverän: "Ich glaube, das Letzte, was Hamburg braucht, ist, dass jemand einfliegt und nach drei Tagen gute Ratschläge erteilt."

Hörwünsche für die Elbphilharmonie

Gestern berichteten wir darüber, dass für die Eröffnung der Elbphilharmonie in einem Jahr mindestens ein Viertel der Karten verlost werden sollen. Und am Montag haben wir gefragt, welches Konzert Sie sich denn eigentlich zur Eröffnung wünschen würden. Hier die besten Wünsche: "Des Teufels Luftschloss" (eine Oper von Franz Schubert). "Träumerei" (das Klavierstück von Robert Schumann).Aber es gab auch die Fraktion, die fand, "Halleluja" aus Händels Oratorium "Messias" sei der beste Einstand für eine Elbphilharmonie, auf die Hamburg so lange gewartet hat. Auch Werke von Gustav Mahler oder Johannes Brahms wurden vorgeschlagen;denn diese seien ja zumindest zeitweise Hamburger gewesen. Viele Wünsche gingen gar nicht in die klassische Richtung. Von Pop über Rock bis Jazz war alles dabei. Zum Beispiel Mark Knopflers Song "Money for Nothing" (das ist jetzt gemein, lieber Senat, das wissen wir). Besonders häufig wollten die Vertreter der Pop-Fraktion eine Band hören: Die Beatles. Am liebsten "Let it be" oder "Yellow Submarine". Und ein Leser schickte noch eine interessante Anmerkung. Der neue Kosename der Philharmonie laute ja "Elbphi". Das werde im Volksmund doch ganz schnell zu "Elbvieh". Sei das nicht ungeschickt?

Damit hätten wir dann auch schon die nächste Diskussion...

Mittagstisch

Wurst nach Blumen

Wir befinden uns auf halbem Wege zwischen der Schanze und St. Pauli, und für eine Kleine Pause ist ja immer Zeit, nicht nur mittags. Dazu passen die Öffnungszeiten von 7 bis 3, von morgens bis frühmorgens. Die rustikale Wirtin imponiert mit einer Frisur, deren türkis-violette Pracht an den Blumenladen erinnert, aus dem der Imbiss einst durch Geschäftsumwandlung entstand. Die Stehtische sind mit Teelichtern illuminiert – so ist Zeit zum Innehalten und zur Überprüfung aller Vorhaben. Hinter der Klotür hört man den Turbopuster fauchen; die Kundschaft hat sich gewaschen. Und wem auch das Essen wurst ist, der macht hier bestimmt nichts falsch. Details? Bockwurst, Currywurst und Frikadellen zu moderaten Preisen. Zur Not gibt es auch einen Vegi Burger oder Salat. Und Donnerstag ist Jägermeistertag – ab 20 Uhr. Wohlwillstraße 37

Ulrich Stock

Was kommt

Erinnerung: David Bowie ist tot. Man wird sich lange an ihn erinnern. Seine Stimme, die Bilder von ihm. Passend dazu: Der Vortrag "Damals haben wir gelebt.Popmemoiren in der Zeitgeschichte des Selbst" über Kultur und die Verfertigung von Images. Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Beim Schlump 83, Raum 02/023, 18.30 Uhr

Lecker: Mahl ehrlich. Fast Food ist das beste Food. Und das beste Fast Food ist Street-Food. Glauben Sie nicht? Gehen Sie zur Street Food Session, und testen Sie selbst. Am Spielbudenplatz 21–22, von 17–22 Uhr

Konzert: Der senegalesische Musiker Baaba Maal mixt traditionelle afrikanische Musik mit modernen Elementen. Sein aktuelles Album heißt "The Traveller". Wer Maal nicht kennt, kann hier reinhören. Wem es gefällt, der geht heute Abend in die Fabrik, Barnerstraße 36, ab 20 Uhr

Hamburger Schnack

Eine Familie mit ca. dreijährigen Tochter geht auf einem breit gepflasterten Weg im Park spazieren. Dort liegen an einer Stelle viele Glassplitter in Krümelform. Das Kind: "Mama da, doch Schnee!"

Gehört von Arno Friedrich

Meine Stadt

Nachwuchs in Tierpark Hagenbeck. Und es ist ... ein Bulle! Also ein männlicher Elefant. Ein Prachtstück von 90 Kilogramm, knapp einen Meter hoch. Die Mama heißt Kandy, der Vater ist angeblich ein flotter Münchner. Nur eins fehlt noch: ein Name. Der kleine Elefant hat noch keinen. Schreiben Sie jetzt nicht, wir sollen ihn Helmut nennen! © Hagenbeck

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Haben Sie spannenden Schnack? So richtigen? 

Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr