Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

für die Bahn, wir wissen das, ist nicht nur Hitze ein Ausnahmezustand, sondern selbstverständlich auch Schnee. Noch steht nicht fest, ob wirklich überall in Deutschland Flocken fallen werden, da hat sie schon schnellere ICEs angewiesen, langsamer zu fahren. Die Fahrzeiten verlängern sich um 10 bis 35 Minuten; betroffen ist auch die Strecke Hamburg–Berlin.

Ist das die neue Winterstrategie der Bahn? Will man dann, falls tatsächlich Schnee fällt und – womit zu rechnen ist – Weichen verstopft und Züge aufhält, die gebremsten ICEs wieder beschleunigen und so unterm Strich einen Teil der Verspätungen wieder hereinholen?

Nein. Der Grund für die Geschwindigkeitsreduzierung ist viel simpler. Bei schnellerer Fahrt können Eisbrocken, die von der Unterseite der Wagen ins Gleisbett fallen, abprallen und Steine aufwirbeln, an den Zügen Schäden anrichten.

Mit beidem, den Weichen und den gefährlichen Eisbrocken, kämpft die Bahn schon seit vielen Jahren. Aber es gibt Hoffnung.
Neue Züge, ordentliche Weichen?
Den Klimawandel.  

Kindesmisshandlung: Erst Tayler, jetzt Deljo

Schon wieder ist es passiert: Ein Baby aus Hamburg ist mutmaßlich zum Opfer seiner eigenen Eltern geworden. Die Mordkommission ermittelt gegen die 25-jährige Mutter Elvira und ihren 21 Jahre alten Lebensgefährten Halid wegen versuchten Totschlags. Der kleine Deljo (Spitzname Djego) hatte bereits im November vergangenen Jahres ein lebensgefährliches Schütteltrauma samt Schädelbruch erlitten – er war damals neun Monate alt. Inzwischen ist das Kind außer Lebensgefahr und in der Obhut einer Pflegefamilie, seine vier Geschwister leben in einem Kinderschutzhaus. Direkt nach der Geburt hatte das Jugendamt Deljo schon einmal Pflegeeltern übergeben – die Mutter erweckte den Eindruck, mit dem Säugling überfordert zu sein. Trotzdem durften sich die Eltern bald wieder selbst um das Baby kümmern – bis es zu den lebensgefährlichen Verletzungen kam.

Wie in den Fällen Tayler und Jamie-Dean muss sich das Jugendamt nun wieder die Frage gefallen lassen: Hätte es früher und härter durchgreifen müssen? Die Antwort soll in ein paar Wochen vorliegen. Marcel Schweitzer von der Hamburger Familienbehörde erläutert die Rechtslage:

Nach welchen Kriterien entscheidet das Amt, ein Kind in eine Pflegefamilie zu geben?

"Das geschieht nur, wenn Eltern ihr Kind nicht ausreichend versorgen, fördern und erziehen, nicht genügend Geborgenheit und Schutz bieten können (§ 33 SGB VIII). Gründe sind zum Beispiel eine Alkoholabhängigkeit der Eltern, Gewalt in der Familie oder eine Vernachlässigung des Kindes. Allerdings liegt solch eine Entscheidung stets im Ermessen der beteiligten Fachkräfte. Sind die Sorgeberechtigten nicht einverstanden, muss das Familiengericht entscheiden."

Unter welchen Voraussetzungen darf oder muss das Kind zurück zu den leiblichen Eltern?

"Nur dann, wenn die Erziehungsfähigkeit in der Herkunftsfamilie wieder hergestellt und das Kindeswohl nicht gefährdet ist. Indizien dafür können folgende Punkte sein: Die Mutter sieht ein, dass sie Hilfe braucht, und nimmt sie auch an. Das Kind besucht regelmäßig eine Krippe oder Kita. Die Wohnung ist sauber. Das Kind verhält sich in Gegenwart der Eltern entspannt."

Müssen strengere Regeln her, um Kinder besser zu schützen?

"Eine Weiterentwicklung ist immer wichtig, deshalb wäre die Antwort auf diese Frage niemals Nein. Aber die vorhandenen Regeln bieten ausreichend Handlungsorientierung und -sicherheit. Sie ermöglichen angemessene Handlungsschritte, sodass das Kindeswohl stets gesichert ist. Schreckliche Fälle wie Tayler oder Deljo gibt es nicht aufgrund von Geld- oder Personalmangel. Vielmehr geht es hier um Haltungsfragen: Wie nutze ich meine Handlungsspielräume als Mitarbeiter der Behörde? Wie sehr habe ich als Entscheider das Kindeswohl im Blick, wende die bestehenden Regeln an? Das sind die Schlüsselfragen."

Polizei ermittelt acht Silvester-Grapscher

Zwei Wochen nach den Sex-Angriffen auf Frauen in der Silvesternacht hat die Hamburger Polizei acht Tatverdächtige ermittelt. Dies erfuhr der Innenausschuss der Hamburger Bürgerschaft gestern Abend von Innensenator Michael Neumann (SPD) und dem stellvertretenden Chef des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise. Alle Verdächtigen hätten einen Migrationshintergrund, so Heise. Zum Teil handle es sich um Flüchtlinge, zum Teil aber auch um seit Jahren in Hamburg lebende Männer. In Haft befinde sich bisher noch niemand. Gegen bis zu 20 weitere Personen werde noch ermittelt. Eine Sonderkommission aus 26 Beamten wertete für die Ermittlungen unter anderem zahlreiche Videos von Überwachungskameras aus den Eingängen der Clubs und Lokale aus. Bisher ist von 306 betroffenen Frauen die Rede; die Zahl der Strafanzeigen stieg Heise zufolge auf 195.

Senator Neumann sagte, die Hamburger Polizei prüfe bei ausländischen Tatverdächtigen immer, ob eine Aufenthaltsberechtigung beendet werden könne. Er rief dazu auf, nach der Willkommenskultur im Herbst nun keinen Generalverdacht gegen Zuwanderer aufkommen zu lassen. Wichtig sei, ein "vernünftiges Maß der Mitte" zu finden.

Krieg der Unterwelt

Auch mit den Auseinandersetzungen zwischen zwei Rockerbanden beschäftigte sich der Innenausschuss gestern. Im Oktober wurde vor einem Haus an der Hoheluftchaussee der Lamborghini eines Mongols-Chefs in die Luft gesprengt. Später griffen auf der Reeperbahn mutmaßliche Freunde der Hell’s Angels Mitglieder der Mongols an und schossen auf ein Taxi. Eine weitere Tat klingt wie einem "Tatort"-Drehbuch entnommen: Anfang Januar lockten Prostituierte einen 26-jährigen Rocker in einen Hinterhalt. Dort stachen mehrere Männer erst mit Messern auf das Opfer ein, brachten aber – bei Til Schweiger wäre das anders gewesen – den Schwerverletzten anschließend doch ins nächste Krankenhaus. "Wir fordern eine Razzia-Offensive gegen die verfeindeten Rocker in Hamburg", erklärte die CDU schon im Dezember. "Dieser Sumpf muss ausgetrocknet werden!" Innensenator Michael Neumann (SPD) versprach auf Twitter: "Wir lassen uns nicht auf der Nase herumtanzen." Am Dienstag also veranstalteten Beamte der Soko "Rocker" besagte Razzien. Sie stellten Rauschgift sicher und verhafteten drei Tatverdächtige. Reicht das?

Bahnhof Diebsteich: Chic statt schlicht

Adé, Fernbahnhof Altona – 2023 sollen neue Gleise am Diebsteich den bisherigen Knotenpunkt ersetzen. Die Bauarbeiten könnten Ende 2017 beginnen, die Kosten von rund 300 Millionen Euro – mal sehen, ob es dabei bleibt – übernehmen Bund und Bahn. Letztere plante deshalb ein schlichtes, funktionales Gebäude. Und stößt damit auf Widerstand: Die rot-grüne Regierung hat Größeres vor. Sie will "ein repräsentatives und architektonisch anspruchsvolles Bahnhofsgebäude mit einer hohen Aufenthaltsqualität", betonte SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf gegenüber dem "Hamburger Abendblatt". Einen entsprechenden Antrag brachte die Koalition gestern in die Bürgerschaft ein. "Die Vorschläge wirken vernünftig", erklärte uns Uwe Szczesny von der CDU Altona. "Wir wollen hier keine hingeknallte Gleisgeschichte, sondern einen repräsentativen Fernbahnhof." Immerhin handele es sich beim neuen Bahnhof um einen Knotenpunkt, der voraussichtlich intensiv genutzt würde. "Wir brauchen eine Empfangshalle, Geschäfte, eine gute Verkehrsanbindung", betonte Szczesny. Der CDU-Politiker vermutet Mehrkosten zwischen 30 und 100 Millionen Euro. Wir wussten es.

Ab auf die Tribüne

Armer Rafael van der Vaart. Der ehemalige Weltklassespieler und Ex-Star des Hamburger SV kann die Sonne im spanischen Sevilla nicht genießen. Beim Fußball-Erstligisten Betis Sevilla sitzt der Athlet derzeit nicht mal auf der Bank – sondern auf der Tribüne. Im Pokalderby beim FC Sevilla vergangenen Dienstag war der Sportler deshalb völlig fertig. "Ich muss zugeben, dass ich den absoluten Tiefpunkt meiner Karriere erreicht habe", sagte der 32-Jährige gegenüber der "Bild". Im vergangenen Sommer hatte van der Vaart ablösefrei vom HSV zu Betis Sevilla gewechselt. In 19 Spielen der Primera División kam der Mittelfeldspieler seither nur sieben Mal zum Einsatz – und das meist kurz.

Mittagstisch

Portugiesisch gut

Hamburg ist Portugals zweite Hauptstadt. Zumindest, wenn es um gute lokaltypische Restaurants geht. Ein einfaches, unauffälliges Exemplar finden Sie nahe dem Bahnhof Altona: das Alem do Tejo. Übersetzt heißt das "Jenseits des Tejo" – also jenseits des 1000 Kilometer langen Flusses, der durch Spanien und Portugal fließt. Nicht nur der Name, auch das Essen ist eine Erwähnung wert: Das Motto lautet: "Einfach und gut". Es gibt typische portugiesische Croissants mit Schinken und Käse, Tomaten oder Salami. Das Ganze kommt in die heiße "Presse". Außerdem stehen Toasts, Brötchen und eine Reihe von Tapas zur Wahl. Den Mittagstisch gibt es für 5,50 Euro – zum Beispiel Rinderbraten mit Gemüse aus dem Ofen. Das Alem do Tejo ist ein ruhiger Ort. Nicht chic, nicht aufgeregt. Und deshalb gut. 7 bis 20 Uhr, Max-Brauer-Allee 53.

Anton Ego

 

Was geht

Wanderkater: Wenn Katzen Schuhe tragen und riesige Federn auf Hüten wippen, ist der gestiefelte Kater nicht weit. Heute wandert er mit dem Marionettentheater durch Hamburg. Für Kätzchen ab 4 Jahren. Jenisch Haus, Baron-Voght-Straße 50, 15 Uhr

Meisterlich: Die besten Nachwuchssänger musizieren im KörberForum. Nur Hochbegabte sind zum "Öffentlichen Meisterkurs Gesang" eingeladen. Falls Sie ein begabter Zuhörer sind, dürfen Sie immerhin lauschen. KörberForum, Kehrwieder 12, 19 Uhr

Musiker an Bord: Free your mind – MusikImPuls! Die Hamburger Symphoniker entern die "MS Stubnitz" in der HafenCity. Genießen Sie einen Abend im Sinne der Freiheit - mit Musik und regimekritischen Texten aus der Sowjetunion. "MS Stubnitz", Kirchenpauerkai 1, 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Jupi-Sause: Das Wohnzimmer des Gängeviertels erwacht zu neuem Leben: die Jupi Bar. Nach langer Sanierung eröffnet sie mit großer Party, nach dem Motto "Möglichkeitsraum ohne Konsumzwang". Ein, zwei Bierchen dürfen’s hoffentlich trotzdem sein. Caffamacherreihe 35–37, 18 Uhr

Was kommt

Max und Moritz lassen grüßen: Das Beste von Wilhelm Busch gibt es Samstag bei einer Lesung auf dem "Schiff". Einszweidrei im Sauseschritt, die Zeit läuft mit. Nix wie hin. Nikolaifleet, Holzbrücke 2, Samstag, 19.30 Uhr

Mein Chef, der Computer: Der Radiosalon von ARD und ZEIT lädt ein zum Thema "Helfer oder Herrscher – wie soll unsere digitale Zukunft aussehen?". Auf dem Podium diskutieren unter anderem Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehemalige Bundesjustizministerin, und Günther Schuh, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie. Es moderieren Thomas Kretschmer (BR) und unser ZEIT-Kollege Manuel J. Hartung. Sonntag, 11 Uhr, live auf allen ARD-Kulturradios

Was bleibt

Aus der Presse: Handgemachte Buchkunst gibt es auf der Norddeutschen Handpressenmesse. Mehr als 50 europäische Künstler präsentieren hier Mappenwerke, stilvolle Maler- und Künstlerbücher oder Einblattdrucke. Hin, bevor alles digitalisiert ist! 15.–17.1., heute ab 19 Uhr, Samstag von 10 Uhr bis 19 Uhr, Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhr. Museum der Arbeit, Wiesendamm 3

Kicken im KZ: Im Hamburger Rathaus läuft eine Ausstellung über ein Thema, das man mit der NS-Zeit erst mal nicht in Verbindung bringt: Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge kämpften damals trotz aller Widrigkeiten um den Fußball. Polnische Arbeiter etwa organisierten 1940 eine Mannschaft in Billstedt und spielten gegen Teams aus anderen Lagern. Im KZ Theresienstadt gab es sogar eine Fußballliga. "Hamburger Fußball im Nationalsozialismus. Einblicke in eine jahrzehntelang verklärte Geschichte", erstellt von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Rathausmarkt 1

Hamburger Schnack

Sophie, 5, freut sich schon auf die erwarteten Schneefälle, denn sie mag den Winter zum Fressen gern: "Den weißen Schnee darf man essen. Den gelben aber nicht."

Gehört von Andreas M. Klein

Meine Stadt

»Innovative Streetart auf dem Radweg«; Ist der Baum nun im Eimer? Auf jeden Fall nicht mehr im Wohnzimmer. © dupreependavis via Instagram


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Haben Sie Schnack im Schnee gefunden? Schnee im Schnack? Einen zu spät entsorgten Weihnachtsbaum? (Nicht die Kerzen anzünden!)

Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.