Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

am Freitag hatte ich ja erwähnt, dass der neugeborene Elefantenbulle im Tierpark Hagenbeck noch keinen Namen hat. Und vorbeugend mahnte ich noch: "Schreiben Sie jetzt nicht, wir sollen ihn Helmut nennen."

Das verstanden erstaunlich viele von Ihnen als Aufforderung, Namensvorschläge einzusenden. Und was soll ich sagen – die meisten lauteten: Helmut. Ein Leser schlug noch vor, den Elefanten, falls Helmut zu respektlos sei, wenigstens Herr Schmidt zu nennen.

Andere waren dann doch der Meinung, der Kleine sehe aus wie ein Klaus oder, ganz klar, wie ein Tim. (Wir haben das Foto lange angesehen, aber hm…)

Und dann kam noch eine Anregung: Ob man das Elefantenjunge nicht einfach Elbvieh nennen könnte? Dann sei dieser unsägliche Name endlich besetzt. Und das teure Bauwerk am Hafen dürfte korrekterweise wieder Elbphilharmonie heißen...

Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein?

Es klingt schon absurd: Hamburg hat Probleme, die 200 bis 300 neuen Flüchtlinge unterzubringen, die jeden Tag ankommen, und nur wenige Kilometer entfernt in Schleswig-Holstein gibt es rund 7900 unbelegte Plätze in Erstunterkünften. Das ärgert vor allem die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft. Wiederholt forderte CDU-Fraktionsvorsitzender André Trepoll dazu auf, mit den angrenzenden Bundesländern über die Unterbringung von Hamburger Flüchtlingen zu verhandeln. "Während die Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen aus allen Nähten platzen und die Menschen mitten im Winter wieder in Zelten untergebracht werden, sind jenseits der Landesgrenze Tausende Plätze frei", mahnt auch Karin Prien, flüchtlingspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Zumindest sagt Patrick Tiede, Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums in Kiel: "Wir führen gute Gespräche, es ist politischer Wille, Hamburg zu helfen." Mit Mecklenburg-Vorpommern hat die Stadt Hamburg seit Längerem eine Vereinbarung über 200 Erstaufnahmeplätze in Nostorf /Horst. Für einen Deal mit Schleswig-Holstein, sagt Frank Reschreiter von der Hamburger Innenbehörde, "brauchte es schon eine deutlich größere Zahl". Doch wie würde eine solche Vereinbarung aussehen? Die Stadt Hamburg müsste die Kosten für die Unterbringung tragen. Die Asylverfahren würden vermutlich weiter in Hamburg bearbeitet werden. Und die Entlastung wäre nur temporär: Nach sechs Monaten, so will es die Gesetzeslage, müssten die Flüchtlinge zurück nach Hamburg.

Noch mehr Schlick?

Der Hamburger Hafen hat ein Problem mit Schlick, das ist bekannt. Und es wird immer schlimmer. Im vergangenen Jahr wurde so viel Schlick wie noch nie aus der Elbe gebaggert – bis zu elf Millionen Kubikmeter. Gleichzeitig steigen die Kosten. Und nun warnen Umweltschützer nicht nur vor den finanziellen, sondern auch vor den ökologischen Folgen einer weiteren Elbvertiefung (nicht unserer, der anderen). Schon nach der letzten Vertiefung im Jahr 1999 sei die Menge des ausgebaggerten Schlicks gestiegen. Und somit die Gefahr für die Umwelt.  "Irgendwann ist ein sogenannter Tipping-Point erreicht", sagt Malte Siegert vom Umweltverband Nabu. Eine weitere Vertiefung könnte dafür sorgen, dass Teile der Elbe in einen Zustand extremer Trübung wechseln. "Das hätte irreparable Schäden für das Ökosystem der Elbe zur Folge. Fische und Kleintierarten würden absterben. Da führt kein Weg mehr zurück", sagt Siegert. Und fügt hinzu: "Niemand weiß genau, wann dieser Kipp-Punkt erreicht ist." Sicher sei nur eins: "Wenn man vertieft, bekommt man mehr von allem: mehr Schiffe, mehr Schaden für die Umwelt, und es muss mehr gebaggert werden. Und auch die Kosten für die Steuerzahler werden: mehr." Die Befürworter, das ist schon absehbar, werden sich von diesen Warnungen nicht beeindrucken lassen.

Bitte keine Panik?

Seit Freitag ist klar: Die HSV-Handballer gehen in die Insolvenz. Und der Fußballabteilung geht es finanziell auch nicht so gut. Umso wichtiger war es dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer auf der Mitgliederversammlung am Sonntag, vor Panik zu warnen – auch wenn der Verein ein Minus von 16,9 Millionen Euro zu verzeichnen hat. "Wir gehen sorgsam mit unserem Geld um", sagte er und fügte hinzu: "Der HSV ist kreditfähig und kreditwürdig." Zwar stehe auch in dieser Saison wohl ein Minus an, doch der Verein sei auf dem Weg zu einem grundsoliden Bundesligisten, erklärte Beiersdorfer, was die anwesenden 309 Anhänger im Congress Center Hamburg mit Applaus bedachten. Währenddessen scheint bei den Handballern alle Hoffnung verloren. Rechtsaußen Hans Lindberg schrieb am Samstag als Reaktion auf das Insolvenzverfahren auf  Facebook: "Ich bin immer noch im Schock über das, was gestern herauskam. Ich bin enttäuscht, stinksauer, traurig, fassungslos wie alle anderen, denen der HSV Handball nah am Herzen liegt." Damit nicht genug. Vielleicht müssen die HSV-Handballer auch den Spielbetrieb bald einstellen. Denn es besteht der Verdacht, dass sich der Bundesliga-Verein die Spielberechtigung für die laufende Saison erschlichen hat: Angeblichwurde eine Zusatzvereinbarung über 2,5 Millionen Euro mit Hauptsponsor Andreas Rudolph abgeschlossen, die der Liga-Kommission nicht bekannt ist. Am Mittwoch wird der Liga-Verband über die Handball-Lizenz des HSV entscheiden.

Eine Frau, die Hamburg brüskiert?

Wenn am heutigen Montag die Violinistin Patricia Kopatchinskaja die Bühne der Laiezhalle betritt, wird das Publikum Zeuge von etwas Außergewöhnlichem werden. Nicht nur, weil die 38-jährige moldawisch-österreichische Geigerin grundsätzlich barfuß vor die Zuschauer tritt. Nein, auch weil ihr Sound einfach ein anderer ist: ungewohnt für die Ohren von Klassik-Liebhabern. Sie klingt "unbehaglich, bisweilen fast kratzbürstig", schreibt ZEIT-Redakteurin Christine Lemke-Matwey; Kopatchinskaja sei "die Schöne, die nicht viel auf schöne Töne gibt". In ihrem Stück "Der Saitensprung" geht Lemke-Matwey auch der Frage nach, ob Kopatchinskajas Art in die Hansestadt passt. "Jemand wie Patricia Kopatchinskaja, dem Konventionen wenig bedeuten, müsste eine Stadt wie Hamburg eigentlich brüskieren." Und tatsächlich, wenn die Künstlerin, in dieser Saison "artist in residence" bei den Elbphilharmonie-Konzerten, spricht, klingt das nicht gerade nach  Bürgerlichkeit: "Garage oder Toilette oder Carnegie Hall – mir ist das ganz egal. Ich bin ein Migrantenkind, ich spiele überall, und wenn es zu hallig oder zu trocken ist, dann spiele ich eben kürzere oder längere Töne." Mehr über Patricia Kopatchinskaja lesen Sie in der aktuellen ZEIT:Hamburg.

Knochenmarkspender gesucht!

Ein Helfer braucht Hilfe. Thorsten Salamon, 52 Jahre alt, aus Hamburg, ist seit 23 Jahren Notarzt. Mehr als 14.000 Einsätze hat er im Rettungshubschrauber bewältigt. Der Tod gehörte für Salamon zum Beruf. Jetzt ist der vierfache Vater an Leukämie erkrankt – umgangssprachlich auch Blutkrebs genannt. Um zu überleben, braucht er eine Stammzellentransplantation. Und dafür bedarf es eines Knochenmarkspenders. Den wollen Freunde und Kollegen jetzt finden. Auf Facebook haben sie zu einer Typisierungsaktion aufgerufen (LINK: https://www.facebook.com/helftthorsten/), mit deren Hilfe mögliche Spender gefunden werden sollen. Salamon hat der Aktion nur zugestimmt, weil damit auch anderen Leukämie-Patienten geholfen werden kann: Mögliche Spender werden von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registriert. "Da gibt’s ganz viele ›arme Schweine‹, die ihr Leben noch vor sich haben", sagt Salamon. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Spender findet, liegt nach Angaben der Stiftung im günstigsten Fall bei 1:20.000. Es wäre also schön, wenn sich möglichst viele Menschen melden würden.

Mittagstisch

BBQ bei Herrn Kwong

Betritt man das Restaurant Herr Kwong in der Innenstadt, fallen als Erstes die hinten in der Küche aufgehängten Spezialitäten ins Auge: marinierte Rippchen und Char Siu, das kantonesische Schweinefleisch, dazu "lackierte" Hühner und Enten. Alles schön gegrillt und gebacken. Das sieht köstlich aus – selbst der Schweinebauch. Die Karte bietet neben bekannten China-Speisen auch appetitliche Kanton-Küche. Als Mittagstisch gibt es Büfettstandards – oder man nimmt gleich den BBQ-Mittag, der auf einer Kreidetafel notiert ist. In diesem Fall zum Beispiel "BBQ Schweinefleisch mit doppelte Spiegeleier auf Reis". Man bekommt Char Siu – rötlich marinierte, in Scheibchen geschnittene Bratenstücke – mit einer dunklen, aber leichten Soße und dazu eben die Eier. Das mag drollig wirken, passt aber. Die Fleischsorten sind kombinierbar, etwas leichter kommen sie daher, kombiniert man sie mit Suppe. Der Mittagstisch kostet zwischen 3,50 Euro und 7,50 Euro, BBQ 7 Euro. Burchardstraße 16, 11–21.30 Uhr.

Steffen Richter

"Eine Stunde ZEIT"

Jetzt haben Sie wieder die Chance, den Machern der ZEIT über die Schulter zu gucken. Am kommenden Dienstag, den 26. Januar laden wir zum zweiten Mal ein zu "Eine Stunde ZEIT". Während unsere Redaktion die neue Ausgabe der ZEIT produziert, erkläre ich Ihnen die Arbeitsabläufe und führe Sie durchs Haus. Mal sehen, vielleicht zeigt Ihnen die Chefredaktion auch, wie die nächste Titelseite aussehen könnte. Diese Veranstaltung ist ausschließlich für ZEIT-Abonnenten; die Höchstzahl der Teilnehmer ist auf 15 beschränkt. Bewerbungen bitte nur mit Anschrift bis Mittwoch an elbvertiefung@zeit.de. "Eine Stunde ZEIT", Dienstag, 26. Januar, im Pressehaus, von 20–21 Uhr für geladene Leser

Was geht

Musik: Kennen Sie das Videospiel "Guitar Hero"? Macht Spaß. Kennen Sie die Band The Guitar Heros? Die machen noch mehr Spaß. Und spielen zum Glück im Rahmen der Reihe "Jazzraum" mit. Hafenbahnhof, Große Elbstraße 276, 21.30 Uhr

Witzig: Das neue Jahr ist da. Vermissen Sie schon 2015? Dann gehen Sie zu Jörg Knörs komödiantischem Jahresrückblick "Das war’s mit Stars 2015". Dabei schlüpft Knör in die Rollen der Promis, Sternchen und Politiker des vergangenen Jahres. Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, 19.30 Uhr

Faszination Dschihad: Allein in Hamburg geht der Verfassungsschutz von 270 gewaltbereiten Dschihadisten aus. Potenziell radikal-islamistische Gruppierungen werben öffentlich – mit Erfolg. ZEIT-Stiftung aktuellfragt nach den Ursachen für diese Anziehungskraft: Mehr als 650 deutsche Dschihadisten sind bereits nach Syrien und in den Irak gereist. Welche Gegenmaßnahmen können Staat und Gesellschaft ergreifen? Es diskutieren die Experten Lamya Kaddor, Elmar Theveßen, Wolf Walther; ZEIT-Redakteur Yassin Musharbash moderiert. Bucerius Law School, ab 19 Uhr. Mehr zu den Podiumsgästen und zur Anmeldung

Was kommt

Kinder: Das Buch "Elke. Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen" erzählt von einer dicken Frau und einem kleinen Jungen. Und eben von Kuchen. Christian Duda liest aus seinem Kinderbuch. Für Klein und Groß.  Mittwoch, Literaturhaus, Schwanenwik 38, 9 und 11 Uhr

Ausstellung: Im Kalten Krieg versorgten neun Männer und Frauen aus Hamburg das DDR-Regime mit Informationen über die Hamburger Parteien, die Gewerkschaften und die Polizei. Details und Einblicke bietet die Ausstellung "Hamburger Politiker als DDR-Spione im Kalten Krieg". Donnerstag in der Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität, 9–16 Uhr

Foto: Jeder Mensch hat Verletzungen, Wunden, Einschnitte im Leben erlebt. Man wächst an ihnen. Und man sieht sie auch, davon zeugt die Ausstellung "WUNDEr" der italienischen Fotografin Benedetta Manfriani. Sie zeigt ihre Fotografien im Italienischen Kulturinstitut. Freitag, Instituto Italiano di Cultura, Hansastraße 6, von 9–13 Uhr

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said geht zu jedem HSV-Spiel

"Der Retter zieht weiter: Marcelo Díaz wechselt zum spanischen Erstligisten Celta Vigo. Dort erhält der 29-Jährige einen Vertrag bis 2019. Zwei Millionen Euro soll der Verkauf dem HSV einbringen, ungefähr so viel, wie der HSV für den chilenischen Nationalspieler bezahlt hatte. Geld, das der HSV gut gebrauchen kann: Im Geschäftsjahr 2014/2015 erwirtschaftete der Verein ein Rekordminus von 16,9 Millionen Euro. Auch sportlich läuft es derzeit nicht gut. Alle drei Testspiele im Trainingslager im türkischen Belek verlor der HSV. Es kann nur besser werden."

Erik Hauth ist immer dabei, wenn es um den FC St. Pauli geht

"Der FC St. Pauli entfloh am Wochenende den frostigen Temperaturen in Hamburg und startete sein Trainingslager in Belek an der türkischen Riviera. Außer einem Bienenstich gab es kaum Aufregendes zu vermelden. Außer vielleicht, dass Marc Rzatkowski ein Kopfballtor im Training gelang. St. Paulis Blondschopf mutiert so vielleicht noch zum ›Kopfballungeheuer‹."

Meine Stadt


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Wollen Sie uns Schnack oder Fotos schicken (bitte keine Weihnachtsbäume!).

Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr