Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

heute starten wir mit einer kleinen Umfrage. Seit Anfang November machen wir für Sie nun die Elbvertiefung – welche, das müssen wir ja mittlerweile nicht mehr erklären –, und uns macht es Spaß, für Sie zu schreiben. Aber macht es Ihnen auch Spaß, uns zu lesen? Oder sind wir zu lang? Zu kurz? Fehlt Ihnen etwas – also bei uns? Finden Sie, wir sind zu hart zu unserem Meteorologen (immerhin schon dem zweiten)? Zu respektlos gegenüber Elefanten? Es wäre schön, wenn Sie zwei Minuten für ein paar Antworten hätten.

Der Innensenator geht, lang lebe der Innensenator!

Es muss einer der stressigsten Jobs gewesen sein, die der Senat im vergangenen Jahr im Angebot hatte: Senator für Inneres und Sport. Auf gut Deutsch hieß das: Senator für Flüchtlinge und Olympia. Und kaum etwas erregte die Gemüter derart wie diese beiden Themen. "Eine Ehre und Bürde" sei seine Position gewesen, sagte Michael Neumann gestern bei der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt als Innensenator. Fast fünf Jahre im Amt, hatte er schon länger mit dem Gedanken gespielt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Neumann galt als einer der größten und begeistertsten Verfechter der Spiele, als "Mr. Olympia" – und konnte die Hamburger nicht überzeugen. Seine Flüchtlingspolitik wurde von der Opposition immer wieder angegriffen, genau wie die Entscheidung im Jahr 2014, Teile Hamburgs zu Gefahrengebieten zu erklären. Auch die CDU begrüßt den Rücktritt des Mannes, der in der SPD als Hardliner für den konservativen Flügel galt: Viel zu lange habe Scholz dem amtsmüden Kollegen zugeschaut, erklärt André Trepoll, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion – und schlägt gleich noch weitere Kandidaten vor, die ihr Amt verlassen sollten: den Wirtschaftssenator, den Justizsenator ...

Neumanns Nachfolger wird einer, der die Innenbehörde im Umgang mit Flüchtlingen öffentlich scharf kritisierte: Andy Grote, Jurist und SPD-Stadtplanungsexperte. Der Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte hatte im Sommer gewarnt, die Stadt verteile die Last der Unterkünfte zu einseitig; dem "Hamburger Abendblatt" sagte er, erst habe man Wilhelmsburg systematisch zum Brennpunkt gemacht, dann zehn Jahre versucht, das zu ändern, und nun gebe es neue Rückschläge für den Stadtteil. Den Beweis, dass er es gerechter hinbekommt, kann Grote demnächst antreten.

Bauboom in der HafenCity

Nach den zum Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Entwürfen für das große Shoppingzentrum im Überseequartier stellt die HafenCity GmbH heute das Konzept für drei große Wohnungsbauprojekte vor, das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs für 360 neue Wohnungen mit Fokus auf, unter anderem, "betreutes Wohnen, Familien-, Frauen- und Seniorenwohnen". Sechs Baugenossenschaften und vier Baugemeinschaften sollen in Zukunft einen "besonderen Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft leisten". Hatte nicht gerade erst der neue Innensenator Andy Grote (SPD) noch als Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte dem NDR Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft in der HafenCity bestätigt? Es gehe dabei nicht um dieselbe Fläche, stellt Susanne Bühler, Sprecherin der HafenCity GmbH, klar: "Der Standort in Prüfung liegt auf der Baakenhalbinsel östlich des Beginns der Aufschüttung für den Baakenpark direkt am Baakenhafen im Quartier Elbbrücken." Alles klar? Nein – entschieden sei noch nichts. "Es wird es ein ordentliches Verfahren geben, in dessen Rahmen auch die Bürger entsprechend informiert werden, sobald der Standort endgültig feststeht." Wir vermuten, er wird irgendwo am Baakenhafen liegen.

Mehr Abschiebungen

Es ist eine alte Forderung, die seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht immer lauter wird: Deutschland müsse schneller über Abschiebungen entscheiden, sie konsequent durchführen und besonders bei Straftätern streng vorgehen. Die CSU fordert, bei Sexualdelikten zwingend auszuweisen, und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, SPD, scheint sich mit den politischen Gegnern aus Bayern durchaus einig zu sein: "Ich habe mit dieser Forderung kein Problem", sagt er im Interview in der aktuellen ZEIT:Hamburg. Aber sind solche Forderungen nicht nur heiße Luft?

Dennoch: Nicht nur die Zahlen der Asylsuchenden, sondern auch die der Rückführungen steigt. Vor dem Erlass des neuen Asylpakets, das Abschiebungen in einigen Fällen erleichtert, wurden im September 177 Flüchtlinge "zurückgeführt", im Oktober waren es schon 422. 1186 Menschen verließen Hamburg freiwillig, nachdem ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Die Zahl der Balkan-Flüchtlinge sinkt, wahrscheinlich auch, weil ihre Anträge nun im Eilverfahren abgelehnt werden. Was sich bereits geändert hat und was sich laut Olaf Scholz ändern soll, lesen Sie noch bis Mittwoch in der aktuellen ZEIT.

Kinder haften für ihre Eltern?!

Fußballfans wissen, dass das oft mit das Schönste am Sport ist: die Welt  schwarz-weiß sehen zu dürfen. Blöd nur, wenn es bei der hitzköpfigen Liebe nicht um die Bundesligateams geht, bei denen Fanblöcke voneinander getrennt sind und Mannschaften durch die Security geschützt werden – sondern um die Mannschaft des eigenen Kindes. Am Wochenende musste ein Hallenturnier der E-Jugend der Jungs in Wilhelmsburg abgebrochen werden. Bei einer Begegnung zwischen dem FC Bingöl und Bergedorf 85 gingen nach einem Platzverweis erst die acht- bis zehnjährigen Spieler aufeinander los – und dann Eltern, Trainer und Betreuer. Das LKA ermittelt nun wegen Körperverletzung. Solche Vorfälle ereigneten sich extrem selten, betont nun der Hamburger Fußballverband. Bei rund 60.000 Spielen käme es jedes Jahr zu 50 bis 60 gewaltsamen Zwischenfällen. "Das ist ein Promillebereich, den Sie wahrscheinlich nicht mehr rauskriegen, leider", so Geschäftsführer Karsten Marschner. In diesem Fall wurde niemand ernsthaft verletzt. Aber die Vorbildfunktion, die dürfte bei einigen Vätern einen herben Schlag erlitten haben.

Mittagstisch

Das rote Zimmer

Wer die Red Chamber auf dem Kiez vermutet, liegt schon mal falsch. Und wer beim Stichwort "chinesisch" an Glutamat-Orgien denkt, irrt sich noch viel mehr. Denn das Restaurant befindet sich um die Ecke von Rathaus und (aha!) Handelskammer in der Schauenburgerstraße, und es ist (nach dem Ni Hao in Wandsbek und dem Copper House an der Davidstraße) das dritte Lokal der Brüder Chen, denen man nicht weniger zugestehen muss, als dass sie eine moderne, verfeinerte chinesische Küche nach Hamburg gebracht haben. In der die Sojasoße selbst gebraut wird und Geschmacksverstärker undenkbar sind. Jedes ihrer Häuser ist einen Besuch wert, die Red Chamber aber verblüfft durch eine exzellente europäisch-chinesisch-japanische Fusion-Küche, feinsten Service mit Garderobendienst und Stoffservietten – und das alles zu dem unschlagbaren Preis von 18 Euro für ein dreigängiges Mittagsmenü. Man wählt unter zwei Vorspeisen, sechs Hauptgerichten und zwei Desserts, isst zum Beispiel Gartenspinat mit Sesam und Sojasoße, geröstete Ente mit Sojasprossen und Reis sowie einen Salat von frischen Früchten mit Petit Fours – und ist rundum glücklich. Hauptgerichte einzeln zwischen 8,50 und 15,50 Euro. Schauenburgerstraße 49, Mo–Sa: 12.00 bis 00.00 Uhr

Wolfgang Lechner

Was geht

Literatur: Gut zuhören, wo man später reinschauen sollte! Die Reihe "NDR Kultur Wissen" stellt Werke der Weltliteratur vor, heute "Gargantua und Pantagruel" von Rabelais. "Große Romane der Weltliteratur" jeweils dienstags um 9.20 Uhr und donnerstags um 15.20 Uhr auf NDR Kultur

Führung: Was passiert hinter den Kulissen? Die Staatsoper lässt Sie hinter den Vorhang und in die Werkstätten blicken. Führung um 13.30 Uhr, Treffpunkt Seiteneingang, kleine Theaterstraße, Tickets gibt es hier

Tanz: Garantiert besser als das kleine Latinum: Caribbean Night mit Rhythmen, Cocktails und Latin-Dance-Kursen. Cascadas, Ferdinandstraße 12, 20 Uhr

Kinderoper: Zaubertröte? Zauberflöte! Mozarts große Oper für die Kleinen (und nicht mehr ganz so Kleinen). Uni Hamburg, Audimax, 14 und 17 Uhr

Ausstellungseröffnung: Er illustriert Magazine auf der ganzen Welt (ja, auch das ZEITmagazin ;)), arbeitet dabei gern mit Kaffee, Brötchen oder Klebeband, hat elf Jahre in New York gelebt und zeigt in Hamburg einen Teil seines Werks: Christoph Niemann. Einen Text dazu lesen Sie in der aktuellen ZEIT:Hamburg, heute Abend ist Vernissage, ab morgen ist die Ausstellung regulär zu sehen. Christoph Niemann: "Unterm Strich", Museum für Kunst und Gewerbe, 19 Uhr

Schnack

Eine Frau steht mit ihrer etwa fünfjährigen Tochter an der Ampel. Kind: "Jesus ist sehr, sehr nett. Ich glaube an Jesus. Du auch, Mama?" "Hm, manchmal."

"Und manchmal nicht? Bindest du dir dann auch ein Kopftuch um?"

Gehört von Katrin Weibezahn

Meine Stadt

Begegnung im Niendorfer Gehege © Schnepppilotte via Instagram

Der unerbittliche Frost hat Hamburg fest im Griff, ganz Hamburg, sogar die Mülltonnen. Gerade in den Biotonnen, warnt die Stadtreinigung, friere feucht eingefüllter Inhalt dermaßen fest, dass sie sich nicht mehr leeren lasse. Bis beheizte Mülltonnen eingeführt werden, bitten die Müllexperten darum, Feuchtes bei Frost am besten gar nicht einzufüllen. Wer aber Kartoffelschalen, faulige Salatblätter und Essensreste ungern daheim im Wohnzimmer trocknet, der möge das Zeug zumindest einwickeln, in biotonnenkompatibles Zeitungspapier (unseres bitte vorher lesen). Hilfreich gegen Festfrieren seien auch Zweige, die man zuunterst in die Tonne werfe.

Und da soll noch mal einer sagen, unsere Stadtreinigung denke nicht mit: Warum wohl liegen an den Straßen überall noch nicht abgeholte Weihnachtsbäume?!

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Haben Sie Schnack? Fotos?

Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr