Das Hamburger Rathaus © dpa
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen, 

das Helmut-Schmidt-Haus gibt es schon, jetzt kommt noch der Hamburg Airport Helmut Schmidt dazu. Die Hamburger Bürgerschaft beschloss gestern, den Flughafen nach unserem verstorbenen ZEIT-Herausgeber zu benennen. Formal hätte es der Abstimmung im Parlament zwar gar nicht bedurft. "Aufgrund der weitreichenden Bedeutung" wollte der Senat die Volksvertreter dennoch mit einbeziehen.

Nun werden die Hanseaten den Namen des Altkanzlers also künftig nicht nur mit Sturmflut, Intellekt und staatsmännischem Handeln in Verbindung bringen, sondern auch mit Urlaub und Sonnenschein.

Schmidt hingegen verband mit dem Hamburger Flughafen vor allem Arbeit: zum Beispiel seinen Einsatz von 1952 zur Ansiedlung der Lufthansa Technik AG und den Ehrenvorsitz im Aufsichtsrat der Flughafen Hamburg GmbH.

Auch unsere Leser sprachen sich in unserer Umfrage vor einigen Wochen entschieden dafür aus, den Flughafen nach Helmut Schmidt zu benennen, obwohl, ich weiß: Der eine oder andere von Ihnen hoffte eigentlich auf einem etwas anderen Namen – ohne "Airport" und mit "Helmut Schmidt" nicht als Zusatz, sondern weiter vorn.

Den Planern war allerdings wichtig, dass dem Flughafen das international bekannt Kürzel HAM erhalten bleibt. Ein "HSF" oder "FHS" hätte in der Luftfahrtbranche womöglich zu Verwirrung geführt, und wer weiß: Am Ende wäre so mancher vielleicht statt in Hamburg in Feuerland gelandet. Oder gar in Lübeck. Unter dem Aspekt ist es wirklich besser so.

Und um die Mail eines Lesers aus Bramfeld zu beantworten: Nein, wir wissen derzeit von keinem Vorhaben, nach Helmut Schmidt noch einen Bahnhof zu benennen.

Braucht das Recht mehr Schärfe?

Nachdem es vorgestern in der Bürgerschaft mehr um den neuen Innensenator Andy Grote ging, waren dort die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht gestern großes Thema. Mittlerweile liegen der Polizei 218 Anzeigen vor, acht Tatverdächtige wurden ermittelt, laut Landeskriminalamt alle "mit Migrationshintergrund". Zwei der Männer nahm die Polizei bisher fest. Einer kam wieder frei. Bei dem anderen handelt es sich Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge um einen 29 Jahre alten Afghanen, der am Mittwoch in einer Flüchtlingsunterkunft in Stellingen gefasst wurde.

Hamburgs Justizsenator Till Steffen kündigte an, Hamburg wolle sich für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts einsetzen: "Wir werden eine Initiative im Bundesrat starten". Andy Grote äußerte sich zum ersten Mal in seinem neuen Amt vor dem Parlament: Er hoffe auf eine angemessene Bestrafung, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. In dem Fall würden auch die Spielräume des Ausländerrechts vollständig ausgeschöpft. "Wer solche Taten begeht, ist als Gast hier nicht länger willkommen und muss damit rechnen, dass sein Aufenthalt beendet wird", sagte er.

Auseinander gehen die Meinungen in der Bürgerschaft in der Frage, ob das Asylrecht verschärft werden sollte. CDU, FDP und AfD halten diese Diskussion für angebracht oder werben dafür, SPD, Grüne und Linke sehen keinen Bedarf. "Sexuelle Gewalt (...) ist kein Problem bestimmter Kulturkreise", sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Cansu Özdemir. Das zu behaupten sei eine Verniedlichung sexueller Gewalt, die Frauen täglich erlitten.

Eppendorfer Gewerbe gegen Flüchtlinge

In das ehemalige Kreiswehrersatzamt an der Sophienterrasse in Harvestehude – Sie erinnern sich sicher, was da los war – sollen in der kommenden Woche nun allen Ernstes die ersten Flüchtlinge einziehen. Nach monatelangem Streit hatte sich das Bezirksamt Eimsbüttel mit Anwohnern in dem Villenviertel geeinigt.

Gegen geplante Neubauten für Flüchtlinge in Eppendorf dagegen wehren sich jetzt nicht Anwohner, sondern Gewerbetreibende. In der Osterfeldstraße sollen dieses Jahr 178 Wohnungen entstehen, später weitere 300. Bisher ist die Gegend Gewerbetreibenden vorbehalten. Und diese befürchten nun die "Abstufung" zu einem Mischgebiet – in dem jede Firma auf Anwohner Rücksicht nehmen müsste. "Gravierende Konflikte" seien also vorprogrammiert, erklärt die Rechtsanwaltskanzlei Klemm & Partner im Namen der Firma Drestate, auf deren Grundstücken sich unter anderem eine Musikschule und einer Großküche befinden.

Christiane Kuhrt vom Zentralen Koordinierungsstab für Flüchtlinge sagt, entgegen Medienberichten gebe es bislang noch keine Klage. Und dennoch: "In dem Gewerbegebiet sollen Wohnungen für Flüchtlinge errichtet werden, nach den geltenden gesetzlichen Regelungen. Eine Abwägung der Belange der angrenzenden Gewerbetreibenden findet aber selbstverständlich statt."

Nicht zuletzt sei es wichtig, auch in Eppendorf Geflüchtete unterzubringen – bisher gibt es hier noch keine Flüchtlingsunterkunft.

In den Tod gestoßen 

Warum tötet ein junger Mann aus Hamburg eine 20-Jährige, die er noch nie gesehen hat, indem er sie vor eine U-Bahn schubst? Das versucht derzeit die Berliner Staatsanwaltschaft zu ermitteln. Der 28-jährige Täter wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und schweigt. Er hatte die junge Frau am Mittwoch ohne vorherigen Streit am Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz vor einen Zug gestoßen. Vorher war der Mann laut Staatsanwaltschaft gerade erst in Berlin eingetroffen, hatte vergeblich versucht, in einer Obdachlosenunterkunft in Charlottenburg einen Platz zu bekommen und war dann zum Bahnhof Zoo geschickt worden, vorbei am Ernst-Reuter-Platz.

Die Ärzte vermuten eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit durch Schizophrenie. Wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung und Raub sei der Hamburger bereits polizeibekannt und in seiner Heimatstadt in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte daher, dass "dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde". Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) wies den Vorwurf zurück: "Ich finde es in solchen Fällen nicht hilfreich, voreilige Schuldzuweisungen zu machen."

Superjet für Lufthansa

Ohne roten Teppich, dafür mit typisch hanseatischer Nüchternheit wechselte der erste Airbus A320neo seinen Besitzer. Vertreter der Lufthansa nahmen den Jet in Hamburg-Finkenwerder in Empfang. Airbus hatte die ursprünglich für Dezember vorgesehene Lieferung kurzfristig ins neue Jahr verschoben. 116 Exemplare der A320neo-Familie sollen nun noch ins Lufthansa-Lager wechseln, 45 davon in der langen Version A321neo.

Was daran so neu ist? Die Triebwerke des US-Herstellers Pratt & Whitney, an denen auch der Münchner Triebwerksbauer MTU mitarbeitet. Mit ihrer Hilfe soll der Flieger mindestens 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als seine Vorgänger. "Die neue Technologie macht das Flugzeug zudem erheblich leiser", versprach Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Ausgerechnet die viel gerühmten neuen Triebwerke aber sind für Airbus schon einmal zum Problem geworden. Die arabische Fluglinie Qatar Airways lehnte eine erste Übergabe ab – die Triebwerke hätten zur notwendigen Kühlung eine unerwartet lange Vorlaufzeit gebraucht. Das scheint dem großen Erfolg der "neo"-Linie keinen Abbruch zu tun. Seit der ersten Präsentation vor etwa fünf Jahren gingen bei Airbus schon Bestellungen für rund 4500 Maschinen ein.

Sahne für den HSV

Heute kann HSV-Trainer Bruno Labbadia allen beweisen, dass er die Lösung ist und nicht das Problem. Um 20.30 Uhr laufen seine Männer im Volksparkstadion auf, um sich gegen den FC Bayern München zu behaupten – oder unterzugehen. Labaddias Strategie: "Wir müssen top organisiert sein, eine sehr gute Ordnung und Aggressivität zeigen und eine hohe Laufbereitschaft gegen den Ball haben." So sagte es der Trainer bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Für wie wahrscheinlich er einen Erfolg hält, fasste er dann aber auch ganz trocken zusammen: "Wir müssen einen Sahnetag erwischen." Die Prognosen für die Partie vor ausverkauftem Stadion sind dementsprechend. Für einen HSV-Sieg gibt es beim Wettanbieter Tipico etwa 12 Euro je eingesetzten Euro. Falls die Bayern gewinnen, sind es schlappe 1,23 Euro. Aber immerhin: Mit den zeitweise verletzten Johan Djourou, Pierre-Michel Lasogga und Gideon Jung kann Labaddia voraussichtlich rechnen. Die drei  könnten für eine Überraschung sorgen – mit Unterstützung des Heimvorteils. Dabei setzt Labaddia vor allem auf die Fans. Deren Unterstützung fordere der HSV aber nicht einfach ein, man wolle etwas dafür tun. "Der Funke muss von der Mannschaft überspringen." Mal sehen.

Mittagstisch

Fischiges am Schanzenrand

Vom Schild über der Eingangstür lächelt verschmitzt ein Herr, der sich einen Fisch wie einen Schal um den Hals drapiert hat. Es ist der Chef höchstselbst, umschlungen von dem Lebensmittel, dessen Zubereitung er sich verschrieben hat. "Fischköppe" steht daneben, und so heißt auch das Lokal am Rand des Schanzenviertels. Wer den Laden betritt, stößt zunächst auf eine Theke, in der ihn allerlei interessante Fischbrötchen, Salate und Räucherfisch für den Außerhausverkauf anlachen. Das Mittagessen gibt es im stuckverzierten, knapp fünf Meter hohen Speiseraum. Neben einer festen bietet das Restaurant eine wöchentlich wechselnde Karte, auf der – man ahnt es – vor allem Fischgerichte stehen. Von den erwähnten Fischbrötchen ab 2,50 Euro über Backfisch mit Kartoffelsalat (6,90 Euro) bis zur Dorade auf Mangold mit Kartoffelgratin (9,90 Euro) oder gar warmem geräuchertem Heilbutt (12,90 Euro) reicht die Palette. Auch für Vegetarier und Fleischfreunde gibt es diverse Gerichte. Die Qualität der Zutaten ist hoch, die Verarbeitung ordentlich. Das Essen ist seinen Preis wert.

Bernstorffstraße Ecke Stresemannstraße, 9–20 Uhr

Thomas Worthmann

Was geht

Tasten statt Taktstock: Dirigent Simon Rattle begleitet ausnahmsweise seine Frau Magdalena Kožená am Klavier. Die Mezzosopranistin singt Werke von Stranwinsky bis zu Janá ček. Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, heute ab 20 Uhr                  

Schwarzarbeit: Der Berliner Künstler Lev Khesin braucht keine Farben, um ausdrucksstarke Bilder zu malen. Stattdessen setzt er in seiner neuen Ausstellung ausschließlich auf "Neon Black". Evelyn Drewes Galerie, Burchardstraße 14, heute ab 18 Uhr 

Kennedy-Pop: Die Hamburger Kulturszene hat Glück, dass Sophia Kennedy mittlerweile an der Elbe statt in Baltimore wohnt. Die Amerikanerin experimentiert mit Film und Musik – heute als Solokünstlerin mit selbs tkomponierten Popsongs. Nachtasyl, Alstertor 1,  ab 21 Uhr

Was kommt

Allein auf Klassenfahrt: Welche Jugendherberge bietet den süßesten Malventee, welche den labbrigsten Toast? Das testete ein Filmschulabsolvent – und machte einen Streifen daraus. "Wintergast", Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, Samstag um 17 Uhr

Liebe auf den ersten Ton: Das Dirk Bleese Trio verbindet auf dem neuen Album "In Between" Tradition und Jugend zum außergewöhnlich frischen Klavier-Erlebnis. Jazzfans kommen bei den Profis aus Hamburg und Berlin definitiv auf ihre Kosten. Halle 424, Stockmeyerstraße 43, Samstag 20 Uhr

Ei oder Huhn: Was war zuerst da? Dieser Frage stellen sich Kids ab fünf mit dem Figurentheater Gingganz. KulturKirche Altona, Max-Brauer-Allee 199, Sonntag um 15 Uhr

Dance around the Jukebox: Nicht nur Oldies lieben Oldies. Mit Astra-Bier und Klassikern wie "Schuld war nur der Bossa Nova" lädt der Goldene Handschuh am Sonntag zum Oldietreff bei Gerd ein. Hamburger Berg 2, Sonntag ab 19 Uhr

Hamburger Schnack

Meine Zweijährige erklärt mir beim Frühstück den Weg des Müslis.

"Erst ist es auf meinem Löffel. Dann im Mund. Dann im Bauch. Dann ist es in den Schuhen. Jetzt sind die Schuhe dreckig."

Gehört von Anna Heidelberg-Stein


Meine Stadt

Ging es Ihnen in den letzten Wochen und Monaten nicht auch so? Hatten Sie nicht auch das Gefühl, entweder Sie seien ständig erkältet, verschnupft, vergrippt – oder alle anderen? Und dachten Sie am Ende schon, Sie seien vielleicht ein bisschen hypochondrisch oder hysterisch?

Aber nun vermeldet die Krankenkasse DAK, dass die Zahl der Krankmeldungen in Hamburg und Schleswig-Holstein im letzten Jahr deutlich anstieg. Denn es gab "besonders aggressive" Krankheitserreger. Und die Menschen waren mehr erkältet.

Was soll ich sagen? Sie hatten doch recht. Sie und all die anderen waren wirklich krank.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.