Guten Morgen,

haben Sie am 20. Februar schon etwas vor? Falls nicht: Kommen Sie doch zu uns. Wir feiern da nämlich Geburtstag. Unseren 70. Und wie wir feiern: Es wird eine Lange Nacht der ZEIT geben, mit rund 30 kostenlosen Veranstaltungen an 15 besonderen Hamburger Orten. Mit ZEIT-Autoren und Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft.

Nur ein paar Highlights: ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo spricht mit dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz. ZEIT-Autor Moritz von Uslar stellt Schauspielerin Maria Furtwängler furchtlos und temporeich 99 Fragen, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble steht ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und ZEIT-Redakteur Roman Pletter Rede und Antwort.

ZEIT-Wissen-Chef Andreas Lebert spricht mit Bestsellerautor Frank Schätzing ("Der Schwarm") über das Verhältnis von Literatur und Naturwissenschaft. Und beim Psychologen und ZEITmagazin-Kolumnisten Louis Lewitan sitzt Schauspieler Axel Milberg auf der Couch.

Und, ach so: Schachweltmeister Magnus Carlsen sucht 70 ZEIT-Leser, gegen die er gleichzeitig antreten "und gewinnen kann". Sehen Sie das anders? Denken Sie, er schafft nur 69, Sie aber nicht? Bewerben Sie sich

Abgehängte Pendler

Die Bahn möchte alte Strecken reaktivieren, mehr Städte anfahren, für Kunden attraktiver werden. So weit die guten Vorsätze. Wie das in der Realität aussieht, erleben Menschen, die sich in Mecklenburg-Vorpommern niedergelassen haben, mit dem Zug nach Hamburg zur Arbeit pendeln – und das gerade bitter bereuen. Seit im Dezember der Fahrplan umgestellt wurde, ist die Regionalbahn RE1 Rostock–Hamburg aus dem Takt. "Früher habe ich für die Fahrt nach Hamburg 36 Minuten gebraucht", klagt Jens Prötzig, Initiator der Petitionsseite www.pendlerprotest.de. Heute brauche er gut eine Stunde. Nicht nur das. "Durch den neuen Fahrplan stehen wir manchmal 18 Minuten auf einem Wartegleis, bis uns ein Fernzug überholt." Der Frust bei den Pendlern sei groß; über 2100 Unterschriften gegen diese Umstellung hat Prötzig schon gesammelt. Bei der Bahn bedauert man die Lage, erklärt aber, das sei noch der bestmögliche Kompromiss: Der R1 habe veränderte Fahrzeiten, weil eine Schnellfahrtstrecke zwischen Erfurt und Halle in Betrieb genommen wurde. "Für die Verbesserungen des Fernverkehrskonzeptes musste man in langen Verhandlungen Kompromisse für einige SPNV-Linien finden", sagt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Zusätzlich brauchten die Züge durch die Brückenbauarbeiten am Berliner Tor länger als zuvor. Jens Prötzig dagegen ist sich sicher, dass es eine bessere Lösung gebe, als Teile Mecklenburg-Vorpommerns bahntechnisch abzuhängen. Nun verlangt er von der Verkehrsgesellschaft des Landes Einsicht in die Verträge mit der Bahn.

Ende der Iran-Sanktionen gut für Hamburg

Seit einer Woche ist ein Großteil der Sanktionen für den Iran aufgehoben. Und dies könnte einer dieser Fälle sein, bei denen die Folgen der ganz großen Politik direkt in der Handelsstadt Hamburg spürbar werden.

Wie die "Welt" berichtet, ist der Iran für Hamburger Firmen schon jetzt ein attraktiver Handelspartner. 353 in Hamburg ansässige Unternehmen unterhalten geschäftliche Verbindungen zum Iran, das macht knapp neun Prozent der Exporte Deutschlands dorthin aus. "Wenn alle Sanktionen fallen", davon geht Corinna Nienstedt, Leiterin des Bereichs International bei der Handelskammer, aus, ließe sich "der deutsche Außenhandel mit dem Iran schnell vom heutigen Niveau aus verdoppeln". Zwar gibt es noch Unsicherheiten beim geschäftlichen Zahlungsverkehr. Aber vor allem in den Bereichen Nahverkehr, Gesundheitswesen oder bei der iranischen Flugzeugflotte hoffen Hamburger Unternehmen auf gute Geschäfte. Zumal in unserer Stadt 20.000 Iraner oder Menschen mit iranischen Wurzeln leben – innerhalb Europas gibt es nur in London eine größere Community. 

Bundesverdienstkreuz für "Hinz&Kunzt"-Chefin

Dieses Magazin ist aus Hamburg nicht mehr wegzudenken: "Hinz&Kunzt", gemacht von professionellen Journalisten und verkauft von Obdachlosen auf der Straße. Seit der Gründung 1993 ist Chefredakteurin Birgit Müller (59) dabei, sie kündigte damals ihren Redakteursjob beim "Hamburger Abendblatt". Heute bekommt sie für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande. "Ohne Birgit Müller, ohne ihre unglaubliche Energie und Ausdauer, mit der sie für die Würde der Obdachlosen kämpft, gäbe es heute das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" so nicht", sagt Dirk Ahrens, Landespastor und Diakoniechef. "Hinz&Kunzt" hat eine Auflage von knapp 67.000 Exemplaren, um die 500 Verkäufer und vor allem einen guten Ruf. Sie selbst habe viel gelernt in ihrer Zeit bei "Hinz&Kunzt", sagt Birgit Müller, "zum Beispiel, dass man anderen nicht helfen kann, dass sie sich selbst helfen müssen. Dass wir aber Hilfestellungen geben können und im richtigen Moment da sein müssen. Und das vieles anders läuft, als man sich das vorher in seinem Mittelstandsköpfchen so vorgestellt hat." Immer versucht Birgit Müller, Brücken zwischen den Welten zu schlagen: es gibt Schreibwettbewerbe für Leser; im April 2015 ließ sie eine Ausgabe von Werbern gestalten. Das Bundesverdienstkreuz wird ihr heute im Hamburger Rathaus verliehen, die Zeremonie danach findet aber direkt im Vertrieb von "Hinz&Kunzt" statt. Auf Müllers Wunsch sollen natürlich die Verkäufer des Straßenmagazins und das ganze Team dabei sein.

Kunst kommt nicht von korrekt

"Das Theater ist ein Ort der Kunst. Und das Theater ist ein Ort des Sozialen. Das eine ist ohne das andere gar nicht zu haben", so schreibt Joachim Lux, Intendant des Thalia Theaters, anlässlich der diesjährigen Lessingtage, die am Samstag begonnen haben. Als Ort des Sozialen kommt auch das Thalia nicht umhin, sich mit dem zu beschäftigen, was auch unsere Gesellschaft bewegt; "Um alles in der Welt" lautet das Motto der Lessingtage, die den großen Dramatiker und Humanisten ehren. Auch in der Kultur herrscht große Uneinigkeit darüber, wie die aktuellen Entwicklungen zu bewerten sind. "Wir sind dazu aufgerufen, auch mit Widersprüchen und Unangenehmem umzugehen", sagte Lux. "Wir können Strömungen und Probleme aufgreifen und künstlerisch verarbeiten. Das braucht ein bisschen Zeit – dann sind wir manchmal ganz gut." Bei den Lessingtagen wird es häufig politisch – und oft geht es dabei um Flucht, wie auch bei der Eröffnungsinszenierung "Früchte des Zorns", einer Bühnenadaption des Romans von John Steinbeck. Die Schauspieler haben verschiedene Hautfarben und Muttersprachen, Luk Perceval, leitender Regisseur und Experte in Bühnenadaptionen von Romanen, zeigt hier so etwas wie eine Urfabel der Migration: einen amerikanischen Roman auf einer deutschen Bühne mit einem internationalen Ensemble als Kommentar zu aktuellen Einwanderungsbewegungen. Dieser gedankliche Raum war einer, den auch schon Lessing herbeischrieb – allerdings nicht als Problemanalyse der Gegenwart, sondern als Utopie einer transnationalen, interreligiösen und interkulturellen Welt, in der Ideen und Religionen sich als Brüder sehen. Ach, welch schöne Idee!

Boomtown Hammerbrook

Eine Meldung des "Hamburger Abendblattes" hat uns am Wochenende besonders überrascht: Der Wohnungsvermittler Airbnb hat weltweit 16 zukünftige Trendstadtteile ausgemacht. Und auf Platz sieben liegt, sieh mal einer an: Hammerbrook. Eine Sensation! Doch bevor Sie jetzt sofort ihren nächsten Wochenendtrip nach Hammerbrook planen: Nichts gegen das Viertel mit den vielen Kanälen, aber Airbnb hat prozentuale Veränderungen gemessen und leider keine absoluten Zahlen genannt. Wenn es im Jahr 2015 also einen Zuwachs von verblüffenden 418 Prozent bei Airbnb-Übernachtungen in Hammerbrook gab, kann das also bedeuten, dass im Jahr 2014 noch 10.000 Airbnb-Kunden jeweils einmal in dem Viertel nächtigten – und im Jahr 2015 schon 41.800. Es kann aber auch bedeuten, dass 2014 ein Mensch eine Nacht in Hammerbrook verbrachte. Und derselbe Mensch im Jahr 2015 umständehalber 4,18 Nächte dort blieb. Wie sich das erklärt (vor allem die 0,18 Nächte) und was das wahrscheinlichere Zahlenverhältnis ist, das bleibt aber vorerst unserer Fantasie überlassen.

Mittagstisch

Klein, aber lecker

Das Hallo Kleines! ist einer dieser Läden, die zur Straße hin nur einen kleinen Teil ihres Raumes zeigen. Das größere Zimmer mit weißen Dielen und himmelblauen Wänden liegt hinter dem Tresen. Gut zu wissen, denn zur Mittagszeit wird es hier oft voll, und das beliebteste Essen ist gegen 13 Uhr schon mal ausverkauft. Kein Wunder, hier gibt es fantasievolle Fusion-Küche (zum Beispiel Thai-Bolognese mit Tofu, Reisnudeln und Koriander), deftige Tagessuppen und, sehr wichtig: großartigen Kuchen zum Nachtisch! Suppe ab 4,50 Euro, Weidenallee 61

Franziska Bulban

Was geht

Vortrag: Fleißige Bienchen und Hobbyimker aufgepasst! Vortrag zu "Honig- und Wildbienen in der Stadt" von Stadtbienen e. V. und Deutschland summt. GLS Bank Hamburg, Mittelweg 147, 19 Uhr

Sport: Handspiel strengstens erlaubt! Beim "F+K Kickerturnier" wird gespielt, was auf den Tischfußballtisch kommt. Alles im Griff?

freundlich+kompetent, Hamburger Straße 13, 19 Uhr

Kunst: Kleben und kleben lassen: Der Künstler Claus Clément schafft aus Papier überraschende Collagen, die in "Culture – Cuts" zu sehen sind

Galerie St. Gertrude, Goldbachstraße 9, 9–17 Uhr

Was kommt

Vortrag: Machen Sie sich manchmal Sorgen um die Demokratie? Hier treffen Sie Gleichgesinnte: "Quo vadis, Demokratie?", Themenabend zu nationalistischen, radikalen Tendenzen in Europa und den USA von der Landeszentrale für politische Bildung, Gästehaus der Universität, Rothenbaumchaussee 34, Dienstag, 18 Uhr

Konzert: Ron Pope heißt auf Deutsch Ron Papst, er macht Country im besten Sinne nach Johnny Cash – was soll da schiefgehen? Ron Pope & The Nighthawks, Uebel und Gefährlich, Feldstraße 66, Mittwoch, 21 Uhr

Marionettentheater: Es muss nicht immer die Augsburger Puppenkiste sein.

Das Marionettentheater Thomas Zürn ist zu Gast im Jenisch Haus und zeigt "Der gestiefelte Kater". Für Kinder ab 4 Jahren. Jenisch Haus, Baron-Voght-Straße 50, Samstag, 15 Uhr

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

"Der HSV ist mit einer 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München in die Rückrunde gestartet. Im Vergleich zum ersten Spieltag ist das eine deutliche Verbesserung: 0:5 verlor der HSV damals in München. Mit ein wenig Glück wäre diesmal sogar ein Punkt drin gewesen, letztlich war der HSV aber zu ungeschickt in der Defensive und (mal wieder) zu harmlos in der Offensive. Die Mannschaft braucht dringend einen neuen Stürmer. Das weiß auch jeder im Verein. Viel Zeit bleibt den Verantwortlichen aber nicht: Am 31. Januar endet die Transferperiode."

Erik Hauth, bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

"Das Trainingslager im türkischen Belek geht in die zweite Woche. Bisher sind alle St. Paulianer, Spieler, Trainer und Betreuer, gesund und munter. So munter, dass Mittelfeldmann Marc Rzatkowski ein seltenes Kunststück gelang: Er verwandelte einen Freistoß im Testspiel gegen Vaduz gedankenschnell, indem er eine 60-Meter Bogenlampe über den gegnerischen Keeper unter die Latte drosch.

Ähnliches war dem Ex-St.-Paulianer Julian Koch vor genau einem Jahr gelungen. Sein Bogenlampentor aus 50 Metern, auch im Trainingslager in Belek erzielt, ist aktuell von der ARD ›Sportschau‹ zum Tor des Jahres 2015 nominiert. Am Millerntor warten wir auf solche Tore bisher noch vergebens; aber was nicht ist, kann ja noch werden."

Mehr über Fußball von Aimen Abdulaziz-Said und Erik Hauth auf http://www.zeit.de/hamburg/fussball

Meine Stadt

Meine Überlegungen: als hätte sich ein Bayer (oder Österreicher? Ist das da ein kleines Edelweiss auf der Lehne?) gedacht "na sicher ist sicher, nachher kriege ich da keinen Sitzplatz..." Vielleicht auch für die Bundesbahn gar nicht doof?? © Svenja Groppe


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

 

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