Große Freiheit, St. Pauli, Januar 2016 © dpa

Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht auf St. Pauli wurden von der Hamburger Polizei zwei tatverdächtige Afghanen vorläufig festgenommen. Es sind die ersten Festnahmen seit Beginn der Ermittlungen. Ein 29 Jahre alter Afghane sei nach der Veröffentlichung von Fotos und anschließenden Zeugenhinweisen in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Stellingen am Mittwoch gefasst worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Bei der Vernehmung des Mannes habe sich ein Hinweis auf einen zweiten Tatverdächtigen ergeben. Dieser sei ein 24 Jahre alter Afghane, den die Polizei in einer anderen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Stadtteil Barmbek festnahm.  Gegen den 29-Jährigen wurde in der Folge Haftbefehl wegen sexueller Nötigung erlassen. Gegen den zweiten Tatverdächtigen hat sich kein dringender Tatverdacht ergeben, er wurde entlassen.

Die Ermittler werfen den beiden Männern vor, mehrere Frauen in der Silvesternacht gemeinschaftlich sexuell genötigt zu haben. Die Opfer hätten die beiden Verdächtigen auf einer Übersichtsaufnahme aus der Großen Freiheit, einer Nebenstraße der Reeperbahn, wiedererkannt.

218 Strafanzeigen, 351 betroffene Frauen

Nach der Veröffentlichung von Fotos seien die gesuchten Männer von Zeugen erkannt worden. Beamte der Sonder-Ermittlungsgruppe "Silvester" vollstreckten daraufhin einen Durchsuchungsbeschluss für den Wohnbereich des 29-Jährigen. Die Ermittler hätten dabei Beweismittel sichergestellt.

Wegen der Übergriffe in der Silvesternacht gingen bei der Hamburger Polizei bis zum Donnerstag 218 Strafanzeigen ein. 351 Frauen seien Opfer dieser Taten geworden. Am Freitag war die Zahl der Anzeigen noch mit 195 und die der geschädigten Frauen mit 306 angegeben worden.

Die Afghanen gehören zu acht Tatverdächtigen, die die Polizei bislang ermittelt hat. Alle dieser acht Personen hätten einen Migrationshintergrund, hatte der stellvertretenden Leiter des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise, am Freitag vergangener Woche im Innenausschuss der Bürgerschaft erklärt. Sie seien zum Teil Flüchtlinge, die in Unterkünften der Stadt lebten, als auch Menschen, die schon seit mehreren Jahren in Hamburg wohnen. Ermittelt werde ferner gegen 18 bis 20 Personen, denen aber noch keine konkreten Taten auf St. Pauli oder am Jungfernstieg zugeordnet werden könnten.

Aktualisiert um 18.05 Uhr.