Dietrich von Albedyll © dpa
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

Karneval wird in Hamburg bekanntlich kaum gefeiert. Hier arbeiten die Leute von morgens bis abends und vertun ihre Zeit nicht mit Geschunkel. Wenn Sie aber heute früh in der Innenstadt einer Gruppe wild entschlossener Jecken begegnen, erschrecken Sie  nicht: Es ist nicht so, wie es aussieht. In den Kostümen stecken nur Leute von ver.di und Mitarbeiter der Vereinigung Kita Servicekräfte Gesellschaft (VKSG). Die wollen mehr Lohn: In den letzten zehn Jahren gab es wohl nur eine Tariferhöhung – um einen lausigen Prozentpunkt! 

Verständlich, dass die im Service arbeitenden Leute aus den Kitas nun auch auf die Straße gehen, nachdem die Erzieherinnen und Erzieher noch vor gar nicht langer Zeit permanent durch die City patroullierten. Ebenfalls sehr sympathisch, dass sie die Sache mit Humor angehen wollen, statt wie ihre KollegInnen mit nervigem Pfeifen und Tröten, und das Motto "Weiberfastnachtsumzug" ausgegeben haben.

Auf unsere Nachfrage hin war man sich bei ver.di aber noch nicht sicher, wie ernst die Streikenden das Karnevalsthema nehmen werden. Es könnte also sein, dass nur wenige verkleidet kommen, schließlich ist dies Hamburg. Es könnte aber auch sein, dass wild mit Kamellen geschmissen wird, dass man, nein frau vorbeikommenden Männern als Symbol der Entmannung die Krawatten abschneidet und dann, wie in Karnevalshochburgen üblich, um 11.11 Uhr zum Sturm aufs Rathaus ansetzt.

Allerdings: In Karnevalshochburgen wissen das alle Beteiligten vorher.

Hamburgs Tourismus-Chef tritt zurück

Hamburgs Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll ist von seinen Ämtern zurückgetreten. Das Timing überrascht einerseits, denn im März wollte er sowieso aufhören. Andererseits gibt es Gerüchte, dass Albedyll sich nicht ganz sauber verhalten habe. Das war wohl auch der Grund für seinen Rücktritt, zumindest klang es so: "Ich möchte mit meinem Schritt Schaden von Unternehmen, der Stadt und meiner Person abwenden", ließ er mitteilen. Was war geschehen? Als Tourismus-Chef war Albedyll Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH und somit für die Entwicklung des Tourismus in der Stadt zuständig. Einem Bericht des "Hamburger Abendblattes" zufolge hatte er jedoch bereits im Dezember eine eigene Tourismus-Firma gegründet und ins Handelsregister eingetragen – obwohl er noch bis März im Dienste der Stadt stehen sollte. Das angeblich ohne Wissen der Wirtschaftsbehörde. Dies würde schon reichen für einen saftigen Interessenskonflikt. Aber mehr noch: Albedylls Geschäftspartner in dieser Firma ist der PR-Berater Wolfgang Raike. Und dessen Agentur hat in den vergangenen Jahren angeblich öfter Aufträge von Albedyll bekommen. Viele Fragen sind noch offen. Albedylls Chef Andreas Rieckhof, Staatsrat für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, ließ verlauten: "Ich nehme die Entscheidung von Herrn von Albedyll mit Respekt zur Kenntnis. Die im Raum stehenden Sachverhalte werden selbstverständlich lückenlos aufgeklärt werden." Na dann mal los!

Volksentscheid mit zweifelhaftem Sinn

Ein Volksentscheid, eine Abstimmung unter den Hamburger Bürgern, ist die große Hoffnung der Initiativen, die sich gegen Großunterkünfte für Flüchtlinge aussprechen. Und tatsächlich: Sollte es dazu kommen, hätte die Stadt mit ihren Plänen wohl keine Chance. "Nicht gegen ein politisches Bündnis, hinter dem fast 50 Prozent der Wähler stehen, das von der CDU bis zur Linkspartei reicht und das von der AfD unterstützt wird. Nicht gegen schlagkräftige Initiativen, die ihre Arbeit als Akt der Notwehr sehen, weil sie den Frieden in ihren Nachbarschaften zu verteidigen glauben oder schlicht ihr Eigentum, den Wert ihrer Häuser", schreiben die ZEIT-Autoren Frank Drieschner und Sebastian Kempkens. Aber sie schreiben auch: "Die Bürgerinitiativen können diese Abstimmung so wenig gewinnen wie die Landesregierung." Denn ein Volksentscheid wäre erst im Herbst 2017 möglich. Bis dahin kommen weiter Flüchtlinge in die Stadt, 20.000 werden für das kommende Jahr erwartet. Die Menschen müssen irgendwo unterkommen. Und die geplanten Unterkünfte wären dann schon gebaut. Was also tun, wenn sich die Bürger gegen sie aussprechen? Bei Volksentscheiden geht es gar nicht so sehr um Lösungen. Es geht um Emotionen. "Im Prinzip kann eine Volksinitiative fast alles verlangen, auch Sinnloses", schreiben Drieschner und Kempkens in ihrem Stück "Wut ist die wichtigste Waffe" in der neuen ZEIT:Hamburg.

HVV denkt auch an ältere Fahrgäste

Für Ältere ist der Nahverkehr oft besonders wichtig. Das weiß man auch beim HVV. Dort bietet man Mobilitätskurse für Senioren an, und gestern wurde außerdem ein neues Handbuch zur Mobilität im Nahverkehr vorgestellt. Zeit für einen Anruf bei HVV-Sprecher Rainer Vohl.

Herr Vohl, was muss man sich unter Ihrem Mobilitätstraining für Senioren vorstellen?

Diese Kurse werden selber von Senioren durchgeführt, die viel Erfahrung mit dem öffentlichen Nahverkehr haben. Die üben mit den Teilnehmern dann ganz praktische Dinge: Wo steige ich am besten ein, wie halte ich mich am besten fest? Oder auch: Wo steige ich um? Denn für viele ältere Fahrgäste lohnt es sich, mal zwei Stationen weiterzufahren, weil das Umsteigen da leichter ist.

Was nicht unbedingt an den Fahrgästen liegt...

Das Hauptproblem ist, dass noch immer nicht alle Haltestellen in Hamburg barrierefrei sind. Dabei geht es nicht nur um Rolltreppen und Aufzüge. Es gibt viele Dinge, die ein jüngerer Fahrgast gar nicht bemerkt. Wie die taktilen Elemente am Rand des Bahnsteigs, diese Hubbel und Rillen am Boden, die zum Beispiel signalisieren, wo der Bahnsteig erhöht ist, damit man leichter einsteigen kann.

Wieso sind denn nicht längst alle Haltestellen in Hamburg barrierefrei?

70 Prozent sind schon ausgebaut. Das Ziel ist es, in den 2020er Jahren alle barrierefrei zu haben. Manchmal ist das besonders schwierig. Es gibt sehr komplexe Stationen mit vielen Ebenen. Ein Fahrstuhl reicht da oft nicht, wie zum Beispiel an den Landungsbrücken. Auch Platz ist ein Problem: Am Eppendorfer Baum etwa musste eine Fahrspur auf der Straße weichen, um Platz für den Aufzug zu schaffen. Das fanden die Anwohner nicht so toll.

Auch die werden irgendwann öffentlich fahren und dann dankbar sein. Aber so schön Aufzüge und Rolltreppen sind: Sie können kaputtgehen.

Wir haben jetzt eine Live-Auskunft für die Fahrstühle installiert. Hier können die Fahrgäste nachsehen, welcher Aufzug nicht funktioniert. Und an jeder Station gibt es Infosäulen. Dort kann man auch Hilfe anfordern. Und da ist natürlich noch unsere Service-Hotline.

Der HSV und die E-Mail-Panne

Beim HSV gab es mal wieder eine Transferpanne. Neben dem Schweden Nabil Bahoui und dem Schweizer Josip Drmic sollte auch der Ivorer Sekou Sanogo von den Young Boys Bern zum Hamburger SV wechseln. Doch der Deal scheiterte, weil die erforderlichen Transferunterlagen per E-Mail erst knapp nach Ende der Wechselfrist eintrafen. "Leider wurden die für den Transfer erforderlichen Dokumente in Bern zu spät versendet und erreichten uns nach 18 Uhr", sagte HSV-Sportdirektor Peter Knäbel. Das sehen die Kollegen in der Schweiz anders. Berns Sportdirektor Fredy Bickel berichtete dem Onlineportal blick.ch seine Version: Am Montag um 16.30 Uhr hätte HSV-Sportdirektor Knäbel die Schweizer gebeten, "die Vereinbarung aufzusetzen, er komme nicht mehr dazu". Um 17.54 Uhr soll die endgültige Version in Bern losgeschickt worden sein. Leider blinkte das Postfach in Hamburg erst um 18.04 Uhr. Welchen Weg nahm die E-Mail? Wie oft kreiste sie um den Globus? Und: wem soll man glauben? Für den HSV ist es nicht das erste Mal, dass zu spät eintreffende Dokumente alles vermasseln. 2011 scheiterte der Wechsel von HSV-Angreifer Eric Choupo-Moting nach Köln, weil dessen Vater den Vertrag zu spät verschickte. Entsprechend mitfühlend reagierte übrigens der 1. FC Köln auf die aktuelle Panne via Twitter: "HSV – wir fühlen mit euch." Und wir sind gespannt, wer nächste Saison nicht zum HSV wechseln wird.

Schweiger-"Tatort" im Kino

Til Schweiger macht die Dinge gern ein bisschen anders. Den fünften Fall seines "Tatort"-Kommissars Nick Tschiller gibt es nicht im Fernsehen, sondern im Kino. Wobei, "Fall" ist wohl nicht das richtige Wort. Denn erstens ermittle Tschiller nicht, wie Schweiger erklärt, "Tschiller kämpft". Und zweitens ist der Kommissar dieses Mal außer Dienst, "Off Duty". So der Titel des Films, der jetzt im Kino läuft, den die allerwenigsten Filmkritiker vorher sehen durften und der jene Auserwählten, die ihn offenbar doch sehen durften, umgehend an einen "deutschen James Bond" erinnerte. Worum geht’s? Tschiller erholt sich vom Tod seiner Exfrau und will sich um seine Tochter (Luna Schweiger) kümmern. Die allerdings sinnt auf Rache, folgt dem Clan-Chef Firat Astan (Erdal Yildiz) nach Istanbul, wird entführt und soll als Prostituierte nach Russland verkauft werden. Tschiller muss sie retten, und das führt ihn zuerst an den Bosporus und dann nach Moskau. Mit dabei ist wieder sein Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim), der schon im Fernsehen als heimlicher Held der Tschiller-"Tatorte" gilt: Tschiller sorgt für Action, Gümer für den Humor.Plot und Drehorte des neuen Streifens erinnern allerdings stark an den Liam-Neeson-Film "Taken" ("96 Hours"). Was Schweiger auch gar nicht bestreitet. "Den Liam" hält er nämlich für einen super Typen. Aber wenn "Tschiller: Off Duty" tatsächlich an "Taken" heranreicht, könnte zumindest die Action stimmen.

Mittagstisch

Bei Mama und Papa

In der Wachskerze brennt kein Docht, sondern eine LED-Lampe, und auch an den Wänden und auf dem großen Weinregal gehen das Heilige und das Profane eine schauerlich-schöne Allianz ein. Man sitzt auf Barhockern an Stehtischen und guckt in die offene Küche. Hier bereitet Moni jedem Gast von 12 bis 15.30 Uhr das Mittagessen höchstpersönlich zu. Sie ist die Tochter von Lieto Barberi, dem mittlerweile betagten Inhaber der alteingesessenen Enoteca Toscana. Zu hören, wie sie die Pilze für die "Pasta mit Edelpilzen" klein schneidet oder die Salsicce in der Pfanne brät, gibt dem Gast das behagliche Gefühl, bei Muttern zu speisen. Und das trotz Monis kühner Berufskluft: Sie trägt High Heels, Netzstrumpfhose und Minirock. Spätestens aber wenn man das erste Mal von ihrem buttrigen Kartoffelpüree gekostet hat, weiß man, dass es hier jemand sehr gut mit einem meint. Der Gast wählt zwischen mehreren Gerichten, darunter Klassiker wie Spaghetti Bolognese. Gratis dazu gibt es den Enoteca-typischen Familienstreit, der an Menges "Ein Herz und eine Seele" erinnert. Gezahlt wird am Ende – natürlich – beim Chef. Auf dem Rechnungsstempel der Adresszusatz "bei Papa". Hingehen, solange die City-Hochhäuser noch stehen. Enoteca Toscana, Klosterwall 6, Hauptgerichte ab 5,50 Euro.

Maren Preiß

Lange Nacht der ZEIT

Wie wir schon erwähnt haben, wird die ZEIT dieses Jahr 70. Und weil alleine feiern keinen Spaß macht, laden wir Sie ein: Kommen Sie zur Langen Nacht der ZEIT am 20. Februar mit jeder Menge attraktiver Veranstaltungen und Events. Einer der Höhepunkte: Bürgermeister Olaf Scholz im Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Nur für Leser der Elbvertiefung haben wir noch zwei mal zwei  Karten für das Interview im Deutschen Schauspielhaus. Schreiben Sie an elbvertiefung@zeit.de. Und was bei der Langen Nacht der ZEIT sonst noch alles los ist, lesen sie hier  

Was geht

Konzert: Wenn diese vier Jungs aus Braunschweig kommen, muss man sich bewegen. Die Indie-Rocker The Esprits laden zu heftigem Tanz, Mitsingen und Abgehen ein. Knust, Neuer Kamp 3, 21 Uhr

Backen: Hassen Sie es auch, wenn zu Hause die Süßigkeiten aus sind? Sorgen Sie dafür, dass das nie wieder passiert: beim Pralinenkurs für Anfänger. Erst selbst Konfekt herstellen – dann allein aufessen. Chocoversum, Meßberg 1, 19 Uhr

Performance: Theater mal anders? In dem Stück "Glas" sitzt das Publikum weit von der Bühne weg, beobachtet das Geschehen aus der Distanz. Dadurch wirkt die Tanzperformance anders – und berührt doch. Kampnagel, Jarrestraße 20, 20 Uhr

Hamburger Schnack

Ein Mann will vom Parkgelände auf die Hauptstraße abbiegen. Eine Frau fährt mit dem Rad vorbei.

Er: "Ja, genau, lass dir ruhig Zeit!"Sie: "Hey, alter, weißer Mann, nur weil deine Frau Beifahrer ist und du am Steuer sitzt, heißt das nicht, dass du überall das Tempo angibst."

Gehört von Silke Weber


Meine Stadt

Wenn Sie übrigens noch mehr von mir lesen möchten: In der neuen ZEIT:Hamburg beantworte ich in meiner Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" die Frage, warum Hamburgs höchster Berg nicht mal ausgeschildert ist. Nein, mit Behördenschlendrian hat das nichts zu tun...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. 

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!


Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr