Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

es geht doch: Das Landgericht Hamburg hat einem Facebook-Nutzer untersagt, weiterhin Hasskommentare auf der Facebook-Seite der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali zu posten. Tut er es doch, droht ihm ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Die Kommentare stammen aus der ersten Januarhälfte und stehen nicht in Zusammenhang mit der Rede gegen Hass und "Lügenpresse"-Vorwürfe, die Hayali am vergangenen Samstag bei der Verleihung der Goldenen Kamera in Hamburg hielt.

Und wie hat man den Hassschreiber identifiziert? Eben nicht mithilfe modernster Technik, sondern aufgrund seiner Dämlichkeit. Denn die Beleidigungen seien unter einem Facebook-Namen gepostet worden, der "Rückschlüsse auf den Klarnamen zuließ". Und wann passiert endlich etwas mit all den anderen, die glauben, in den sozialen Medien unerkannt und ungestraft pöbeln, drohen und zu Gewalt aufrufen zu können?

André Trepoll: Weiterhin CDU-Fraktionschef – was nun?

In geheimer Abstimmung wurde André Trepoll als Fraktionsvorsitzender der Hamburger CDU wiedergewählt, seine beiden Stellvertreter Karin Prien und Dennis Thering wurden bestätigt. Nicht geheim bleiben soll hingegen, was Trepoll nun bis zum Ende der Wahlperiode 2020 vorhat.

Sie sind einstimmig gewählt worden. Einen anderen Kandidaten gab es nicht. Wollte niemand sonst den Job machen?

Als ich mich nach der letzten Bürgerschaftswahl mit ihrem enttäuschenden Ergebnis dafür entschieden habe, hauptberuflich in die Politik zu gehen, habe ich mir das als Familienvater mit zwei Kindern natürlich gut überlegt. Wir haben uns seitdem in der CDU personell neu aufgestellt und sind jetzt wieder handlungsfähig. Meine Kollegen haben auch andere Positionen wieder besetzt und mir ihr Vertrauen für die nächsten vier Jahre geschenkt.

Nachdem die CDU bei der Bürgerschaftswahl bereits auf ihr historisch schlechtestes Ergebnis von 15,9 Prozent abgestürzt war, würden Sie nun sogar nur noch 14 Prozent der Hamburger wählen. Wie wollen Sie Ihre Partei wieder erfolgreich machen?

Das ist momentan keine einfache Situation für uns. Es ist ein Marathonlauf, wir müssen das Vertrauen der Menschen nach und nach für uns zurückgewinnen. Etwa mit dem Thema Flüchtlinge, das ja erst nach der Bürgerschaftswahl richtig groß geworden ist.

Sie wollen die CDU wieder in die Regierung bringen. Sehen Sie da überhaupt eine Chance?

Ja, mit Sicherheit. Demokratie lebt ja vom Wechsel. Bei der nächsten Wahl wäre Scholz neun Jahre im Amt. Dann werden wir sehen, welche Entwicklungen es in der Wirtschaft und in der Sicherheitspolitik gab und welche Fehler der rot-grüne Senat gemacht hat.

Bitte ganz konkret: Was wollen Sie besser machen?

Wir wollen auf die Probleme aufmerksam machen. Wie etwa bei der Sicherheit: Man sieht in der Einbruchsstatistik, dass wir auf einem 10-Jahres-Höhepunkt liegen. Es gibt auch Entwicklungen, auf die uns Bürger ansprechen – wie Kriminalität und Drogen am Hauptbahnhof oder auch die Ausbreitung des Salafismus. Bei der Elbvertiefung wurde das Versprechen, mit den Baggerarbeiten zu beginnen, nicht gehalten. Das werden wir uns genau anschauen.

"Mehr Respekt, bitte"

Perspektivwechsel: Nun erzählt ein Flüchtling aus seinem Alltag. Acht Monate verbrachte Abdullah Naaser mit 1400 anderen Menschen in der Erstaufnahme Dratelnstraße in Wilhelmsburg. "Ich saß mit drei Zimmergenossen in einem Container und sehnte mich nach einem ruhigeren Ort", schreibt der 27-Jährige in einem Gastbeitrag für ZEIT ONLINE. Im November kam er nach Bergedorf, in eine Unterkunft für 250 Leute am Weidenbaumsweg. Zwei Monate später weiß er: Auch hier gibt es jede Menge Probleme.

"Ich bin froh, hier zu sein. In Afghanistan wurde ich mit dem Tode bedroht – so sehr, dass ich beschloss, alles hinter mir zu lassen und in ein Land zu gehen, in dem ich mich fortan sicher fühle", schreibt Naaser, der in Afghanistan mehrere Jahre lang als Dolmetscher für die internationale Militärmission gearbeitet hat und deshalb zunehmend Drohungen ausgesetzt war. Doch wohl fühle er sich nun in Bergedorf auch nicht. Es gebe kaum Sicherheitspersonal. Niemand kontrolliere, wer komme und gehe. "In der Nacht ist es mir meist nicht möglich, vernünftig zu schlafen: Die Bewohner hier hören laut Musik, unterhalten sich dröhnend und knallen die Türen bis spät in die Nacht." Niemand vom Personal fordere von den Störern Rücksichtnahme ein. Küchen, Bäder und Toiletten seien in einem katastrophalen Zustand. Die Schuld daran gibt Naaser vor allem seinen Mitbewohnern: "Das Gros derer, die sich hier aufhalten, weiß überhaupt nicht, wie man an Orten wie diesem mit anderen Menschen zusammenlebt, geschweige denn, wie man ihnen mit Respekt begegnet." Mehr zu Naasers Beobachtungen lesen Sie hier

Polizei braucht Promi-Unterstützung

Die Einbruchzahlen in Hamburg steigen. Und weil die "Sonderkommission Castle" das offenbar allein nicht geregelt kriegt, bekommt sie jetzt Hilfe von Prominenten. Oder die Promi-Hilfe gehört zum Konzept der Soko. Wie auch immer: Auf mehreren Hundert Werbeplakaten ruft Schauspieler Marek Erhardt die Bürger dazu auf, bei Verdacht auf Einbruch die 110 zu rufen. Auch andere Promis wie HSV-Trainer Bruno Labbadia, TV-Moderator Gerhard Delling, "Notruf Hafenkante"-Darstellerin Rhea Harder oder Travestie-Künstlerin Olivia Jones unterstützten die Aktion, sagt Polizeisprecher Timo Zill. Und – alle, die gerade etwas von Stasi-Methoden murmelten, mögen schamhaft schweigen – die Kampagne zeigt Wirkung. Seit ihrem Start meldeten die Hamburger laut Polizei sehr viel häufiger verdächtige Beobachtungen, die tatsächlich zu Festnahmen führten! Genaueres werde Anfang März mit der Kriminalstatistik bekannt gegeben. Doch die, erfuhren wir vor Kurzem vorab durch die Kollegen des NDR, ist trotzdem insgesamt kein Ruhmesblatt für die Ermittler. Häufig reisten Menschen aus Osteuropa oder sogar Chile nach Hamburg, sagt Sprecher Zill, nur um hier ein paar Einbrüche zu begehen. "Das ist ein Phänomen, das wir vor einigen Jahren in der Form, in der Massivität nicht hatten." Vielleicht auch zur Eigenmotivation hat die Polizei ein lustiges Facebook-Video ins Netz gestellt. Es zeigt einen Einbruch als Show mit lauter Musik und schaulustigem Publikum – die Message: "Weil ein Einbruch selten so auffällig ist – jeder Hinweis zählt!" Und am Schluss kommt selbstredend die Polizei und nimmt die Einbrecher fest.

Spenden, demokratisch

Seit 20 Jahren unterstützt das Spendenparlament Projekte für Obdachlose, Arme, Alte, Alleinlebende und Menschen mit Behinderung. Nun ist eine neue Zielgruppe hinzugekommen – die Flüchtlinge. Wir haben bei Sprecher Rolf-R. Hoffmann einmal nachgefragt.

Was machen Sie eigentlich?

Ziel des Spendenparlaments ist es, da zu helfen, wo die Not am größten ist. Wir wollen nachhaltig helfen, dort, wo Projekte einen Engpass haben und sonst nicht fortgesetzt werden können. Unsere 3400 Mitglieder geben monatlich mindestens 5 Euro, es gibt auch Unternehmen und Sponsoren, die mehr geben. Das geben wir zu 100 Prozent weiter. In den letzten 20 Jahren konnten schon mehr als 10 Millionen Euro für über 1100 Projekte gesammelt werden. Jede Initiative kann einen Antrag stellen. Dann prüfen wir, schauen uns die Projekte persönlich an und geben eine Förderempfehlung. Das Spendenparlament stimmt über die Förderhöhe ab. Es gibt drei Sitzungen im Jahr – jedesmal werden 200.000 bis 300.000 Euro an 20 bis 30 Projekte vergeben.

Wer hatte die Idee zu dieser Form von Spendendemokratie?

1996 der damalige Landespastor Stephan Reimers, der auch die "Hinz & Kunzt" mitangeschoben hat. Aus einer Leserumfrage, wie man Projekte mehr fördern könnte, ging das Spendenparlament hervor: überkonfessionell, überparteilich und demokratisch. Jedes Mitglied kann bei den Sitzungen abstimmen.

Hat sich bei der Spendenbereitschaft der Hamburger durch die Flüchtlinge etwas geändert?

Die Flüchtlinge stehen gerade im Fokus. Es gibt viele neue Initiativen, die sich nur um sie kümmern. Bei uns ist die Spendenbereitschaft aber nach wie vor groß. Viele Leute wollen gerade jetzt helfen. Bei uns bekommt jeder mit, wo das Geld hingeht und was damit gemacht wird. Und wir fördern sehr unterschiedliche Projekte – von einer Ausbildung von Frauen mit Migrationshintergrund zu Integrationslotsen über ein gemeinsames Theaterstück von Kindern und älteren dementen Menschen bis zum Gesundheitsservice für Obdachlose und Menschen ohne Papiere.

Mittagstisch

   

Seelen, Spätzle, Kraut und Soß’

   

Nichts gegen Labskaus, ehrlich, aber auch als Nordlicht muss man neidlos anerkennen, dass die schwäbische Küche alles in allem der Deutschen leckerste ist. Gut, dass es das kuschelige kleine Restaurant Zum Spätzle in der Hamburger Neustadt gibt. Neben einer Flädlesuppe, belegten Baguettes (Seelen genannt!) und Maultaschen gibt es hier Spätzle in allen Variationen: klassisch (mit Käse, mit Linsen, mit Kraut, mit Soß’, alles zwischen 8 und 10 Euro), aber auch kreativ (Parmesanspätzle auf Rucola mit Cherrytomaten und Pinienkernen oder Spätzle mit Roter Bete, Thymian und Ziegenkäse für je 8,90 Euro). Veganer und Vegetarier werden auf der Speisekarte ebenfalls fündig. Das Ganze nimmt man zu sich auf liebevoll zusammengewürfeltem Flohmarktmobiliar. Auf den Tischen liegen stilechte Stickdecken, wo es geht, verwendet die Betreiberin, eine Bauerntochter aus Oberschwaben, Bioware, und, ja, die Spätzle – in diesem Fall Knöpfle, also knubbelige Spätzle – sind handgemacht. Schwäbische Küche kann schwer im Magen liegen, macht aber sehr glücklich – vor allem in der kalten Jahreszeit. Wexstraße 31, Mittagstisch 12–15 Uhr (geöffnet bis 22 Uhr)

   

Thomas Worthmann

 

Was geht

Konzert: Er war die Stimme von Jupiter Jones, doch als der große Erfolg kam, musste er sich von der Bühne zurückziehen. Panikattacken. Nichts ging mehr. Inzwischen hat Nicholas Müller eine neue Band gegründet. Unter dem Namen Von Brücken spielt er heute gemeinsam mit Tobias Schmitz im Mojo,Reeperbahn 1, 20 Uhr

Kickern: Betrunkene beim Kickern abziehen – das kann ja jeder. Wer sich mal bei einem Turnier beweisen will, kann das bei der 1. flixen Kickerparty. Ein faires Startsystem soll dafür sorgen, dass auch Anfänger ihren Spaß haben. Molotow, Nobistor 14, Anmeldung: 19.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr

Diskussion: Ein Kontinent läuft aus dem Ruder: "Wohin steuert Europa?", Bürgermeister Olaf Scholz und andere diskutieren die Rolle der deutsch-französischen Beziehungen in der europäischen Krise. Bucerius Law School, Jungiusstraße 6, 19 Uhr

Klassik: Das wird der Kracher: "Das große Chinesische Neujahrskonzert: Ins Jahr der Affen" bringt Frühlingsstimmung nach Hamburg. Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 20 Uhr

Krisenbewältigung für Bosse: Untertauchen, umschulen, umdenken? Drei Firmenchefs erzählen: "Durch die Pleite zur neuen Chance: Wie Unternehmer mit Niederlagen umgehen". NDR Radiohaus, Rothenbaumchaussee 132–134, 19 Uhr

Hamburger Schnack

   

"Wir Hanseaten feiern keinen Karneval, sondern verkaufen den Menschen südlich der Elbe und speziell den Rheinländern/Westfalen die Utensilien für ihre gesteuerte Volksbelustigung. Im Hamburger Hafen landet alles, was ein Jeck braucht: Plastiktröten aus China, Kamelle aus Osteuropa und Kostüme aus Bangladesch. Und während der Jeck am Aschermittwoch das Ende der tollen Tage beweint und/oder sich einen Schwangerschaftstest kauft (kommt auch aus Hamburg), zählt der Hanseat in seinem Kontor das Geld."

Gehört von Felix Feuchtner

 

Meine Stadt

»Wer beobachtet hier wen?« © themodernleper via Instagram

Unsere Leser sind hellwach. Zu unserer gestrigen Meldung, es seien auf der Reeperbahn wider Erwarten doch einzelne Jecken gesichtet worden, gab es Protest. Nicht wegen der Jecken. Nein, weil wir schrieben, der 1. FC Köln habe am Sonntag "in der Imtech-Arena" gegen den HSV gespielt. Und Sie haben natürlich recht: Es gibt keine Arena in Hamburg, die nach diesem Baukonzern benannt ist, der sich (wie wir selber schrieben) beim Bau des Berliner Flughafens mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren hervorgetan hat – genauer: es gibt keine solche Arena mehr. Der Investor und Mäzen Klaus-Michael Kühne hat letztes Jahr die Namensrechte für das HSV-Stadion erworben. Und besteht jetzt nicht etwa darauf, dass es nun alle "Kühne-Arena" nennen müssen, sondern lässt es wieder, wie früher, "Volksparkstadion" heißen. "Die Zurückhaltung von Michael Kühne ist sehr hanseatisch", schreibt ein Leser, "sein Engagement nobel."

Auch den tüchtigen Volleyballerinnen des VT Aurubis, einem Spitzenteam, das nun nur deshalb vor dem Ruin steht, weil sich sein Sponsor zurückzieht (wir kennen so etwas vom HSV Handball), wäre übrigens so jemand zu wünschen.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle



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