Sommer 2014: Die ersten Teile der neu gebauten Rethebrücke im Hamburger Hafen werden installiert. © dpa
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

vielleicht laufen wir uns ja morgen auf der Langen Nacht der ZEIT über den Weg. Falls nicht, hätte ich eine Bitte an Sie: Schicken Sie uns eine Mail. Wie Sie es fanden. Was Sie dort, wo Sie waren, erstaunt, gefreut, bewegt, überrascht hat. Nur bitte: Schreiben Sie kurz, nicht mehr als ein, zwei Sätze an elbvertiefung@zeit.de. Wir werden versuchen, möglichst viele Ihrer Eindrücke (mit Namen) zu veröffentlichen.

Und wenn Sie nicht überall sein können – mit Ausnahme der anmeldefreien Filmvorführung im Passage-Kino ist mittlerweile auch alles ausgebucht –, ein kleiner Tipp: Unsere Kollegen von ZEIT ONLINE haben diese Seite eingerichtet, auf der am Samstag Video-Livestreams der Veranstaltungen mit Bürgermeister Olaf Scholz, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dem Richter und ZEIT ONLINE-Kolumnisten Thomas Fischer und dem Sexualforscher Ulrich Clement laufen.

Später können Sie hier auch Mitschnitte anderer Veranstaltungen sehen, auch von "Zur Sache Hamburg: Wie wütend ist die Stadt?" mit Karin Prien (CDU), Polizeipräsident Ralf Meyer und den ZEIT-Redakteuren Patrik Schwarz und Oliver Hollenstein sowie das Gespräch von ZEIT:Hamburg-Chefin Charlotte Parnack mit dem Musiker Jan Delay im Thalia Theater.

Ich wünsche Ihnen in jedem Fall viel Vergnügen! Und jetzt geht es erst mal weiter mit heute und Hamburg.

Größte Klappe Europas

Die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) will dieses Jahr rund 200 Millionen Euro in Straßen, Brücken, Kaianlagen und Technik stecken, berichtete HPA-Chef Jens Meier gestern. Das wichtigste Projekt sei die Fertigstellung der Retheklappbrücke in Wilhelmsburg. Ab Sommer soll der Straßenverkehr dort wieder fließen. Kosten: rund 174 Millionen Euro. Ursprünglich sollten es "nur" 95 Millionen sein. Selbstkritik lag Meier trotzdem fern. Einzelne Kostensteigerungen seien "nicht so besonders dramatisch", wenn man sich das Gesamtvolumen der Investitionen anschaue, erklärte er. (Ich werde mir diese Argumentation für die Budgetgespräche mit der Geschäftsführung merken.) Und immerhin: Wenn die Rethe fertig ist, haben wir – Rekord! – die größte Klappbrücke Europas! Spannweite: 104 Meter, Schiffdurchfahrtsbreite 64 Meter, gleichzeitig benutzbar von Autos und von Zügen. Immer vorausgesetzt, sie ist nicht gerade hochgeklappt. Für 2016 versprach der HPA-Chef noch mehr, unter anderem die Inbetriebnahme der Rugenberger Schleuse, den Baubeginn der Eisenbahn-Hubbrücke Kattwyk und den Startschuss für die Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal Altona. Auch die Arbeitsabläufe im Hafen will Meier per Digitalisierung optimieren. Die IT-Anwendung "Portprotect" soll bei Sturmfluten den Krisenstab unterstützen, HPA-Mitarbeiter könnten Informationen austauschen, auf einem supermodernen Medium wie dem Touch-Tisch ließe sich dies dann um Hafen- und Wetterkarten ergänzen – klingt sehr nach CSI Miami...

Mehr Tempo 30 – nicht hier

Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser: In "sensiblen Bereichen mit besonders schützenswerten Verkehrsteilnehmern" will der Bund die Hürden für Tempolimits senken. Innerhalb von Ortschaften musste dafür bislang erst ein Unfallschwerpunkt nachgewiesen werden. Salopp formuliert: Erst wenn sich jemand hatte überfahren lassen, konnten die Kommunen aktiv werden. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will jetzt durchsetzen, dass das auch auf Hauptverkehrsstraßen präventiv geschehen kann. Wäre dies nicht gut für Hamburg? Immerhin hat die Stadt schon vor Jahren 105 neue Tempo-30-Zonen geplant – aber nur knapp 50 umgesetzt. Trotzdem erklärt Richard Lemloh von der Verkehrsbehörde: "Die Einrichtung von Tempo-30-Zonen in Hamburg ist grundsätzlich abgeschlossen." Bereits auf 70 Prozent aller Hamburger Straßen müssen Autofahrer auf 30 Kilometer pro Stunde runterbremsen. "Deshalb fällt Dobrindts Idee für Großstädte kaum ins Gewicht", erklärt auch Carsten Willms vom ADAC. "Es gibt schon so viele verkehrsberuhigte Zonen, da ist die Situation nur noch marginal veränderbar." Und würden auf größeren Straßen mehr 30er-Zonen geplant, könnten Autofahrer vermehrt auf Nebenstraßen ausweichen. "Selbst wenn da dann ein 30er-Schild steht, heißt das nicht, dass die Leute auch langsam fahren", warnt Willms. Denn längst nicht jede verkehrsberuhigte Zone sei so umgebaut, dass man bremsen müsse. "Eher im Gegenteil – viele fahren gerade dort dramatisch zu schnell."

Dieser Weg wird kein leichter sein

Am Ende des Weges steht ein Leuchtturm. Der Weg ist lang. Der HSV beschreitet ihn, aber er hat noch einiges vor sich. So könnte man das Bild interpretieren, das bei der HSV-Vereinskonferenz auf der Leinwand leuchtete. Der Club stellte sein neues "Leitbild" vor. Demnach will er sich langfristig unter die Top Fünf in der Bundesliga kicken und permanent in internationalen Wettbewerben mitdribbeln. Zurzeit dümpelt der HSV im Mittelfeld, ist Bundesliga-Elfter, aber immerhin. Die neuen Ziele sollen für die kommenden sieben bis zehn Jahre gelten und klingen nicht nur sehr ambitioniert, der Verein steht auch überraschend selbstbewusst dazu: "Wir sind immer erstklassig. Wir sind klar wie die Raute. Wir sind der HSV", jubiliert man am Ende der Präambel des Leitbildes. Nach Angaben des Clubs waren Tausende Mitglieder im Rahmen einer Online-Umfrage an der Entstehung des Papiers beteiligt. Die Herzen von Fans schlagen bekanntlich oft höher als die Möglichkeiten einer Mannschaft sind – ob sich hier Wunsch und Wirklichkeit vertragen? Der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer setzte seine Worte mit Bedacht. "Wir wissen, dass wir in vielen Bereichen noch weit entfernt vom Idealzustand sind", erklärte er. "Wir müssen viel dafür tun, dass wir gemeinsam Schritte nach vorne machen." Leuchttürme sind bekanntlich geduldig.

Kampf um die Ruine – Der Brand im Golden Pudel Club (4)

Die Daily Crime Soap um den Golden Pudel Club geht in die nächste Folge. Während die Ermittler noch nach dem Feuerteufel suchen und wir gespannt auf die Nachricht warten, welchen Mann der mutmaßlich einzige Zeuge, besagter Lampedusa-Flüchtling, im Zwielicht des Schuppens gesehen hat, kommen nun endlich die Fans des Kult-Treffs zum Zuge. Heute, nach dem St.-Pauli-Heimspiel, wollen sie zum angebrannten Musikclub ziehen. Motto: "Unsere Ruine kriegt ihr nicht!" Der Plan: Ein Aktionsbündnis soll den Club erhalten und wieder aufbauen. "Eine Stiftungslösung ist die einzige, die wir akzeptieren würden", sagt Pudel-Mitbegründer Schorsch Kamerun. "Wir kennen auch einen Stifter, der mit uns kooperiert und den wir rechtzeitig bekannt geben." Das Bauamt hält das Haus mit Hafenblick nach dem Brand für teilweise einsturzgefährdet. Nach wie vor soll es am 20. April versteigert werden. Ohne den weiteren Plot beeinflussen zu wollen: Rein dramaturgisch wäre es allmählich Zeit, dass eine geheimnisvolle Frau ins Spiel kommt.

Gefühle aus Asphalt

Unübersehbar glänzt das Schwarz, füllt den riesigen Rahmen aus, bedrängt den Betrachter. Auf einem anderen Bild dagegen wirkt es im Kontrast zu warmem Rosarot  lieblich, wie ein wogendes Meer vor Sonnenuntergang. Zwei Werke einer Ausstellung, zwei Gefühlswelten, ein einziges Material: Der Schweizer Künstler Albert Scopin, 73, stellt unter dem Motto "Asphalt" ab heute in der Barlach Halle K aus. Zwei wichtige Fragen an Tilman Kriesel, den Kurator der Ausstellung.

Wie kam Albert Scopin darauf, ausgerechnet mit dem Baustoff Asphalt nicht nur Dominanz, sondern auch Zartheit ausdrücken zu wollen?

Früher drückte Scopin alles, was er künstlerisch nicht auf Fotos bringen konnte, mit  Zeichnungen aus. Er hatte aber immer wieder ein prägendes Bild aus seiner Zeit in New York vor Augen: den aufgebrochenen, rauen Asphalt der Straßen. Bis er tatsächlich zu dem ungewöhnlichen Material als Kunstmittel griff, vergingen viele Jahre. Es war für den Künstler wie ein Befreiungsschlag.

Asphalt erinnert an Lava – er muss extrem heiß verarbeitet werden und ist nicht ungefährlich...

Scopin nutzt als Fläche immer riesige Holzplatten, 2,5 mal 2,5 Meter groß. Ein Assistent legt einen Block harten Asphalts in einen Teerkocher, der erhitzt ihn wie beim Straßenbau auf 230 Grad. Jetzt muss Scopin schnell arbeiten, weil das Material sonst wieder erstarrt. Mit Eimern oder Gießkannen bringt er den Asphalt auf. Dann modelliert er Konturen, mit Holz, Glas, Sand oder großen Pinseln. Oft gießt Scopin auch mehrere Schichten übereinander, sodass die Platten irre schwer werden. Es braucht dann mitunter vier Männer, um so ein Kunstwerk anzuheben.

"Asphalt", Barlach Halle K, Klosterwall 13. Geöffnet vom 19.2. bis zum 5.3., mittwochs bis sonntags von 12–18 Uhr

Mittagstisch

   

Schnörkellos köstlich

   

Hausmannskost für den Mittagstisch ist erst einmal nicht so außergewöhnlich. Das wird sie aber, wenn sie in der Küche eines ehemaligen Sternekochs zubereitet ist. Zu erleben im Wattkorn in der Tangstedter Landstraße, kurz vor der Stadtgrenze. Dort gibt es unter der Regie von Michael Wollenberg Klassiker der guten Küche wie Lammkotelett, Frikadellen und Gulasch. Alles angenehm schnörkellos serviert und vor allem sehr lecker. Wem das zu einfach ist, der kann auch Fisch oder Sushi bekommen. Ungewohnt ist die rustikale Jagdeinrichtung – die muss man mögen. Oder man kommt im Sommer vorbei: Dann sind Terrasse und Garten ein Grund mehr für den weiten Weg in den Norden. Gerichte mittags zwischen 7,90 und 14,50 Euro, das 3-Gänge-Menü kostet 19,90 Euro. Wattkorn, Tangstedter Landstraße 230, täglich von 11.30–23 Uhr.

Sebastian Franke

 


Was geht

"Deutsche, integriert euch!" Das fordert das Wiener Kollektiv God’s Entertainment jetzt von Passanten. Zu recht? Heute, ab 14 Uhr, Große Bergstraße am Bahnhof Altona

Techno aus London: Der DJ Ben Sims bringt die "Utz-Utz-Utz"-Mucke wieder in die Stadt. Als Gründer des Theory-Labels präsentiert er seine Version des neuen Techno. Klingt übel und gefährlich. Heute, 24 Uhr, Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66

Nach Hause telefonieren: Ab ins Raumschiff und rein in die Ausstellung "Hommage an HR Giger". Sie zeigt viele Werke des unheimlich guten Alien-Schöpfers. Heute, 14–19 Uhr, Fabrik der Künste, Kreuzbrook 10

Was kommt

Buch trifft Piano: Wenn Claudia Schreiber aus dem Werk "Solo für Clara" liest, darf ein Solo auf dem Klavier nicht fehlen. Der 13-jährige Florian Albrecht sorgt für den richtigen Ton. Samstag, 16 Uhr, Steinway-Haus, Rondenbarg 15

Sieben auf einen Streich: Wenn "Das tapfere Schneiderlein" loslegt, geht im Kindertheater die Post ab. Das Märchen aus dem Jahr 1812 ist geeignet für Besucher ab vier Jahren. Sonntag, 15 Uhr, Hoftheater Ottensen, Abbestraße 33

Was wiederkommt

Social Media Week: Von Montag bis Freitag steigt in Hamburg zum fünften Mal die größte kostenlose Digitalkonferenz Deutschlands. Man erwartet mehr als 3000 Besucher, Profis und interessierte Privatleute, alles wird sich um Social Media, Technologie und Digitalisierung drehen. Und nicht nur in Hamburg. Wie immer findet die Social Media Week zeitgleich in mehreren Städten rund um den Globus statt: Diesmal sind noch Jakarta, Lagos und New York dabei. Das große Thema des Jahres 2016 lautet: "The Invisible Hand: The Hidden Forces of Technology (and How We Can Harness it for Good)" – auf  Deutsch: "Die unsichtbare Hand: Die verborgene Macht von Technologien (und wie wir sie zu unserem Nutzen anwenden können)". In Hamburg wird es rund 150 Veranstaltungen an insgesamt sechs Orten geben – zu einer Fülle von Unterthemen. Unter anderem geht es um 
"Business & Brands", "Social Travel & Tourismus", "Visual Trends", "Innovation & Tech", und "Geldverdienen und Reichweite steigern in sozialen Netzwerken". Es gibt einen Karrierehafen, Veranstaltungen zu sozialer Absicherung und Crowdfunding. Eine Reihe von Events zeigt, wie umfassend Social Media und Digitalisierung unser aller Leben verändern. Nach Voranmeldung ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen kostenlos, Social Media Week, Hamburg, Montag bis Freitag.

Hamburger Schnack

   

Der Vierjährige zu seinen Eltern: "Ich möchte mal wieder in dieses Restaurant, an dem diese Elbe dran ist"

Gehört von Maria Götze

 

Meine Stadt

Zweck einer Ampel ist es, nicht zu nerven. Sie soll den Verkehrsfluss optimieren. So eigentlich auch die neue Ampelanlage am Südtor des Airbus-Werks am Neuenfelder Hauptdeich. Als das gute Stück aber am Dienstag in Betrieb ging, brach ein Verkehrschaos aus. Pendler zwischen Stade, dem Alten Land und Hamburg meldeten kilometerlange Staus auf der Ortsumgehung Finkenwerder: Durch einen sturen Rot-Grün-Rhythmus halte der rot-gelb-grüne Vollpfosten in regelmäßigen Abständen alle auf – auch dann, wenn niemand zu Airbus wolle. Angestellte kamen zu spät zur Arbeit, Familienväter zu spät nach Hause, Ehekräche brachen aus, Hobbykicker hatten keinen Torwart. Nach zwei Tagen reagierte die Polizei. Sie schaltete die Ampel ab.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Oder gehen Sie zur Langen Nacht der ZEIT? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Montag lesen wir uns wieder,  wenn Sie mögen

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr