Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

da sage noch einer, unsere Feuerwehrleute seien nicht engagiert: Insgesamt neun Mann und drei Fahrzeuge waren in Glinde im Einsatz, um einen Kormoran aus einem Baum zu retten. Das Problem: Der Baum, in dem sich der Vogel in einer Angelschnur verheddert hatte (fragen Sie bitte nicht, was man sonst in Bäumen so angelt), stand auf einer schwer zugänglichen Landzunge. Zunächst versuchten die Helfer, die Schnur mit dem Wasserwerfer wegzuschießen, sicher zur hellen Freude des Kormorans, doch vergeblich. Dann rückten sie mit Leitern an – der Vogel war nicht zu erreichen. Nach drei Stunden und nachdem ein Fahrzeug im Schlamm stecken geblieben war, verloren die Männer die Geduld und fällten den Baum. Der Kormoran flatterte davon, offenbar unverletzt. Umweltschützer beschwerten sich bisher noch nicht. Wegen des Baumes.

Durchbruch in der Aidsforschung?

Ein Wissenschaftler-Team um Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut und Frank Buchholz von der Technischen Universität Dresden hat einen Gentherapie-Ansatz gegen Aids-Erreger erfolgreich im Labor getestet. Dabei haben sie eine Art Gen-Schere entwickelt, mit der sie gezielt das Erbgut der HI-Viren aus den infizierten Zellen von Patienten herausschneiden können. Ein Hoffnungsschimmer für die 35 Millionen Menschen, die mit dem Virus infiziert sind, das die Krankheit Aids verursacht. Hauber zufolge könnte der Ansatz die HIV-Therapie grundlegend ändern, er stelle erstmals Heilung in Aussicht. Auch Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe, findet die Forschung "schon verheißungsvoll". Doch bis die Patienten von den neuen Ergebnissen profitieren könnten, wird es noch einige Jahre dauern. Bisher wurde nur mit Zellen und Mäusen experimentiert, jetzt müssen Studien mit HIV-Patienten durchgeführt werden. Und da sieht Schafberger ein Problem: "Die Frage ist: Wen nimmt man da? Man braucht Menschen, die auch gewillt sind, für die Forschung Risiken einzugehen." Bei Eingriffen ins Erbgut bestehe immer die Gefahr, dass es mittel- oder langfristig zu einer Krebserkrankung kommen könne.

Viva con Agua macht jetzt auch Klopapier

Tumultartige Szenen gestern vor der Budnikowski-Filiale in der Rindermarkthalle. Ein Dutzend Film- und Kameraleute drängelt und tritt sich auf die Füße, um das beste Foto zu bekommen – von einer Rolle Klopapier. Wahrscheinlich hat noch nie ein anderes Produkt aus der Hygieneabteilung so viel Aufmerksamkeit bekommen. Doch das vorgestellte Toilettenpapier ist eben auch ein ganz besonderes. Es ist von Viva con Agua. "Jetzt kann man mit jedem Stuhlgang etwas Gutes tun", sagt Benjamin Adrion, Ex-St.Pauli-Profi und Gründer von Viva con Agua. Einen Teil der Erlöse verwendet man für die Errichtung von Trinkwasserzugängen und Sanitäranlagen in Entwicklungsländern. Damit die Botschaft auch ankommt, steht auf jedem Blatt: "Dieses Papier baut weltweit Toiletten". Doch hinter dem Verkaufsstart des Papiers bei Budni steckt mehr. Zuletzt ist das Anliegen des Netzwerkes etwas in Vergessenheit geraten, für viele steht Viva con Agua vor allem für hippes Mineralwasser. "Aber wir wollen kein Getränkehändler sein", hat Adrion den ZEIT-Kolleginnen Hanna Grabbe und Jarka Kubsova erzählt. Es gibt immer noch einen Verein mit einer Vision und 12.000 Unterstützern, organisiert in sogenannten Zellen. In jeder entstehen kleine eigene Projekte. Und jetzt eben Klopapier. Mehr dazu lesen Sie ab Donnerstag in der neuen ZEIT:Hamburg (im Digital-Abo schon heute Abend).

Twitternde Senatoren? Die Social-Media-Strategie der Stadt Hamburg

Die Sozialbehörde ist bei Instagram, die Senatskanzlei bei Facebook, und die Umweltbehörde twittert. Genau die richtige Strategie, würden wohl viele Besucher der Social Media Week in Hamburg sagen. Wer sich nicht in den sozialen Kanälen tummelt, ist in Zukunft verloren. Aber was hat die Stadt genau davon? Drei Fragen an den Social-Media-Manager der Senatskanzlei, Julian Boy, 34 

Herr Boy, warum ist der Senat jetzt bei Facebook?

Das ist als Ergänzung zu unserer Website gedacht, auf der Inhalte meist sehr sachlich dargestellt werden. Bei Facebook können wir auch einfach nur mal ein Foto posten und aktuelle Informationen schnell veröffentlichen. Und natürlich dient es dem Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Manche stellen Fragen, die wir beantworten. Andere schreiben auch kritische Kommentare zur Senatspolitik. Grundsätzlich lassen wir sie gewähren. Aber wenn die Fakten mal falsch sind, können wir auf Facebook sehr gut Stellung nehmen oder auf weiterführende Informationen verweisen. 

Viele Behörden in Hamburg nutzen inzwischen die sozialen Medien. Gab es da eine Verordnung von oben?

Nein, auf keinen Fall. Es gab zwar mal Social-Media-Schulungen für die Pressesprecher der einzelnen Behörden, aber grundsätzlich kann das jede Behörde für sich entscheiden. In letzter Zeit steigt die Affinität zu diesem Thema in den einzelnen Häusern, worüber wir uns sehr freuen.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Als Senat haben wir alle Hamburger Bürgerinnen und Bürger im Blick. Es wäre aber schön, wenn wir durch die sozialen Medien ein paar mehr junge Menschen ansprechen würden. Die Wissenschaftsbehörde nutzt Twitter aber zum Beispiel vor allem, um sich in der Wissenschaftsszene zu vernetzen, das funktioniert gut. Und andere Behörden haben vor allem Follower aus der Medienbranche. Da kann man aktuelle Themen noch mal gezielter verbreiten.

Golden Pudel (7): Warum der einzige Zeuge in Abschiebehaft sitzt

Willkommen zur neuesten Folge der Crime-Story um den angebrannten Kultclub, dessen Unterstützer und die ungeheure Frage, wer der Täter war. Wie gestern von uns angekündigt, hat sich heute tatsächlich eine Polizistin gemeldet, allerdings nur, nachdem wir sie zuvor angerufen haben. Neuigkeiten vom Brandstifter hatte die Polizeisprecherin nicht, dafür aber Hintergrundinfos über den Flüchtling, der im Schuppen neben dem Golden Pudel Club wohnte und nun in Abschiebehaft sitzt. Er sei aufgegriffen worden, als er bei der Ausländerbehörde neue Papiere beantragte, weil da bereits der Termin für seine Abschiebung festgestanden habe. In Abschiebehaft muss eine Person eigentlich nur, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich der Abschiebung entziehen will. Und hatte uns nicht die anonyme Unterstützerin erzählt, der Mann aus Ghana wolle sowieso weg aus Deutschland und sei deshalb auch vorher regelmäßig bei der Ausländerbehörde gewesen? Nun, genau diese Behörde sieht das anders. Herr P., wie man ihn dort nennt, illegal und ohne Duldung hier, sei trotz Ausreiseaufforderungen bisher nicht ausgereist. Obendrein habe das Amtsgericht Hamburg festgestellt, "dass der Mann keinen festen Wohnsitz hat, mittellos ist, der Ausreisewunsch nach Ghana unglaubwürdig erschien und er bereits straffällig geworden ist". So steht Aussage gegen Aussage. Doch wer am längeren Hebel sitzt, ist klar. Wer sich da lieber an die goldenen alten Zeiten des Pudels erinnern möchte –  an damals, als Helge Schneider dort einen seiner ersten Auftritte in Hamburg hatte und der Sänger der Band "Die Sterne" noch hinter der Bar stand –, der sollte zur gerade noch aktuellen ZEIT:Hamburg greifen. Dort erzählt nämlich der Frontmann der "Sterne", Frank Spilker von früher. Und gibt der neuen Generation Tipps, was nach dem Brand zu tun ist.

Hamburger Schnack

Kind: "Mama, wann fahren wir mit der S-Bahn?"
Mutter: "Aber wir sind doch schon in der S-Bahn, Schatz."
Kind: Und warum gibt's hier dann nichts zum Essen?

Angesehen: "Hail, Caesar!" – wenn Filmstars Filmstars spielen

Der neue Film der Coen-Brüder spielt im Hollywood der fünfziger Jahre, und die Hauptfigur – wenn es die in einem von Stars wimmelnden Ensemble überhaupt geben kann – ist Eddie Mannix (Josh Brolin), "Fixer" beim fiktiven Filmstudio Capitol Pictures. Seine Aufgabe ist es, sicherzugehen, dass alles nach Plan läuft. Dummerweise wird Baird Whitlock (George Clooney) entführt, der Star des Studios, und das mitten in der Produktion des Sandalen-Epos "Hail, Caesar!". Deswegen rennt er auch die ganze Zeit im Römerrock herum – aber die Story ist für diesen Film gar nicht so wichtig. Zuallererst sind da die vielen schrägen und einzigartigen Charaktere; alle glänzend besetzt und wunderbar gespielt: Wie Ralph Fiennes als Regisseur Laurence Laurentz, der in einer witzigen, nicht enden wollenden Szene dem Western-Star Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) die Feinheiten der Schauspielerei beibringen muss. Denn für Doyle ist es eben nicht so einfach, den simplen Satz "Wäre es doch bloß so einfach!" sauber herauszubringen. Und dann ist da Scarlett Johansson als lächelnde, elegante Badenixe, die sich mit dem "Cut!" in eine rauchende Proletin mit schwerem Akzent verwandelt. Die Coen-Brüder parodieren die Filmkultur der Fünfziger auch visuell, und all den Leuten im Film beim Filmemachen zuzugucken macht großen Spaß. Sei es das Wasserballett von Scarlett Johansson oder die Stepptanz-Einlage von Channing Tatum: "Hail, Caesar!" ist gespickt mit Anspielungen des Kinos auf sich selbst. Kostprobe: Western-Star Doyle geht mit einer Frau essen, und um sie zu amüsieren, schnürt er ein Lasso aus einer Bandnudel und führt Tricks damit vor. Ein nicht ganz so subtiler Verweis auf das Genre des Spaghetti-Western. Jedenfalls: all das hilft wunderbar über die flache Entführungsgeschichte hinweg.

Mittagstisch

Umzingelt von gesunden Menschen

Wenn man das Green Lovers zum ersten Mal betritt, kommt nach dem ersten Umschauen die Erkenntnis: Die Gäste scheinen Grünzeug wirklich zu lieben. Sonst würden sie nicht alle so unverschämt gesund und vital aussehen. Tatsächlich gibt es in dem kleinen Laden hinterm Jungfernstieg nichts Ungesundes – abgesehen vom Zucker, den man sich in seinen Espresso schütten darf. Es gibt eine Salatbar, an der man pro gewählter Zutat zahlt, täglich wechselnde Suppen wie ein Curry mit Zucchini und Huhn, Panini und ein super Angebot für alle, die sich nicht entscheiden können: eine kleine Suppe, einen kleinen Salat und ein Getränk für 7,90 Euro. Einziger Nachteil: Zur Auswahl stehen dann nicht die köstlichen Smoothies mit hippen Namen wie Green Detox, Fat Burner oder Wake Me Up für 4,50 Euro. Es ist laut, es ist voll – hier versackt man nicht. Aber das ist auch gar nicht nötig, weil das Essen zur Abwechslung mal nicht so schwer im Magen liegt, dass man sich mit einem doppelten Espresso wieder aus dem Fresskoma hochputschen muss. Montag bis Samstag 8 bis 19 Uhr, Kleine Johannisstraße 8.

Hatice Yildiz

Was geht

Jugendliche: Das Ernst Deutsch Theater hat eine eigene Jugendsparte, genannt "plattform". Und einmal im Jahr gibt es ein ganzes Festival nur für Jugendliche, in diesem Jahr unter dem Motto "Och nö – das plattform-Festival zum Thema Mut". Zur Eröffnung spielen der Jugendclub Performance und Performance plus einstudierte Stücke, die sich alle irgendwie um die Frage drehen, was Mut ist. Songcontests, Theaterstücke und ein Poetry-Slam, noch bis Samstag. Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, 20 Uhr

Kino: Alte, bedeusame Filme an noch älteren bedeutsamen Orten schauen? Die Reihe Flexibles Flimmern macht's möglich und zeigt heute Abend in der alten Schalterhalle der Reederei Hapag-Lloyd den Film Der Ruf von Josef von Báky. Davor gibt es Speisen und Getränke aus Österreich und eine Führung durch die Firmenzentrale. Hapag-Lloyd Unternehmenszentrale, Ballindamm 25, 19 Uhr

Theater: Ein erfundener Mord rettet eine Frau vor ihrem potenziellen Mörder: Von der Kraft der Fiktion handelt das Stück Freie Radikale, das auf einem Buch der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munroe basiert. Ein Gastspiel des DIP! Theater in der Theaterwerkstatt Klabauter, Jungestraße 7a, 19.30 Uhr

Was kommt

Diskussion: ZEITmagazin is coming home! Geboren und aufgewachsen in Hamburg, kehrt das ZEITmagazin aus Berlin zurück nach Hause: Zweimal im Jahr erscheint zukünftig eine Lokalausgabe mit besonderem Schwerpunkt auf dem Stil und Lebensgefühl der Hansestadt. Die Erstausgabe gibt es am 3. März 2016. Sie fragt: Welchen Stil haben Hamburger heute – und was hat das mit dem Lebensgefühl in der Stadt zu tun? Darüber diskutiert Tillmann Prüfer, Style Director des ZEITmagazins, mit der MTV-Moderatorin Wana Limar am nächsten Dienstag um 19.30 Uhr im stilwerk Hamburg, Große Elbstraße 68. Unter unseren Lesern verlosen wir dreimal zwei VIP-Plätze in der ersten Reihe. Wenn Sie hinmöchten, schreiben Sie einfach bis morgen eine E-Mail an elbvertiefung@zeit.de.

Meine Stadt

In der Elbe wimmelt es schon jetzt von Stinten,eigentlich vielzu früh. Nein, Stinte sind nichts Furchtbares, es sind kleine Fische, die intensiv nach frischen Gurken riechen. "Wir holen schon bis zu 500 Kilogramm täglich aus dem Fluss", sagte Elbfischer Wilhelm Grube. Die erste Kiste habe er schon am 15. Februar füllen können. Im Restaurant gibt es Stint nur einige Monate im Jahr, meist mit Bratkartoffeln und Apfelmus und in Roggenmehl gewälzt und gebraten mit Speck (man sollte ruhig mal nachsehen, ob einem keine Gurke untergeschoben wurde). Und raten Sie mal, wer auch gern Stinte frisst: richtig, der Kormoran! Fangen muss er sie natürlich auch. Ob einer der Vögel es mal mit der Angelschnur vom Baum aus – nein, das ist absurd!...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Wollen Sie uns Schnack schicken oder Fotos? Bitte hierhin: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Mittwoch.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.