Januar 2016: Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft an der Sophienterasse im Hamburger Stadtteil Harvestehude © dpa
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

falls Sie heute Mittag noch nichts vorhaben – nein es geht nicht um das Stuttgarter Weindorf –, kommen Sie doch auf die Social Media Week: Um 13.30 Uhr erzähle ich in der Markthalle (große Bühne) am Klosterwall 11 etwas über diesen Letter, wie er funktioniert und wo und wie er am liebsten gelesen wird. Oder, so steht es im Programm: "Introducing Elbvertiefung: Eine Short Story von Social Media per eMail, von Community Building und Morning Lecture. Von und mit Mark Spörrle. Ahoi!". Im Anschluss interviewt mich Andrea Frahm, Geschäftsführerin bei Frahm&Partner Communications. Fragen stellen ist erlaubt. 

Psst!

Johannes Caspar ist Hamburger Datenschutzbeauftragter und will unsere intimsten Geheimnisse schützen, unsere Fotos, E-Mails und medizinischen Daten. Er beschäftigt sich mit Videoüberwachung und Polizeidatenbanken, mit elektronischen Patientenakten beim UKE und mit Pseudonymen bei Facebook. Zu seinem gestern veröffentlichten Tätigkeitsbericht wollten wir ein paar Dinge von ihm wissen.


Herr Caspar, wie behält man bei so vielen Themen den Überblick?

Das ist eigentlich nicht das Problem. Viel schlimmer ist: Das Limit, um den vielen Fragen nachzugehen, ist für uns erreicht. Wir können mit unserem aktuellen Personalstand dauerhaft keinen nachhaltigen Datenschutz gewährleisten. Nur als Beispiel: Bei der Polizei haben wir eine Datei über Szenegewalt und Fußballfans geprüft, und schon bei dieser einen Datei gab es deutliche Missstände. Eigentlich Grund genug, um sofort die nächsten sogenannten Crime-Dateien zu prüfen, von denen es circa 20 Stück ähnlicher Struktur gibt. Das werden wir aber aufgrund defizitärer Personalressourcen zeitnah nicht schaffen.

Aufsehen erregte Ihr Prozess gegen Facebook – Sie wollen erreichen, dass dort Pseudonyme erlaubt sind. Dabei glauben viele Menschen, Klarnamen in sozialen Netzwerken könnten dafür sorgen, dass weniger Hasskommentare geschrieben werden.

Es ist ja nicht so, als würde Facebook wirklich die Identität der Nutzer überprüfen, dafür brauchte es ein sogenanntes Post-Ident-Verfahren, bei dem sich Nutzer ausweisen müssen. Das will Facebook nicht, und das ist auch zu umständlich. Facebook geht es um viele Nutzer mit Realnamen, weil sich diese kommerziell besser verwerten lassen. Dass eine Plattform auch unter pseudonymer Nutzung funktioniert, zeigen Twitter, WhatsApp oder Google+. Die Frage ist doch: Ist es moralisch integer, einen minderjährigen Nutzer zur sogenannten Counter-Speech gegen Hassbotschaften aufzufordern, ohne ihm den Schutz eines Pseudonyms zu gewähren – obwohl die Realnamenspolitik auf Facebook kaum mehr als eine Illusion darstellt?

Sie haben gerade den Bericht für das vergangene Jahr vorgelegt. Wenn Sie nun für das kommende einen Wunsch äußern dürften, welcher wäre das?


Eine Regelung, die unsere völlige Unabhängigkeit herstellt, wie sie vom EU-Recht und dem EuGH gefordert wird, und eine angemessene personelle und finanzielle Ausstattung.

Umfrage: Hat sich Ihr Leben durch die Flüchtlingskrise verändert?

Derzeit gibt es kaum ein Thema, das uns Medienmacher so beschäftigt wie die Flüchtlinge. Und in der Öffentlichkeit, das liegt in der Natur der Sache, kommen meist besonders Engagierte oder besonders Betroffene zu Wort. Aber gerade deshalb interessiert uns: Wie geht es anderen? Spüren Sie, liebe Leser, einen Wandel? Hat sich etwas in Ihrem Alltag verändert? Wir würden uns freuen, nicht nur von Menschen mit besonders engem Bezug zu dem Thema zu hören, sondern auch von denjenigen, die bisher eher beiläufig mit Flüchtlingen in Berührung gekommen sind. Hier geht es zu unserer Umfrage.

Kommunikationsüberwachung: Polizei will nichts abgeben

Es soll ein länderübergreifendes Kooperationsprojekt werden, die Datensammelstelle mit dem schönen Namen Telekommunikationsüberwachungs-Zentrum Nord. Statt fünf Standorte mit eigenen Servern, Ingenieuren und Technikern zu finanzieren, wollen sich die Nord-Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Schleswig Holstein und Niedersachsen in Zukunft eines teilen, berichtet der NDR. Doch bei der Hamburger Polizei formiert sich Widerstand. "Kommunikationsüberwachung ist zentraler Bestandteil von Polizeiarbeit", sagt Jan Reinecke, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter. "Es geht hier ja längst nicht mehr nur um Telefonate, sondern auch um E-Mails, WhatsApp, all die Wege, mit denen Menschen in Kontakt treten." Reinecke fürchtet, dass die Arbeit durch ein Zentrum in Niedersachsen nur ineffizienter werde. "Wenn ich jetzt einen wichtigen Mordfall habe, gehe ich direkt zu meinem Ingenieur. Ich hänge nicht in einer Warteschleife, weil in Bremen gerade auch etwas Wichtiges passiert ist." Seine größte Sorge ist jedoch, dass in Hamburg Stellen abgebaut werden. Die Belastung sei schon jetzt enorm hoch, es gibt Sonderkommissionen für Rocker und Einbrüche, die Stadt wächst und mit ihr die Zahl der Vorfälle. Deshalb plädiert Reinecke dafür, sich Bayern und Baden-Württemberg zum Vorbild zu nehmen. Dort hätten die Länder ein jeweils eigenes System, welches aber mit dem anderen vernetzt sei.

Unsportliches Verhalten

Was waren die Hamburger Politiker und Unternehmer nicht alle Feuer und Flamme. Als es um Olympia in Hamburg ging, schallten durch die ganze Stadt Sätze über die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft, über Leistung, über Förderwürdigkeit. Aber kaum entschieden sich die Hamburger gegen Olympia, war es mit der Begeisterung vorbei. Kein Unternehmen sprang den erstklassigen Handballern des HSV bei, die Curler fanden keine Sponsoren für ihre Olympia-Teilnahme im Jahr 2018, und jetzt trifft es die Volleyballerinnen des VT Aurubis. Wenn sie bis zum 1. April (trotzdem kein Scherz) nicht einen Förderer finden, muss der Verein sich auflösen. Und das, wo man eigentlich dachte, man habe ein attraktives Produkt anzubieten: eine junge, erfolgreiche Frauenmannschaft, die hochklassigen Volleyball spielt. Als der Hauptsponsor Aurubis vor zwei Jahren verkündete, sein Engagement aufgeben zu wollen, machte sich der Verein auf die Suche. Ernannte einen Sponsoringbeauftragten, kontaktierte 80 Firmen in Hamburg und Umgebung. Beiersdorf zum Beispiel, eine Damenmannschaft und Hautcreme, wie gut könnte das zusammenpassen –  dachte man. Die Volleyballerinnen haben Räder versteigert, Krisengipfel mit der Handelskammer abgehalten. Bisher ohne Erfolg. Wie sie um ihre Mannschaft kämpfen, was die Hamburger Politik vom Sport erwartet und was der Hamburger Sport von der Politik zu erwarten hat, beschreibt Kollege Kilian Trotier in der aktuellen ZEIT:Hamburg.

Her mit den alten Laptops!

Der Rhythmus der Computerneukäufe hat sich für die meisten Konsumenten enorm beschleunigt, ständig werden neue Laptops, Bildschirme und Rechner gekauft, während die alten nur noch Kellerräume füllen. Das ist schlecht für die Umwelt. Und für diejenigen, die sich nicht ständig neueste Technik leisten können. Es gibt bereits einen Verein, der sich dieses Problems annimmt: Horst Matzens "Computerspende Hamburg". Matzen repariert gespendete PCs und verschenkt sie an Sozialhilfeempfänger. Nun will auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) das Problem angehen – in etwas größerem Maßstab: Montag wird ein IT-Sozialkaufhaus eröffnet. Das Konzept: Wer elektronische Geräte übrig hat, spendet diese. Die Rechner werden von Auszubildenden des Jugend- und Bildungswerks in Wandsbek aufbereitet und im Sozialkaufhaus Wandsbek an Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger verkauft. So haben alle Beteiligten etwas davon. Und im Keller ist wieder mehr Platz.

Hamburg ohne Perlen

Also, liebe Mitstädter! Da kommt Helene Fischer in eine Tchibo-Filiale nach Hamburg, um ihre eigene Modekollektion zu vermarkten – verkleidet als Verkäuferin und natürlich mit versteckten Kameraleuten in den Schränken; der Spaß wird von Tchibo später veröffentlicht, damit die Medien darüber schreiben (ja, Sie haben recht: so wie wir jetzt). Und dann das: Kaum steckt der Schlagerstar nicht mehr im kurzen Glitzerkleidchen, sondern in Jeans und Bluse, erkennen die Leute sie nicht mehr. Oder: Trauen sich nicht, sie zu erkennen? Also fragt Frau Fischer eine Kundin: "Kennen Sie Helene Fischer?" Die antwortet: "Klar, wer kennt die nicht? Musste ich von der Nachbarin oben die ganze Nacht durch hören." Helene Fischer darauf  trocken: "›Atemlos‹ wahrscheinlich. Das muss ich auch dauernd hören." Die Kundin beschließt weiterhin, sie für eine Verkäuferin zu halten. Ich dagegen hoffe, dass Tchibo die Aktion auch auf andere Kollektionen ausweitet. Und ich so endlich einmal den Designer treffe, der seit Jahren glaubt, Laufjacken seien nur etwas für kurzarmige Dicke. 

Mittagstisch

   

Buchweizen mit Zwiebelkonfitüre

   

Quer gestreifte Shirts, wohin man blickt. Nicht nur die Kellner bedienen im Einheitslook, auch der Kleiderladen, an dem vorbeimuss, wer in den Restaurantbereich des Ti Breizh möchte, ist voll davon. Solche Muster tragen traditionell die Fischer in der Bretagne. Auf deren Tellern wiederum findet man traditionell dünne Buchweizenpfannkuchen, Galettes genannt. Im Ti Breizh gibt es sie klassisch (z. B. mit Schinken, Käse und Spiegelei) oder raffiniert (z. B. mit Ziegenkäse, Honig und Cassis-Zwiebelkonfitüre oder mit Birne, luftgetrocknetem Schinken, Blauschimmelkäse und Walnüssen). Knapp dreißig verschiedene Beläge stehen zur Wahl, dazu noch mal fast ebenso viele süße Crêpes-Varianten. Kleine Vorspeisen und ausgewählte bretonische Spezialitäten gibt es ebenfalls. Ein Mittagsmenü ("plat du jour", 8,60 €) umfasst eine Galette, einen Crêpe und dazu ein Gläschen bretonischen Cidre. Auch gut: Bei warmem Wetter kann man auf einem Ponton direkt auf dem Nikolaifleet essen. Und falls es die Temperaturen nicht hergeben, hat man im rustikal-maritim eingerichteten Innern wenigstens einen schönen Blick aufs Wasser. Mittagstisch 12–15 Uhr (geöffnet bis 22 Uhr), Speisen ab 4,90 €, Deichstraße 39

Thomas Worthmann

 


Was geht

Klassik: Bitte auf dem Weg zur Oper nicht verirren! Humperdincks "Hänsel und Gretel" mit Hexe, Knusperhaus und vielen, vielen Brotkrumen. Staatsoper, Große Theaterstraße 25, 19 Uhr

Pop: Ein echtes Original ist Singer-Songwriter Noah Guthrie: Seine rauchige Blues-Stimme macht aus Cover-Versionen eigenständige Hits. Molotow, Nobistor 14, 20 Uhr

Bürgerausstellung: Einmalig in Vierlande: "Maler auf drei Kontinenten" zeigt Werke von Carl Lindemann, die in Bergedorf, Afrika und Indien entstanden. Bergedorfer Schloss, Bergedorfer Schloßstraße 4, 11–17 Uhr

Präsentation: Was die Studenten der Hochschule für bildende Künste, HFBK, so erschaffen, zeigen sie einmal pro Jahr in der Jahresausstellung. Noch bis Sonntag präsentieren sie ihre Werke. HFBK, Lerchenfeld 2, täglich 14 bis 20 Uhr.

Was kommt

Kindertheatertreffen: Die Hamburger Kindertheater tun sich zusammen, laden das Publikum zum Gespräch ein und zeigen ihre Lieblingsstücke, zum Beispiel "Frida und das Wut" über ein Mädchen und ihr Zorn-Monster. Ab vier Jahren. Fundus-Theater, Hasselbrookstraße 25, Samstag 16.30 Uhr Tippen Sie hier für weitere Informationen 

Konzert: Lilly Wood & the Prick sind nicht nur im Remix von Robin Schulz ein Hit – sie spielen eine Mischung aus Folk-Pop und Elektro, mal tanzbar, mal düster. Uebel & Gefährlich (dort wird demnächst auch ein Denkmal für den von einer Taube attackierten Mark Spörrle errichtet), Feldstraße 66, Samstag 20 Uhr

Börse: Für Fans von Hardcore-Porto: Beim Briefmarken-Tauschtag wechseln heiß begehrte Sammlerstücke den Besitzer. Bürgerhaus Allermöhe, Ebner-Eschenbach-Weg 1, 9–15 Uhr

Messe: Backe, backe Kuchen, der Bäcker zeigt, wie’s geht ... auf der Cake World Germany präsentieren Backschulen, Konditoren und Deko-Hersteller ihre neuesten Kreationen. Mit Torten-Wettbewerben zum Thema Comic, Bonsai-Baum und Winter. Messe Hamburg Schnelsen, Modering 1a, Fr/Sa 10–18 Uhr, So 10–17 Uhr

Meine Stadt

Ein magischer Moment. Hier sehen wir Alma Deutscher, ein Mädchen aus England, das zehn Jahre alt ist und auf dem ZEIT-FESTIVAL Smashing Ideas Klavier und Geige spielte sowie aus ihrer selbst komponierten Oper sang – unglaublich, diese Begabung! Mit ihr im Bild ist ZEIT-Redakteur Uwe Jean Heuser, unter dessen redaktioneller Federführung die Ideenkonferenz zum ersten Mal stattfand. Auch dabei waren unter anderem der österreichische Autor Clemens J. Setz, der Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk, die beiden Jazzmusiker Michael Wollny und Klaus Doldinger, Jung-von-Matt-Geschäftsführer Jens Pfau sowie Pascal Finette von der Singularity University. Und alle, Besucher wie Kollegen, waren so begeistert, dass man vermuten kann: Das machen wir wieder. © Jenny Appel

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr