Acht Monate hat es gedauert, dann endlich war es soweit: Ich durfte die Erstaufnahme verlassen. Seit ich in Hamburg ankam, lebte ich in Wilhelmsburg, in der Dratelnstraße, zusammen mit 1.400 anderen Flüchtlingen. Ich saß mit drei Zimmergenossen in einem Container und sehnte mich nach einem ruhigeren Ort. Im November dann bin ich nach Bergedorf gekommen, in eine kleine Unterkunft für 250 Leute am Weidenbaumsweg.

Ich bin froh hier zu sein. In Afghanistan wurde ich mit dem Tode bedroht – so sehr, dass ich beschloss, alles hinter mir zu lassen und in ein Land zu gehen, in dem ich mich fortan sicher fühle. Mehr als fünf Monate flüchtete ich durch Afghanistan über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn bis nach Deutschland. Hier angekommen, wurde ich nach Hamburg geschickt, eines meiner bevorzugten Ziele.

Anfangs erschien mir das Leben schwer, in der riesigen Unterkunft in der Dratelnstraße kam es immer wieder zu Konflikten. Daher freute ich mich auf Bergedorf. Ich hoffte, dass die Unterkunft hier komfortabler sein würde. Zwei Monate später weiß ich, dass es nicht so ist. Auch hier gibt es jede Menge Probleme.

Gut ist, dass wir jetzt nur noch zu zweit in einem Container leben und für uns selbst kochen können – in der Erstaufnahme war das nicht möglich, wir mussten immer in der Kantine essen. Jedoch hat die neue Unterkunft im Vergleich auch negative Seiten.

In Bergedorf gibt es kaum Sicherheitspersonal – ich habe erst nach zwei Monaten bemerkt, dass es hier überhaupt welches gibt. Ich fühle mich nicht sicher. Jeder kann jederzeit kommen und es gibt niemanden, der kontrolliert, wer kommt und geht in unserem Camp.

In der Nacht ist es mir meist nicht möglich, vernünftig zu schlafen: Die Bewohner hier hören laut Musik, unterhalten sich dröhnend und knallen die Türen bis spät in die Nacht. Niemand ist hier, der sie daran hindert – im Gegensatz zur Dratelnstraße. Wenn es dort in der Nacht laut wurde, sorgte das Sicherheitspersonal für Ruhe und jeder hielt sich daran.

Ruhiger sind normalerweise jene Nächte, in denen es kalt oder regnerisch ist, dann schließen meine Mitbewohner ihre Türen und Fenster und ihr Lärm bleibt in den Zimmern. Deswegen wünsche ich mir jede Nacht, dass es regnet.

Die Küchen, Bäder und Toiletten im Camp sind unvorstellbar verdreckt. Es gibt zwar Reinigungspersonal, das täglich kommt, aber die Räumlichkeiten sind eben für die Allgemeinheit und die meisten Mitbewohner scheinen nicht in der Lage, sie angemessen zu nutzen. Obwohl es Anleitungen und Bilder gibt, die zeigen, wie die Küche sauber zu halten ist, hinterlassen die meisten Bewohner Herde und Öfen verdreckt. Ärgerlich ist auch, dass viele nach dem Backen die Ofenbleche einfach mit in ihre Zimmer nehmen.