Vergangene Woche ist im Hamburger Universitätsklinikum ein zehn Monate altes Mädchen aus Syrien gestorben, offenbar an Organversagen. Das Baby lebte mit seinen Eltern in einer Erstaufnahme für Flüchtlinge in Hamburg-Osdorf. Laut dem Radiosender NDR 90,3 soll es im Januar an Durchfall erkrankt sein. Die Mutter soll deswegen drei Mal mit dem Kind in der Arztsprechstunde der Flüchtlingsunterkunft gewesen sein. Danach sei sie abermals erschienen, weil sie sich um ihr Kind sorgte – und hätte keinen Termin erhalten.

NDR 90,3 bezieht sich auf zwei ehrenamtliche Helfer, die berichteten, dass das Kind an dem betreffenden Tag nicht mehr behandelt werden konnte. Ob das der Wahrheit entspricht, lässt sich derzeit nicht nachvollziehen. Die Pressestelle des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) teilt nur mit, dass das Krankenhaus mit der Familie fühle. Zu den genauen Umständen will man sich wegen der laufenden Ermittlungen momentan aber nicht äußern.

Mehr Informationen erhält man beim Deutschen Roten Kreuz, das die Unterkunft am Rugenbarg im Stadtteil Osdorf betreibt. Für die gesundheitliche Versorgung verantwortlich ist es allerdings nicht. In Hamburg und Bremen erhält jeder neu angekommene Flüchtling eine Gesundheitskarte der AOK und wird so nach den Maßstäben der Öffentlichen Krankenkasse behandelt. Diese Karten mit Fotos und Chips sollen in der Regel spätestens zwei Monate nach der Registrierung ausgestellt sein.

Zusätzlich gibt es in den Hamburger Erstaufnahmen Sprechstunden mit praktischen Ärzten und Kinderärzten. So auch in der Unterkunft am Rugenbarg, in der 1.400 Flüchtlinge in einem leeren Baumarkt und in Containern wohnen. Ärzte des UKE sind hier 40 Stunden in der Woche für sie da.

Notfalldienst außerhalb der Sprechstunden

Die Flüchtlinge können sich rund um die Uhr auf einer Liste eintragen, die an einem Container hängt, um einen Termin zu bekommen, akute Fälle werden ohne Anmeldung behandelt. Die Ärzte überweisen die Bewohner, falls nötig, weiter zu Fachärzten außerhalb der Unterkunft. Hat der Patient noch keine AOK-Karte, bekommt er einen sogenannten Akutschein. Zusätzlich zu dem allgemeinen Dienst gibt es am Rugenbarg noch einmal die Woche eine gynäkologische und eine kinderärztliche Sprechstunde.

Das Rote Kreuz bietet zudem außerhalb der Sprechstunden einen Notfalldienst an. Am Wochenende und werktags von 16 Uhr bis Mitternacht sind Mitarbeiter vor Ort, an die sich die Bewohner wenden können, wenn sie Beschwerden haben. Jörg Theel, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes im Bezirk Altona bestätigt, dass die Mutter des verstorbenen Babys an dem Tag im Januar den Dienst aufgesucht hat.

Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes hätten den Gesundheitszustand des Kindes als "nicht dramatisch" eingeschätzt, erzählt Theel. Sicherheitshalber hätten sie aber einen Krankenwagen gerufen und es ins Kinderkrankenhaus Altona fahren lassen, ohne Blaulicht. Von dort soll das Baby laut Hamburger Abendblatt am 22. Januar ins UKE verlegt worden sein. Dort ist es am 3. Februar gestorben. Die Hamburger Staatsanwaltschaft will jetzt die näheren Todesumstände ermitteln und auch, warum die Eltern keinen anderen Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht haben.

"Was passiert ist, tut uns fürchterlich Leid", sagt Jörg Theel vom Deutschen Roten Kreuz. Er und seine Mitarbeiter konzentrierten sich nun auf die Eltern des toten Babys. Sie seien für die nächsten zehn Tage in eine Wohnung gezogen, um Abstand zur Unterkunft am Rugenbarg zu bekommen. Sie würden dort intensiv psychologisch betreut.