ZEIT ONLINE: Herr Esume, Sonntagnacht findet der Super Bowl statt und Sie begleiten die Fernsehübertragung auf Sat. 1 als Experte. Überrascht es Sie, wie viele Menschen sich in Deutschland dafür interessieren?

Patrick Esume: Schon ein wenig. Es war natürlich klar, dass es eine gewisse Aufmerksamkeit mit sich bringen würde, wenn die NFL im frei empfangbaren deutschen Fernsehen übertragen wird. Aber, dass es so schnell so groß wird, hätte ich nicht gedacht. Bei den Conference-Finals vor zwei Wochen waren es schon 1,2 Millionen Zuschauer. Das ist schon eine ordentliche Hausnummer. Das merke ich auch, wenn ich auf der Straße unterwegs bin. Plötzlich werde ich von wildfremden Menschen angesprochen und werde gefragt, ob ich der Esume aus dem Fernsehen bin.

ZEIT ONLINE: Warum gucken auf einmal so viele bei Spielen der US-amerikanischen Football-Liga zu?

Esume: Ich glaube, das Interesse an dem Sport war schon immer da. Gerade hier in Hamburg, meinem Wohnort. Ich würde sagen, ab Anfang der Neunziger bis zur Jahrtausendwende war Football, gerade auf der Amateur-Ebene, hier riesengroß. Als ich hier für die Blue Devils gespielt habe, hatten wir teilweise bis zu 30.000 Zuschauer im Stadion. Beim Amateursport! Zur Beliebtheit beigetragen hat auch die NFL Europe, ein Ableger der amerikanischen Profi-Liga, die Mitte der 2000er nach Hamburg kam. Das Problem war damals nur, dass es kein ordentliches Fernsehprodukt gab, um das Interesse zu stillen.

ZEIT ONLINE: Sie sind gut in der deutschen Football-Szene vernetzt: Macht sich der Hype auch für die Vereine bemerkbar?

Esume: Auf jeden Fall. Das Feedback, das ich aus den Vereinen bekomme, ist durchweg positiv. Neulich schrieb mir ein Trainer, dass vor Kurzem um die hundert Leute beim Vorspielen waren, also viel mehr als üblich. Darum geht es ja letztendlich auch: dass der Amateursport irgendwann davon profitiert, dass Profi-Football im Fernsehen läuft.

Patrick Esume, 42 Jahre alt, hat früher selbst Football gespielt, heute ist er Trainer und Experte bei der Sportsendung ran. © ProSiebenMAXX/SAT.1 / Stefan Hobmaier

ZEIT ONLINE: Sie sind in Hamburg-Altona aufgewachsen. Wie sind Sie damals zum Football gekommen?

Esume: Es gab bei mir in der Nachbarschaft jemanden, der bei den Hamburg Dolphins gespielt hat. Das war noch in den Achtzigern. Ich war 14 und ab und zu ging ich zu den Spielen. Ich selbst habe aber erst mit 18 mit Football angefangen. Ein Freund hat mich damals mit zu den Hamburg Silver Eagles genommen, ich hatte aber eigentlich gar keine Ahnung von dem Sport. Ich konnte eigentlich nur schnell laufen und einen Ball fangen.

ZEIT ONLINE: Was hat Sie an Football gereizt? Warum nicht Fußball?

Esume: Fußball habe ich ja von der F- bis zur A-Jugend durchgehend im Verein gespielt. Und ich war eigentlich auch gar nicht so schlecht. Aber irgendwann fehlte mir der Anspruch. Es war immer das Gleiche. Im Fußball gibt es zwar eine physische Herausforderung, aber mental wird man da nicht wirklich beansprucht. Entweder man hat ein bisschen Spielverständnis, oder nicht. Aber was die Taktik angeht, ist Fußball ja eher begrenzt.

ZEIT ONLINE: Wenn das Pep Guardiola hört.

Esume: Ach, die Fußballtrainer können mir erzählen, was sie wollen. Du kannst Fußball nicht mit Football vergleichen. Football ist Schach. Selbst NFL-Coaches kennen nicht jede Regel und die acht Schiedsrichter müssen immer wieder beraten, bevor sie entscheiden. Dieser theoretische Aspekt hat mich persönlich schon immer am meisten fasziniert. Dazu kommt, dass Football auf eine gewisse Art auch die Grundbedürfnisse des Mannes bedient: entweder beschützen oder jagen im Rudel.

ZEIT ONLINE: Dann war es ja nur logisch, dass Sie nach Ihrer Spielerlaufbahn Trainer geworden sind.

Esume: Ja, ich hatte immer schon das Bedürfnis, das, was ich gelernt habe, an andere Spieler weiterzugeben. Schon als ich noch bei den Blue Devils gespielt habe, habe ich angefangen, die Hamburg Huskies zu coachen. Das mache ich ja heute noch.