Dass Politiker etwas ankündigen und es dann auch haargenau so umsetzen, ist selten der Fall. In Sachen Wohnungsbau scheint dem Hamburger Senat auf den ersten Blick genau das zumindest gelungen zu sein. Er hat, wie man jüngst verkündete, im vergangenen Jahr 9.560 Baugenehmigungen in der Stadt erteilt. Damit ist er laut Stadtentwicklungsbehörde seiner eigenen Vorgabe zum dritten Mal in Folge gerecht geworden: dem Ziel, pro Jahr 6.000 neue Wohnungen fertigzustellen, ein Drittel davon Sozialwohnungen.

Für Hamburgs Mieter sind diese Nachrichten aber noch kein Grund zum Jubeln. Denn bei genauem Hinsehen verschleiern sie, dass der Senat nur halbwegs erreicht hat, was er einst ankündigte. "Ein verbessertes Angebot wird auch eine Wirkung auf die Preisentwicklung haben", das sagte Bürgermeister Olaf Scholz vor zweieinhalb Jahren gegenüber der Welt. Er erklärte, dass der Wohnungsbau dazu beitrage, die Attraktivität der Stadt zu erhalten – besonders für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen.

Haben sich auch diese Ankündigungen erfüllt? Nein, im Gegenteil: Nach der Veröffentlichung des neuen Mietenspiegels im November 2015 mussten wieder viele Hamburger zähneknirschend Mieterhöhungen hinnehmen. Der Mieterverein zu Hamburg schätzt, dass aktuell rund 150.000 Wohnungen davon betroffen sind.

Die Folge: Die alteingesessenen Mieter werden aus den zentralen Stadtteilen verdrängt. Das Immobilienportal Immoscout24 stellte schon Ende 2014 fest, dass selbst Familien mit durchschnittlichem Einkommen sich das Wohnen dort kaum noch leisten können. Mit dem neuen Mietenspiegel 2015 dürfte sich für viele die Lage noch einmal verschlimmert haben.

Warum tut sich der Senat so schwer, die Mietsteigerungen in Hamburg spürbar zu bremsen?

Das Problem ist, dass Hamburg noch immer schneller wächst, als gebaut wird. Die jährlich 6.000 neuen Wohnungen decken kaum die Nachfrage. 2014 ließen sich 16.500 Menschen in Hamburg nieder.

2015 dürften es noch einmal deutlich mehr gewesen sein, denn die Zahlen fürs erste Halbjahr liegen bereits auf dem Niveau vom Vorjahr – und der Großteil der Flüchtlinge ist darin noch nicht erfasst, er kam im zweiten Halbjahr nach Hamburg.

Wie sich der Zuzug von Flüchtlingen auf den Wohnungsmarkt auswirken wird, untersucht eine Studie der EBS Business School in Wiesbaden, die kürzlich in Hamburg Schlagzeilen machte. In der Studie wird auf die Wohnung und den Cent genau vorgerechnet, welche Effekte der gegenwärtige Flüchtlingsandrang auf den Wohnungsbedarf und die Mieten hat. Die Prognose: Bei 1,5 Millionen Flüchtlingen, die insgesamt nach Deutschland kommen, bräuchte Hamburg 21.561 Wohnungen mehr und die Mieten würden zusätzlich um 5,7 Prozent steigen.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sieht jedoch keinen zusätzlichen Handlungsbedarf – und äußert grundsätzliche Zweifel an den Zahlen der Studie. "Es handelt sich unserer Einschätzung nach um Modellrechnungen ohne konkrete Aussagekraft für die tatsächliche Mietenentwicklung in Hamburg", sagt der Behördensprecher Magnus-Sebastian Kutz. Außerdem verweist Kutz auf 5.600 Wohnungen für Flüchtlinge, die bis Ende 2016 "zusätzlich zum sehr umfangreichen Wohnungsbau" entstehen sollen.

Auf der anderen Seite verlangen Hamburgs Mietervereine, Politiker der Linken aber auch SPD-Experten wie Dirk Kienscherf schon seit Längerem, dass Hamburg noch mehr neue Wohnungen bauen sollte. Der Mieterverein zu Hamburg hält mehr als 8.000 Wohnungen jährlich für notwendig, zusätzlich zu den jetzt geplanten Wohnungen für Flüchtlinge. Der Vereinsvorsitzende Siegmund Chychla erläutert, dass eine Hamburger Wohnung im Schnitt mit 1,8 Personen belegt sei, woraus sich – lege man die Zuwanderung von 2014 zugrunde – sogar ein rechnerischer Bedarf von 9.166 neuen Wohnungen pro Jahr ergebe.