Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

Sie wissen, es sind schon ein paar Tage Ferien. Und erst jetzt stehen an einem unserer Lieblingsstrände, in Sankt Peter-Ording, die ersten Strandkörbe draußen – gerade mal 120 Stück, ob die nicht im Nu vergeben sind? Wer fürchtet, es könnte etwas frisch sein im Körbchen, dem rät der Leiter der Badestellen, sich warm anzuziehen und das Teil in die Sonne zu drehen (auch dabei wird einem warm).

Dennoch: Gut, dass es jetzt, nach 130 Jahren Strandkorbgeschichte, eine erste bahnbrechende Innovation gibt. Ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein konstruierte, passend zu den künftigen Klimaprognosen, einen wetterfesten Korb für zwei, mit Fenstern und einer Persenning, die gegen Regen schützt. Nachts kann man gleich drin liegen bleiben. Und in spätestens 130 Jahren wird es dann Strandkörbe geben, die gegen Kälte schützen – nein, dann ist es ja auch im Winter warm genug.

Mehr zu diesen Ferien folgt unten. 

Flüchtlinge in der Polizeistatistik

Wie kriminell sind Flüchtlinge wirklich? Um das herauszufinden, wird seit diesem Jahr in der Polizeilichen Kriminalstatistik auch erfasst, ob ein dort Registrierter Flüchtling ist oder nicht. Kritiker sprechen von Stigmatisierung. "Es geht nicht darum, jemanden ins Visier zu nehmen, sondern um Klarheit und darum, gegen Spekulationen vorzugehen", widerspricht Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde. Dem Vorurteil, dass Flüchtlinge mehr Kriminalität bringen, könne man nur entgegentreten, wenn man Belege dagegen habe. "Spiegel Online" berichtete gerade erst von einer groben Einschätzung der Polizei, wonach durch die Zuwanderung die Zahl von Gewalt-, Eigentums-, Sexual- und Betäubungsmitteldelikten ansteigen werde – aber umgekehrt auch Angriffe auf Migranten, Unterkünfte und "rechte Agitation". In ihrer Statistik wird die Polizei auch zwischen Flüchtlingen unterscheiden, die erst vor Kurzem angekommen sind, und denen, die schon länger hier leben. Ende des Jahres sei mit einem ersten Ergebnis zu rechnen – bisher allerdings nur bei mutmaßlichen Tätern. Flüchtlinge, die Opfer einer Straftat wurden, sollen erst ab 2017 in der Statistik separat ausgewiesen werden. Warum? Dazu schreibt uns die Polizei: "Für eine Erfassung des Aufenthaltsanlasses bei den Opfern (…) ist die Einführung eines zusätzlichen Datenfeldes (…) erforderlich, das frühestens zum 01.01.17 realisierbar ist. " Nicht zu glauben: Alles nur ein EDV-Problem?

Polizisten am Drücker

Wenn Polizisten in Deutschland schießen, geraten sie oft selbst ins Kreuzfeuer. War es Notwehr? War die Reaktion verhältnismäßig? Das muss dann die Staatsanwaltschaft entscheiden. "Generell macht die Polizei selten Gebrauch von der Schusswaffe", sagt der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt. Doch in den vergangenen vier Wochen kam es gleich zu drei Zwischenfällen.Im Februar haben Hamburger Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern auf einen 27-Jährigen in einem fahrenden Auto geschossen. Auch in Bremen und Berlin griffen Beamte kürzlich zur Waffe. "Ich hoffe, dass das kein Anzeichen von wachsender Nervosität in der Polizei ist", sagt Wendt. Seine Kollegen seien durch steigende Flüchtlingszahlen, Terrorgefahr, politischen Extremismus und Rocker-Kriminalität stark gefordert. "Dass ein Streifenpolizist überfordert ist und versehentlich abdrückt, kommt durchaus mal vor", sagt der Hamburger Polizeiforscher Rafael Behr. Im Gegensatz zu den Spezialeinheiten haben Streifenpolizisten auch weniger Praxis im Umgang mit ihrer Dienstwaffe. Meist kommen sie nach Angaben von Behr nur einmal im Jahr zum Schießtraining. Doch im Mecklenburger Fall waren Spezialkräfte des Hamburger MEK im Einsatz. "Da ist wohl etwas schiefgelaufen", sagt Behr. "Dass durch die geschlossene Fensterscheibe geschossen wird, gehört nicht zum Standardrepertoire." Die Polizei spricht von einer Gefahrenlage. Doch die Männer im Auto waren unbewaffnet, der gesuchte Kriminelle war nicht im Wagen. Der Polizeiforscher fordert eine unabhängige Aufklärung des Falls. Dass Polizisten gewöhnlich nicht leichtfertig zur Waffe greifen, zeigt eine bundesweite Statistik der Deutschen Hochschule der Polizei: 2014 schossen Polizisten demnach in 46 Fällen gezielt auf Verdächtige. Dabei töteten sie 7 Menschen, 31 wurden verletzt.

Skiferien: Piste dafür?

Seit über einem halben Jahrhundert gibt es die Hamburger Skiferien. Warum? Egal! Die zwei Wochen sind ein absolutes Muss für alle Skifans. Aber andere sagen: Was soll das!? Unsere Kollegen Christoph Twickel und Frank Drieschner haben den Streit in der aktuellen ZEIT:Hamburg ausgefochten. "Der Rest der Republik verstopft zu Ostern die Autobahnen und Flughäfen, Hamburg urlaubt ein paar Wochen früher. Für die Skifahrer unter den Stadtbewohnern ist das ein Träumchen: Abseits der Hauptsaison ins Skigebiet!", freut sich Christoph Twickel (jetzt weiß ich, warum er mir den versprochenen "Mittagstisch" noch nicht geschickt hat!). Freie Fahrt, kein Après-Ski-DJ-Ötzi-Ballermann-Terror, im Sessellift fröhlich "Moin!" sagen. Gibt es Schöneres?

"Selbstverständlich sind die Skiferien eine Zumutung", meint hingegen Frank Driescher. "So offensichtlich die Benachteiligung der weniger Wohlhabenden ist, so verblüffend ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie eingefordert wird. Kinder aus armen Familien haben die Schlechtwetterferien gefälligst zu ertragen, damit ihre bessergestellten Altersgenossen zu ihrem Luxusurlaub kommen."

"Für die weniger Bessergestellten sind die Hotels in der Nebensaison doch überall günstiger!", setzt Twickel dem entgegen. "Manche kaufen kleiderschrankgroße Flachbildschirme, andere sparen auf die Berge." Als der Senat vor zwanzig Jahren plante, die Skiferien abzuschaffen und stattdessen Osterferien einzuführen, lehnten 56 Prozent der Befragten das ab. Alles Wohlstandsbürger? Oder dachten die meisten einfach so: "Der Umstand, dass der Hamburger Regen zu Ostern meist ein bisschen wärmer ist, lohnt das Warten nicht."

Neuer Direktor im Bucerius Kunst Forum

Er war schon in Eindhoven, Lyon, Grenoble und Den Haag. Der Neue im Bucerius Kunstforum bringt viel Auslandserfahrung mit. Nun kommt der langjährige Kurator des Gemeentemuseums Den Haag, Franz Wilhelm Kaiser, nach Hamburg, "eine Stadt, die mich immer fasziniert hat, das schmeckt nach mehr". Zum 1. Juni wird Kaiser seine Stelle als neuer Direktor im Bucerius Kunst Forum antreten. Die bisherige künstlerische Leiterin Ortrud Westheider wechselt als Direktorin an das Museum Barberini in Potsdam. "Ich werde vielleicht etwas mehr zeitgenössische Kunst machen, aber nie dem Trend folgen", kündigte Kaiser gestern an. Der 58-Jährige begann seine Berufslaufbahn in Kassel mit der didaktischen Begleitung der dortigen Documenta 7. Unter seiner Leitung habe sich, berichtet er selbst, die Besucherzahl im Gemeentemuseum nahezu verzehnfacht. Seine erste Ausstellung im Kunstforum will der Kurator für Herbst 2017 konzipieren, seine Ideen seien jedoch noch skizzenhaft. Arbeiten will er auch an einer Darstellung der "Erfindung des Kunstmarktes im 17. Jahrhundert in Holland". Und wenn das von der ZEIT-Stiftung betriebene Kunstforum Anfang 2018 die neuen, größeren Ausstellungsräume bezieht, wolle er den Den Haager Fotografen Anton Corbijn präsentieren – mit der Fragestellung: "Wann wird Fotografie Kunst?" Wenn Sie sich hingegen fragen, wann Kunst Fotografie wird: Scrollen Sie nur weiter nach unten...

Mittagstisch

   

Asia-Style ohne Schnickschnack

Klassisch, stylisch, superlecker: Das Bonbao in Winterhude bietet frische asiatische Kochkunst, während in der offenen Küche Garnelen und Co. in der Pfanne brutzeln. Als Geschmacksverstärker halten hier ausschließlich natürliche Gewürze und Zutaten her, etwa Koriander und Zitronengras. Entsprechend gesund und vegetariertauglich sieht die Mittagskarte aus: Aus dem Wok schmecken vor allem milde Gemüsevariationen in Erdnusscreme. Oder das feurige Pad Kra Prat, es punktet mit seiner einmaligen Austern-Fisch-Sauce. Schön auch, dass der Gast fast alle Gerichte wahlweise mit Tofu, Geflügel oder Fleisch bekommen kann. Daneben gibt es Klassiker rund um Bratnudeln und Currys – aber Vorsicht, die sind mitunter höllisch scharf. Mit dem Auto sollte man übrigens nicht hierherfahren, am Mühlenkamp gibt es mittags kaum Parkplätze.Mittagstisch rund acht Euro, Bonbao, Winterhude, Mühlendamm 19, Montag bis Sonntag von 12 Uhr bis 22 Uhr

Elmar Stein

 


Was geht

Lesung: In "Der alte König in seinem Exil" schreibt Arno Geiger über seinen alzheimerkranken Vater. Annette Pehnt erzählt vom Alltag in einer Seniorenresidenz im "Haus der Schildkröten". Beim Themenabend "Lebenswerte Abschiede" sprechen sie darüber, wie Angehörige das Älterwerden in der Familie erleben. Körberforum, Kehrwieder 12, 19 Uhr

Klassik: Wer kennt sie nicht, die Schürmann-Barockoper "Die getreue Alceste". Wie jetzt, Sie nicht? Ab zur ersten Aufführung seit1722! Lichthof der Staatsbibliothek, Von-Melle-Park 3, 19 Uhr

Pop: Der Name ihres ersten Hits ist Programm: Mit ihrem Covervon "Supergirl" wurde die Singer-Songwriterin Anna Naklab superbekannt. Jetzt ist sie auf "Visions Tour". Jazz Café im Mojo Club, Reeperbahn 1, 21 Uhr

Theater: Wer den Wal hat, hat die Qual.Melvilles Roman "Moby Dick", inszeniertvon Antú Romero Nunes. Thalia, Alstertor 1, 20 Uhr

Hamburger Schnack

   

Klassisches Konzert in der "Lupine" (ASB Senioren- und Pflegeheim). Die Klarinettistin kündigt das nächste Stück mit den Worten an: "Wie Sie sich erinnern, zu Mozarts Zeiten..." Eine Bewohnerin unterbricht sie: "Na, so alt sind wir nu auch noch nicht."

Gehört von Sophie von Uslar

 


Meine Stadt

Was ist das? Dies ist die drittschönste Bushaltestelle der Welt. Und wir haben Glück: Sie liegt in Hamburg! Der Busbahnhof Poppenbüttel wurde von der britischen Design-Website Design Curial auf Platz drei der bestdesignten Busstationen weltweit gewählt. Das von den Hamburger Architekten Blunck + Morgen entworfene Objekt, so die Begründung, bringe "mit seinem schlanken flügelförmigen Dach eine moderne Atmosphäre in die Gegend". Die Raumtransporterstation aus Poppenbüttel ließ hundertfache Konkurrenz auch aus Metropolen wie London, Paris und New York hinter sich. Platz eins belegte übrigens eine Bushaltestelle im österreichischen Unterkrumbach, die pflichtgemäß aussieht wie ein riesiger Stuhl aus Stapelholz. © Oliver Heinemann

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Sind Sie in Poppenbüttel Bus gefahren, und alles war anders? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Donnerstag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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