Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

falls Sie sich fragen, ob hier heute etwas anders ist – stimmt: Unser Titelkopf hat sich ein klein wenig verändert. Ein netter Verlagskollege kam zu mir und sagte: "Hör mal, du machst ein werktägliches Mini-Magazin mit Themen, die für Hamburg wichtig sind. Das Ding kann man kostenlos abonnieren, und es hat den abgefahrenen Namen Elbvertiefung. Okay. Aber solltet ihr nicht ein bisschen klarer darauf hinweisen, dass ihr von der ZEIT seid? Ich habe hier einen Vorschlag ..."

Sonst aber bleibt bei uns alles beim Alten.

Hamburger Skiferien: Keine Auszeit bloß für eine privilegierte Elite ...

Zum Beispiel beschäftigt die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Hamburger Skiferien unsere Leser weiter heftig. Nachdem sich bis Freitag vor allem die Daheimgebliebenen gemeldet hatten, und das eher kritisch, bekamen wir übers Wochenende jede Menge Post von bekennenden Skifahrern. Den meisten liegt daran, das Bild vom Skifahren als Elitensport geradezurücken, ein Bild, das bei der Debatte in der aktuellen ZEIT:Hamburg schon Kollege Frank Drieschner nahegelegt hatte. "Ich glaube, dies ist meine erste Antwort auf einen Newsletter, aber jetzt hält es mich nicht mehr", schreibt etwa Leserin Katrin Werling stellvertretend für viele. "Wie kommt man auf diese merkwürdige Einordnung der Skiferien als reines Thema für eine wie auch immer definierte Oberschicht?" Da sei "wieder dieses typisch deutsche ›Ich bin gegen alles‹ zu vernehmen", ärgert sich ein anderer Leser. "Das hat bereits den Traum von Olympia kaputt gemacht."

... nicht nur etwas für Reiche ...

Gleich mehrere Mailschreiber rechnen uns vor, dass es Angebote zum Skifahren gebe, die sich wirklich jeder leisten könne, wenn man "den Flachbildschirm fürs Schlafzimmer nur eine Nummer kleiner nimmt" beziehungsweise "aufhört zu rauchen". "Als Kind der Bildungsreform (erstes Kind der Familie mit Abitur 1982) kann ich nur sagen: Skilaufen ist gut und wichtig und demokratisch!", schreibt Leserin Franziska Lorenz. Und liefert uns noch eine Liste, die auch die Essenz vieler anderer Zuschriften zusammenfasst: "Skilaufen ist Lifetime-Sport, ist gesund, ist einzigartiges Naturerleben, ist bei gleichem Preis genauso erholsam wie zwei Wochen Mallorca (ökologisch korrekt fliegen, im All-inclusive-Hotel aus Einwegplastikbechern trinken und die Teller so voll häufen, dass mehr weggeworfen als verzehrt wird, haha), ist vielseitig, macht mich glücklich!" Das geht offenbar auch anderen so: Viele Elektropostschreiber schwärmen vom gemeinsamen Skifahren als kostbarer Zeit familiären Beisammenseins. Und 50-Jährige Mannsbilder ertappen sich auf der Piste beim lauthals "Heidi!"-Singen.

... und von wegen "Zeugungsurlaub"!

Leserin – und Lehrerin – Kerstin Harms erwähnt den segensreichen Effekt der Hamburger Skiferien als Pause vom Schulunterricht. In anderen Bundesländern lägen zwischen Weihnachts- und Osterferien bis zu 14 Wochen. "14 Wochen am Stück performen: Zeigen Sie mir bitte den Lehrer, der das für machbar hält. Oder den Schüler, der so lange konzentriert am Ball bleiben kann!" Und nicht Ski laufende Familien, so der Tenor auch anderer Zuschriften, könnten in der freien Zeit in der günstigen Nebensaison doch auch in Dänemark oder auf Mallorca Urlaub machen – zu Ostern könne man dort schließlich auch frieren.

Den polemischen Vorwurf schließlich, die Skiferien dienten in Wahrheit als "Zeugungsurlaub", stellt Leser Wolfgang Meyer-Hofmann richtig, augenzwinkernd, aber dennoch mit gewissem Stolz: "Keines unserer vier Kinder wurde im Skiurlaub gezeugt, dazu waren wir nach den vielen sportlichen Aktivitäten stets zu müde. Sie laufen aber alle gut bis sehr gut Ski und sind teilweise in den besten Skigruppen, die die Skischule anbietet ..."

Syrische Ärzte – und Analphabeten

Gerade bei syrischen Flüchtlingen ist oft die Rede von ihrem hohen Bildungsgrad. Hamburgs Universitätspräsident Dieter Lenzen, zugleichVorsitzender des Aktionsrats Bildung, hält solche Verallgemeinerungen für einen großen Irrtum und sieht wegen des niedrigen Bildungsniveaus vieler Geflohener erhebliche Integrationsprobleme auf Deutschland zukommen. In Syrien beispielsweise hätten 15 Prozent eines Jahrgangs einen Hochschulabschluss und somit tatsächlich annähernd so viele wie in Deutschland mit 19 Prozent. "Das Problem sind die 65 Prozent eines Altersjahrgangs, die nach den Pisa-Tests nur auf Stufe eins des Leseverstehens operieren können", sagt Lenzen. Diese Menschen seien im Grunde Analphabeten und könnten nicht einmal einen Busfahrplan lesen. Nach einer Studie des Volkswirtschaftsprofessors Ludger Wößmann, so Lenzen, müsse man weiter davon ausgehen, dass etwa zwei Drittel der Flüchtlinge keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss hätten. Ernüchternd sei auch das im Oktober 2015 gestartete Programm der Universität Hamburg zur Integration von Flüchtlingen "#UHHhilft" verlaufen: Von den 2900 teilnehmenden Flüchtlingen "sind 60 unmittelbar immatrikulierbar gewesen", sagt Lenzen. Allerdings habe man die Funktion der Hochschulen in Deutschland auch schlecht kommuniziert – in Syrien finde "die gesamte Berufsausbildung, auch die eines Tischlers, im College statt".

Ties Rabe verteidigt Hamburger Schulsystem

Die Schwachen blieben auf der Strecke, das hielt der ehemalige Schulleiter Kay Stöck in der ZEIT:Hamburg vor einigen Wochen dem Schulsystem vor. Nun setzt sich Schulsenator Ties Rabe zur Wehr. "Als ich mein Amt begonnen habe, hat nur jeder vierte Abgänger nach der zehnten Klasse eine Ausbildung gefunden, inzwischen ist es mehr als ein Drittel", sagt Rabe. Fakt sei allerdings auch, dass in den neunten Klassen der Stadtteilschulen jeder zweite Schüler in Mathe das Mindestniveau nicht schaffe, in Englisch jeder dritte, in Deutsch jeder achte. Der Schulsenator beteuert: "Auch daran arbeiten wir. In Mathe haben wir gerade viel geändert: Die Stadtteilschulen müssen mehr Matheunterricht geben – und dieser soll künftig nur noch von Fachlehrern unterrichtet werden." Es wäre gut, sagt Rabe, "wenn die Stadtteilschule deutlich machte, dass sie die richtige Antwort auch für leistungsfähigere Schüler hat." Dieser Schultyp habe bei gleicher Schülerzahl fast 40 Prozent mehr Lehrer als das Gymnasium. Die Probleme seien also nicht in erster Linie eine Frage der Ressourcen: "Ich glaube, Stadtteilschulen brauchen mehr Fachunterricht und mehr Leistungsorientierung." Das ganze Gespräch von Frank Drieschner und Oliver Hollenstein mit dem Schulsenator lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg.

Pendeln schadet der Gesundheit

Pendeln ist nicht nur nervig, es macht auch krank. Wer täglich eine weitere Strecke zur Arbeitsstelle und zurück fahre, trage ein deutlich höheres Gesundheitsrisiko, sagte Soziologe Heiko Rüger vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden der "Neuen Presse" in Hannover. Der Zeitung zufolge pendeln täglich rund 6000 Menschen mit Fernzügen zwischen Hannover und Hamburg. Bei Fernpendlern, die mindestens eine Stunde oder 50 Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle zurücklegten, so Rüger, sei das Risiko für einen schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand etwa doppelt so hoch wie bei Nichtpendlern. Das liege am erhöhten Stress, unter anderem wegen Autostaus und Zugverspätungen. "Hinzu kommt der chronische Zeitmangel, die Zeit zur Regeneration fehlt oft", sagte Rüger. Wir wissen das spätestens, seit unser ZEIT-Kollege Claas Tatje, der selber jahrelang zwischen der Arbeit im Brüsseler ZEIT-Büro und seinem Zuhause in Hannover unterwegs war, über die Leiden des alltäglichen Hin und Her ein Buch geschrieben hat, das "Fahrtenbuch des Wahnsinns". Tatje wundert sich noch heute, dass zwar 26 Millionen Deutsche "Deutschlands größten Volkssport" betrieben, "aber der Bundesverkehrsminister nicht mal dafür sorgt, dass es einen gut getakteten Bahnfahrplan gibt". (Gibt es denn keine Pendler-Gewerkschaft?) Und ein Entwicklungshelfer verriet ihm: "Pendeln ist anstrengender als das Leben in Indien, Nigeria, Ecuador und Mexiko."

Happy Bär-day, Janosch!

Lieber Herr Janosch, was wäre eigentlich gewesen, hätten Tiger und Bär ein Smartphone gehabt? "Sie hätten Panama einfach gegoogelt und wären im Übrigen am Tisch sitzen geblieben" – so antwortete Janosch einmal in seiner Kolumne im ZEITmagazin, die er seit Juli 2013 zeichnet und schreibt. Nun ist der berühmte Illustrator, Kinderbuchautor und Schriftsteller, der mit bürgerlichem Namen Horst Eckert heißt, eigentlich Förster werden wollte und angeblich nur Kinderbuchzeichner wurde, weil ein betrunkener Verleger ihn verwechselte, 85 Jahre alt geworden. Auch wir senden ihm einen Geburtstagsgruß in seine Hängematte nach Teneriffa – und sagen noch einmal Danke: für den kleinen Tiger, den kleinen Bären, die Tigerente und für all die anderen zauberhaften Bilder und Geschichten!

Mittagstisch

   

Für die große Runde

   

Kennen Sie das, wenn man mit den Kollegen essen gehen wollte, auf einmal schließen sich aus allen Abteilungen und Büros noch ein paar Leute an und dann weiß man nicht mehr, wo man Platz finden soll? In dem Fall ist das Körri in der Innenstadt die Lösung. Hier gibt es lange Tische, eine gemütliche Atmosphäre, und beim Essen dürfte für die meisten Geschmäcker was dabei sein. Berühmt ist das Körri für die Currywurst, klar, aber es gibt auch immer zwei verschiedene Stammessen, die täglich wechseln, Salate und Flammkuchen als Standards. Solide Hausmannskost mit Portionen, die satt machen. Körri, Springeltwiete 2, kleine Portionen ab 6,20 Euro, große ab 9 Euro.

Marie Reifrock

 


Was geht

Lesung: Bitte die Unruhe bewahren! Benjamin von Stuckrad-Barres Roman "Panikherz" über 20 Jahre Popkultur. Gäste: Sven Regener und Christian Ulmen. Markthalle, Klosterwall 11, 20 Uhr

Planeinsicht: Von heute an können Bürger die Unterlagen zur Planfeststellung für den neuen Bahnhof Altona einsehen. Für den neuen barrierefreien Bahnhof müssen 25 Kilometer Gleise und 48 Weichen neu gebaut werden. 2023 soll der Bahnhof fertig sein. Bis zum 13. April in den Bezirksämtern Altona, Eimsbüttel und Wandsbek.

Orchester-Show: Die finnische Band Sunrise Avenue ist für ihren radiotauglichen Poprock bekannt. Bei diesem Konzert bekommen sie klassische Verstärkung durch das Wonderland Orchestra. Barclaycard Arena, Sylvesterallee 10, 20 Uhr

Party: Hier sind Gastgeber zu Gast: Die Party "Kiez is Calling" feiert Vertreter der Gastronomie- und Hotellerie-Branche mit DJs und Show-Acts. Moondoo, Reeperbahn 136, 21 Uhr

Pop: Die passenden Mittel für großen Weltschmerz haben Anne Clark und herrB. Poetische Texte treffen dunkle Elektro-Beats: "Wasted Wonderland". Mojo Club, Reeperbahn 1, 20 Uhr

Was kommt

Hip-Hop: Der wohl beste weiße US-Rapper seit Eminem kommt nach Hamburg."Can’t hold us", wenn Macklemore & Ryan Lewis auf der Bühne stehen, Barclaycard Arena, Sylvesterallee 10, 20 Uhr, 16. März

Tagebuchlesung: Wie groß der Schmerz über die erste unglückliche Liebe auch war – heute können wir herzlich darüber lachen. Bei der Clubkinder Tagebuchlesung lesen junge Erwachsene aus den Tagebüchern ihrer Jugend vor. Der Eintritt geht an einen guten Zweck. Grünspan, Große Freiheit, 20.15 Uhr, 18. März

Theater: George Bernard Shaws Adaption von Ovids Mythos von Pygmalion wurde als Broadway-Stück und Kinofilm unter dem Titel "My Fair Lady" weltberühmt. Das Erziehungsexperiment ins Heute übersetzt feiert Premiere im Thalia Theater, Alstertor 1, 20 Uhr, 19. März

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Der HSV hat es am Wochenende versäumt, einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen. Gegen Bayer Leverkusen gerieten die Hamburger früh durch ein Eigentor in Rückstand. In der Folge erspielte sich der HSV zwar mehrere Torchancen, nutzte diese jedoch nicht. Endergebnis: 0:1. Der Abstand auf die Relegationsplätze beträgt weiterhin sieben Punkte. Am nächsten Sonnabend kommt die TSG Hoffenheim ins Volksparkstadion.

Erik Hauth, bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Gegen den SC Paderborn tut sich der FC St. Pauli traditionell schwer. Nun kam an diesem Spieltag dazu, dass die Gäste abstiegsbedroht sind, da wird ein Sieg beinahe unmöglich. Der FC St. Pauli spielt nämlich regelmäßig ungewollt den Aufbaugegner für abstiegsbedrohte Teams. So auch am Freitagabend. Die Kiezkicker hatten den leidenschaftlich fightenden Paderbornern nur jeweils zehn Minuten einer Halbzeit etwas entgegenzusetzen. Die schönen Anschlusstreffer von Sobota und Picault kamen dann zu spät, um an der 3:4-Heimniederlage noch etwas ändern zu können.

Mit acht Punkten Rückstand auf einen Relegationsrang entscheiden somit Nürnberg, Leipzig und Freiburg das Aufstiegsrennen wohl unter sich. St. Pauli ist Vierter – wenn man nicht aufsteigen will/muss/kann, die bestmögliche Saisonplatzierung.

Meine Stadt

"Psssst, nicht so laut, sonst zieht der Rauch ins Haus!" © Susanne Hommel

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Montag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen! 

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr