Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern war es wieder so weit. In majestätischer Schwarmformation kehrten sie aus dem Winterdomizil heim, das Volk säumte ihren Weg, auf Anlegern und Brücken erhob sich teils Applaus: 120 Schwäne schwammen aus dem Eppendorfer Mühlteich zurück auf die Alster, eskortiert von "Schwanenvater" Olaf Nieß und seinen Helfern. Für so viel rührende Fürsorge gibt es natürlich, wir sind schließlich in Hamburg, einen finanziellen Hintergrund: Der Legende nach ist die Stadt so lange frei und wirtschaftlich erfolgreich, wie Schwäne auf der Alster ihre Runden ziehen. 1664 stellte der Senat die Vögel sogar unter besonderen Schutz: Bestraft wird, wer sie verletzt, tötet – oder beleidigt.

Ab jetzt gilt also wieder an der Alster: Bitte mäßigen Sie sich!

Neuer Bahnhof Altona: Viele Fragen offen

Bis zum 13. April können Bürger nun die Unterlagen für den neuen Bahnhof Altona in den Bezirksämtern Altona, Eimsbüttel und Wandsbek ansehen, oder auch online. Was auffällt: Die Dokumente zeigen zwar den Schienenverlauf und die Bahnsteige mit sechs Gleisen für den Fernverkehr und zwei für die S-Bahn, aber nicht das für den gemeinen Bahnfahrer nicht ganz unwichtige Empfangsgebäude, vulgo: die Bahnhofshalle. Denn dafür gibt es noch keine Unterlagen: der Bahn kam es auf die neue Technik an den Gleisen an, darüber plante sie als Wetterschutz eine spartanische Minimallösung – wahrscheinlich wusste man genau, dass das Abgeordnete von SPD und Grünen auf den Plan rufen würde, die sich nun für ein anspruchsvolles Bahnhofsgebäude einsetzen. Darunter auch der SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf.

Herr Kienscherf, wie wird der neue Bahnhof insgesamt aussehen?

Das kann man jetzt noch nicht endgültig sagen. Für das geplante Empfangsgebäude möchten wir ja einen Architektenwettbewerb ausschreiben. Ich hoffe, dass der Ende dieses, Anfang nächsten Jahres durchgeführt wird. Wir wollen natürlich, dass der Bahnhof eine Marke wird. Ein Zeichen moderner Mobilität.

Das wäre prima. Aber die Anbindung ist ja am Standort Diebsteich nicht überragend. Es gibt einen S-Bahn-Halt. Und zwei Bushaltestellen.

Es wird auch einen Busbahnhof geben. Und gegebenenfalls kann man die U5 bis zum Bahnhof erweitern. Klar ist, wir müssen den neuen Bahnhof gut anbinden. Wir wollen ja auch, dass Leute ihn bewusst in Anspruch nehmen, um den chronisch überforderten Hauptbahnhof zu entlasten.

Was passiert mit dem alten Altonaer Bahnhofsgebäude?

Ich würde sagen, das müsste abgerissen werden. Aber da gibt es unterschiedliche Meinungen. Außerdem ist es kompliziert: Das Bahnhofsgebäude ist ja gut ausgelastet, das Untergeschoss wurde gerade neu gemacht. Und die S-Bahn wird natürlich weiter von Altona aus fahren.

Bleibt die Frage der Kosten.

Die Kosten für den Bahnhof selbst teilen sich Bahn und Bund. Die Stadt Hamburg wird für den Bau des Empfangsgebäudes aufkommen. Wie viel das ist, das kann man erst wirklich nach der Ausschreibung bemessen.

Das heißt, wir wissen nicht, was bei diesem Bau finanziell auf uns zukommt? Das hatten wir schon mal. Und dann wurde es teuer …

So ein Gebäude besteht ja nicht aus drei Etagen Schalterbereich. Da kann man auch Gewerbe, Hotels und Büros mit reinnehmen. Damit hat man natürlich auch wieder Einnahmemöglichkeiten geschaffen.

Warum gutes Schulessen wichtig ist

Es ist Ihnen nicht entgangen: Hier sind noch Skiferien, und viele Eltern sind unterwegs. Deshalb kam gestern auch Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU)in die Stadt, um über die Verpflegung an Schulen und Kitas zu sprechen. Aber wir haben trotzdem mitbekommen, was er sagte: Auf der Gastronomie-Fachmesse mit dem (zu Unrecht irgendwie nicht sympathisch klingenden) Namen "Internorga" verkündete er, bis zum Sommer ein "Qualitätszentrum" eröffnen zu wollen, das das Schulcatering nach Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung überprüft. Denn, so der Minister ganz richtig: "Mehr als die Hälfte der Kinder über drei Jahre isst heute außerhalb der Familie." Außerdem müsse man das Fach Ernährungsbildung in den Lehrplänen verankern, sagte er. Anschließend verlieh Schmidt in Tim Mälzers Restaurant "Bullerei" mit dem Fernsehkoch die Preise für den Wettbewerb "Klasse, Kochen!". Den hat Mälzer vor fünf Jahren ins Leben gerufen, 255 Schulen reichten diesmal Ideen ein zum Thema "Lecker und günstig – gutes Essen muss nicht teuer sein!". Die zehn Gewinner, darunter auch die Schule Pröbenweg aus dem Stadtteil Hamm, bekamen eine neue Schulküche. Dort zumindest wird das Essen in Zukunft gut und gesund sein. Das ist nicht in jeder Hamburger Schule so. Die Initiative "Guter Ganztag" kämpft schon seit geraumer Zeit gegen schlechtes Schulessen und fordert neue Küchen und mehr Personal. Denn nur durch Mälzers Preis das Problem zu lösen würde zu lange dauern.

Crime-Story um den Golden Pudel Club (9): Epilog der ersten Staffel

Heute schließt sich das vorerst letzte Kapitel des Dramas um den mysteriösen Brand im Hamburger Golden Pudel Club. Der vermutlich einzige Zeuge, der in der Brandnacht den mutmaßlichen Täter gesehen hat, ein illegal in Deutschland lebender Flüchtling namens Kofi Prince, wird heute abgeschoben. Prince, der in einem kleinen Schuppen neben dem Pudel lebte, will in der Nacht des Brandes einem Unbekannten begegnet sein, der ihn aufforderte, den Schuppen zu verlassen. Wenig später kam es zum Brand. Der Flüchtling machte eine Aussage bei der Polizei – und wurde festgenommen, da er weder Aufenthaltsgenehmigung noch gültige Duldung besaß. Eine sofortige Abschiebung konnte verhindert werden, weil Freunde und Unterstützer von Prince eine Spontandemo am Hamburger Flughafen organisierten. Prince wurde schließlich in das Abschiebegefängnis nach Eisenhüttenstadt in Brandenburg gebracht. Dort wird er heute um die Mittagszeit aus seiner Zelle abgeholt und zum Flughafen gebracht, wo er ein Flugzeug nach Italien besteigen soll. Und dann, wenn nicht, wie in Crime-Stories üblich, eine überraschende Wendung passiert, er etwa im Flugzeug genau den Unbekannten aus der Brandnacht erkennt, und zwar im Cockpit, dann wird zumindest das Kapitel um Kofi Prince endgültig vorbei sein. Bis bei uns das erste Interview mit ihm erscheint.

Happy End für das Stuttgarter Weindorf?

Es gibt Hoffnung für alle Hamburger, die gerne schon tagsüber anfangen, Wein zu trinken! Dieses Jahr soll das "Stuttgarter Weindorf" vor dem Rathaus zwar unwiederbringlich ausfallen – aber für 2017 haben das Bezirksamt-Mitte und die Veranstalter des Weindorfes, wie es im Diplomaten-Sprech heißt, "Gesprächsbereitschaft signalisiert". Zuvor war das Viertelesschlotzer und Völker verbindende Fest wegen schnöden Geldes abgesagt worden: Seit 1986 hatte man den Platz vor dem Rathaus den Anbietern schwäbischer Standspeisen und Getränke zum Freundschaftspreis von 46.000 Euro vermietet. Umgekehrt wurden auch dem "Hamburger Fischmarkt" in Stuttgart Gebühren erlassen. Dann hatte die Stadt Hamburg entschieden, dass beide Märkte inzwischen rentabel sind, also keine Förderung mehr benötigt wird – und für dieses Jahr den Normalpreis verlangt. Daraufhin sagten die sparsamen Schwaben das Weinfest in Hamburg ab und begannen in Stuttgart schon mal die Gebühren für den dortigen "Hamburger Fischmarkt" auszurechnen. Gerüchten zufolge wollen die ersten schwäbischen Wirte sogar ihre am Stintfang gepflanzten Weinreben zurück, Liebesgaben der Stuttgarter aus harmonischeren Jahren. Die Hamburger ihrerseits betrachten Schwaben, die sich nach eigenem Bekunden "auf Urlaub" in der Stadt aufhalten, derzeit besonders misstrauisch. Aber vielleicht finden Stadt und Wirte ja doch noch zurück zu weinseliger Harmonie.

Mittagstisch

   

Neueröffnung

   

Es ist ruhig, zu ruhig im kleinen Imbiss Hokkai am Valentinskamp. Bunte Luftballons an den Fensterscheiben erinnern an die Eröffnung des kleinen Lokals drei Wochen zuvor. Offensichtlich hat sich noch nicht herumgesprochen, dass der Sushimeister Eizo Hikinuma hier wieder anknüpfen will an kulinarische Höhenflüge, die er bis 2014 in der Von-Tann-Straße in Eimsbüttel vollführt hat. Im Hokkai gibt es ordentliche Sushiportionen, das Mittagsmenü (12,80 Euro) schließt eine Misosuppe, grünen Tee und einen japanischen Algensalat ein. Der Fisch ist frisch und zergeht auf der Zunge. Man kann auch Sake Sashimi und Sake Nigiri, Alaska Maki (für 12,80 €) bestellen, es gibt eine Auswahl an vegetarischem Sushi oder Lachs-Sashimi mit Lauch und warmem Reis (12,80 €). Was dem verwöhnten Innenstadt-Mittagsgänger vielleicht noch fehlt, ist eine wechselnde Mittagstischkarte. Valentinskamp 18; Mittagstisch 12 bis 14.30 Uhr, 8,90 bis 15,80 Euro

Elisabeth Knoblauch

 


Was geht

Ausstellung: Kunst zum Anfassen. In der Hamburger Stern-Wywiol Galerie stellt Willi Siber seine "Exakte Phantasie" aus, das sind abstrakte Arbeiten, Skulpturen mit schimmernden Oberflächen und in seltsamen Formen. Stern-Wywiol Galerie, An der Alster 81, 10 bis 18 Uhr

Mitmachen: Schüchtern darf man als Zuschauer beim Kabarett von Thomas Kreimeyer nicht sein. Denn die Interaktion mit dem Publikum spielt eine wesentliche Rolle bei seinen Auftritten. Aber sind Hamburger schüchtern? Alma Hoppes Lustspielhaus. Ludolfstraße 53, 20 Uhr

Nachtmarkt: Nach der Arbeit noch schnell auf den Markt? Geht nicht? Geht  wohl, in Hamburg. Der "St. Pauli Nachtmarkt" liegt im Herzen der Reeperbahn, am Spielbudenplatz. Die Öffnungszeiten sind hier perfekt für Berufstätige. Spielbudenplatz, 16 bis 23 Uhr

Was kommt

ZEIT-Veranstaltung

Am Dienstag den 22. März diskutieren im Bucerius Kunst Forum zwei langjährige Schulleiter über das Hamburger Bildungssystem. Mit dabei sind Kay Stöck, ehemaliger Leiter der Stadtteilschule Stübenhofer Weg, Egon Tegge, ehemaliger Schulleiter des Goethe-Gymnasiums Hamburg, und Oliver Hollenstein, aktiver Redakteur der ZEIT:Hamburg. Interessiert? Gut! Denn wir verlosen unter unseren Lesern 5 x 2 VIP-Tickets für die Veranstaltung in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung. Das bedeutet: sicher reservierter Platz plus Freigetränk. Bitte schreiben Sie bis spätestens morgen an elbvertiefung@zeit.de.

"Zur Sache, Hamburg" – Was in unserem Bildungssystem schiefläuft. 22. März, Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20 Uhr

Hamburger Schnack

   

Ein älteres Ehepaar an einer Ampel. Er schaut sie an und sagt: "Du siehst heute aber man 'n büschn scheiße aus." Sie lächelt und sagt: "Heinz, du siehst man schon seit Jahren 'n büschn scheiße aus."

Gehört von Eva-Juliane Brockstedt

 


Meine Stadt

»Neulich in Blankenese – ob da wohl jemand Ihre Kolumne gelesen hat?« © Barbara Kohlhas

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Wissen Sie mehr zum Fall Golden Pudel? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Mittwoch.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle


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