Dier Hamburger Hafencity © dpa
Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

der Weltglückstag war gestern, aber, das ist die gute Nachricht, dessen Erkenntnisse lassen sich mühelos auch noch heute anwenden. Vor allem die, dass Glücklichsein nicht davon abhängt, ob man nun einen, zwei oder drei S-Klasse-Mercedes in der klimatisierten Tiefgarage stehen hat. Ja, man kann sich auch gut und zufrieden fühlen, wenn man nicht mal eine klimatisierte Tiefgarage hat, sondern sein subjektives Wohlempfinden von ganz anderen Dingen abhängig macht. 

Manche Leute helfen ab und zu auch nach, mit Schokolade oder einem Schokoaufstrich.

Und für alle, denen das noch nicht reicht, soll es nun ein neues Produkt geben: Chrontella – was nichts anderes ist als Nutella, verrührt mit Cannabis.Angeblich stammt die Idee aus dem Medical Health Centre in Toronto; ein kleines Glas enthält demnach beachtliche 300 Gramm Hasch, und ist erhältlich in Kanada, wo man den Konsum von Cannabis noch in diesem Jahr legalisieren will.

Wir sind gespannt: Ob es das heiße Zeug wirklich gibt. Wie das Nutella-Hersteller Ferrero findet, der sich bei konfliktträchtigen Zutaten bislang auf Palmöl beschränkte.

Und vor allem auf den Werbespot mit der "Chrontella-Familie".

Konkurrenz tötet das Geschäft?

Die Händler aus der Innenstadt haben Angst. Vor dem neuen Einkaufszentrum, das Investor Unibail-Rodamco in der HafenCity plant. Nach einer Studie, die am Freitag präsentiert wurde, könnten täglich bis zu 15.000 Besucher weniger in die Innenstadt kommen, weil sich die Leute in Zukunft entscheiden würden: Einkaufszentrum in der HafenCity oder Innenstadt – nur wenige würden zwischen den beiden Alternativen pendeln, so die Befürchtung. Denn mit 190 Ladeneinheiten gäbe es dann in der HafenCity so viele Geschäfte wie in der Mönckebergstraße und der Spitalerstraße zusammen, schreibt der Trägerverbund Innenstadt und befürchtet "langfristige negative städtebaulichen Folgen für die gesamte Innenstadt und keineswegs nur für den innerstädtischen Einzelhandel". Die Innenstadthändler fordern laut welt.de eine Größenbeschränkung der neuen Verkaufsfläche in der HafenCity und einen Anteil von Modegeschäften dort von maximal 60 Prozent. Vielleicht könnte man ja auch einmal darüber nachdenken, welche Gründe Kunden eigentlich noch dazu bringen könnten, in Zeiten des Onlineshoppings freiwillig ein Geschäft in der City aufzusuchen. Ein Einkaufserlebnis? Die Erwartung, guten Service zu finden, Beratung, ja: Kompetenz – und vielleicht sogar etwas anderes als die immer gleichen austauschbaren Ketten und Marken? Dann sollte es auch mühelos möglich sein, den Charme einer Shoppingmall zu übertreffen.

Streiks in Sicht

Sechs Prozent mehr Lohn für den öffentlichen Dienstfordert ver.di bundesweit zum Auftakt der Tarifverhandlungen. Bund und Länder halten diese Forderungen – Überraschung! – für sehr übertrieben. Auch die Stadt Hamburg zeigt kein Verständnis, verweist auf eine Inflation von null Prozent und die Erhöhungen des vergangenen Jahres. Die Hamburger ver.di-Vertreter zeigen sich streitlustig, ver.di-Landeschef Berthold Bose bezeichnetHamburg als "Befristungsmetropole", weil es hier dermaßen viele befristete Arbeitsverhältnisse gebe.Es ist so wie immer: Alle haben sich hinter ihren üblichen Positionen verbarrikadiert. Und so wird es nicht lange dauern, bis die Streikenden mit Pauken, Megafonen und Trillerpfeifen über uns kommen, Mitarbeiter aus Kitas, der Müllabfuhr oder dem öffentlichen Nahverkehr ein weiteres Mal demonstrieren, dass ihre Arbeit für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist und ordentlich bezahlt werden sollte. Was natürlich stimmt. Aber dummerweise werden in diesem Arbeitskampf mal wieder erst wir die Leidtragenden sein.

Crime-Story um den Golden Pudel Club (10): Mysteriöser Hintermann

Es steht anscheinend nicht allzu gut um die Ermittlungen: Wer warum den Golden Pudel Club in Brand gesetzt hat, ist weiterhin unbekannt. Würde unsere Crime-Story verfilmt, wäre dies nun ein guter Moment für den Kommissar, nachts im Nebel vor dem ausgebrannten Clubgebäude sinnierend auf und ab zu schreiten, in dubiosen Kneipen falsche Fährten zu verfolgen, frustriert gegen Gegner und Wände zu boxen, bis ein mysteriöser Unbekannter unverhofft weiterhilft. Und wieder ist das Leben der Fiktion doch erstaunlich nah: Laut Hamburger Polizei hat eine unbekannte "Privatperson" 7500 Euro Belohnung ausgelobt, für Hinweise, die zur Ergreifung und rechtskräftigen Verurteilung des Täters führen. Wir sehen vor unserem geistigen Auge, wie die Sherlock Holmes Hamburgs sich nun aufmachen, der Polizei unter die Arme zu greifen, in dubiosen Kneipen falsche Fährten zu verfolgen, frustriert gegen Gegner und Wände zu boxen. Um das Gebäude ist es hingegen weiter schlecht bestellt: Auch nach dem Brand können sich die Eigentümer nicht einigen, Veranstaltungen müssen an andere Orte verlegt werden, das Hamburger Nachtleben fühlt sich seelenlos. Und wir warten auf weitere schicksalhafte Wendungen.

Literatur: Der Hamburger läuft im Regen

Die Leipziger Buchmesse, sie hätte literarisch für Hamburg ein fantastisches Event sein müssen. Gleich vier viel besprochene Werke kommen und handeln von hier: 1. Karen Duve: Macht Spielt im Jahr 2031, Olaf Scholz ist Kanzler, in Hamburg hat sich aufgrund der Erderwärmung ein ökofaschistisches Regime etabliert. 2. Heinz Strunk: Der goldene Handschuh Hamburg in den Siebzigern. Fritz Honka flutet sein Leben mit Schnaps und ermordet vier vom Leben schlimm zerbeulte Frauen. 3. Schorsch Kamerun: Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens Der Erzähler durchleidet eine Jugend in Timmendorfer Strand (!) und gründet den Golden Pudel Club. 4. Maxim Biller: Biografie. Die Geschichte von Soli und Noah, zwei Freunden, die in Hamburg aufwachsen und von dort aus die Welt unsicher machen. Hoffnungsfroh machte sich ZEIT:Hamburg-Redakteur Daniel Haas an die Lektüre: Wird da unsere Stadt im Brennspiegel des literarischen Intellekts neu erstehen, schärfer, präziser konturiert? Aber was die Autoren zu Hamburgs Wetter, Stadtbild und Gesellschaft zu sagen haben, deutet nicht unbedingt darauf hin. Und würde es in Hamburg nur halb so viel regnen wie in Hamburg-Romanen, die Stadt wäre ein einziger Sumpf. Daniel Haasʼ kompletten, so spitzfindigen wie hochamüsanten Realitäts-Check lesen Sie in der aktuellen ZEIT:Hamburg.

Politische Sonntagssause

Bosse (mit Vornamen Axel), 36, ist einer der erfolgreichsten Hamburger Musiker. Aktuell tourt er mit seiner Platte "Engtanz" durch die Republik, musste gesundheitsbedingt gerade zwei Termine absagen, aber zu einem Angebot konnte er wohl trotzdem nicht Nein sagen: eine Sonntagnachmittagssause in der Großen Freiheit 36. Das Zusatzkonzert war – innerhalb von 12 Minuten! – ausverkauft. Sämtliche Gewinne werden an Pro Asyl und an Hanseatic Help e. V. gespendet, 300 Flüchtlingshelfer wurden zu dem Konzert eingeladen. Und Bosse nutzte den Termin, um ein Statement abzugeben: "Aufgrund der politischen Situation und des ekelhaften Rechtsrucks ist es mir ein Anliegen, ein Zeichen zu setzen. Es ist notwendig, dass wir alle unsere Stimme erheben gegen diesen dumpfen Populismus, der momentan immer lauter und stärker wird." Das war doch mal ein schönes Wort zum Sonntag.

Mittagstisch

   

Hamburgs erste Steaks

   

Mit diesem "Block House" startete die Steak-Geschichte Hamburgs: Am 26. September 1968 eröffnete Eugen Block das Restaurant in der Dorotheenstraße. Es war damals das einzige Steak-House Hamburgs. Heute bietet es Montag bis Freitag wöchentlich wechselnde "Lunch-Times" mit frischem Block-House-Salat vorweg. Der überzeugt auch direkt mit seiner knackigen Konsistenz, schmeckt wie frisch vom Markt. Als Hauptgericht bietet das Haus zum Beispiel Wiener Rindergulasch mit Salzkartoffeln, einen großen Salatteller mit Fischfiletspieß oder Backhähnchenbrust auf Pommes. Alles in guten Portionen und zum fairen Preis von 8,70 Euro. Alternativ gibt es jede Woche ein Fixgericht für 9,40 Euro: etwa Hüftmedaillons auf Rosa-Pfeffer-Soße oder den dicken "Block Burger" mit Blattspinat. Superlecker. Der Service flitzt ungemein schnell und freundlich durch die Gänge.

Winterhude, Dorotheenstraße 57, Mittagstisch zwischen 8,70 Euro und 9,40 Euro, täglich 11.30 bis 24 Uhr, sonntags bis 23 Uhr

Elmar Stein

 

Was geht

Konzert: Sie müssten mittlerweile wohl eher den Wind der Beständigkeit besingen – die Scorpions sind auf Tour und feiern 50-jähriges Bühnenjubiläum. Barclaycard-Arena, Sylvesterallee 10, 20 Uhr

Lesung: Nach zwei Jahren in der Schattenwelt kommt es ans Licht – Marek Erhardts Buch "Undercover" über seine Zeit als Begleiter der Polizei. Ledigenheim, Rehhoffstraße 1–3, 19 Uhr

Figurentheater: Eltern mit Kater haben hier keine Freude – Mäuse ab 2 Jahren dafür umso mehr: "Eine Geburtstagstorte für die Katze. Mit Pettersson und Findus". Schlosskirche Ahrensburg, Am Alten Markt 7, 16 Uhr

Was kommt

Diskussion: Wer kann es nach "Yes, we can" schaffen? Alles zum Thema US-Vorwahlen 2016 von Michael Pfau. Dienstag, Staatsbibliothek, Von-Melle-Park 3, 19 Uhr

Pop: Dufte! Die deutsche Indiepopband Parfum Brutal verströmt gute Stimmung. Mittwoch, Astra Stube, Max-Brauer-Allee 200, 20 Uhr

Osterfeuer: Am Samstagabend am Elbstrand von Feuer zu Feuer stapfen, Stockbrot backen, Würstchen klauen, seinen ollen Weihnachtsbaum verbrennen oder aber: mit einer Barkasse auf einer Osterfeuerfahrt dran vorbeischippern! Verschiedene Anbieter, Abfahrt meist zwischen 18 und 19 Uhr, Reservierungen erforderlich

Meine Stadt

Hamburger Schnack

   

Sohn (5): "Mami, in welchem Land lebt eigentlich das Sams?"
Ich: "In Deutschland, denke ich."
Sohn: "Und in welcher Stadt?"
Ich: "Hm, keine Ahnung – was denkst du?"
Sohn: "Also auf jeden Fall nicht in Hamburg."
Ich: "Wieso denn nicht?"
Sohn: "Na, es muss ja eine Stadt sein, in der man zu Sonnabend Samstag sagt."

Gehört von Anja V. Hartmann

 


Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Der HSV hat gegen die TSG Hoffenheim eines seiner besten Spiele in dieser Saison gemacht – und 1:3 verloren. Gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf schossen die Hamburger 24 Mal aufs Tor – Saisonrekord! Herausgesprungen ist aber lediglich ein Treffer – durch einen Elfmeter. Mit einer solchen Chancenverwertung wird es extrem schwer für den HSV, der sich nun wieder voll im Abstiegskampf befindet. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt nur noch vier Punkte. Nächste Woche gehtʼs zum abgeschlagenen Tabellenletzten Hannover 96.

Erik Hauth, bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Sandhausen hat alle Eigenschaften, die es dem FC St. Pauli schwer machen, ein Spiel zu gewinnen: eine kompakte Defensive und Konterstürmer, die früh ein Spiel entscheiden können. Am Sonnabend im klammen Sandhausener Forst haben es die Kiezkicker allerdings gut getroffen. Während sich beide Defensivreihen lange egalisierten, reichten zwei kreative Momente von Enis Alushi, um zuerst Lennart Thy (8.) und dann Marc Rzatkowsky (40.) torgefährlich in Szene zu setzen. St. Pauli bewahrt sich so zumindest eine kleine Chance im Aufstiegsrennen. Typischerweise als Außenseiter.

 Ach ja, falls Sie übrigens auch noch nicht in "Unterwerfung" waren, der Inszenierung von Houellebecqs Skandalroman am Hamburger Schauspielhaus,und sich aufgrund des großen Erfolges auch nicht trauen hinzugehen, denn man kommt ja doch nicht rein: Doch, es gibt eine Möglichkeit. Allerdings nur für Leute mit Stehvermögen. Und das meinen wir genau so: Zum ersten Mal seit den Zeiten von Gustaf Gründgens gibt es fürs Haus nun wieder Stehkarten. Verkauf eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse, Reservierungen sind nicht möglich. Und das Beste: Jetzt kann niemand, der über "Unterwerfung" redet, ohne drin gewesen zu sein, mehr behaupten, man komme ja doch nicht rein.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten? Sind Sie eine Privatperson, haben eine Belohnung von 7.500 Euro ausgesetzt und wollen uns sagen, wieso? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Montag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr