Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

kommendes Wochenende ist nicht nur Ostern, nein, uns geht wieder eine Stunde verloren: In der Ostersonntagnacht werden die Uhren um zwei Uhr eine Stunde vorgestellt. Und wie jedes Jahr zeigen Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland eigentlich gegen die Sommerzeit ist. Diesmal ergab eine Forsa-Studie  im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit, dass stolze drei Viertel der Bevölkerung – 74 Prozent! – die Zeitverschieberei für überflüssig halten. Frauen sind stärker dagegen als Männer, Ältere mehr als Jüngere, und im Osten (wo man angeblich am frühesten aufsteht) hat die Umstellung die meisten Gegner.

Immer wieder wird auch die Mühsal der Zeitumstellung angeführt, die aufgeregt-schlaflose Nacht, der Stress des Umstellungsaktes an sich, die Schreie der ebenfalls umstellenden und dabei samt ihren Stühlen in der halbdunklen Wohnung umkippenden Nachbarn. In diesem Zusammenhang ein oft unterschätzter Tipp: Es reicht völlig, wenn man die Uhr gemütlich am Morgen danach vorstellt.

In Altona gibt’s was auf’n Deckel

Jetzt ist alles abgemacht: Die Autobahn A 7 wird verbreitert, zwischen dem Volkspark im Norden und der Behringstraße im Süden kommt ein 2300 Meter langer Deckel drauf. So soll die Lärmbelästigung sinken, der Bund übernimmt die Kosten für 730 Meter Tunnel. Und die restlichen 1570 Meter baut die Stadt Hamburg dazu, denn wenn das Getöse der Raser eingedämmt ist, kann man näher an der Autobahn wohnen. Sage und schreibe 3200 neue Wohnungen wollen die beiden Stadtteile Eimsbüttel und Altona bauen lassen. Und durch den Verkauf der Grundstücke hofft man, die 265 Millionen Euro wieder reinzuholen, die die Übertunnelung kosten wird. Direkt über der Autobahn soll künftig ein Grünstreifen vom Volkspark bis zur Elbe verlaufen. Dort sollen auch die Kleingärten hin, die weichen müssen, wenn der Randstreifen der A 7 richtig bewohnbar wird. Auf all das haben sich der Senat und der Bezirk Altona geeinigt, und dabei scheint es tatsächlich zur Abwechslung mal niemanden zu geben, der benachteiligt wird. Dementsprechend ist Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) begeistert: "Das Gesamtprojekt Deckel A 7 ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Interessen – Schaffung von Wohnraum, wirtschaftliches Wachstum und Lärmschutz bei steigendem Verkehrsaufkommen – zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger miteinander vereinbar sind." Der Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona, Frank Toussaint (SPD), wird sogar richtig sentimental: "Auf den heutigen Tag haben die Altonaer lange gewartet. Endlich wird der Riss, der den Bezirk seit rund vier Jahrzehnten zerteilt, wieder geschlossen werden." Nun will der Senat der Bürgerschaft alles unterbreiten. Und in drei bis vier Jahren könnte es losgehen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Am kommenden Donnerstag wollte die HSH Nordbank eigentlich der Öffentlichkeit erklären, wie sich die EU-Kommission und die Bundesrepublik Deutschland die Zukunft der maroden Bank vorstellen. Die sogenannte Bilanz-Pressekonferenz war schon seit einiger Zeit angekündigt. Doch als sie gestern kurzfristig abgesagt wurde, kochten sofort die Gerüchte hoch. Gab es also noch gar keine Einigung? Oder gab es eine – und man traute sich nicht, das Ergebnis zu verkünden? HSH Nordbank-Vorstandschef Constantin von Oesterreich konnte dann aber doch beruhigen: "EU-Kommission und Bund haben eine für die Bank tragfähige Einigung erzielt. Mit der anstehenden Privatisierung haben wir einen herausfordernden Weg und ein gemeinsames Ziel vor Augen." Das heißt, die Bank darf wie geplant notleidende Schiffskredite an die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und über den freien Markt abgeben. Im Gegenzug muss sie innerhalb von zwei Jahren verkauft oder abgewickelt werden. Aber völlig unklar wird auch beim neuen Termin für die Bilanz-PK am 9. Juni sein, mit wie vielen Milliarden die Steuerzahler der beiden Bundesländer belastet werden.

Deutschlandflagge als Integrationsmaßnahme

In der Opposition hat man es schwer: So vieles würde man ganz sicher besser machen als die Regierung – und kann es doch niemandem beweisen. Und in den Medien taucht man nur auf, wenn man ordentlich Krach macht. Darum darf man die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende und Schulpolitikerin Karin Prien wohl zu Schlagzeilen wie "CDU will Deutschlandflaggen an allen Hamburger Schulen" beglückwünschen. Frau Prien hat sich nämlich, zusammen mit ein paar Parteikollegen, überlegt, dass sich geflüchtete Kinder und Jugendliche besser integrieren würden, wenn am Eingang jeder Schule die Deutschland- oder Europaflagge hinge. Soweit ungefähr die Begründung in ihrem Bürgerschaftsantrag mit dem bedeutungsschwangeren Namen "Die deutsche und die europäische Flagge in den Eingangshallen unserer Schulen als identitätsstiftende Symbole unserer Werteordnung". Vorbild sei die USA: Das Einwanderungsland zeige, "dass die Flaggen wie auch der Text und der Gesang einer Nationalhymne eine zusätzliche emotionale Identifikation bewirken können, die bei der Abwehr von Bedrohungen unserer offenen Gesellschaft helfen kann". Falls Sie sich jetzt aufregen, weil Sie finden, dass es echt effektivere Integrationsmethoden gibt, als ein paar Flaggen zu hissen, beruhigen Sie sich bitte wieder: Die Anträge der Opposition werden bei den Bürgerschaftssitzungen in der Regel eh nicht angenommen.

Verkehrsminister Dobrindt fragt nach

Wie wir seit vergangener Woche wissen, wurden auch die Hafenquerspange und der Ausbau der A 7 südlich des Elbtunnels und der A 23 zwischen Eidelstedt und Tornesch in den Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans aufgenommen. Was nun neu ist: "Erstmals wird bei der Erstellung eines Bundesverkehrswegeplans die Öffentlichkeit beteiligt", verkündete Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) stolz. Seit gestern darf jeder Bürger per Post oder in einem extra eingerichteten Internetportal sagen, was er von den Projekten hält. Die Stellungnahmen sollen geprüft werden, bevor das Kabinett im Sommer die Pläne beschließt. Es handele sich aber beileibe nicht um eine Volksabstimmung für oder gegen die einzelnen Projekte, ergänzte Dobrindt. Ob er wohl Angst hat, dass sich da schon die nächsten Volksinitiativen mobilisieren?

Gewerkschaftler beklagt zu viele TV-Krimis

Seit gestern ist bekannt: Uwe Polkaehn, Bezirksvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB-Nord), mag keine Krimis. "Selbst das Osterprogramm kommt nicht ohne Gewalt-Quote aus. Die Inflation an Thrillern, Krimi-Serien und Formaten, die in der Pathologie spielen, muss auch irgendwann mal zu Reaktionen führen, bei den Zuschauern und bei den Programm-Machern", sagte Polkaehn der Deutschen Presse-Agentur. Welche Reaktionen er genau damit meint, ist nicht bekannt. Aber was er sagt, hat weit mehr Gewicht, als wenn ich über Demonstrationszüge mit ihren nervenzerfetzenden Trillerpfeifen klage – der DGB Nord ist beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) via Rundfunkrat mit an der Kontrolle des Senders beteiligt. Gewerkschaftler Polkaehn wünscht sich im Fernsehen mehr Stoffe aus der Arbeitswelt à la "Acht Stunden sind kein Tag" von Rainer Werner Fassbinder, wo es Anfang der 70er Jahre um die Probleme von Werkzeugmachern ging, oder nach dem Vorbild von "Ein Herz und eine Seele" mit Spießer Alfred Tetzlaff, der Ansichten des Kleinbürgertums auf die progressiven Vorstellungen der 68er-Generation prallen ließ, auch das war in den 70ern. Oder etwas wie es Gaby Köster als Supermarktkassiererin Rita Kruse für RTL verkörperte; auch das liegt über zehn Jahre zurück. "Wir sollten also die Drehbuchschreiber ermuntern, mehr auf die Beschäftigten und ihre Betriebsräte zuzugehen, da gibt es Stoff für mehr als nur eine gute Serie", findet Polkaehn. Mal angenommen, die Drehbuchschreiber dürften wirklich entscheiden, was im Fernsehen kommt, und nicht eine Kette von Hierarchen, die schließlich im Rundfunkrat endet: Hat er recht? Gibt es im TV zu viel Mord und Totschlag? Zu wenig Arbeitswelt? Oder was fehlt sonst? Hier geht es zu unserer Umfrage

Mittagstisch

   

Kurztrip nach Bangkok

Das "Khao San" heißt wie die Straße voll Restaurants, Schneidereien und Hostels in Bangkok. Und wer das Khao San in Eimsbüttel betritt, kann sich dank sanfter Musik im Hintergrund, paillettenbestickten Teppichen an der Wand und plätscherndem Zimmerbrunnen kurz nach Thailand beamen lassen. Zu Essen gibt es angenehm scharfe Thaicurrys, Satéspieße mit zartem Fleisch in Erdnusssoße, kross gebackene WanTans oder, ein Höhepunkt des Hauses, Ente in rotem Curry. Mittags werden dazu entweder ein kleiner Salat oder eine Suppe gereicht, dafür ist die Auswahl ein bisschen eingeschränkt – für die Ente beispielsweise muss man abends vorbeischauen. Der Service ist sehr nett, und mittags bekommt man meist auch bei spontanem Besuch problemlos einen Tisch.

Khao San, Osterstraße 48, Mittagsmenü ab 7,50 Euro

Marie Reifrock

 


Was geht

Theater: Der Film "Soul Kitchen" von Fatih Akin war eine Liebeserklärung an Hamburg. Und weil man von Liebeserklärungen nie genug bekommen kann, ist es nur richtig, daraus ein Theaterstück zu machen. Die Filmmusik ersetzen übrigens die Soulsängerin Love Newkirk und ihre Band. Ohnsorg-Theater, Heidi-Kabel-Platz 1, 19.30 Uhr.

Pop: Auf dem Album eher melancholischer Indie-Pop, live dann richtig laut. Die Brit-Popper von "Nothing but Thieves" können beides. Deshalb war wohl die letzte Tour in Großbritannien ruckzuck ausverkauft. Knust, Neuer Kamp 30, 21 Uhr

Diskussion: Wer kann es nach "Yes we can" schaffen? Alles zum Thema "US-Vorwahlen 2016 – Ablauf und Kandidaten" weiß Michael Pfau. Staatsbibliothek, Von-Melle-Park 3, 19 Uhr

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Der HSV hat gegen die TSG Hoffenheim eines seiner besten Spiele in dieser Saison gemacht – und 1:3 verloren. Gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf schossen die Hamburger 24 Mal aufs Tor – Saisonrekord! Herausgesprungen ist aber lediglich ein Treffer – durch einen Elfmeter. Mit einer solchen Chancenverwertung wird es extrem schwer für den HSV, der sich nun wieder voll im Abstiegskampf befindet. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt nur noch vier Punkte. Nächste Woche gehtʼs zum abgeschlagenen Tabellenletzten Hannover 96.

Erik Hauth, bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Sandhausen hat alle Eigenschaften, die es dem FC St. Pauli schwer machen, ein Spiel zu gewinnen: eine kompakte Defensive und Konterstürmer, die früh ein Spiel entscheiden können. Am Sonnabend im klammen Sandhausener Forst haben es die Kiezkicker allerdings gut getroffen. Während sich beide Defensivreihen lange egalisierten, reichten zwei kreative Momente von Enis Alushi, um zuerst Lennart Thy (8.) und dann Marc Rzatkowsky (40.) torgefährlich in Szene zu setzen. St. Pauli bewahrt sich so zumindest eine kleine Chance im Aufstiegsrennen. Typischerweise als Außenseiter.

Meine Stadt

Liebe Leserinnen, liebe Leser, mancher von Ihnen hat sie schon schmerzlich vermisst: unsere Fußballkolumnen. Aufgrund eines technischen Fehlers im Übermittlungsprogramm dieses Letters (ein Häkchen hatte sich von alleine auf "Papierkorb" gesetzt) wanderten sie in den Papierkorb. Was keinerlei Wertung darstellen sollte, nein, im Gegenteil. Und deshalb bringen wir – bitte scrollen Sie nach oben! – den Fußball heute.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Dienstag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr