Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern erwähnte ich, wie unbeliebt die Umstellung auf Sommerzeit bei den allermeisten Deutschen ist. Es dauerte nicht lang, bis sich die Verteidiger der Zeitumstellung zuhauf bei uns meldeten. So schreibt zum Beispiel Heidrun Rehm: "Man kann die Abende länger bei Helligkeit genießen, die meisten Uhren verstellen sich von allein – und für die anderen Uhren gilt dasselbe wie für die Gartenmöbel: Im Frühling stellen wir sie vor die Terrassentür, und im Herbst stellen wir sie wieder zurück in die Garage." Die Zeitumstellung bringe doch sechs Monate lang eine Stunde mehr Tageslicht, erinnert auch Julia Bölke. "Das scheinen die meisten Gegner zu vergessen!"

Überhaupt, zu den Gegnern: "Komisch, dass von denen spätestens am dritten Tag keiner mehr unter der Umstellung leidet", schreibt ein glühender Befürworter der Sommerzeit. Und Leser Kim Pomarius glaubt an einen Fall von Massensuggestion: Erst heiße es, der Rhythmus komme durcheinander, dann fragten sich alle, ob sie nicht auch durcheinander seien – und die Medien (also auch wir) erledigten den Rest.

Nachhaltigere Probleme mit der Zeitumstellung haben außer den Opfern der nächtlichen In-flagranti-Stürze beispielsweise Kühe (von denen es in unserem Verbreitungsgebiet offenbar nicht so viele gibt) und Eltern. Wie Anne Koch, die schreibt: "Bevor ich Mutter wurde, hat mich die Zeitumstellung nur genervt. Aber seit sich ein kleines Kind habe, ist diese Stunde wesentlich schwerwiegender, weil sie den Rhythmus des Kindes umwirft." Das sei sehr unschön, für Kind und Eltern. 

Nur wenige sehen die ganze Sache dagegen so lässig wie unser Leser Arne Bruhn. Sein Tipp: "Der Mühsal der Uhrenumstellung kann man leicht entgehen, ich mache das schon ein paar Jahre: NICHT UMSTELLEN!"

"Wir wollen Hamburg zur kinderfreundlichsten Stadt machen"

Die Hamburger CDU traf sich gestern Abend zum Landesparteitag im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Die wichtigsten Themen: Flüchtlinge – und Familien. Hier schwebt der wertkonservativen Partei eine Neuordnung des Ehegattensplittings vor. Darüber sprachen wir mit dem Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg.

Herr Weinberg, warum plötzlich diese Kehrtwende beim Ehegattensplitting?

Das ist keine Kehrtwende. Wir halten am Ehegattensplitting fest, aber wir verändern es, indem wir Kinder mitberücksichtigen. Ehepaare ohne Kinder würden dann etwas weniger stark profitieren als bisher, dafür gibt es eine zusätzliche steuerliche Entlastung für jedes Kind. Das Familiensplitting ist übrigens auch schon länger ein Thema in der CDU. Neu ist, dass wir aus Hamburg vorangehen und zum ersten Mal einen konkreten Vorschlag mit Finanzierungsplan vorlegen.

Warum? Ist ausgerechnet die Hamburger CDU so flexibel – oder ist sie das nur, weil die CDU hier in der Opposition sitzt?

Wir wollen mit unserer neuen Offensive Hamburg zur kinderfreundlichsten Stadt machen, und ein Punkt dabei ist eben, dass das jetzige Steuersystem Kinder zu wenig fördert. Das Thema wird auch nach der Bundestagswahl 2017 eine Rolle spielen. Ich bin familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Faktion im Bundestag, da liegt das Thema natürlich nahe. Deshalb marschieren wir als Landesverband Hamburg voran.

Ab wann können sich Familien denn konkret freuen?

Der Antrag geht an den Bund und spielt dann hoffentlich eine Rolle beim nächsten Bundesparteitag. Die Umsetzung ist aber frühestens 2017 geplant, zusammen mit einer großen Steuerreform. Also, vorausgesetzt die CDU bleibt in der Regierung ...

Katastrophenwarnung: Sirenen oder App oder Sirenen?

Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die rund 100.000 Sirenen in der Bundesrepublik – und auch in Hamburg – abgeschafft. Zu teuer. Dafür gibt es neben den Warnungen im Rundfunk heute das elektronische Katwarn-System, mit dem Katastrophenschutz, Feuerwehr und Wetterdienst per SMS, E-Mail oder App vor Katastrophen warnen. Dazu liefert das System auch eine Karte des Gefahrengebiets. Nach dem Chemieunfall am Montag in Steinwerder aktivierte die Feuerwehr Katwarn. Dumm war nur: Das angezeigte Gefahrgebiet – zwei Postleitzahlenbereiche – war sehr viel größer als die paar Straßen, die tatsächlich betroffen waren. Durch die sozialen Medien war so schnell auch die Panik sehr viel größer als die Gefahr. Der Grund: Beim Alarmieren des Systems lassen sich nur ganze Postleitzahlenbereiche angeben. "Eine feingliedrigere Eingabe ermöglicht es nicht", sagtFeuerwehrsprecher Jan Ole Unger. Die Entwickler von Katwarn hätten schon eine Aktualisierung angekündigt, grundsätzlich sei man aber zufrieden mit dem System. Es gibt allerdings noch eine zweite Gefahr: dass nicht zu viel Alarm geschrien wird, sondern zu wenig. Als die Feuerwehr im vorigen Jahr nacheinem Chemieunfall Einwohner in 20 Stadtteilen warnte, war es so spät am Abend, dass die wenigsten noch auf ihr Handy guckten. Ist das Phone aus oder der Akku leer, kommt sowieso keine Elektropost durch. Womit die nervigen, furchteinflößenden Sirenen von früher wieder im Spiel sind. "Seit die in Deutschland abgeschafft wurden, merkt man, dass man die Leute nur noch schwer erreicht", sagt Unger. Deswegen habe man in den Hamburger Überflutungsgebieten die Dinger auch wieder eingeführt. Unger: "Oldschool funktioniert."

Vor Gericht: Der große Röntgentrick

Vor dem Hamburger Landgericht müssen sich seit gestern der ehemalige Geschäftsführer einer Radiologie-Gesellschaft und ein Apotheker verantworten. Die zwei sollen zusammen mit einem dritten Mann mit falschen Verordnungen und Abrechnungen von Röntgenkontrastmitteln Krankenkassen um mehr als 34 Millionen Euro geschädigt haben, mit folgendem Trick: Die Radiologie-Gesellschaft soll in rauen Mengen Röntgenkontrastmittel bei dem Arzneimittelgroßhandel des Apothekers gekauft und die Mittel in Einzeldosen abgerechnet haben. Die Rabattgewinne strichen demzufolge die Angeklagten ein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen banden- und gewerbsmäßigen Betrug vor. Wer noch fehlt beim Prozess, ist der Hauptangeklagte, der Inhaber der Radiologie-Gesellschaft. Der hatte sich, nachdem die Gesellschaft 2012 pleiteging, nach Dubai abgesetzt, von wo aus er sogar noch Sprechstunden übers Internet abhielt. Inzwischen soll auch er in den Vereinigten Arabischen Emiraten festgenommen worden sein. Sein ehemaliger Geschäftsführer wies derweil die Vorwürfe vor Gericht zurück. Das Geschäftsmodell mit dem Kontrastmittel sei von Rechtsanwälten konzipiert worden – er sei also davon ausgegangen, dass es nicht rechtswidrig sein könne.

Eine Zukunft für den Friedhof!

Eine Kutschfahrt durch Obstgärten und Blumenwiesen zur neuen Kultur-Kapelle: So könnte es in Zukunft auf dem Friedhof in Ohlsdorf zugehen. Gestern hat Umweltsenator Jens Kerstan von den Grünen das Pionierprojekt "       Ohlsdorf 2050" vorgestellt. Denn – wie überall – sinkt auch in Hamburg die Nachfrage nach Grabflächen, weil früher vor allem mit Särgen geplant wurde, sich heute aber immer mehr Leute für eine platzsparende Urne entscheiden. So entstehen ungenutzte Grünflächen, die anderweitig Verwendung finden können (Kutschfahrt und so, Sie wissen schon). Die Besonderheit am Projekt in Ohlsdorf: Die oben genannten Überlegungen sind nur erste Vorschläge. Für alles Weitere ist eine umfangreiche Bürgerbeteiligung geplant – mit Impuls-Abenden und Entwurfswerkstatt-Gesprächen. Die Hamburger sind aufgerufen, eigene Ideen einzubringen und die bisherigen zu bewerten. "Was hier in den kommenden Jahren erprobt wird, soll später auch auf andere Friedhöfe übertragbar sein", sagt Kerstan. Wichtig: Es sollen "behutsame" Veränderungen sein, man denkt an Orte des Austauschs, der Besinnung und Erholung, also weniger an Heavy-Metal-Konzerte oder Rugby-Felder. Und man braucht Geduld. Bis konkret Flächen frei werden dauert es, schließlich bleiben Gräber mindestens 20 Jahre bestehen.

Mittagstisch

   

Schlemmen wie am Golf von Neapel

Kein Schickimicki, keine Sterneküche, sondern richtig gute klassische italienische Kost – das bekommt man im Ristorante Caruso. Die beste Hauptspeise hier mittags: hausgemachte Pasta perfekt al dente gekocht, kombiniert mit Gorgonzola und Walnüssen (rund 7 Euro). Auch die Vorspeisen des Küchenchefs punkten – zum Beispiel das Carpaccio oder die Pizetta mit Trüffeln. Die Kalbsleber mit Salbei sollte man ebenfalls unbedingt probieren. Die Liebe zu Italien schmeckt der Gast auf der Zunge: Die Betreiber pflegen eine Vorliebe für das Städtchen Sorrent am Golf von Neapel. Von dort stammen auch einige Originalzutaten der Küche, zum Beispiel das Olivenöl. Passend dazu öffnet im Sommer eine große Terrasse, dann spendiert der Chef schon mal einen Limoncello. Bei Bedarf (also immer) gibt es auch einige gute Tropfen zum Mitnehmen – auf dem heimischen Balkon schmeckt so ein italienischer Roter besonders gut. Nach Feierabend, versteht sich.

Mittagstisch um 7 Euro, Winterhude, Dorotheenstraße 54 12.30–15 Uhr und 17–23 Uhr

Elmar Stein

 


Was geht

Fotografie: Der Fotograf Josef Niedermeier war in Namibia. Und so heißt auch seine Foto- und Filmprojekt. Es zeigt Eindrücke aus dem Südwesten Afrikas. Stürme, Regen, Nebel und Menschen. Cinemaxx Dammtor, Dammtordamm 1, 20 Uhr   

Tanz: Rollergirl in Town! Die Choreografin Lea Moro tanzt auf Rollschuhen über die Bühne. Ihr Programm "The End of the Alphabet" ist nur der Anfang einer großen Laufbahn. Kampnagel, Jarrestraße 20, 20 Uhr

Pop: Lange keine dufte deutsche Band mehr gehört? Probieren Sie Parfum Brutal. Die bringen ihren Indie-Pop heute nach Hamburg. In die Astra Stube, Max-Brauer-Allee 200, 20 Uhr

Hamburger Schnack

   

Paul (4) steht mit seiner Mami unter der Dusche. Paul fragt: "Mami, woher kommt das Wasser?" Mami: "Aus dem Wasserhahn." Paul überlegt einen Augenblick und fragt dann: "Gibt es auch ein Wasserhuhn?"

Gehört von A. H. Gosch

 


Meine Stadt

Erinnern Sie sich noch an das kleine Elefantenbaby, das im Januar im Tierpark Hagenbeck geboren wurde? Wir habe damals spontan viele Einsendungen mit Namensvorschlägen bekommen. Und obwohl wir explizit darauf hinwiesen, dass wir das nicht möchten, hieß der häufigste Vorschlag Helmut, gleich dahinter kam Klaus. Nun, liebe Leser, ich muss Sie enttäuschen. Der Tierpark hat nicht auf uns gehört, sondern das Elefantenbaby gestern offiziell auf den Namen Kanja getauft – mit Kokosmilch als Taufwasser – fragen Sie nicht, wir wissen auch nicht, wieso. Wir bemerkten allerdings, dass die Taufe des Kleinen nicht so einfach vonstattenging. Und sind sicher: Insgeheim hätte es Klaus eigentlich auch ganz cool gefunden. Und seine Mutter, die war natürlich wieder mal für Helmut...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!


Ihr

Mark Spörrle


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