Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

das geht ja Schlag auf Schlag: Nach kaum zehn Jahren Bauzeit soll nun schon in knapp zehn Monaten die Hamburger Elbphilharmonie feierlich eröffnet werden – ein Traum. Und besser noch, denn nach all den Verzögerungsmeldungen der letzten Jahre lechzen wir nach Erfolgen: Jetzt ist die Begrünung des Konzerttempels fertig. Komplett! Ohne Verzögerung, Gutachten, Rechtsstreit, explodierende Kosten. Gestern pflanzte man auf der oberen Terrasse der Außenanlage die letzte von insgesamt sieben Robinien: 15 Meter hoch, 30 Jahre alt. Ordentliche Bäume, wie schön, wenn es beim Neupflanzen überall in der Stadt so wäre. Aber wie formulierte es Planer Peter Schatz? "Die Idee war, Bäume zu finden, die den Eindruck vermitteln, dass diese schon immer dort gestanden haben." Hoffen wir mal, dass er in Gedanken nicht hinzufügte: "Selbst wenn der Rest nicht fertig wird".

Dschihadist aus Hamburg warnt vor dem IS

Eine eindringliche Warnung, offenbar kurz vor dem eigenen Tod: Das Landesamt für Verfassungsschutz hat die angebliche Audiobotschaft eines 17-jährigen Dschihad-Anhängers aus Hamburg veröffentlicht, in der dieser in drastischen Worten den Umgang der syrischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit ihren Unterstützern schildert. "Er schickt die einfach zum Tod", gibt der junge Mann, in der dschihadistisch-islamistischen Szene "Bilal" genannt, die planlosen Kampfanweisungen eines IS-Oberen  im syrischen Rakka wieder. "Das ist so, du kannst gleich ’ne Pistole nehmen und dir in den Kopf schießen." Auch sonst fand "Bilal", der im Mai 2015 nach Syrien ging, um sich dem IS anzuschließen, anscheinend wenig so, wie er es sich vorgestellt hatte: Statt des versprochenen Trainingslagers wurden er und andere Freiwillige bis zu ihrem "Einsatz" in ein Haus gesperrt, Kritiker verschwanden. "Es war wie im Gefängnis", warnt er in der übers Internet verschickten Audiodatei Glaubensbrüder aus Hamburg. "Die haben niemals die Wahrheit gesagt." "Bilal" starb im Juli unter noch ungeklärten Umständen. Erst jetzt veröffentlichten die Verfassungsschützer das Tondokument – nach eigenen Angaben als Warnung an junge Menschen, die mit dem IS sympathisieren. "Bilals" Botschaft endet mit den Worten: "Jetzt habe ich mir mein eigenes Bild gemacht." Für ihn war das leider zu spät.

"Der City-Hof beschäftigt die Unesco"

Die Bürgerschaft wird in der kommenden Woche über den Abriss des City-Hofes entscheiden. Schon seit Längerem gibt es eine rege Debatte darüber, wie erhaltenswert die unter Denkmalschutz stehenden Hochhäuser tatsächlich sind. Und immer wieder hört man, dass durch einen Abriss auch der Status des angrenzenden Unesco-Weltkulturerbes Kontorhausviertel in Gefahr sei. Wir sprachen mit Berthold Burkhardt vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos), der für die Unesco-Kommission als Berater und Gutachter tätig ist.

Herr Burkhardt, stimmt es, dass der Titel "Weltkulturerbe" für das Kontorhausviertel mit dem Chile-Haus in Gefahr ist, wenn der City-Hof  abgerissen wird?

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass der Titel dadurch aberkannt wird, aber das Thema beschäftigt das Welterbekomitee der Unesco. Ich erwarte zumindest eine Kritik, wie Hamburg mit Denkmalen in der Pufferzone, die an das Welterbe angrenzt, umgeht.

Warum ist das denn für das Welterbekomitee so wichtig?

Der Abriss von vier markanten Häusern ist eine einschneidende Veränderung. Das zieht eine unbedingte Pflicht nach sich, das Komitee zu informieren. Das wurde aber von Hamburg nicht gemacht. Es gab nur eine Anfrage, ob es generell möglich sei abzureißen. Das Komitee hätte sich dazu mehr Details gewünscht. Und die sind – meines Wissens – nicht geliefert worden.

Und nun?

Es kann sein, dass das Welterbekomitee darüber debattiert. Vermutlich aber erst im nächsten Jahr, zur Sitzung im Sommer wird das eher nicht mehr reichen. So schnell geht das alles nicht.

Immobilien immer teurer

Egal, ob Haus oder Wohnung: Die Preise für Immobilien in Hamburg und dem Umland haben im vergangenen Jahr weiter angezogen. Bestehende Wohnungen wurden im Schnitt 8,5 Prozent teurer, neue Häuser sogar um 16,4 Prozent (auch weil Objekte in Top-Lagen wie Blankenese und Uhlenhorst dabei waren). So steht es im diese Woche veröffentlichten "Immobilienatlas". Besonders heftig fällt der Zehn-Jahres-Vergleich aus: Seit 2006 sind die Preise für gebrauchte Häuser in innerstädtischen Wohngebieten um fast 90 Prozent gestiegen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Noch nie war es so günstig, sich den Traum vom Eigenheim zu finanzieren. "Trotz steigender Preise ermöglichen die niedrigsten Zinsen aller Zeiten noch in vielen Lagen eine monatliche Finanzierungsbelastung in der Höhe der durchschnittlichen Mietkosten", sagt Peter Magel, Vorstandsvorsitzender der LBS, mit Blick auf die Studie. Was der Chef der Bausparkasse damit zu tun hat? Na, die LBS hat die Studie durchgeführt. Magel geht übrigens von einer weiteren dynamischen Preisentwicklung aus. Wenig überraschend, dass er zum Sprung ins Eigenheim rät. Aber was machen all jene, die nicht genug geerbt oder gespart haben – und für die selbst "durchschnittliche Mietkosten" eigentlich schon zu hoch sind?

Öffentlicher Umstandsverkehr

Die Wirtschaftsbehörde hat gestern Pläne für den ersten Bauabschnitt der U5 vorgestellt. Die neue U-Bahn soll Bramfeld, Steilshoop und Barmbek Nord an das Schnellbahnnetz anbinden und bis in die City Nord führen. Die Machbarkeitsstudie sieht auf dem ersten Teilstück sechs Haltestellen vor: Bramfeld, Steilshoop, Hartzloh, Rübenkamp, Sengelmannstraße, New-York-Ring. Die U5 gilt als größtes Verkehrsbauvorhaben Hamburgs in den nächsten Jahrzehnten. Zusammen mit der ebenfalls präsentierten Studie zur Verlängerung der U4 zur Horner Geest samt zwei neuen Haltestellen (Stoltenstraße und Dannerallee) bekämen, sagte Senator Frank Horch, rund 150.000 Hamburger Zugang zur U-Bahn. Bis dahin dauert es allerdings noch: Baubeginn bei der U4 ist das Jahr 2019, für die U5 2021. Wenigstens will die Hochbahn noch vor den Sommerferien die Bürger aufrufen, sich an der Planung zu beteiligen. Zum öffentlichen Nahverkehr befragt zu werden, das wünschen sich sicher auch viele Menschen, die im Umland von Hamburg ohne Auto mobil bleiben wollen. Flexible Nahverkehrsangebote wie Anruf-Sammeltaxis und Bürgerbusse gebe es zwar, aber diese seien verbesserungsfähig, heißt es in einer Studie der Metropolregion Hamburg. Die Angebote stammten teils noch aus den 1990er-Jahren, vor allem die Fahrgastinformation, die Streckenplanung und die Barrierefreiheit müssten weiterentwickelt werden. Schonungsloses Fazit der Studie: Der öffentliche Nahverkehr in der Metropolregion Hamburg müsse professioneller organisiert werden.

Mittagstisch

   

Meteora-Einschlag

   

Es gibt Mittagstische, die wechseln jeden Tag, in feinen Restaurants, schön hergerichtet und mit seltenen Zutaten. Und es gibt den Mittagstisch beim Grill-Imbiss Meteora. Der sieht praktisch immer gleich aus. Gyrosteller (6,80 Euro), Souvlaki (6 Euro), Hacksteak mit Käse (7,80 Euro) und schließlich – nicht sehr griechisch – Currywurst (5 Euro). Über das Interieur ist nicht viel zu sagen. Ein paar Holztische, bestellt wird an der Theke, Getränke nimmt man selbst aus dem Kühlschrank. Klingt langweilig. Vielleicht. Aber wenn der Gyrosteller erst einmal vor einem steht, mit dem leckeren Fleisch, den Fritten und dem Salat, dann weiß man, dass die einfachsten Sachen oft die besten sind.

Eimsbüttel, Eppendorfer Weg 91, Montag–Freitag ab 12 Uhr

   

Edgar Schoenferber

 


Was geht

Party: Endlich Wochenende! Auch wenn heute erst Donnerstag ist. Denn morgen ist Feiertag, ausschlafen und so. Dann mal gleich los zu "Feels like Friday". Ins freundlich + kompetent, Hamburger Straße 13, 17 Uhr

Ausstellung: Farbenfrohe Bilder im dunklen Gewölbe: In Stade ist "Die norddeutsche Kunst zu Gast in der Festung Grauerort". Heute: Eröffnung mit Musik. Festung Grauerort, Schanzenstraße 59, Stade, 19 Uhr

Klassik: Obwohl es erst Gründonnerstag ist: Das Passionsoratorium"Golgotha" des Schweizer Komponisten Frank Martin bewegt. St. Johannis Harvestehude, Heimhuder Straße 92, 19.30 Uhr

Was kommt

Kinder: Strümpfe und Schuhe an, und nichts wie los! "Der kleine Rabe Socke" ist ein Puppenspiel mit Musik für die ganze Familie. Freitag, Die Burg, Biedermannplatz 19, 16 Uhr

Vortrag: Mit Reiseliteratur von Heinrich Heine und Kurt Tucholsky lässt es sich stilvoll speisen beim literarischen Dinner zum Thema "Unterwegs zuhause". Samstag, Palais Esplanade, Esplanade 14, 19 Uhr

Gottesdienst: Für frühe Vögel (und Hasen)! In der Osternacht gedenkt man noch vor Sonnenaufgang der Auferstehung Jesu. Mit Erzbischof Stefan Heße. Sonntag, Mariendom, Am Mariendom 7, 6 Uhr

Kabarett: Nach der Eiersuche kommt das Vergnügen. "Ein Abend Ostergelächter mit Olli Dittrich" erinnert an den Satiriker Heino Jaeger. Montag, KulturKirche Altona, Max-Brauer-Allee 199, 20 Uhr

Hamburger Schnack

   

Baustelle im Bahnhof Altona. Ein Bauarbeiter steht auf einer Leiter und versucht vergeblich eine Leiste an der Decke zu befestigen. Schließlich ruft er entnervt aus: "Scheiß Schwerkraft!"

Gehört von Adrian Beutler

 


Meine Stadt

Letzte Woche standen noch die Enten im Matsch, diese Woche schon die Hamburger selbst. © Josef Kleinrath


Ostereier muss man suchen. "Osterstaus" hingegen, schreibt der NDR auf seiner Webseite, "muss man nicht suchen." Stimmt. Sie müssen sich nur am Osterwochenende – oder heute schon, am Stau-Gründonnerstag – ins Auto setzen und losfahren. Wenn wirklich kein Weg dran vorbeiführt: Am erträglichsten soll es auf den Straßen noch am Sonntag sein (aber wollen Sie wirklich Ihre Ostereier an der A7 suchen?). Wie auch immer und als verschämter Tipp: Die aktuelle ZEIT ist nicht nur dick genug, um die ideale Staulektüre zu sein, sie eignet sich, sofern Sie doch im Auto übernachten müssen, auch prima als Kissen, als Behelfsdecke, als Fidibus. Schicken Sie uns gerne Fotos.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen ein schönes Oster-Wochenende.

Am Dienstag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr