Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,


lassen Sie uns gleich mit dem Mittag- beziehungsweise Abendessen beginnen: Tausende Menschen haben auch diesmal wieder am ZEIT-Kochtag teilgenommen und Freunde bekocht, rund 200 öffentliche Veranstaltungen rund ums Kochen fanden am Freitag überall in Deutschland statt.
In der ZEIT-Kantine beispielsweise zauberten mittags Vlet-Küchendirektor Thomas Sampl und sein Küchenchef Knut Wunderlich. Geladen waren ZEIT-Kollegen – und unsere Leser, deren Kochtag-Rezepte die Jury in den Tagen davor zur Veröffentlichung in diesem Letter ausgewählt hatte.
Im Koch Kontor Hamburg kochte zeitgleich das Team um Martina Olufs ein "Wochenmarkt"-Rezept nach ZEITmagazin-Kolumnistin Elisabeth Raether, dazu reichte man Wein aus der ZEIT-Weinedition Nahe. In Berlin in der Kalkscheune gab es Podiumsdiskussionen, Streetfood-Stände, einen Pop-up-Bauernmarkt (sagen Sie nicht, Sie wissen nicht, was das ist!) und Kochaktionen, unter anderem mit Robert Habeck, dem Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Ursula Hudson, der Vorstandsvorsitzenden von Slow Food Deutschland, der Berliner Senatorin Dilek Kolat, dem Sternekoch Tim Raue und der Köchin Sarah Wiener.
Und im Gaggenau-Showroom in München bereitete Ali Güngörmüs, Inhaber und Küchenchef des Le Canard Nouveau in Hamburg, ein Fünf-Gänge-Menü zu, ihm zur Hand ging ZEIT-Kollege Wolfgang Lechner.
Kurz: Es sieht ganz so aus, als hätte der ZEIT-Kochtag wieder mal seinen Zweck erfüllt: die Freude zu fördern am Selberkochen, am gesunden Essen, am Genuss. Oder was meinen Sie?

Stadtteilschulen unter Druck


Die Stadtteilschulen in Hamburg haben ein Problem: Sie ziehen zu wenig leistungsstarke Schüler an. Je nach Schule haben nur fünf bis zehn Prozent der Schüler eine Gymnasialempfehlung. Bei einer Tagung aller Schulleiter in Jesteburg hat Schulsenator Ties Rabe die Stadtteilschulen deshalb in die Pflicht genommen.

Herr Rabe, es klingt, als seien Sie mit den Stadtteilschulen unzufrieden …

Das kann man so nicht sagen. Dank der Stadtteilschulen haben wir weniger Schulabbrecher, und der Anteil derer, die mit Abitur die Stadtteilschule verlassen, steigt. Es wird dort also oft gute Arbeit gemacht. Das Problem ist unter anderem: Das wissen zu wenige.

Sie halten das also in erster Linie für ein Marketingproblem?

Nicht nur. Aber was Schulleiter und Lehrer den Eltern erzählen, hat eine hohe Glaubwürdigkeit. Wenn das Kollegium die eigene Arbeit kritisiert – warum sollte ich mein Kind dahin schicken?

Sie meinen: Die Lehrer jammern zu Unrecht? Es gibt doch konkrete Punkte, die Grund zur Klage sein können, wie zum Beispiel die große Zahl von Kindern mit Förderbedarf in einer Klasse.

Lehrer zu sein ist nicht immer einfach. Und wir werden gemeinsam weiterhin Probleme anpacken und lösen. Aber man muss in seinem Beruf immer auch darauf achten, wie man sich nach außen präsentiert. Viele Grundschulen und Gymnasien sowie eine Reihe von Stadtteilschulen zeigen, wie es geht.

Sie sagen, die Stadtteilschulen sollten sich mehr an Leistung orientieren, um den Gymnasien mehr Konkurrenz zu machen. Aber per definitionem kümmert sich das Gymnasium um die besonders Leistungsstarken – wie soll die Stadtteilschule ausgerechnet da punkten?

Zurzeit vertrauen Eltern und Schüler mit Gymnasialempfehlung nicht immer darauf, dass an einer Stadtteilschule der klassische Schulauftrag erfüllt wird: ein organisierter, manchmal anstrengender Lernprozess mit festen Einheiten wie Tests und Hausaufgaben, an dessen Ende das Abitur stehen kann. Das müssen wir ändern. Leistung und gute Bildung sind keine Alleinstellungsmerkmale für das Gymnasium. Es stimmt, die Stadtteilschule kann das Gymnasium nicht auf seinem ureigenen Feld überholen. Was Stadteilschulen aber bieten können, ist sozialverträglicheres Lernen und ein Abitur mit mehr Zeit.

Was sollen die Stadtteilschulen denn konkret anders machen?

Sie müssen interessant werden für Schüler mit Gymnasialempfehlung. Sonst werden sie immer weiter schrumpfen – weil immer mehr Kinder eine Gymnasialempfehlung bekommen. Das heißt, Stadtteilschulen dürfen Förderung nicht nur nach den Schwächsten ausrichten, sondern müssen sich überlegen, was für leistungsstarke Schüler ein attraktives Angebot ist.

Jede Menge Streiks und Demos


Was haben ein Erzieher, ein Bühnenarbeiter und eine Müllfrau gemeinsam? Richtig, Tarifverträge im Öffentlichen Dienst. Und weil die Verhandlungen darüber immer schleppend laufen, das ist schon ein Ritual, kam es am Freitag, auch das ein Ritual, zu verschiedensten Störungen des öffentlichen Lebens in Hamburg: Da versammelten sich rund 2400 Menschen in der Innenstadt, um den Forderungen nach sechs Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen. Viele Kitas blieben geschlossen oder boten Notfallbetreuung an, und die Stadtreinigung ließ die Leerung von Bio- und Hausmülltonnen ausfallen (was aber in dieser Woche nachgeholt werden soll). Eine Vorführung des Thalia Theaters an der Gaußstraße fiel aus, die Aufführung der "Dreigroschenoper" im Haupthaus wurde technisch kleiner gespielt, und in der Staatsoper mussten Tristan und Isolde ganz ohne Bühnenbild auskommen. Im Gegenzug bemühten sich die Verdi-Streikenden um Kreativität beim Straßenprotest. So führte man mindestens ein Skelett mit (ob es sich um einen infolge der geringen Löhne verhungerten Kollegen handelte, wurde nicht bekannt).
Nach dieser Vorlage gingen am Samstag dann Hunderte Tierschützer zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche auf die Straße. Eine weitere Demo forderte: "Keine Psychopillen für Kinder". Und wer dann so richtig in Schwung war, konnte am Sonntag gleich weitermachen: Atomkraftgegner hatten vor dem Kraftwerk Brokdorf zur Demo aufgerufen, Motto: "AKW Brokdorf abschalten! Keine weitere Produktion von Atommüll".

Rock ’n’ Roll? Lebt in Hamburg


Will man wissen, wo genau in Deutschland der Rock ’n’ Roll zu Hause ist, kann man diese Adresse aufsuchen: 20099 Hamburg, An der Alster 72–79. Ausgerechnet im Hotel Atlantic, dem "weißen Schloss an der Alster" (Folklore-Marketingjargon), einem edlen, in die Jahre gekommenen Traditionshotel mit schönem Blick aufs Wasser, lebt er, der Rock ’n’ Roll. Denn seit 1994 bewohnt Udo Lindenberg dort drei Zimmer im zweiten Stock. "Was er dafür bezahlt, erfährt man selbst auf hartnäckigste Nachfragen bei der Hotelleitung nicht", schreibt unser Redakteurskollege Daniel Haas in seinem Lindenberg-Porträt in der aktuellen ZEIT:Hamburg. "Er selber sagt: ›Wir haben einen guten Deal gemacht, der cool ist‹". Mit ihm ist das Hotel eine Kulturinstitution, eine Luxuskita für kreative Kindsköpfe, eine Zentrale bürgerlicher Toleranz. Im Atlantic hat man sich auf ihn eingerichtet, und wenn Gäste, die sich nicht so auskennen, fragen, wer der Mann mit Schlapphut und Sonnenbrille ist, der hier alles darf, sogar in der Bar rauchen, dann erzählt man ihnen, dass das Udo ist, Udo Lindenberg, der Sänger, so Haas, "der in den siebziger Jahren das Deutsche befreit hat vom Schnarren der Nazis und Schleimen der Schlagerfuzzis". Dessen neues Album "Stärker als die Zeit" (er meint nicht uns) diese Woche erscheint. Und was die Beziehung zwischen dem Rockstar und dem Hotel mit der Weltkugel als Wahrzeichen über Hamburg aussagt, das lesen Sie in der ZEIT:Hamburg.

Zurück zu den Wurzeln


Jörg Pilawas Gesicht ist eines der bekanntesten Deutschlands. Kein Wunder, es gab Zeiten, in denen moderierte er 270 Sendungen im Jahr. "Das Quiz mit Jörg Pilawa", "Quizduell", "Rette die Million!" – man konnte den Fernseher kaum einschalten, ohne ihn zu sehen. Das machte Pilawa berühmt. Und so routiniert, dass er bei manchen Shows nebenbei heimlich HSV-Spiele auf seinem Bildschirm guckte – er ist bekennender Fan des Vereins. Jetzt kehrt der 50-jährige Quizshow-Star zurück zu seinen Wurzeln: den Lokalnachrichten, bei denen er seine Karriere begann. Von heute Abend an wird Pilawa eine Woche lang das "Hamburg Journal" im NDR Fernsehen moderieren. Es ist ja eher eine Seltenheit, dass ein so bekannter Moderator noch einen Fachwechsel ausprobiert. Vieles gilt ja auch beim Publikum als No-Go – oder können Sie sich Thomas Gottschalk als lässige Urlaubsvertretung in den "Tagesthemen" vorstellen ? (Obwohl …) Jedenfalls: Bei Pilawa ist das anders, er ist Hamburger mit Kompetenz und echter Hamburger dazu. Insofern: Willkommen. Und wir werden genau hinsehen, ob da nicht irgendwo heimlich Fußball läuft …

Mittagstisch

Ein Strauß voller Genüsse

Schon auf den ersten Blick präsentiert sich das Café Strauß wie eine grüne Oase mitten in Eimsbüttel, mit großem Garten und Schatten spendenden Laubbäumen. Dazu tragen auch der nette Service und die Mittagskarte bei: Auf den Tisch kommt ordentliche deutsche Küche. Etwa Spargel mit Quark-Hollandaise und Katenschinken (9,90 Euro), gegrilltes Kotelett mit Bärlauch-Kartoffelpüree (8,90 Euro) oder Mangold an Kräuterrahm und Spiegeleiern (7,90 Euro). Täglich gibt es alternativ zu fleischlichen Gelüsten eine vegetarische Variante. Der Name des Restaurants kommt übrigens nicht von ungefähr: Auf der Hauptkarte gibt es Straußenfleisch in vielen Variationen. Besonders lecker ist die Hokkaidokürbissuppe mit Straußenfiletstreifen, Croûtons und Kürbiskernöl für 4,90 Euro (groß: 5,90 Euro). Einen Pluspunkt verdient sich das Haus auch mit seiner kinderfreundlichen Bedienung.

Eimsbüttel, Wiesenstraße 46, Mittagstisch von 12 bis 16 Uhr. Geöffnet montags bis samstags 10 bis 24 Uhr, Sonntag 10 bis 23 Uhr

Anna Heidelberg-Stein

Was geht


Exklusiv: Christoph Niemann, renommierter Künstler und Illustrator, führt persönlich durch seine Ausstellung  "Unterm Strich" – und Sie können dabei sein! Wir verlosen 1-mal 2 Karten für die Führung und das anschließende öffentliche Gespräch zwischen Christoph Niemann und dem Chefredakteur des ZEITmagazins, Christoph Amend. Schreiben Sie eine Mail an elbvertiefung@zeit.de – und das, Achtung!, bitte sehr schnell: Einsendeschluss ist schon heute um 12 Uhr.
Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, 20 Uhr


Filmfestival: Das wird Massiv – die "Banff Mountain Film Festival World Tour" zeigt ausgesuchte Outdoor-Filme, die einfach der Gipfel sind. CinemaxX Dammtor, Dammtordamm 1, 20 Uhr


Führung: Bitte fest die grünen Daumen drücken, dass am "Tag des Baumes" gutes Wetter ist. Mit Baumpflanzaktion und vielem mehr. Botanischer Sondergarten, Walddörferstraße 273, 10 bis 18 Uhr

Was kommt


Vortrag: Mit ihnen umgehen? Sie übergehen? "Störenfriede – Typen nichtstaatlicher Gewalt" über die Integration von Gewaltakteuren in Friedensprozesse. Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, Dienstag, 19 Uhr

Slam: "Liebes Tagebuch. Heute trete ich beim Diary Slam an und lese aus dir. Ich hoffe, mein Schwarm schaut zu und votet für mich. Adieu!" Anmeldungen: info@diaryslam.de Grüner Jäger, Neuer Pferdemarkt 36, 20.30 Uhr

Konzert: Die neuste Hoffnung der Popmusik: Melanie Martinez kombiniert Einflüsse von Lady Gaga und Katy Perry mit düsteren Storylines. Gruenspan,
Große Freiheit 58, Mittwoch, 20 Uhr

Tanz in den Mai: Von Samstag auf Sonntag wird überall in Hamburg in den Mai getanzt. Unser Tipp, falls der Winter sich doch noch mal verabschiedet: Schumachers Biergarten im Stadtpark. Da kann man sich unter dem Sternenhimmel schon mal in den Sommer träumen ... Schumachers Biergarten, Südring 5 b (im Stadtpark), ab 19 Uhr

Meine Stadt

»Horn ist anscheinend in Frühlingsstimmung« © Foto: Andreas Weinberger

Die Wahrheit liegt auf dem Platz


Aimen Abdulaziz-Said
schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Derbysieg! Und was für ein wichtiger: Der HSV hat nach seinem 2:1-Sieg gegen den Nordrivalen Werder Bremen nun wieder sechs Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Bei noch drei ausstehenden Spielen sollte das Thema Abstieg damit endgültig vom Tisch sein. Nach einer frühen 2:0-Führung machten die Hamburger es noch einmal unnötig spannend und ließen die Fans bis zum Abpfiff zittern. Zum Glück fand das Spiel bereits am Freitag statt – so hatten die HSV-Anhänger genug Zeit, sich von diesem Sieg zu erholen.

Erik Hauth
bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Die Statistik sprach eindeutig für die St. Paulianer, die gegen die Fortuna aus Düsseldorf zuletzt immer gut ausgesehen hatten. Umso erstaunter waren die Kiezkicker, als die Düsseldorfer mit dem Mute der Verzweiflung angriffen und früh den Führungstreffer erzielten.
St. Pauli brauchte bis zur zweiten Hälfte, um das Spiel zu kontrollieren und erzielte durch Fafa Picault den verdienten Ausgleich. Aufsteigen wird St. Pauli diese Saison wohl nicht mehr, aber das ist nicht wirklich schlimm.


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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