Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

für Vogelkundler sind diese Tage wie ein stark vorgezogenes Weihnachtsfest: Sie erwarten die Ankunft eines Schwarzbrauenalbatros auf Helgoland. Schwarzbrauenalbatrosse (Thalassarche melanophris) haben eine Flügelspannweite von bis zu zweieinhalb Metern, können bis zu 70 Jahre alt werden und verbringen einen Großteil dieser Zeit in der Luft. Sie leben normalerweise im Südpolarmeer. Aber ab und zu wurde schon mal einer im Nordatlantik gesichtet, und in extrem seltenen Fällen verirrte sich ein Tier nach Mitteleuropa, etwa im Frühjahr und Sommer 2014 und 2015. Experten gehen voll Vorfreude davon aus, dass es sich bei dem Albatros, der jetzt gen Helgoland unterwegs ist, um dasselbe Tier handelt. Der Dachverband Deutscher Avifaunisten hofft, dass der Vogel "spektakuläre Beobachtungen und Fotos aus nächster Nähe zulässt".
Zu nah sollte die nächste Nähe dennoch nicht sein. Fühlt sich ein Schwarzbrauenalbatros bedroht, spritzt er seinem mutmaßlichen Feind aus seinen Nasenlöchern Öl entgegen – Öl, das aus seinem Magen stammt und furchtbar stinkt. Und anschließend, aber das ist nicht belegt, soll er mehrfach die Augenbrauen heben.

Die-Linke-Mitarbeiterin im Nordirak inhaftiert

Eine Mitarbeiterin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt im Nordirak in der "Autonomen Region Kurdistan" im Gefängnis. Ihr werde vorgeworfen, die Grenze nach Syrien illegal übertreten zu haben, sagte der Linken-Abgeordnete Martin Dolzer gestern gegenüber dem NDR. Es handle sich um seine Mitarbeiterin, bestätigte Dolzer bereits vor zwei Tagen der Zeitung "Junge Welt"; sie sei in seinem Auftrag zu Recherchezwecken im Nordirak und in Nordsyrien gewesen und kurz vor ihrer Rückkehr nach Deutschland verhaftet worden. "Die Bundesregierung sehe ich nun in der Verantwortung, sich auf Grundlage der guten Beziehungen zur kurdischen Regierung für die sofortige Freilassung einzusetzen", so Dolzer. Die kurdischstämmige Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit befindet sich offenbar schon seit dem 22. März in Haft. Inzwischen soll ein Vertreter des deutschen Generalkonsuls zu ihr in das Frauengefängnis nach Erbil gefahren sein.

Der Dom ist kein Ponyhof

Am Freitagabendkam es auf dem Hamburger Dom zu einem Zwischenfall, bei dem zwei Mädchen verletzt wurden: Plötzlich stürmten vier Männer das sogenannte Pony-Karussell und scheuchten die Tiere mit Plastikflatterbändern auf. Die Pferde scheuten, Kinder wurden aus dem Sattel geworfen, blieben in den Steigbügeln hängen. Eltern stürzten sich auf die Flatterbandträger. Die traten die Flucht an. Einer wurde jedoch geschnappt und der Polizei übergeben. Die hat sich bis Redaktionsschluss dieses Letters noch nicht zum Hintergrund der Täter geäußert. Doch für die meisten Medien scheint ausgemacht, dass es sich um Tierschützer handelte. Denen, sowie den Politikern der Grünen und der Linken, ist das Ponyreiten auf dem Dom schon lange ein Dorn im Auge. Der mobile Ponyhof öffnete mittlerweile wieder, Betreiber Stefan Kaiser vom Reitsalon Alt Wien lässt mit markigen Worten keinen Zweifel daran, dass er sich "nicht von diesen Leuten" einschüchtern lasse. Fragt sich eben nur, wer die eigentlich sind. Wenn es tatsächlich Tierschützer waren, hätten diese der eigenen Sache kaum mehr schaden können als mit einem derart brachialen Vorgehen. Aber vielleicht waren die vier Männer auch vor allem eins: durchgeknallt. 

Konfetti im Kopf

Es gibt Themen, die sind uns allen unangenehm, obwohl – oder gerade weil – sie uns alle betreffen können. Demenz und Alzheimer gehören dazu. Wie man auch mit diesem Thema umgehen kann, zeigte der Hamburger Verein Konfetti im Kopf am Samstag mit einer Parade in der Innenstadt. Hunderte Menschen demonstrierten für mehr Lebensqualität im Alter und bei Demenz. "Wir wollen zeigen, dass Menschen mit Demenz durchaus Freude am Leben haben, wenn man ihnen das ermöglicht", so eine Sprecherin. Und so sah die Parade auch aus: bunt und laut, mit Sambamusik und Luftballons. Konfetti, Trommeln, Party – auf den ersten Blick ein seltsamer, auf den zweiten der einzig richtige Umgang mit dem Thema Demenz. Wie eine frühe Diagnose übrigens dabei hilft, Patienten und Angehörige zu entlasten, hat ZEIT-Reporter Ulrich Stock schon Anfang des Jahres hier erläutert. "Zwar lässt sich eine Alzheimer-Demenz bis heute weder heilen noch bremsen", schreibt Stock. "Das heißt aber nicht, dass es deshalb sinnlos wäre, sie beim Namen zu nennen. Denn der Patient ist mit seinem Schicksal nicht allein."

Kleiderkammer wieder offen

Seit gestern ist die Hamburger Kleiderkammer wieder geöffnet. Zum neuen Standort in Hamburg-Altona an der Großen Elbstraße 264 kamen Hunderte Gäste und viele Freiwillige, um sich die neuen Räumlichkeiten anzusehen – und gleich beim Sortieren der neuen Spenden zu helfen. Mit dem neuen Standort hat die Kleiderkammer, im letzten Sommer von Ehrenamtlichen gegründet, um die vorübergehend in den Messehallen untergebrachten Flüchtlinge zu versorgen, wieder eine Heimat. "Die Spendenbereitschaft war riesig und ebbt bis heute nicht ab", erzählt Rainer Sieling vom Betreiberverein Hanseatic Help. Gesucht wird gerade mal wieder Männerkleidung in kleinen Größen. Aber wenn Sie ein größerer Mann sind oder eine Frau: Lassen Sie sich nicht davon abhalten, Gutes zu tun. Die Spenden kommen auch Obdachlosen und Frauenhäusern zugute. "Mit Sachspenden, die wir auf absehbare Zeit in Hamburg und Umgebung nicht einsetzen können", sagt Sieling, "helfen wir in ganz Deutschland und direkt in globalen Krisenregionen wie Nordirak, Syrien, Lesbos, Samoa oder Haiti."

Luftpark – oder Eventhölle?

Der alte Flakbunker an der Feldstraße soll grün werden, wir haben darüber schon berichtet. Nun stellten die Planer des Projekts konkretere Pläne für eine mögliche Bepflanzung vor: Im Dachgarten soll es sommers wie winters kräftig blühen, eine bepflanzte Rampe soll vom Haupteingang bis zum Dach führen. Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger machte außerdem klar, dass es dort nicht aussehen soll wie in einem spießbürgerlichen Kleingarten, im Gegenteil: "Zerzauste und windschiefe Bäume und Büsche in unterschiedlichen Höhen und Größen, viele Nischen und kleine Biotope", sagte er dem Hamburger Abendblatt, "sollen so angeordnet werden, dass das Ganze lebendig wirkt." Manche Anwohner haben allerdings offenbar Angst, dass sich der Betonklotz zu einer Event-Hochburg wandelt. Denn der Pächter des Bunkers, Thomas Matzen, plant nicht nur den Stadtpark auf dem Dach, sondern möchte unter anderem auch eine Sporthalle und mehrere Gastronomiebetriebe bauen. So hat sich in St. Pauli schon eine Gegeninitiative mit dem Namen Feldbunker gebildet. Es gibt jedoch auch Unterstützer auf St. Pauli; über das Beteiligungsprojekt Hillegarten wurden Anwohner früh in die Entwicklung des Stadtgartens eingebunden. Und wie man hört, ist die Bezirksversammlung, die die Baugenehmigung für all das erst noch erteilen muss, ein Abbild ihrer Bürger. Will heißen: gespalten. 

Mittagstisch

Museums-Bistros leiden unter einem schlimmen Verdacht: dass ihr Angebot an Speisen und Getränken museumsreif sei. Diesem Verdacht bietet die "Destille" im Museum für Kunst und Gewerbe erfolgreich die Stirn. Joachim Evers, seit 1991 ihr Wirt, legt Wert auf traditionelle, bodenständige Gerichte – aber musealer Charakter? Nein. Seine Stammkunden lieben, was auf dem hohen Büfett in schwarzen Reinen und Waschschüsseln von Omas Flohmarkt geboten wird: Klassiker wie die wunderbar sanfte Ratatouille, die auf den Punkt gegarten Pellkartöffelchen, aber auch eine knackig-frische Blumenkohl-Brokkoli-Variante oder Novitäten wie Rotkohlsalat mit Banane. Wer es sättigender benötigt, nimmt dazu eine Hähnchenkeule, einen Matjes. Täglich wechselnd wird auch Suppe oder Eintopf geboten (den wählt gern Museumschefin Sabine Schulze). Hinterher der Hit: ein Trifle-Schälchen – Kompott plus Streusel. Ein Blick von Evers legt fest, was man zu zahlen hat: je nach Menge zwischen einem und zehn Euro, plus Getränk. Abgerundet wird unsere Einkehr durch die Auswahl an drei Tageszeitungen und Magazinen, den Blick in den Innenhof mit den Ginkgo-Bäumen sowie die Eversʼsche Privatsammlung mit Bildern von der See, vom Hafen und vom Land. Wer übrigens unten an der Kasse erklärt, er wünsche nur in der Destille zu speisen, darf den reduzierten Eintrittspreis von zwei Euro (statt zwölf) entrichten.

St. Georg, geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 16.45 Uhr

Anna v. Münchhausen

Was geht

Zum dritten Mal heißt es wieder "Eine Stunde ZEIT", und zwar am Dienstag, den 12. April. Und wieder haben Sie die Chance, uns am Hauptproduktionstag der ZEIT über die Schulter zu schauen. Ich erkläre Ihnen unsere Arbeitsabläufe, führe Sie durchs Haus, beantworte keine Frage nach dem Meteorologen, und wenn wir Glück haben, zeigt uns ein Mitglied der Chefredaktion wieder die ZEIT-Titelseite von übermorgen. Achtung: Diese Veranstaltung ist ausschließlich für ZEIT-Abonnenten; die Höchstzahl der Teilnehmer ist auf 15 beschränkt. Bewerbungen bitte nur mit Anschrift bis Mittwoch, den 6. April an elbvertiefung@zeit.de. "Eine Stunde ZEIT", Dienstag, 12. April, im Helmut-Schmidt-Haus von 20 bis 21 Uhr, nur für geladene Leser

Theater: Ein New Yorker Upperclass-Apartment, zwei Paare, sehr viel Konfliktpotenzial: "Geächtet" ist ein brillantes Stück über Religion, Rassismus und Migration. Schauspielhaus, Kirchenallee 39, 20 Uhr

Jazz: Die Nationalsozialisten haben ihn gehasst. Hören konnte man ihn nur heimlich. "Swing damals und heute" zeigt die Entwicklung der Musikrichtung, beginnend in den 40er-Jahren. Cascadas Bar, Ferdinandstraße 12, 19 Uhr

Tanz: Der K3-Jugendklub versucht, durch Körper und Kleider zu gestalten. Bei "Embrace the Space" geht es darum, Raum zu erschließen durch Bewegung und Choreografie. Anschließend gibt es ein Publikumsgespräch. Kampnagel, Jarrestraße 20, 10 und 12 Uhr

Was kommt

Kindertheater
: Für nordische Jungs und Mädchen gleichermaßen: "Snick un Waal – Die Schnecke und der Buckelwal" ist ein Stück über zwei ungleiche Freunde. Dienstag, 5. April, im Ohnsorg Theater (Vorsicht: keine Untertitel!), Heidi-Kabel-Platz 1, 9 und 11 Uhr

Ausstellung: Der polnische Fotograf Jan Brykczynski zeigt in "Boiko" Bilder aus der Westukraine, Fotos aus einer märchenhaften Welt. Mittwoch, 6. April, in der Robert Morat Galerie, Kleine Reichenstraße 1, 12 bis 18 Uhr

Doku: Diese Woche findet die 13. Dokumentarfilmwoche in Hamburg statt. Von Mittwoch bis Sonntag werden im Metropolis Kino Hamburg, B-Movie, Kino Lichtmeß und in der Fotofabrique 30 Filme gezeigt. Da kann man sich kaum entscheiden? Stimmt. Den Spielplan finden Sie hier.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Der HSV hat am Sonnabend 3:0 gegen den Tabellenletzten Hannover 96 gewonnen. Cléber, Müller und Ilicevic erzielten die Treffer für die Hamburger. Der zuletzt etwas schwächelnde HSV machte damit einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt: Nach 28 Spieltagen stehen die Hamburger nun auf Platz zehn, sieben Punkte vor dem Relegationsplatz. Das sollte eigentlich reichen. Nächste Woche kommt mit Darmstadt 98 ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf ins Volksparkstadion. 

Erik Hauth bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Wenn der 1. FC Union Berlin nach Hamburg kommt, dann ist immer was los. Die schon oft fälschlich als "Blutsbrüder" bezeichneten Vereine sind sich ähnlich als Underdogs in ihrer Stadt und unähnlich in ihrer politischen Ausrichtung. So gibt es freundschaftliche Bande und Rivalität zugleich. Eine Wundertüte auch auf dem Rasen, die im Hinspiel für ein Torspektakel sorgte (3:3), im Rückspiel am Freitagabend am Millerntor allerdings nur ein "0:0 der besseren Sorte" parat hielt. Mag sein, dass es daran lag, dass beiden Mannschaften nach oben und unten nichts mehr passieren kann. Der Aufreger des Tages war dann auch abseits des Feldes zu finden: "Zecki", das angeblich neue Maskottchen des FC St. Pauli, hatte nicht jeder sofort als Aprilscherz enttarnt: Erste Beschwerdeschreiben gingen umgehend in der Geschäftsstelle ein.

Meine Stadt

»Eine Doppelscheibe Brot, ein gekochtes Ei, und eine dramatische Mittagspause an der Rainvilleterrasse« © Foto: Pit Lempp


Der Fernbahnhof Altona soll verschoben werden, an den Standort des jetzigen S-Bahnhofs Diebsteich, und soll ein schickes Empfangsgebäude (vulgo: Bahnhofshalle) bekommen. Bleibt noch die Namensfrage. Denn ein neuer Name muss her. Aber für den alten Bahnhof: Die Bezirksversammlung Altona will der Deutschen Bahn nämlich empfehlen, die neue Station am Diebsteich auf "Bahnhof Altona" zu taufen. Der alte "Bahnhof Altona" – und es ist damit zu rechnen, dass man das Volk befragen wird – muss also künftig anders heißen. "S-Bahnhof Diebsteich" wäre eigentlich konsequent, scheint aber schon deshalb ausgeschlossen, weil man ortskundige wie -unkundige Fahrgäste nicht in den Wahnsinn treiben will. Aber was halten Sie zum Beispiel von: "Ex-Bahnhof Altona"?

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.