Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

die Stadt trauert um den Ehrenbürger und Mäzen Helmut Greve, Hamburgs neuer Welterbe-Koordinator tritt an, die Kleingärtner der Stadt werden immer jünger und gebildeter, Erkan U. ist aufgetaucht und in der Schulferien gibt es jetzt doch Sonderkonditionen für Kinder bei Bäderland – das sind unsere Themen heute.

Und wo wir schon von Schulferien sprechen: Mehr als die Hälfte aller Schulkinder, nämlich 59 Prozent, lernen laut einer Forsa-Umfrage auch in den Sommerferien. Und das meistens nicht allein: Sechs Prozent der Familien engagierten einen Nachhilfelehrer, ergab die Befragung im Auftrag eines Hamburger Anbieters internetbasierter Lernangebote. In drei Vierteln aller Fälle aber wird mit den Eltern gelernt. Dann schon mal jetzt: schöne Ferien.

Hamburgs Kleingärtner: Jünger und gebildeter

Eigene Gurken und Tomaten ziehen, vor dem Verkehrslärm fliehen oder einfach nur das Gefühl haben, einen Garten zu besitzen: Dass es die junge großstädtische Bevölkerung in Deutschland in den vergangenen Jahren in Schreber- oder Kleingärtenkolonien zog, ist bekannt. Neu ist indes, dass dies mit Zahlen und Fakten untermauert wird. Die Hamburger Umweltbehörde hat dazu eine Studie herausgegeben. Demnach bewirtschaften verstärkt Familien eine der etwa 35 000 Kleingartenparzellen in der Hansestadt. Außerdem beförderte die Befragung von 1000 Hamburger Haushalten, Pächtern und solchen, die es werden wollen, Folgendes zutage: Menschen, die Parzellen anmieten und nutzen, sind im Vergleich zu 2003 jünger geworden und verfügen über einen höheren Bildungsgrad. Lag der Anteil der 35- bis 49-Jährigen vor 13 Jahren noch bei unter 20 Prozent, macht diese Gruppe heute beinahe ein Viertel aller Pächter aus. Fachhochschulreife beziehungsweise Abitur besitzen heute fast 45 Prozent (gegenüber 7,2 Prozent im Jahr 2003). Laut der Studie wohnen die an Kleingärten Interessierten vor allem in Altona, Eimsbüttel und Hamburg-Nord – wo auch die Wartelisten für die Parzellen am längsten sind. Doch der Bedarf könne gedeckt werden – auch wenn die Anwärter sich dann eher mit am Stadtrand gelegenen Parzellen zufrieden geben müssten. Kritik dazu kam von den Linken. "Wir brauchen Bestandssicherungsmaßnahmen für Kleingärten, eine Einbeziehung der Flächen in die Klimaschutzpolitik und keine Umsiedlungen auf immer kleinere Flächen an die Stadtränder", bemängelte der umweltpolitische Sprecher Stephan Jersch. Dennoch: In einer der Kolonien könnten Sie mit Glück auf den ZEIT-Kollegen Ulrich Ladurner treffen, der jüngst mit Vorurteilen gegenüber Schrebergärten aufräumte – und andere schonungslos bestätigte.

Welterbe: Koordinator fängt an

Seit 1. Juli ist Bernd Paulowitz, 45, Hamburgs Welterbe-Koordinator. Der Historiker und Politikwissenschaftler begann seine berufliche Laufbahn 1999 im Unesco-Welterbezentrum in Paris und war anschließend für Regierungen, Umwelthilfe und Denkmalschutzorganisationen als Berater für Kultur- und Naturerbe tätig. Was macht der Mann nun?

Elbvertiefung: Wenn man so ein Welterbe koordiniert – wie sieht dann der Arbeitsalltag aus?

Bernd Paulowitz: Die Arbeit ist eine Mischung aus Koordination, Kommunikation und Moderation. Der Koordinator ist, neben den zuständigen praktischen Denkmalpflegern, Ansprechperson für Angelegenheiten der eingetragenen Welterbestätte "Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus". Konkret geht es dabei auch um die Umsetzung des Managementplans der Bewahrung und Vermittlung rund um das Welterbe, mit dem sich die Stadt bei der Unesco beworben hat.

EV: Was ist nun nach dem Start Ihre dringlichste Aufgabe? 

Paulowitz: Zunächst steht eine Analyse der Projekte in der Speicherstadt und dem Kontorhausviertel an. Außerdem die Leistungsbeschreibung des Welterbeinformationszentrums, das wir einrichten wollen.

EV: Was ist für Sie das Besondere an Speicherstadt und Kontorhausviertel im Vergleich zu anderen Welterbestätten?

Paulowitz: Sie stellen ein einzigartiges Ensemble maritimer Lagerhauskomplexe und Bürobauten dar. Dabei ist besonders eindrucksvoll die schlüssige Konzeption der qualitativ hochwertigen und funktionalen Bauten im Kleid des Historismus beziehungsweise der Moderne. Sehr besonders ist auch, dass unser Welterbe mitten in der inneren Stadt liegt und heute vollständig zeitgemäß genutzt wird.

EV: Was taugt denn in Hamburg noch zum Welterbe?

Paulowitz: Neben "Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus" ist ja schon das Hamburger Wattenmeer Teil einer Welterbestätte. Daneben arbeitet die Kulturbehörde an dem Antrag "Jüdischer Friedhof Altona Königstraße" und wird ihn bis Februar 2017 in Paris an das Welterbesekretariat übergeben. Im Sommer 2018 sollten wir über die Entscheidung informiert werden. Darüber hinaus ist die Nominierungsidee zur Hamburger Sternwarte weiterzuverfolgen.

Zum Tod des Mäzens Helmut Greve

Hamburg trauert um einen Ehrenbürger. Wie Senat und Bürgerschaft gestern mitteilten, starb Helmut Greve in der Nacht zu Montag im Alter von 94 Jahren. Der gebürtige Hamburger "gilt als einer der bedeutendsten Mäzene in der Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburg und der Bundesrepublik Deutschland", hieß es in der Mitteilung, "der in herausragender Weise unternehmerischen Erfolg mit großzügigem gesellschaftlichem Engagement zu verbinden wusste". Greve und seine Frau Hannelore förderten über Jahrzehnte Kultur, Wissenschaft und soziale Projekte in Hamburg. Die Stiftung der Flügelbauten der Universität Hamburg, die Joachim Jungius-Gesellschaft, die Akademie der Wissenschaften, das Institut für Friedensforschung, die Ambulante Chemotherapie im Universitätsklinikum Eppendorf, aber auch Literaturpreis, Wissenschaftspreis – die Liste der Hamburger Institutionen und Belange, für die sich das Ehepaar engagierte, ist lang. Doch sein Blick ging immer auch über Alster und Elbe hinaus. "Über die Förderung von Wissenschaft und Kultur im In- und Ausland hinaus sind die Eheleute Greve durch die Gründung eines eigenen Hilfswerks, das Entwicklungshilfe in Südamerika und Süd- und Osteuropa leistet, Vorbild für soziales Engagement", so Senat und Bürgerschaft. "Wir trauern um einen idealen Hamburger Unternehmer und einen großen Hamburger Bürger", sagte Bürgermeister Olaf Scholz über den Mann, der als Immobilienunternehmer zu Millionen kam. Für Greve hatte Gewinn "erst dann einen Wert, wenn er auch dem Gemeinwohl diente", so Scholz. Der Mäzen und seine Frau Hannelore bekamen 2005 für ihr Lebenswerk den Titel Ehrenbürger verliehen. Nicht mehr vergönnt war es Greve, die Eröffnung der Elbphilharmonie zu erleben, deren Bau er und seine Frau mit sage und schreibe 30 Millionen Euro gefördert haben.

Erkan U. wieder gefasst

Die Flucht von Erkan U. hat im Frankenland ein Ende gefunden. Am Wochenende nahm man den vom Hamburger Amtsgericht wegen Waffen- und Drogenbesitzes zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilten Ex-Chef des Motorradclubs Mongols in Nürnberg fest. Zielfahnder des Landeskriminalamts hatten ihn dort aufgespürt. Fieberhaft hatten Ermittler zuvor bundesweit an dem Fall gearbeitet. Immerhin galt es, einen offensichtlichen Irrtum aus der Welt zu schaffen: Trotz des verhängten Urteils hatten die Richter nicht an eine Fluchtgefahr geglaubt und die Gefängnisstrafe zunächst außer Vollzug gesetzt. Prompt tauchte Erkan U. ab. Ob, um sich komplett zu entziehen, oder aus Furcht vor der Rache anderer, darüber wurde wild spekuliert. Ob Erkan U. in der fränkischen Hauptstadt beim "Rolle-das-R-Test" durch- und deshalb auffiel, wissen wir auch nicht. Fazit von Dennis Gladiator, dem innenpolitischen Sprecher der Hamburger CDU-Fraktion: Die Polizei habe mal wieder ausbügeln müssen, wo die Justiz versagt habe. Nun ist Erkan U., wenn man ihn unterwegs nicht freilässt, auf dem Weg in die Untersuchungshaft.

Schüler-Sonderkonditionen für "Bäderland"

Alljährlich gibt es für Hamburgs Schüler den Ferienpass, der ihnen vergünstigt oder kostenlos die Teilhabe an so vielen Ferienangeboten in der Stadt ermöglicht, dass niemand traurig sein soll, der nicht wegfährt. Doch neben all den Angeboten aus Kultur, Natur, Umwelt, Spiel, Sport, Abenteuer, Computer und Experimenten fehlte in den letzten Jahren immer einer: der städtische Betreiber "Bäderland" mit seinen knapp 30 Bädern. Das mit den Preisen für die Freibäder ist offenbar ein Politikum in Hamburg. Der normale Eintritt etwa ins Kaifu-Bad für ein Kind unter 16 Jahren kostet drei Euro – billiger als ein paar Klingeltöne fürs Handy oder der Besuch bei McDonald’s danach, sagen die einen. Furchtbar teuer, stöhnen die anderen. Die Linken in der Bürgerschaft brachten also den Antrag ein, die Bäderland-Betriebe wieder in den Ferienpass aufzunehmen. Allerdings kam die positive Entscheidung des Bürgerschaftsausschusses zu spät: Da sei der Pass mit einer Auflage von 240.000 Exemplaren schon gedruckt gewesen, erklärt Peter Albrecht, Pressesprecher der Schulbehörde. Die gute Nachricht: Schüler sollen die "Bäderland"-Bäder während der Sommer- und der Herbstferien trotzdem vergünstigt nutzen können. "Wir arbeiten an einem Angebot, das Kindern den Eintritt für circa 1,50 Euro pro Tag ermöglichen würde", sagte uns "Bäderland"-Sprecher Michael Dietel.

11vertiefung - Die EM-Kolumne von Johan Dehoust

Außenbandzerrung, Adduktorenblessur, Muskelfaserriss im Oberschenkel – schon merkwürdig, mit was man sich so beschäftigt, wenn dann mal kein Fußball ist. Nachdem ich schon darüber geschrieben habe, wie sehr Sami Khedira der deutschen Mannschaft gegen Frankreich fehlen wird, habe ich gestern viele Texte über das EM-Aus von Mario Gomez gelesen. Überall die gleiche Geschichte: Ein ungelenker Mittelstürmer steht 2008 einen Meter vor dem Tor und schaufelt den Ball über die Latte, er wird verflucht, verliert sein Selbstvertrauen und jetzt, acht Jahre später, verletzt er sich bei einem spektakulären Hackenschuss und wird, welch Wandlung, allerseits vermisst. Das hat er sich verdient, sagen alle. Sehe ich auch so. Ich fand ihn aber auch nie so schlecht, wie ihn viele machten. Und überhaupt: Die Lobeshymnen sind gerade völlig unangebracht. Dadurch, dass man Gomez vor dem Halbfinale so demonstrativ nachtrauert, tut man seinen möglichen Ersatzsstürmern Müller und Götze genau das an, was ihm 2008 widerfahren ist: Man macht sie schlechter, als sie eigentlich sind.

© DIE ZEIT

Mittagstisch

Das Mittagssüppchen

Vielleicht hätte sogar der Suppenkaspar Lust auf Suppe bekommen, hätte er den Suppenladen gekannt. Im Bauch des Chilehauses verborgen, bietet er eine monatlich wechselnde Auswahl. Außer Möhrensuppe mit Kokosmilch, persischem Gemüsetopf mit roten Linsen, Aprikosen und Paprika (beide vegan), Tomatensuppe mit Reis, Möhren und Bohnen (vegetarisch) finden sich auch Gerichte mit Fleisch wie Champignonrahmsuppe mit Fleischklößchen und Schmelzkäse oder thailändische Hühnersuppe mit Kokosmilch, Bambus und Lauch. Hungrig muss man hier nicht bleiben – diese Suppen sind gehaltvoll. Gegessen wird an kleinen Tischen im Stehen oder auf Hockern. Die Tabletts und das Ambiente verströmen Kantinencharme, und so sind es auch vorwiegend Gäste aus umliegenden Büros, die ihre Mittagspause hier verbringen. Die Preise sind mit 4,50 bis 5,60 Euro moderat; darin enthalten sind auch ein kleines Brötchen und ein Nachtisch – wahlweise ein Apfel oder ein kleiner Schokoriegel.

Mitte, Fischertwiete 1 (Chilehaus), Montag bis Freitag 11–16 Uhr

Elisabeth Knoblauch

 


Was geht

Vernissage: Siegen auf einen Streich: "veni, vidi" zeigt Werke der Bildhauerklasse Stephan Balkenhol – Schöpfer von Hagenbecks "Mann auf Giraffe".
Evelyn Drewes Galerie,
Burchardstraße 14, 14–18 Uhr

Party: Helle Aufregung! DJ Shadow knipst nach langer Pause die Lichter am DJ-Pult an und kommt mit "The Mountain Will Fall" vorbei.
Mojo Club,
Reeperbahn 1, 20 Uhr

Open-Air-Kino: The Grateful Dead: Im Film "Ich bin tot, macht was draus" gehen in die Jahre gekommene Rocker auf Tour – mit der Asche ihres Freundes.
St. Pauli-Sommerkino,
Millerntor-Stadion, Heiligengeistfeld, 22 Uhr

Hamburger Schnack

Eine Kita-Gruppe spaziert an der Rothenbaumchaussee entlang. Eine der beiden Erzieherinnen trägt ein Oberteil, dessen Rückenansicht ein "Peace"-Symbol ziert. Plötzlich lacht die Frau auf und wiederholt glucksend die Frage eines ihrer Schützlinge: "Ja, warum trage ich eigentlich eine Brezel auf meinem Rücken?"

Gehört von Folko Damm

 


Meine Stadt


Geschätzte 140 000 Muslime leben in Hamburg. Für sie endet nun der Ramadan mit dem traditionellen Fastenbrechen. Drei Tage lang wird das Ende des Fastenmonats gefeiert, auch mit Geschenken für die Kinder – und mit Essen, gern Süßspeisen. Was dies beispielsweise für eine türkische Bäckerei auf der Veddel bedeutet, davon berichtete jüngst der NDR. Werden dort im Alltag 20 bis 30 Bleche Baklava täglich zubereitet, wächst diese Zahl in den Tagen vor dem Fastenbrechen auf stolze 100 (!) an. Wie viele Bäckereien im Hamburger Einzugsbereich ähnliche Mammutaufgaben erfolgreich bewältigen – und dies noch während der Fastenzeit –, das entzieht sich unserer Kenntnis. Was wir mit Sicherheit wissen, ist: Das ohnehin leckere Blätterteiggebäck wird in den kommenden Tagen noch viel besser schmecken.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.


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