© Franziska Bulban

Guten Morgen,

die Tickets für die Elbphilharmonie gehen weg wie frische Franzbrötchen und lösen bei uns Hamburgern anscheinend ähnliche Reaktionen aus wie Justin Bieber bei 16-Jährigen. Kein Wunder: Wir wollen das Bauwerk, das seit fast zehn Jahren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, natürlich endlich von innen erleben. Doch anscheinend sind die Ortstermine, bei denen Tickets für die "Konzerte für Hamburg" in Bücherhallen und Ticketbussen verkauft werden, nicht unbedingt der geschickteste Weg – noch immer berichten uns Leser davon, dass sie stundenlang anstanden und am Ende leer ausgingen. Und tatsächlich, wer schon zu Jahresanfang 2017 in die Elbphilharmonie möchte, wird vermutlich tiefer in die Tasche greifen müssen: Uns wurde bestätigt, dass die Konzerte für Hamburg im Januar und Februar bis auf kleine Restbestände ausverkauft sind – in den  Bussen gibt es daher jetzt ein begrenztes Ticketkontingent für die "Konzerte für Hamburg" im Juni. Wenn Sie, wie eine Leserin, unbedingt früher reinwollen und Ihnen der günstige Preis nicht ganz so wichtig ist, hier unser Tipp: Auf der Webseite kann man sich auch nur Veranstaltungen anzeigen lassen, zu denen noch Tickets verfügbar sind, nämlich hier. Da ist allerdings auch schon nicht mehr viele Karten für den großen Saal dabei. Vielleicht sagen Sie aber auch, die Musik ist Ihnen egal, Sie wollen nur mal den Ausblick genießen. Dann Achtung: Auch für die Aussichtsplattform, die sogenannte Plaza, ab dem 5.11. zu besichtigen, muss man Tickets ziehen, weil nur eine begrenzte Menge Besuchern zeitgleich hinauf darf. Vor Ort sind die Karten kostenlos, man muss aber besonders in der ersten Zeit mit Warteschlangen rechnen. Oder man bucht ab heute online vor, das kostet zwei Euro.

Winterzeit, Einbruchszeit

Mit den dunklen Jahreszeiten beginnt die Hochsaison für Einbrecher. Genau genommen, erhöht sich das Risiko, plötzlich unerwünschte Besucher in der Wohnung vorzufinden, genau jetzt.

"Mit der 42. Kalenderwoche steigen die Einbruchszahlen in Hamburg deutlich an, das zeigen die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren", sagte uns Polizeisprecher Ulf Wundrack. Den ganzen Herbst und Winter über liege die Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche dann deutlich höher als in den wärmeren Monaten. Der Grund: Einbrecher haben es wegen der früher einsetzenden Dämmerung leichter, unentdeckt zu bleiben. Während der Herbst- und Winterferien werde zwar nicht mehr eingebrochen als sonst – dafür, so Wundrack, hätten die Täter ohnehin oft leichtes Spiel: "Viele Hamburger schließen trotz des Risikos ihre Wohnungstüren nicht ab oder lassen ihre Fenster auf Kipp stehen, wenn sie ihre Wohnungen verlassen."

Erst am Freitagabend hatten Beamte eine Razzia in einem Harburger Kulturverein durchgeführt und neun Menschen wegen des Verdachts des illegalen Aufenthalts vorläufig festgenommen. Den Ermittlungen zufolge galt der Kulturverein als Rückzugsort einer Einbrecherbande. "Wir wissen, dass insbesondere reisende Straftäter nach Hamburg kommen, um hier Einbruchstaten zu begehen", sagte dazu Polizeisprecher Timo Zill. Und mit der Razzia sei ein "deutliches Signal" gesetzt worden, dass es sich für die Täter "nicht lohnen soll, nach Hamburg zu kommen".

"Zumindest ein Signal"

Mehr als 400.000 Menschen wurden bisher im Syrien-Konflikt getötet, eine Waffenruhe ist nicht in Sicht. Nun ruft ein einzelner Hamburger Bürger zu einer Demonstration auf: Unter dem Motto "Schweigende Trauer, schweigender Protest" will der Unternehmer Dirk Roggan am Dienstag gegen das Sterben protestieren. Wir haben mit ihm gesprochen.

Elbvertiefung: Herr Roggan, wie soll der "schweigende Protest" denn aussehen?

Roggan: Geplant ist ein Trauerzug zu den Konsulaten der Staaten, die an dem Syrien-Konflikt beteiligt sind. Um 17 Uhr treffen wir uns vor dem syrischen Konsulat im Überseequartier, von dort geht es weiter zu den Vertretungen Russlands, des Irans, der Türkei, der USA. Zum Abschluss möchten wir vor das Rathaus ziehen. An allen Standorten werden wir je drei Minuten lang schweigen, eine Kundgebung mit politischen Reden gibt es nicht.

Elbvertiefung: Sie organisieren zum ersten Mal in Ihrem Leben eine Demonstration. Was treibt Sie auf die Straße?

Roggan: Ich stelle bei mir selbst eine Mischung aus Resignation und "Wegsehen-Wollen" fest, wenn es um Syrien geht: Der Konflikt ist komplex, wirkt undurchschaubar, die Lage der Menschen im belagerten Aleppo erscheint hoffnungslos. In Gesprächen im Bekanntenkreis redet man zwar darüber, doch viele fühlen sich rat- und machtlos. "Es muss etwas passieren, man müsste etwas tun", heißt es dann – nur was? Ein Trauerzug mag naiv erscheinen, doch ich konnte nicht mehr zusehen, will nun zumindest ein Signal der Solidarität mit den Menschen in Syrien aussenden.

Elbvertiefung: Sie starten die Aktion als Privatmann, ohne politische Organisation im Rücken?

Roggan: Ja – zwar war ich vor 30 Jahren bei den Grünen aktiv und bin dort immer noch Mitglied, habe mir hier aber nicht die Hilfe einer Partei gesucht. Ich bin kein Politiker und glaube auch, dass gegenseitige Schuldzuweisungen nicht helfen. Alles ist doch hundertfach gesagt und geschrieben worden, auch zu unserer Rolle: Deutschland liefert Waffen nach Saudi-Arabien, wo schiitische Milizen ausgebildet werden, und befeuert den Konflikt damit weiter.

Und mit wie vielen Demonstranten rechnen Sie?

Roggan: Das kann ich schwer einschätzen, ich hoffe auf über hundert Teilnehmer. Hoffentlich werden es immer mehr: Der Trauerzug soll auch danach jeden Dienstag um 17 Uhr starten.

Demonstration "Schweigende Trauer, schweigender Protest": 18.10., 17 Uhr, Syrisches Konsulat, Osakaallee 11. Weitere Treffpunkte sollen mit Autos erreicht werden.

Zugstreichungen beim Metronom

Es ist ein außergewöhnliches Eingeständnis:  "Die betriebliche Lage bei Metronom ist seit einigen Tagen unbefriedigend – für die Fahrgäste und für die Mitarbeiter des Metronom selbst auch", schreibt die Eisenbahngesellschaft in einer Mitteilung an ihre Kunden. Der Grund: kurzfristige Zugausfälle wegen Personalmangels. Trotz intensiver Bemühungen sei es schwer, Lokführer oder qualifizierte Bewerber zu finden und auszubilden, erklärt das Unternehmen.  Weil jetzt auch noch wegen eines Rangierunfalls zwei Zugverbände fehlen, hat das Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes die Notbremse gezogen und streicht einzelne Züge auf den Strecken Uelzen–Hamburg und

Bremen–Hamburg – welche genau, sehen Sie hier. Bis Ende des Monats will das Unternehmen eine Lok anmieten und, sofern möglich, das Personal aufstocken. Mal sehen, ob das gelingt.

Urbane Märchen

Neue Wohnquartiere sind nicht bei allen beliebt: Wo wenig los ist auf den Straßen, denken viele schnell an Langeweile. Quatsch, befindet der  Architekturhistoriker Gert Kähler in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg – auch wenn er das natürlich viel eleganter formuliert. Er glaubt, viele, und insbesondere Stadtplaner, hätten ein verklärtes Bild von Großstädten, weil einem Bilder der zwanziger Jahre im Kopf herumspuken: Da waren stets viele Menschen auf der Straße, und das Leben fand im öffentlichen Raum statt. Kähler geht allerdings nicht davon aus, dass die Menschen es draußen schön fanden – sondern dass es drinnen, in den Wohnungen, furchtbar war. "Es war zu eng, zu feucht, zu laut", schreibt er. Warum er unspektakuläre Quartiere schätzt und "Belebung" nicht für eine Lösung hält, können Sie in der ZEIT:Hamburg nachlesen.

Mittagstisch

A Luisa

Die köstliche Tiramisu, die man eben verspeist hat, beschwert angenehm den Magen, man fühlt sich satt und glücklich, lässt den Blick über die weißen Tischdecken und die Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden schweifen und weiß: Man will noch nicht zurück, hinaus in den grauen Hamburger Herbstnieselregen vor der Türe. Köchin Luisa und ihr familiäres Team umsorgen ihre Gäste im Etrusker schon seit über 40 Jahren mit feinster italienischer Küche und Gastfreundlichkeit. Mittags gibt es eine wöchentlich wechselnde Karte, auf der sich in dieser Woche drei Menüs inklusive Linsensuppe und Salat finden. Die hausgemachten Ravioli mit Spinat und Ricotta kommen in einer Tomatensoße (7 €), das Lachssteak vom Grill mit Cocktailtomaten ist zugleich saftig und knusprig (8 €), außerdem gibt es Brasato mit Püree (7,50 €). Die Köchin legt Wert auf saisonale und lokale Produkte und sucht in ihrer Arbeit immer wieder nach einer perfekten Mischung aus Traditionellem und Neuem. Ein Rezept, das aufzugehen scheint, besagen doch Gerüchte, der Etrusker sei eine der besten Adressen für italienisches Essen in der Hansestadt.

Der Etrusker; Winterhude, Mühlenkamp 18, täglich geöffnet ab 11 Uhr, Grindelhof 45; Mittagstisch 12–16 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Goldkehlchen für Brahms: "Ausnahmesänger", schwärmt die internationale Presse und rühmt die "Weltkarriere" von Christiane Karg und Mauro Peter. Die Sopranistin und der Tenor singen sich heute beim "Liederabend" durch Johannes Brahms Deutsche Volkslieder. Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 20 Uhr, ab 10 Euro

Klima killt Heimat: Wen vertreibt der Klimawandel schon heute aus seiner Heimat? Bietet das Pariser Klimaabkommen Betroffenen Schutz? Das womöglich größte Problem unserer Zeit untersucht Professor Janpeter Schilling mit dem Vortrag "Klimaschutz und Klimaflucht – Klimaveränderungen und die Zerstörung von Lebensräumen". W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik, Nernstweg 32, 18–20 Uhr, Spenden erbeten

Per Musik in die Galaxis: Sie beschreiben ihren Sound als ein "hellblaues fluoreszierendes Schild, das sich um die Erde biegt wie eine glatte schöne Autobahn". Wer damit etwas anfangen kann, ist bei der Neo-Progressive Band Nihiling richtig. Mit Hilfe der "Nihilistenparty 9" wollen die Hamburger per Crowdfunding ein neues Album finanzieren – und dann ab ins Weltall. Golem, Große Elbstraße 14, 19 Uhr

Was kommt

Kampnagel glitzert: Vom 18. bis zum 23. Oktober flimmern die "26. Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg" über die Leinwand. Eröffnet wird mit "Kiki" einem Film über Voguing-Houses aus Harlem. Sie sind für viele queere Jugendliche ein überlebenswichtiger Ort. "Kiki" ist eine eindringliche Innenansicht der Szene, mit großartigen Kostümen und viel Rhythmus. Kampnagel, Jarrestraße 20, 18. Oktober, 19.30 Uhr, Online-Vorverkauf 15,30 Euro

Kunst unterm Hammer: Als Uwe Friedrichsen im April starb, staunte die Nachwelt: Der Hamburger Schauspieler hinterließ eine riesige Kunstsammlung. Zu Lebzeiten hatte nur ein kleiner Kreis davon gewusst – bekannt war Friedrichsen der breiten Öffentlichkeit aus dem "Großstadtrevier, dem "Traumschiff" oder aus "Der Alte". Jetzt landen 1400 Werke unter dem Auktionshammer, unter anderem Arbeiten von Neo Rauch. Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23, 21. und 22. Oktober, 10 Uhr (Vorbesichtigung am 19. Oktober von 10 bis 20 Uhr)

Terror und Staatsräson: Bei einem Anschlag in Berlin verpasst eine Bombe die deutsche Kanzlerin und den russischen Präsidenten um "zwei Sekunden". Klarer Fall für Kommissar Eugen de Boots, der im gleichnamigen Thriller ermittelt. Einzige Hamburger Lesung des neuen Buchs von Christian von Ditfurth. Jacques’ Weindepot, Sievekingsallee 68, 19. Oktober, 20 Uhr, 12 Euro, Anmeldungen unter 040 201 203

Klingt nach Bullerbü: Wie entsteht Apfelsaft? Kids ab sechs Jahren erkunden morgen im Umweltzentrum Gut Karlshöhe Obstwiesen. Sie sammeln Äpfel und pressen daraus ihren eigenen Saft. Bitte wetterfeste Klamotten mitbringen. Gut Karlshöhe, Karlshöhe 60 d, 18. Oktober, 10–12 Uhr, 4 Euro, Anmeldungen online

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Der HSV hat es irgendwie geschafft, einen Punkt aus Mönchengladbach zu entführen: Trotz zwei Elfmetern für die Gladbacher und 65 Minuten in Unterzahl stand es am Ende 0:0. Damit steht der HSV mit nun zwei Punkten zumindest nicht mehr auf dem letzten Platz. Von den eigenen Ansprüchen ist der Verein aber noch weit entfernt. Am Freitag empfangen die Hamburger Eintracht Frankfurt im Volksparkstadion. Vielleicht klappt es dann endlich mit dem ersten Saisonsieg.

Erik Hauth bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Der FC St. Pauli tut sich gegen den FC Erzgebirge Aue traditionell schwer, es war also beinahe zu erwarten, dass maximal ein Unentschieden herausspringt; ein Stellungsfehler in der 90. Minute sicherte allerdings Aue den Sieg und drückt den Kiezklub in ein echtes Krisendilemma: Wie viele Runden darf Ewald Lienen, der nach fußballerischen Naturgesetzen als Trainer des Tabellenletzten schon längst schwer angezählt wäre, noch im Ring die Fäuste schwingen?
Auf St. Pauli hofft man indes weiter, auch darauf dass angeschlagene Kiezkicker eben besonders gefährlich werden für ihre Gegner – und auf einen befreienden "lucky punch".

Meine Stadt

»Ganz schön angeschlagen...« – in den Werkstätten eines Hamburger Theaters © Foto: Renate Willhöft

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihre

Franziska Bulban

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.