© Franziska Bulban

Guten Morgen,

na, wie findest du es, wenn ich dich hier einfach duze? Locker, ein bisschen übergriffig oder ganz gruselig? Ich fühle mich damit in dieser Form zumindest nicht so richtig wohl – ich kenne Sie ja nicht. Aber mein Verhältnis zum Du scheint trotzdem wankelmütiger zu sein als das vieler anderer Hamburger – laut einer Studie der GfK für die "Welt am Sonntag" wollen 91,6 Prozent hier nicht mit ihrem Chef per Du sein, das ist die deutlichste Ablehnung des "Duhu, Chehef" in Deutschland. Zwei Drittel möchten übrigens auch beim Einkaufen oder von Kellnern nicht geduzt werden. Für mich kommt es da immer sehr auf die Situation an. Und das Bauchgefühl. Und ob ich meinen Chef tatsächlich kenne – oder er weit weg in einer Konzernzentrale sitzt. Und, was meinen Sie?

Soforthilfe für Frauen in Not

Rund um die Uhr Schutz vor Gewalt, dafür steht der Name 24/7 der länderübergreifenden zentralen Anlaufstation für Frauen, die die Sozialsenatorinnen von Hamburg und Schleswig-Holstein, Melanie Leonhard und Kristin Alheit,, gestern vorstellten. Bereits seit Mitte August gibt es die Koordinierungsstelle, die die Frauenhäuser in Hamburg und Schleswig-Holstein entlasten, die Hilfestellung effektiver machen soll. Denn 24/7 ist auch eine Notaufnahme. "Jede Frau in Not soll rund um die Uhr aufgenommen werden können", sagt Eva Risse von der zentralen Informationsstelle autonomer Frauenhäuser. Soforthilfe, die in der Regel auf einige Tage beschränkt ist, danach soll es für die Schutzbedürftigen in ein Frauenhaus gehen. Genau darin aber sieht Risse einen Knackpunkt. "Das Urproblem, dass es in Deutschland zu wenig Frauenhausplätze gibt, wird durch eine zentrale Anlaufstelle nicht gelöst", sagt sie. Damit wirklich jede Frau, die in Deutschland häuslicher Gewalt ausgesetzt ist, Möglichkeit zur Zuflucht in einem Frauenhaus hat, müsse ihrer Meinung nach die Zahl der Unterbringungsplätze verdoppelt werden. In Hamburg gibt es fünf Frauenhäuser mit insgesamt 194 Plätzen, 15 weitere Plätze sind mit 24/7 dazugekommen. Aber reicht das? Wohl kaum, laut Leonhard suchen jährlich allein in Hamburg 600 Frauen und noch einmal so viele Kinder Schutz in einem Frauenhaus.

Tatort Kuschelkiez

Das Klischee von St. Pauli ist oft dreckig, da geht es beim Kopfkino um Rockerbanden und Prostitution, um Luden und Drogen. Ganz anders im Hamburger "Tatort" mit dem Arbeitstitel "Böser Boden": Hier lauert das Verbrechen in Form von Umweltgiften vor den Toren der Stadt. Gedreht wird aber trotzdem auch auf St. Pauli, nämlich heute Vormittag in der Clemens-Schultz-Straße. "Die Mischung aus alten und neuen Häusern, aus Grün und Farbe, aber auch die Mischung der Menschen macht die Clemens-Schultz-Straße für uns zu einem lebhaften, authentischen, optisch interessanten und filmisch attraktiven Ort", sagt Tobias von Schönermark, Location-Scout und Motiv-Aufnahmeleiter der Produktion. Außerdem wohnt Kommissar Falke nun mal auf dem Kiez, aber es sei "der Kiez, auf dem man gerne wohnen will ein Stückchen abseits der Prostitution und des ›schmutzigen‹ St. Pauli". Übrigens, schon bei "Gegen die Wand" und "Kebab Connection" durfte die Clemens-Schultz-Straße Kulisse sein. Und wird das Tatort-übliche Lokalkolorit auch in dieser Folge wieder mit einem Einkauf beim Späti aufgepeppt? "Eine ursprünglich im Späti geplante Szene ist leider einer Drehbuchkürzung zum Opfer gefallen", verrät von Schönermark. "Aber gerne führen wir diese Tradition in einer der kommenden ›Tatort‹-Folgen wieder ein und fort." Na, das klingt ja ganz so, als könnten Anwohner sich nun regelmäßig als Statisten ins Sonntagabendprogramm einschmuggeln.

Zwei-Klassen-Bahn?

U5 klingt in Hamburg wie 2021, wie Zukunft und Hightech: An den Plänen der neuen Strecke, deren erster Bauabschnitt in fünf Jahren beginnen soll, wird derzeit kräftig getüftelt. Jetzt hat die Stadt die knapp 100-seitige Machbarkeitsstudie zum Streckenbau auf ihrem Transparenzportal veröffentlicht und für Raunen gesorgt. Neben dem vollautomatischen Betrieb ist darin auch von neuen Fahrzeugen die Rede, die aufgrund ihrer Breite auf dem Bestandsnetz keinen Platz hätten. Wir haben mit dem Pressesprecher der Hamburger Hochbahn Christoph Kreienbaum über die Zukunft der städtischen U-Bahn gesprochen.

Elbvertiefung: Sicherheitsschleusen, Betrieb in Vollautomatik – auf der geplanten U5-Linie soll vieles anders werden als auf den bestehenden Linien. Warum?

Christoph Kreienbaum: Weltweit werden neue U-Bahn-Linien inzwischen fast ausschließlich vollautomatisch gebaut. In Deutschland zuletzt zum Beispiel in Nürnberg. Dadurch wird eine engere Taktung möglich, und mehr Menschen können befördert werden. Automatische U-Bahnen machen es auch möglich, dass der Betrieb bedarfsgerechter gesteuert werden kann.

Elbvertiefung: Macht die Vollautomatik den Betrieb nicht störungsanfälliger?

Kreienbaum: Nein. Der Fahrbetrieb ist auch heute schon sehr digitalisiert. Ob die Fahrzeuge noch vollautomatisch fahren oder weiterhin so wie derzeit, das macht hinsichtlich der Störungsanfälligkeit keinen großen Unterschied.

Elbvertiefung: Es könnte sein, dass die Waggons der U5 breiter werden als die anderen Hamburger U-Bahn-Wagen. Dann könnten sie nur auf den Schienen der U5-Linie verkehren. Ist das nicht furchtbar unpraktisch?

Kreienbaum: Das ist ein Argument. Es ist aber auch noch nicht entschieden, ob tatsächlich die breiteren Fahrzeuge kommen oder der Hamburger Standard beibehalten wird. Für die Entscheidung werden zwei Aspekte berücksichtigt werden müssen. Der Vorteil wäre ganz klar die höhere Kapazität. Der Nachteil, dass das Fahren auf dem Bestandsnetz nicht möglich wäre. Vor- und Nachteile müssen jetzt abgewogen werden.

Elbvertiefung: Und was ist mit der Modernisierung der anderen Linien?

Kreienbaum: Wir gehen davon aus, dass es gerade im Schienenverkehr in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum geben wird und noch engere Taktungen gefahren werden müssen. Da haben wir noch Luft nach oben, aber grundsätzlich stellt sich auch hier die Frage der Automatisierung.

Elbvertiefung: Bekämen wir mit der breiten U5 etwa eine Zwei-Klassen-Gesellschaft auf den Gleisen?

Kreienbaum: Das würde ich so nicht sagen. Jede Linie in Hamburg hat ihre Funktion und ihren Charakter. Die U3 zum Beispiel ist die schönste U-Bahn-Linie der Welt.

Unsere Geest soll schöner werden

Gerade wurden die 25 beliebtesten Projekte für die geplante grüne Landschaftsachse "Horner Geest" in Hamburgs Osten verkündet: Grillstationen, Beach-Arenen und Fledermausliegewiesen konnten sich beispielsweise in der ersten Abstimmungsrunde gegen 230 andere Bürgerideen durchsetzen. Ach, Bürgerbeteiligung kann so schön klingen! Zumindest, wenn es darum geht, Geld auszugeben. Jetzt werden die fünf Projekte, die es pro Stadtteil ins Rennen geschafft haben, in Werkstätten weiter konkretisiert, sodass sie für maximal 200.000 Euro pro Projekt umzusetzen sind – und dann dürfen Bürger und Jury noch einmal abstimmen. Außerdem wurden neun Ideen ausgewählt, die den Planern so gut gefielen, dass sie direkt übernommen wurden. So sollen zum Beispiel die ganze Geest entlang Obstbäume gepflanzt werden, von denen jeder pflücken darf – worauf die Schilder vor Ort auch explizit hinweisen sollen. Falls Sie auch mal gucken wollen, was die Hamburger sich so ausgedacht haben: Projektbeschreibungen finden Sie hier. Und wenn Sie sich lieber überraschen lassen: 2018 soll das Ganze ja schon begehbar sein.

Mittagstisch

Ein Stück vom Glück

Gemütlich sieht es aus, das Café Glück und Selig, das sich im Eimsbütteler Heußweg versteckt: weiße Möbel, helles Holz, dezente Bilder an den Wänden, Blümchen auf dem Tisch. Als Mittagstisch gibt es zwei kleine, feine Gerichte – mal Eintopf, mal Salat, mal Quiche, mal Pasta. Die Preise bewegen sich zwischen 4,90 und 6,90 Euro. Die herbstliche Kürbissuppe kommt in einem großen Teller, hat eine cremige Konsistenz und obendrauf ein paar Tupfer Kernöl. Ansonsten stehen Weißwürste und verschiedene Panini auf der Karte und – als Spezialität – hausgebackene Seele, ein Dinkel-Hefegebäck, das mit einer pikanten Frischkäsecreme knusprig überbacken wird (4,90 Euro, wahlweise mit Speckwürfeln für 5,30 Euro). Warum die Seele als Fladen daherkommt und nicht wie im oberschwäbischen Original als längliche Stange, kann die Kellnerin auch nicht sagen. Ist auch egal, schmeckt auf jeden Fall sehr gut! Wer es lieber süß mag: Die Waffeln und der Crumble sind auch lecker.

Glück und Selig, Heußweg 97, Mittagstisch Dienstag bis Freitag 12 bis 15 Uhr

Kathrin Fromm


Was geht

Das Leben meines Pullis: Sie fragen sich, ob eine Kinderhand ihre Klamotten genäht und wer davon profitiert hat? Der Vortrag "Textilien unter der Lupe: Alles fit im Kleiderschrank?" gibt Antworten und Tipps zu Läden mit fairer Ware. Arbeit und Leben Bildungswerk, Besenbinderhof 60, 18 bis 20 Uhr, Eintritt frei

Immer in Bewegung: Klingt authentisch, dass Laith Al-Deen mit seinem neuen Album fordert: "Bleib unterwegs". Schließlich ist der Sohn eines Irakers und einer Deutschen in den USA und in Mannheim aufgewachsen. Der Popmusiker bringt es auf den Punkt: "Das Unterwegssein ist das Brot des Künstlers." Gute Reise. Große Freiheit 36, Große Freiheit 36, Einlass 19 Uhr, 30 Euro

Aschenputtels Armreif: Gioachino Rossini nutzte das Märchen "Aschenputtel" als Vorlage für "La Cenerentola", eine der schönsten Belcanto-Opern. Das Libretto von Jacopo Ferretti ersetzt den Schuh durch einen Armreif – ob sich die bösen Stiefschwestern statt der Ferse einen Finger abschneiden? Staatsoper, Großes Haus, Dammtorstraße 28, 19.30 bis 22.40 Uhr, Tickets zwischen 6 und 97 Euro

Kinderhafen: Passt das riesige Schiff in das Trockendock? Und was ist eigentlich in den vielen Containerkisten? Derlei Mysterien erfahren Kids ab sechs Jahren bei der Tour "Wie geht denn das? – Der Hafen für Kinder". Bitte Mama oder Papa und HVV-Ticket mitbringen. Stattreisen Hamburg e. V., 14 Uhr, 8 Euro, Treffpunkt Fußgängerbrücke vor der U-Bahn-Station Landungsbrücken

Schnack

Neulich, auf einem Flug von Frankfurt nach Hamburg. Fluggäste, vor allem beanzugte und beaktentaschte Geschäftsleute, steigen gelangweilt zu. Ein etwa dreijähriges Mädchen ruft: "Der Pilot bitte vorne einsteigen!"

Gehört von Maria Zeitler

Meine Stadt

Ein Hauch von Ziviliation, gesehen in der Stellinger Schweiz in Lokstedt ©Foto: Jana Jerchel

Vielleicht ist Ihnen gestern auch aufgefallen, dass wir den "schweigenden Protest" für Syrien versehentlich auf Dienstag, den 17.10., datiert haben. Das ist in diesem Jahr unmöglich und somit natürlich Quatsch, der 18.10. wäre richtig gewesen. Bitte verzeihen Sie uns die Verwirrung, die Veranstaltung findet heute statt.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihre

Franziska Bulban

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.