Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern schrieb ich noch vollmundig, wir ließen den HSV links liegen (einige von Ihnen fanden das ganz schön gut), heute aber kommen wir nicht umhin, wieder von diesem zu berichten: Denn ein Hamburger Ehepaar, flüstert uns die "Bild"-Zeitung, hat sich für einen ungewöhnlichen Namen für seine Tochter entschieden: Das Mädchen wurde auf den Namen Luisa-Raute getauft. Und trägt – merken Sie was? – damit das Vereinsemblem des HSV im Vornamen. Ganz legitim; Raute, eine Kurzform vom althochdeutschen Rauthgunde, ist als Name bei den Standesämtern anerkannt.

Vielleicht also doch ein Zufall? Keinesfalls, schreibt die "Bild": Der Vater, ein begeisterter HSV-Fan, soll für sein Neugeborenes die Mitgliedschaft bei dem Klub noch von der Wochenbettstation aus beantragt haben. Im Mitgliedsausweis stehe der Name sogar umgekehrt: Raute-Luisa.

Gäbe es, nach all der negativen PR der letzten Tage, diese Nachricht von Hingabe an diesen Verein nicht, man müsste sie glatt erfinden, genau jetzt.

Drücken wir dem Vater die Daumen, dass seine Tochter wenigstens Fußball mag.

Schluss mit salafistischen Rekrutierungen

Mit einer Großrazzia überraschte die Polizei gestern Morgen die Salafistenszene in mehr als 60 deutschen Städten. Knapp 200 Wohnungen und Büros wurden bundesweit durchsucht, darunter auch die Al-Taqwa-Moschee in Harburg, zwei Wohnungen in Eidelstedt und eine in Dulsberg. Hintergrund ist der Kampf gegen die radikal-salafistische Vereinigung "Die wahre Religion". Wer viel in der Hamburger Innenstadt unterwegs ist, hat die Anhänger der Vereinigung sicher schon gesehen: meist bärtige Männer, die den Koran verteilten. Klingt harmlos, ist aber extrem (und) gefährlich: Laut Verfassungsschutz werden die bundesweiten "Lies!"-Verteilaktionen der Salafisten für die Rekrutierung gewaltbereiter Islamisten genutzt. 140 durch die Vereinigung radikalisierte Islamisten aus ganz Deutschland seien bereits in die Kampfgebiete ausgereist, darunter auch mehrere Dschihadisten aus Hamburg, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière gestern. Mit der frechen Anwerbung vor jedermanns Augen soll jetzt Schluss sein. Getreu dem Motto "Wehret den Anfängen" sprach de Maizière am Dienstagmorgen ein Verbot gegen die Vereinigung und deren Koran-Verteilaktion aus, das durch die Razzia in neun Bundesländern untermauert wurde. Unterlagen und Computer wurden beschlagnahmt, Festnahmen gab es in Hamburg keine. Innensenator Andy Grote nannte die Razzia einen "wirkungsvollen Schlag gegen die dschihadistische Szene", der "Rückenwind" für die harte Hamburger Linie gegen gewaltorientierte extremistische Fanatiker sei. Bereits seit Mai hatte die Stadt keine Salafisten-Stände mehr genehmigt. Das Verbot macht es nun möglich, dass jeder belangt werden kann, der sich für den Verein "Die wahre Religion" engagiert, an "Lies!"-Aktionen teilnimmt oder dessen Videos im Internet verbreitet.

Mauscheleien bei Transplantationen?

Sind die Anschuldigungen wahr, ist es ein Skandal. Am Universitätsklinikum in Eppendorf (UKE) und der LungenClinic Großhansdorf soll bei der Vergabe von Organspenden nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, sollen Patientenakten und damit die Reihenfolge der Organempfänger manipuliert worden sein. Es geht um Unregelmäßigkeiten in 14 Fällen, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das NDR-Magazin "Panorama 3" und das "Hamburger Abendblatt" berichteten bereits. Der Vorwurf: Der Bericht der Prüfkommission, bestehend aus Bundesärztekammer, Deutschen Krankenkassen und Deutscher Krankenhausgesellschaft, legt nahe, dass der Gesundheitszustand von Patienten in den Jahren 2010 bis 2012 drastischer eingestuft wurde, als er tatsächlich war, damit eine schnellere Organtransplantation möglich wurde. Für Veränderungen der Transplantations-Rangliste gebe es aber keine Anhaltspunkte, heißt es in einer Stellungnahme des UKE, die das "Abendblatt" zitiert. Seltsam allerdings, dass das UKE sich zu alledem ziemlich ruhig verhielt. Und: Das waren zwar Fälle aus der Vergangenheit – kann man aber eigentlich solche Manipulationen heute ausschließen? Sandra Wilsdorf von der Bundesärztekammer äußert sich uns gegenüber zurückhaltend: "Das müssen wir abwarten, aber man kann schon jetzt sagen: Durch die regelmäßigen Überprüfungen ist es sehr viel wahrscheinlicher geworden, dass Manipulationen entdeckt werden – das beweist ja auch die jetzige Diskussion." Bleibt zu hoffen, dass diese Wahrscheinlichkeit potenziellen Spendern genügt ...

Das harte Los der Bahn-Pendler

Schnee, Signalstörung, Kupplungsschaden – in den vergangenen Tagen hatten Zugfahrer rund um Hamburg nichts zu lachen. Wir haben mit unserem Kollegen Claas Tatje, Wirtschaftsredakteur der ZEIT und Pendler zwischen Hannover und Hamburg, gesprochen. Er hat seine Erfahrungen im Fahrtenbuch des Wahnsinns aufgeschrieben, einem Buch über die Ursachen und die mitunter leidvollen Auswirkungen der berufsbedingten Pendelei.

Elbvertiefung: Mit welchen Gefühlen blickst du derzeit morgens aus dem Fenster?

Claas Tatje: Ein Wetterumschwung ist für Bahnfahrer eigentlich tödlich. Da reicht schon eine Schneedecke von fünf Zentimetern, um den Bahnverkehr in Norddeutschland komplett zum Erliegen zu bringen.

EV: Liegt es denn immer am Wetter?

Tatje: Wir haben in unserem Bahn-Dossier beschrieben, dass die Frequenz der Züge in den vergangenen Jahren so stark gestiegen ist, dass jede Irritation wie beispielsweise eine Signalstörung oder ein Oberleitungsschaden zu großen Folgewirkungen führt.

EV: Was kann die Bahn denn fürs Wetter oder für technische Gebrechen?

Tatje: Was ich ihr vorwerfe, ist ihre Informationspolitik. Wenn ein Zug losfährt und unterwegs ist bekanntermaßen der Teufel los, muss doch schon klar sein, dass er niemals pünktlich ankommen wird. Wüsste ich das vor der Abfahrt über die App oder die Anzeigen im Bahnhof, würde ich vielleicht gar nicht in den Zug steigen, sondern von zu Hause aus arbeiten.

EV: Was macht man als Pendler, um ruhig zu bleiben? Yoga auf der Toilette? Den Flachmann mit Baldriantee zücken?

Tatje: Seit ich drei Kinder habe, geht es leichter. Da kann ich in der Bahn entspannen und habe Zeit für mich. Man wird mit der Zeit auch gelassener, weil man eh nichts machen kann.

Drittklässler kämpfen um Bleiberecht für ihre Freundin

"Fatemeh bleibt hier!!!" Diese Forderung mit drei Ausrufezeichen haben Winterhuder Drittklässler unterschrieben. Sie sehen nicht ein, dass ihre Freundin, die seit einem halben Jahr zur Klasse gehört, nach Afghanistan abgeschoben werden soll; mit einem Brief kämpfen sie um ihr Bleiberecht. ZEIT:Hamburg-Kollege Sebastian Kempkens hat die Klasse besucht und mit den Kindern über das große Vorhaben mit der kleinen Chance gesprochen. "Ich finde das so unfair, die Menschen denken bloß an sich, und Fatemeh braucht Hilfe. Die hilft allen, aber keiner hilft ihr", erklärt Mitschülerin Caprice, warum die Klasse sich für das Mädchen einsetzt und mit dem schriftlichen Appell sogar politisch aktiv wird. Und sowieso findet Ida: "Das schadet ja Hamburg auch nicht, wenn sie einfach hierbleibt. Hier ist doch genug Platz, schauen Sie mal da draußen. Fast alles leer." Auf welche Ideen die Kinder im Gespräch noch kommen und was das Schloss eines Vaters mit dem Verbleib von Fatemeh und ihrer Familie zu tun hat, lesen Sie auf den aktuellen Hamburg-Seiten, morgen am Kiosk oder heute Abend schon digital.

Geschenkebox für geflüchtete Kinder

Türmt sich im Zimmer Ihres Kindes auch das Spielzeug, weil sich über die Jahre etliches angesammelt hat, mit dem überhaupt nicht mehr gespielt wird? Dann ist die Aktion von Kids Welcome"Geschenke im Schuhkarton" vielleicht der richtige Anlass, um das Zeug loszuwerden – für einen guten Zweck. Kids Welcome sammelt wieder für die 3.000 geflüchteten Mädchen und Jungen in den Hamburger Erstaufnahme- und Folgeeinrichtungen. Das Prinzip: Man nehme einen Schuhkarton, befülle ihn mit Schul- und Bastelsachen, kleinen Spielzeugen, Winterkleidung und mehr, kennzeichne ihn mit "Kids Welcome", gebe an, für Kinder welchen Geschlechts und welcher Altersgruppe sich der Inhalt eignet und bringe ihn ab dem 20. November bis zum 10. Dezember zur Annahmestelle bei Hanseatic Help – aber erst, wenn man sich unter geschenke@kids-welcome.organgemeldet hat. In den Karton darf,was nicht unbedingt neu, aber doch neuwertig ist, intakt und nicht verderblich. Religiöse Symbole oder Angsteinflößendes, etwa Waffen, werden von den Helfern aussortiert. "Im vergangenen Jahr haben wir auch vieles wegschmeißen müssen, weil es zu gebraucht war", sagt Simone Will von Kids Welcome. Kleiner Tipp für Lehrer: Die Geschenkboxen kann man auch als Gruppe füllen.

Mittagstisch

Der Geschmack Venezuelas

Wie schmeckt eigentlich Venezuela? Eine Antwort darauf will das erst wenige Wochen alte Bistro Macaibo – The Taste of Venezuela in Altona geben. Kulinarisch kann es sich dabei aber nur um einen kleinen Ausschnitt handeln, denn das Angebot ist sehr überschaubar. Es besteht vor allem aus handgemachten gefüllten Maisfladen, Arepas genannt. Diese gibt es mit sechs verschiedenen Füllungen (3,80 bis 4,50 Euro), zum Beispiel mit Bohnen, Thunfisch, Avocado, Tomate, gezupftem Hühner- oder Rindfleisch. Dazu kommt oft noch Salat und geriebener Käse. Zwei Soßen werden dazu gereicht: eine Kräutermayonnaise (Salsa Tartara) und eine scharfe Chilisoße. Als Beilage hat man die Wahl zwischen Käsesticks im Teigmantel (3,90) und Yuca-Pommes (3,50). Da die Arepas gerade mal handflächengroß sind, empfiehlt es sich, zwei davon zu bestellen – oder das Mittagsangebot, bestehend aus der Tagessuppe und einem Arepa (6,90 Euro). Sollte dem Macaibo Erfolg beschieden sein – es ist das erste seiner Art in Hamburg –, dürfte es bald eng werden, denn gerade mal fünf Tische für je zwei Personen stehen zur Verfügung.

Macaibo; Holstenstraße 185, 11.30–21 Uhr

Thomas Worthmann

Was geht

Bunte Jazz-Farben: Wenn Pinguine auf Kirschblütenraketen treffen, stehen "Jaques Palminger und das 440 Hz Trio" auf der Bühne. Ihr Album "Spanky und seine Freunde" zaubert Jazz aus dem Wunderland für Erwachsene – Palminger tanzt darin lasziv durch das Paris der sechziger Jahre und segelt durch ein bittersüßes Schlagermeer. Fabrik, Barnerstraße 36, 21 Uhr

Streit der Bücher: Freunde des Literarischen Quartetts aufgepasst in der "Streit.Bar" diskutieren Wolfgang Knöbl, Sighard Neckel und Miriam Rürup mit wechselnden Gästen ab sofort aktuelle Bücher. Zum Auftakt geht es unter anderem um "Die ungleiche Welt" von Branko Milanović und Shumona Sinhas "Erschlagt die Armen". Nachtasyl im Thalia Theater, Alstertor, 20.30 Uhr (Einlass ab 20 Uhr), 7 Euro

Kreaturen der Nacht: Bei Gothic, mittelalterlichen Klängen und Industrial versammeln sich in der "Schwarzen Nacht" Liebhaber dunkler Musik. Dazu gibt es Grablichter und Met. Ist Halloween nicht schon vorbei? Kaiserkeller, Große Freiheit 36, 22 Uhr, Eintritt frei

Was bleibt

Socken sind out: Beim "30. Markt der Völker" entgehen Hamburger dem Weihnachtsstress und shoppen Geschenke aus aller Welt. Das Motto "Europa" glänzt mit kulinarischen Spezialitäten, Tänzen und Musik. Da könnte man Flüchtlingskrise und Brexit glatt vergessen. Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, Eröffnung heute 18–22 Uhr, ab morgen bis zum 20. November Do.–Sa. 10–22 Uhr, So. 10–18 Uhr

Schnack

Eine junge Mutter, Typ: unauffällig gesträhnt, teurer Mantel nachlässig über Jeans, und ihr etwa fünfjähriger Sohn in der Obst- und Gemüseabteilung des Supermarkts. "Guck mal, das magst du doch gerne, soll ich das kaufen?", fragt sie ihn. Darauf der Sohn: "Davon krieg ich Bauchweh." Und dezidiert ausführend: "Von Bio krieg ich immer Bauchweh!"

Gehört von Elisabeth Schlottau

Meine Stadt

Vespa-Fahrer sind die Coolsten © Foto: Kurt Vykruta

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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